SteamOS – Das vierte Rad am Wagen!?

Seit längerer Zeit scheinen die Machtverhältnisse am Spiele-Konsolenmarkt klar definiert zu sein. Sonys Playstation, Nintendos Wii und Microsofts Xbox bilden ein Oligopol und versuchen diesen Markt langfristig möglichst nur unter sich aufzuteilen. Besonders brisant ist aber insbesondere der Kampf zwischen Playstation und Xbox, die sich dieselbe Zielgruppe teilen und somit vor einer Löwenaufgabe stehen, neue Marktanteile für sich zu gewinnen. Dabei spielt vor allem die Gunst der Spiele-Entwickler eine große Rolle. So hat häufig nicht nur die technologisch um Nuancen ausgereiftere Konsole die Nase vorn, sondern vor allem diejenige, die die begehrtesten Spiele zur richtigen Zeit spielbar macht.

 Der Konsolen-Markt bis heute

Die aktuellen Marktanteile beweisen, dass Sony und Microsoft den Konsolenmarkt fest in der Hand halten. Der anfängliche Hype um die Wii von Nintendo hat sich etwas gelegt. Die familienfreundlichste Konsole musste sich der Übermacht von Playstation und Xbox tatsächlich schnell wieder beugen. Zwischen den beiden Herstellern wird es Ende des Jahres möglicherweise gewisse Neu-Verteilungen geben, haben doch beide ihre neuen Geräte Mitte des Jahres präsentiert.

Doch still und heimlich hat im Schatten dieser heiß diskutierten Vorstellungen ein neuer Konkurrent seinen Eroberungsplan entwickelt. Die Software-Entwickler von Valve, die hinter der Spiele-Plattform Steam stehen, wollen zeitnah ein eigenes Linux-Betriebssystem veröffentlichen, welches das Spiele-Erlebnis von Computer und Konsole vereint und neu interpretiert.

Steam selbst ist eine Software für PC oder Mac, welche über einen immensen Anhängerkreis innerhalb der Spiele-Szene verfügt. Die Plattform wird genutzt, um Spiele auf dem PC vorwiegend in Online-Räumen zu teilen und gemeinsam zu spielen.

Nun geht Valve mit SteamOS einen Schritt weiter. Eine Grundlage zum Spielen der wichtigsten Spiele soll es weiterhin geben, nun aber autonom auf der eigenen Betriebsoberfläche betrieben. Der Plan dahinter ist es, nun endlich flächendeckend Spiele auf Linux-Basis durchzusetzen und langfristig auf eine Konsolenlandschaft zu transportieren. Der Anwender vereint somit alle digitalen Abläufe und das Spielerlebnis auf PC und Fernseher.

Doch welches Durchsetzungsvermögen besitzt SteamOS und welche Implikationen hat das auf den gesamten Markt?

Zweifelsfrei ist SteamOS eine Kampfansage, die sich vor allem an Microsoft richtet. Trotz einer langjährigen Co-Existenz scheint Valve das Wagnis einzugehen, sich selbstständig in gleich mehreren Weltmärkten zu behaupten.

Besonders Microsoft sah sich in diesem Jahr starker Kritik gegenüber. Nicht nur die einbrechenden Zahlen im PC-Spiele-Markt setzen sie gewaltig unter Druck. Nach dem Release der Xbox One erhoben einige Kritiker, auch aus der Entwickler-Szene, ihre Stimme und bemängelten vor allem die Online-Richtlinien und den Preis der neuen Konsole. Unter diesen Umständen ist ein neuer Konkurrent mit SteamOS für viele Anwender und Entwickler ein erfreulicher Schritt.

Eine Anhängerschaft, die schon immer die Brücke zwischen dem klassischen PC-Gaming und dem Konsolenerlebnis gesucht hat, wird mit diesem neuen „hybriden“ Betriebssystem sicherlich schnell gefunden sein. Abgesehen davon ist Valve sicherlich kein Quereinsteiger im Spiele-Umfeld, sondern tritt aus einer soliden Erfahrungsgrundlage – dank Steam – in Erscheinung.

Doch macht es wirklich Sinn, sich in einen Markt drängen zu wollen, der von zwei übermächtigen Gegnern beherrscht wird?

Der Zeitpunkt, mitten im Produkt-Release der großen Konkurrenten den neuen Mitbewerber ins Rennen zu schicken, ist zusätzlich nicht optimal gewählt, da die Playstation 4 und Xbox One aktuell fast alle Marketingkanäle ausschöpfen, die es zu besetzen gibt.

Dennoch betrachten wir zwei Szenarien, die die Entwicklung des Konsolenmarktes zukünftig beschreiben könnten:

Zwei Szenarien für den Konsolenmarkt für morgen

Sollte SteamOS tatsächlich die Gunst der Anwender und vor allem der Spieleentwickler gewinnen, eröffnet sich dem Unternehmen ein Milliardenmarkt. Sollte dieser Fall eintreten, wird Valve sicherlich bis Ende 2014 eine entsprechende Konsole auf den Markt bringen.

Sollte es Sony und Microsoft abermals gelingen, sich gegen den durchstartenden Konkurrenten durchzusetzen, bleibt SteamOS maximal ein Geheimtipp für den Profi auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Die Wii wird in beiden Szenarien wenig beeinflusst, so hat doch die Wii eine ganz eigene Zielgruppe in einem ganz eigenen Spiele-Universum. Es ist nicht zu erwarten, dass sich das System grundlegend verändern wird, sodass auch die Marktanteile bei etwas unter 20% stagnieren werden.

Insgesamt ist der Versuch von Valve mit SteamOS in den Konsolenmarkt einzutreten sicherlich gewagt, aber diesem Markt kann eigentlich nichts Besseres passieren, Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Ob dieser Versuch gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. So ist aber vor allem die richtige Markteintrittsstrategie und eine gute Mischung aus Betriebssystem und Spiele-Paradies entscheidend.

Nach den großen Ankündigen ist es nun aber zunächst an Valve, den Versprechungen auch Taten folgen zu lassen, an denen man sie dann auch wirklich messen kann. Denn von Ankündigungen ist noch kein Oligopol aufgebrochen.

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Über den Autor:

Senior Analyst & Cloud Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.

Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG. Maximilian Hille studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.

Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Platforms, Cloud Architecture Design, Hybrid & Multi Cloud Computing, Cloud-Native Architectures, Digital Workplace, Collaboration, Enterprise Mobility und Mobile Business. Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.