Viele Wege führen in die Cloud – Entscheidungswege für die Cloud-Migration

  • Managed Cloud Provider werden bei der Entwicklung und Umsetzung von Cloud-Strategien mehr und mehr der zentrale Partner für Unternehmen und bringen mit ihrer Expertise wichtige Hilfestellungen bei der Cloud-Orchestrierung.
  • Managed Cloud Provider, sowie Cloud-Anbieter bauen weiterhin ihre Ökosysteme aus. So kümmert sich der Provider um den Betrieb sowie um die Migration von Applikationen und der Public-Cloud-Anbieter maßgeblich um die Bereitstellung der Infrastruktur-Ressourcen. Unternehmen profitieren somit von dem Besten aus zwei Welten.
  • Die deutschen Unternehmen konzentrieren sich heute vornehmlich auf die Migration und Modernisierung ihrer Anwendungslandschaft in Richtung Public Cloud, sowie der Entwicklung neuer “Cloud-native” Workloads. Für die Migration lassen sich drei Wege (Lift & Shift, Modernization, Build New) unterscheiden.
  • Das Aufgabenfeld für Unternehmen wird zunehmend größer, so müssen Unternehmensentscheider die Herausforderungen der neuen Plattformen, Automation, Orchestrierung, Hybrid Cloud Management, DevOps, Anwendungsmodernisierung und Stabilität auf ihrer Liste haben.

Heutzutage stellt sich nicht mehr die Frage, ob Unternehmen Cloud Computing für ihre Anwendungen nutzen sollten, sondern wie Public Cloud Computing zum Erfolgsfaktor in deutschen Unternehmen wird. Dabei spielt vor allem  die Migrations-Strategie und der Weg in die Public Cloud eine ganz zentrale Rolle. Um die Frage nach dem “Wie” zu beantworten, hilft es sich die Entwicklung der Public Cloud sowie die des Marktes, der Anbieter und Anwender anzuschauen.

Historisch betrachtet, fand die Cloud vornehmlich zahlreichen Zuspruch unter Entwicklern, die die Public Cloud für Development und Test-Workloads nutzten. Nur spärlich traf Public Cloud Computing auf Anklang innerhalb der Unternehmen, dementsprechend bot die Public Cloud nur sehr zögerlich eine Basis für Enterprise-Applikationen. Eine Dekade später ist die Public Cloud strategisch unabdingbar und bietet eine echte Infrastruktur-Alternative. Die Unternehmen haben es verstanden, sich die Public Cloud als Betriebsgrundlage für ihre Business-kritischen Workloads zu eigen zu machen.  Zu diesen Workloads gehören in einer digitalen Welt maßgeblich auch “Cloud-native” Anwendungen, die innerhalb der Cloud entwickelt und betrieben werden und eine hohe Agilität und Flexibilität benötigen.

Die Verlagerung und Transformation von klassischen Enterprise-Workloads und Unternehmensprozessen auf die Cloud-Plattformen, sowie die Nutzung von Technologien à la Machine Learning, AI und IoT treiben die Nachfrage nach Public Cloud Computing in einer digitalen Welt voran - dies zeigen auch die Ausgaben der Unternehmen im Kontext von Public Cloud Computing. Crisp Research geht daher in aktuellen Prognosen von einem starken Wachstum der Public-Cloud-Ausgaben von derzeit 49,4  Mrd. USD auf rund 83,2 Mrd. USD im Jahr 2020 aus.

1+1=3 - Ökosystem und Kooperationen der Anbieter & Provider als wichtiger Impact für die Unternehmen

Auch der Markt der Public-Cloud-Anbieter im Zusammenspiel mit dem der Managed Public Cloud Provider spielt bei der Entwicklung der Public Cloud eine wichtige Rolle und ist hinsichtlich der Migration essentiell. So ist die Rollenverteilung zwischen Anbieter und Service Provider ein Grund dafür, dass die Cloud zur Selbstverständlichkeit in den Unternehmen gereift ist.  Dabei kümmert sich der Managed Cloud Provider um den Betrieb sowie um die Migration von Applikationen und der Public Cloud-Anbieter maßgeblich um die Bereitstellung der Infrastruktur-Ressourcen. Denn um den Anforderungen der Unternehmen gerecht zu werden (individuelle Vorgehensmodelle und gleichzeitige Flexibilität von Standard-Angeboten), benötigt es auf der einen Seite die Flexibilität und die Agilität von Seiten des Anbieters sowie Implementierung und nachhaltige Unterstützung beim Betrieb auf Seiten der Provider.

Lassen Anbieter und Provider zusammen die Muskeln spielen, profitieren Unternehmen aus einem starken Ökosystem für ihre eigene Cloud-Transformation. Anhand der Kooperation von DXC Technology und AWS, die mit dem gemeinsamen Programm “DXC-AWS Integrated Practice Services wie IT-Migration, Transformation von Anwendungen und Geschäftslogiken liefern, lässt sich dieser Einfluss gut verdeutlichen. Die Unternehmen sind damit in der Lage, sich schneller an die digitale Transformation und die dynamischen Marktveränderungen anzupassen. Die Kooperation konzentriert sich darauf, eine reibungslose Migration der bestehenden IT-Umgebungen und Anwendungen in die Cloud zu ermöglichen. Auch kommen große AWS-Consultingpartner (z.B. AllCloud, Nordcloud) in diesem Kontext als Migrations-Partner in Frage. Zudem ist im Zuge der Cloud-Migration viel Bewegung von etablierten Systemhäusern zu sehen, die sich in die Richtung Managed Cloud Services entwickeln müssen, um ihre bisherigen Kunden auch beim Weg in die Cloud begleiten zu können. Jedoch sollten Unternehmen berücksichtigen, dass nicht jeder Dienstleister für sie in Frage kommt, da jeder Managed Cloud Provider seinen eigenen Schwerpunkt hat.

Vorgehensmodelle zur Migration von Enterprise Workloads

Die Mehrheit der Unternehmen plant einen signifikanten Teil der Infrastruktur-Applikationslandschaft in die Public Cloud umzuziehen. Jedoch gibt es weder heutzutage bzw. wird es zukünftig einen definierten “Masterplan” für die Cloud-Migration geben. Viele unterschiedliche Faktoren machen jede einzelne Cloud-Architektur zu einem Unikat. Mit einer dedizierten und strukturierten Cloud-Strategie, einem richtigen Dienstleister und einem gewissen Vorgehensmodell, lassen sich aber zumindest Parameter setzen, die als zentrale Stützen bei der eigenen Cloud-Migration für Orientierung sorgen können.

Dabei ist zwischen folgenden Vorgehensmodellen zu unterscheiden:

“Lift & Shift”:

Mit Hilfe verfügbarer Migration-Tools können Unternehmen die Migration und den Betrieb bestehender Business-Anwendungen weitgehend automatisiert von einem lokalen Hypervisor in eine Public-Cloud-Umgebung vollziehen. Dabei werden fast keine Änderungsmaßnahmen an den Applikationen vorgenommen. Es wird sich vornehmlich auf das Erzielen von “Quick Wins” konzentriert, da sämtliche Anwendungen wieder schnell zum Laufen kommen.

Bei dem Lift & Shift Ansatz muss der Provider bestimmte Aufgaben erfüllen und ist ein zentraler Begleiter bei der Migration in die Cloud.  Eine Aufgabe ist unter anderem, mittels modernen Tools virtuelle on-premise Maschinen live in die Cloud zu schieben. Die Daten werden bei laufendem Betrieb im Hintergrund synchronisiert, so dass die Umschaltung anschließend ohne Unterbrechung erfolgen kann. Zudem sorgt der Provider dafür, dass alle Schnittstellen nach der Migration angesprochen werden können. Auch ist der Provider für Monitoring & Co. zuständig, damit die Migration in die Cloud ohne Vorkommnisse gelingt. Die größte Herausforderung liegt hierbei darin zu prüfen, ob die jeweiligen Anwendungen und Workloads mitsamt ihrer Schnittstellen für den Betrieb in der Public Cloud geeignet sind.

“Modernization”:

Bei dem Ansatz der “Modernization” können Unternehmen die Transformation und die Modernisierung bestehender Lösungen für einen Betrieb in der Public Cloud vornehmen. Dabei bleibt die Architektur im Kern bestehen, jedoch werden Optimierungsmaßnahmen vorgenommen, beispielsweise um veraltete Komponenten abzulösen oder neue Tools für das Management und den Betrieb einzuführen.

Bei der Modernisierung der Anwendungen müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Ein Stück weit werden dabei einige Schritte des Lift & Shift Ansatzes vollzogen und abgeglichen (Migrations-Tool). Zuvor wird jedoch ein gewisses Modernisierungs-Potential auserkoren und das Re-Design der Teilbereiche geplant und umgesetzt.

Die Provider bringen in diesem Kontext die Expertise mit, um diese Herausforderungen zu meistern. Die Erfahrung aus vergangenen Projekten und innerhalb der Cloud-Architekturen hilft dabei, den Unternehmen die richtigen Vorgaben im Hinblick auf die veränderlichen Komponenten und die Vorgehensweise zu geben. Gleichzeitig können die Cloud-Architekten in enger Abstimmung mit den Unternehmensverantwortlichen die Komponenten “re-designen”.

“Build new”:

Im Zuge des “Build New”-Ansatzes werden bestehende Anwendungen zu Cloud-native Anwendungen. Mithilfe von agilen Methoden und Architektur-Konzepten (Microservices, DevOps, Container) werden die Lösungen auf neue Weise den bestehenden nachempfunden und somit in der Public Cloud entwickelt und betrieben. Dieses "Re-Architecture"-Prinzip wird typischerweise mit Cloud-nativen Funktionen umgesetzt.

Maßgeblich wird dieser Ansatz durch starke Anforderung, wie Skalierung oder Leistung geprägt, die in der vorhandenen Umgebung der Anwendung schwer zu erreichen wären.

Dabei unterstützen Managed Public Cloud Provider bei der Entwicklung und Umsetzung der Cloud-native Applikationen und strukturieren eine Vielzahl von Microservices zu Cloud-native Stacks.

Die Public Cloud als Basis-Konstrukt für den zukünftigen Betrieb - Verteilung 2018-2015

Die Public Cloud bildet immer mehr die Grundlage für bestehende sowie innovative Workloads. Während in den letzten Jahren hauptsächlich Web-Workloads und digitale Pilotprojekte in der Cloud betrieben wurden, stehen in den nächsten Jahren maßgeblich Business-Applikationen im Fokus. So werden zukünftig hauptsächlich ERP, Analytics, BPM und Digital Workplace in der Public Cloud betrieben. Auch Big Data war lange ein Thema, was innerhalb der Unternehmen auf Legacy-Infrastrukturen selbst betrieben wurde, was sich jedoch nicht richtig durchgesetzt hat. Weiterhin wird auch das Thema Machine Learning & Artificial Intelligence durch die Public Cloud immer mehr zum Innovationsthema für Unternehmen. Demnach zeichnet sich ein Bild ab, welches zeigt, dass zukünftig immer mehr Workloads innerhalb der Public Cloud und nicht mehr On-Premise betrieben werden. Umso wichtiger, dass die Unternehmen Ihre Aktivitäten in diese Richtung verstärken.

Von neuen Plattformen zu hybriden/multiplen Cloud-Szenarien - Das Call to Action Feld für Unternehmen ist enorm

Fest steht, im Kontext von Cloud Computing gibt es noch viel zu tun. Die IT-Landschaft verändert sich fast tagtäglich, dies bedeutet auch dass sich Unternehmen mit ...

  • ...neuen Plattformen,
  • ...neuen Vendoren,
  • ...neuen Service Providern,
  • …und Hybrid/ Multi Cloud Szenarien

...auseinandersetzen müssen. Es zeigt sich, dass die Entscheider sich diesen Herausforderungen annehmen und die Orchestrierung ihrer digitalen Infrastruktur-Plattform vorantreiben. Dabei ist es vor allem essentiell, dass zukünftig das  Zusammenspiel aus den eigenen IT-Reihen mit den Managed Cloud Providern in der Realität funktioniert.

Ebenso werden sich auch die Provider- & Anbieter-Landschaften weiterhin verändern. Denn maßgeblich werden die Unternehmen zukünftig auf eine Multi-Cloud Strategie setzen. Dies bedeutet zum einen, dass viele Anbieter und Provider, die nicht mit der Zeit gehen und ihre Charakteristiken nicht auf Innovationen vorbereiten, am Markt konsolidiert werden, aber auch, dass neue Akteure ins Spiel kommen.

Auch kommen heutzutage erst die ersten Unternehmen in einer Hybrid und Multi Cloud-Welt an und haben bei weitem noch nicht alle Herausforderungen, die in diesem Kontext Einzug erhalten, durchblickt. An dieser Stelle wird zunehmend das Zusammenspiel mit den Dienstleistern, als Experten und Umsetzer zu Rate gezogen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nicht alle Workloads letzten Endes in der Public Cloud betrieben werden. Dennoch wird dieses Deployment eine wichtige Grundlage für den zukünftigen, Enterprise-kritischen IT-Betrieb werden, sodass sich Entscheider mit Migrations-Strategien und den zukünftigen Providern & Dienstleistern auseinandersetzen sollten.   

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Über den Autor:

Analyst

Jan MentelJan Mentel ist als Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research tätig. Inhaltliche Schwerpunkte sind Cloud-Computing, Mobility Solutions und Internet of Things mit besonderem Fokus auf Datenschutz, Compliance und Implikation der EU-Datenschutzgrundverordnung. Weiterhin unterstützt er im Rahmen des Researchs sowie individueller Kundenprojekte bei der Recherche und Beratungsarbeit. Jan Mentel studierte Wirtschaftsrecht an der Universität Kassel.