VMware kauft Container-Startup Heptio – Überlebt sich die Virtuelle Maschine?

  • Open Source setzt Siegeszug in der Enterprise-IT fort
  • Kubernetes und Docker etablieren sich als Standard im Container-Umfeld, insbesondere für “Cloud-Native” Workloads sowie für die Anwendungsmodernisierung
  • VMware akquiriert Kubernetes-Startup Heptio und bietet nun ein durchgängiges Portfolio vom Netzwerk bis hin zum Container Management
  • Entscheider aus Development und IT-Betrieb sollten sich gemeinsam und intensiv mit den unterschiedlichen Varianten und Vendoren im Container- und Kubernetes-Umfeld auseinandersetzen

Open Source treibt momentan die gesamte IT-Welt an. Im Zuge der Digitalisierung implementieren zunehmend mehr Unternehmenslenker eine hybride IT-Strategie. Das Mittel der Wahl für einen homogenen Betrieb und eine einfache Nutzung für alle Anwender, ist es meistens eine Abstraktionsebene durch Container-Technologie bereitzustellen. Beim Thema Orchestrierung und dem Management der Container-Umgebungen wird dabei mit steigendem Interesse auf Kubernetes vertraut. Dies ist ebenfalls der Fall bei den großen Public-Cloud-Anbietern Alibaba, AWS, IBM, Microsoft und Google. Unlängst wurden die eigenen Orchestrierungsangebote auf den Hyperscalern zumindest um ein Kubernetes-Angebot erweitert.

Open Source dominiert

In der On-Premise Welt sind immer noch VMware und IBM sehr stark im deutschen Markt präsent. Doch wie kann man sich gegen den wachsenden Einfluss der Hyperscaler im On-Premise Umfeld wehren? IBM legte gerade erst mit einem 34 Millarden Dollar Deal vorMit RedHat und einem Urgestein im Enterprise-Linux-Umfeld sichert sich IBM aber auch den Zugriff auf die OpenShift-Plattform-Technologie und ebenso das Kubernetes und Container-Know-how der Open-Source-Spezialisten.

VMware legte nun auf der europäischen Ausgabe der VMworld nach. Das ebenfalls bereits über 10 Jahre alte Unternehmen verkündete die Übernahme des Kubernetes-Startups Heptio. Gegründet wurde Heptio von zwei initialen Kubernetes-Projektbeteiligten, Joe Beda und Craig McLuckie. Mit Heptio boten die beiden sowohl Beratungsdienstleistungen als auch eigene Produkte als Ergänzung für Unternehmenskunden rund um Kubernetes an. Doch warum kauft ein auf virtuelle Maschinen spezialisiertes Unternehmen nun ebenfalls Know-how und Tools im Open-Source-Umfeld ein? Fakt ist, die Bedeutung von Containern nimmt rapide zu und alles an Neuentwicklungen mittels Microservice-Architekturen geht direkt auf Container oder direkt in Serverless-Technologien. Das ist bereits ein ordentliches Pfund, doch hinzu kommt noch die Modernize–Traditional-Application (MTA)-Bewegung. Innerhalb dieser Bestrebungen in der IT geht es darum, bestehende klassische Anwendungsstacks von virtuellen Maschinen auf Container zu migrieren, um Kosten zu sparen und gegebenenfalls auch noch Performance und Flexibilität zu gewinnen. Damit ist es natürlich ein direkter Angriff auf den Kern von VMware. VMware selbst hatte in den letzten Jahren mit unterschiedlichen eigenen Produkten versucht diesem Trend wieder einzufangen und Kunden in das eigene Portfolio zu locken. Doch der Siegeszug von Kubernetes und Docker als die aktuellen Standard-Technologien ist momentan nicht zu bremsen. Damit hat VMware auch ein weiteren Stein im sich immer schneller konsolidierenden Kubernetes-Markt ins Rollen gebracht und sichert sich neben den Produkten vor allem auch wertvolles Know-how in diesem Bereich.

Was bedeutet dies für den Container-Markt?

Durch die Übernahmen von IBM und VMware sollte eines sicher sein: Alle großen Anbieter setzen nicht nur auf Container-Technologien als sichere Wette, sondern ebenfalls auf Kubernetes. Damit reiht sich dieser Kauf in die Liste der bisherigen Einkäufe u.a. von RedHat, NewRelic, IBM, Microsoft und Oracle ein. Doch was bedeutet dies für die Kunden bzw. IT-Anwender? Sicher ist, auch das eigene Unternehmen kommt wohl mittelfristig nicht mehr an Kubernetes vorbei.

Ob nun auf Anbieter- oder Dienstleistungsseite, Kubernetes wird zumindest als Option im Projektkontext immer fallen. Anwender müssen sich also mit dieser Technologie auseinandersetzen und die Vor- und Nachteile ebenso wie die Einsatzmöglichkeiten kennen. Aus Sicht der Workload-Portabilität seitens der Anbieter ist also Kubernetes im Zusammenspiel mit Docker-Containern der Standard im Markt. Anwender sollten allerdings trotzdem sehr genau untersuchen, ob nicht Alternativen im eigenen Vorhaben sinnvoller für die Orchestrierung und das Management von Containern sind. Ebenfalls sollte auch Docker noch einmal im eigenen Projektkontext evaluiert werden. Denn nur weil die großen Anbieter nun auf dieses Pferd setzen, muss es technologisch nicht zwangsläufig zum eigenen Projekt passen.

Was ist für Heptio und VMware drin?

Mit Beratungsdienstleistungen und Produktangeboten (eigene Kubernetes Distribution sowie Managed Services) in gleicher Weise hatte Heptio keinen klaren Fokus, adressiert aber genau die aktuellen Bedürfnisse im Markt. In Deutschland gibt es ebenfalls einige Spezialisten, die mit einem ähnlichen Ansatz unterwegs sind, wie u.a.

  • Giantswarm
  • Loodse
  • Teutostack
  • sowie die etablierten Managed Cloud Service Provider bzw. Managed Service Provider á la Claranet, Plusserver, Syseleven oder Nordcloud

Wer hier welche Stärken/Schwächen und Angebote bereit hält und im Kontext der neuen Container- und Kubernetes-Technologien wirkliche Expertise und Erfahrung hat, wurde von Crisp Research erst kürzlich in einer unabhängigen  Studie (“Crisp Vendor Universe - Cloud”) untersucht.

In Kombination mit dem Marktzugang von VMware sollte sich für Heptio ein idealer Nährboden für neue Kundenakquisen entwickeln. VMware muss dazu jedoch auch die Skalierung sowohl auf der Seite der Produktreife, als auch auf der Seite des Wissenstransfers hinbekommen. Auf der Produktseite muss also VMware die existierenden Produkte von Heptio sinnvoll in das eigene Angebot integrieren und auch eigene Angebote konsolidieren, um den Anwender nicht mit zu viel Auswahl zu verschrecken. Eine klare und schlanke, aber effiziente Ausrichtung und Marktansprache sind wichtig, um in dem komplexen Markt zu leuchten. Zusammenfassend kann man also festhalten, dass der Deal sehr sinnvoll aus Sicht von VMware ist, jedoch keine Garantie für den Erfolg bietet. VMware muss hier geschickt vorgehen, um die Bestandskunden inhaltlich abzuholen und neue Kunden, welche eher in der Cloud-native Welt unterwegs sind, mit einem ansprechenden Angebot abholen. Denn der Markt ist immer noch groß und der Kampf um jeden Kunden im Container-Umfeld wird hart geführt.

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Über den Autor:

Senior Analyst | AI & Data Practice Lead

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Björn BöttcherBjörn Böttcher ist Senior Analyst bei Crisp Research. Er leitet als “AI & Data Practice Lead” die Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Analytics, BI, datenbasierte Geschäftsmodelle und Künstliche Intelligenz. Als Gründer der ersten deutschen User Groups für Amazon AWS und Microsoft Azure zählt Björn Böttcher zu den Pionieren des Cloud Computing in Deutschland. Als Veranstalter der ersten deutschen Cloud-Konferenzen und Lehrbeauftragter für Informatik und Computational Web in der Parallel Computing Group der TU Hamburg hat er wesentliche Beiträge zur Entwicklung der Cloud-Community geleistet. Björn Böttcher verfügt über 10 Jahre Berufserfahrung in der IT-Industrie in der Rolle des Software-Architekten und des IT-Strategieberaters. Zuletzt arbeitete er am Deloitte Analytics Institute und verantwortete dort die Entwicklung und Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle für Unternehmen aus der Finanz-, Automotive- und Logistik-Branche. Björn Böttcher hat einen Abschluss als Dipl.-Informatikingenieur der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Er hat als Autor eine Vielzahl von Fachbeiträgen publiziert und trägt als Key Note-Speaker und Experte aktiv zu den Debatten um neuen Markttrends, Standards und Technologien bei.