Software AG wird mit Cumulocity zu einer IoT Plattform Option

Die Software AG ist seit Jahrzehnten im Enterprise Middleware- und Software Plattform-Business. Dabei verfolgt der Deutsche Hersteller eine gute Balance zwischen der Weiterentwicklung des bestehenden Portfolios und Akquisen. Anlässlich der jüngsten Akquise, der IoT Toolsuite Cumulocity sprach Crisp Research letzte Woche ausführlich mit dem Software AG CTO, Wolfram Jost. Die Zukäufe der letzten Jahre konzentrieren sich auf Softwareprodukte, nicht hauptsächlich auf ein mögliches Services Business. Außerdem brachten die meisten Akquisen der letzten zehn Jahre jeweils eine neue Qualität ins Unternehmen. So wurde durch Webmethods der amerikanische Middleware Markt zugänglich oder durch Terracotta das Verständnis für eine Open Source Community ins Unternehmen gebracht.

Die jüngste Akquise, Cumulocity, bringt nicht nur bisher fehlende Funktionalität für das Internet der Dinge (IoT), sondern die wichtige Erfahrung einer Multi-Tenant Cloud-Plattform ins Unternehmen. Bevor wir jedoch auf die Herausforderungen in der Software AG Plattform-Strategie eingehen, werfen wir einen Blick auf Cumulocity:

 

Quelle: Cumulocity.com

Cumulocity bringt die letzte Meile des IoT Stacks

Cumulocity hat bereits 2010 in Kalifornien begonnen, IoT-Szenarien zu bearbeiten und ging ursprünglich aus der Nokia Siemens Networks hervor. Die Software Lösung konzentriert sich auf die letzte Meile zu Embedded Devices, Sensoren und Controllern. Mehr als 2.500 Entwickler haben sich im Cumulocity Developer Programm registriert und nutzen die Software hauptsächlich für Device Management & Connectivity. Damit stellt Cumulocity eine ideale Ergänzung der Server- oder Cloud-basierten Integrations-Produkte der Software AG dar, die Komponenten von Cumulocity seit einiger Zeit schon als OEM-Bestandteil ihrer Lösungen anbietet.

  • IoT Device Management analog zu Mobile Devices. Welcher Sensor ist in welchem Raum, an welchem Fahrzeug oder gehört zu welcher Person? Analog zum Mobile Device Management ist die Aufgabe für IoT Assets nicht weniger komplex, da diese kleinen Geräte teilweise nicht einfach zu erreichen sind. Die Funktion hat im Software AG Portfolio vollkommen gefehlt.
  • Real-Time Analytics und Plug-ins/Apps fokussiert auf IoT Daten. Daten von Sensoren oder SCADA[1] Systemen verändern sich in Echtzeit und müssen auch anders dargestellt werden als übliche Business-Kennzahlen. Dennoch muss die Software AG die Analytics Funktionen von Cumulocity mit den bestehenden APAMA und MashZone Produkten zusammenfahren um eine einheitliche Experience für Anwender und Entwickler und einen kleinen Footprint der Gesamtlösung zu erreichen.
  • Security und Data-Privacy ist ein großes Asset für die Software AG. Natürlich ist die traditionelle Middleware der Software AG auch “sicher”. Aber Cumulocity bringt die multi-tenant Erfahrung aus dem Telco/Carrier-Business ins Unternehmen, die auch Systeme in der Cloud mit der notwendigen Privatsphäre versehen.
  • Integration konnte die Software AG schon, aber noch nicht “on-the-edge”. Cumulocity bringt Integration und lokale Datenaggregation auf kleine embedded devices, für die die bestehenden Software AG Integrations-Produkte viel zu groß sind. Edge Computing ist essentiell für eine ernst zu nehmende IoT-Plattform.
  • Device Connectivity und Normalisierung ist ein Ecosystem-Play. Cumulocity ermöglicht durch die Integration von vielen Device-Partnern und Low-Level-Protokollen, inklusive Firmware-Management, einen schnellen Erfolg für IoT-Programmierer. Die Normalisierung ähnlicher Daten im IoT Bereich abstrahiert die Vielfalt der einzelnen Devices. Eine ähnliche Normalisierung bieten zwar auch Hersteller wie Elastic.io oder CloudElements.com für Business Daten an, aber der Ansatz ist neu für das Software AG Portfolio.

[1] Industrielle Steuerungssysteme werden oft als Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA) bezeichnet.

All diese Funktionalität bietet Cumulocity als Platform as a Service (PaaS) Dienst an. Wenn man diesen Ansatz der IoT PaaS auch auf die Enterprise Integrations- und Business Process Management Middleware überträgt, könnte - so die Vision von Wolfram Jost - eine sehr vollständige PaaS Plattform entstehen:

Quelle: Crisp Research AG

Auch wenn dies eine technisch umfangreiche Plattform darstellen wird, sollten Anwender in den nächsten Monate sehr kritisch verfolgen, wie die Software AG mit den Herausforderungen umgeht, die über den Erfolg und damit auch die Stabilität der Software AG Cloud entscheiden:

  • Go-To-Market und Partnerschaften mit IaaS Providern treiben den Marktanteil. Die großen IaaS Anbieter wie AWS und Azure bieten inzwischen ihre eigenen iPaaS oder IoT-PaaS Services auf ihrer Infrastruktur. Nicht aber die Telcos, die viel weniger Software in ihrer DNA haben. Insbesondere der Cloud Management Stack, Openstack, spielt eine wichtige Rolle bei den IaaS Angeboten der lokalen Telcos. Die Software AG selbst ist ja kein IaaS Anbieter und muss deshalb eng mit diesen IaaS Providern partnern, die nicht selbst im PaaS Business aktiv sind. Unter dem Aspekt ist die jüngste Partnerschaft der Software AG mit dem führenden Openstack Contributor Huawei ein guter Zug, der hoffentlich bald zum Beispiel in der deutschen Huawei-basierten Open Telekom Cloud sichtbar wird.
  • Integration der PaaS Komponenten bringt Produktivität. User- und Meta-Daten, Micro-Service Definitionen und viele andere Dinge müssen konsistent über alle Teile der PaaS Landschaft sein. Nur das kann Entwickler überzeugen, die einzelnen Komponenten nicht á la carte bei einem der großen IaaS & PaaS Player zu subscriben.
  • Subscription, Provisioning, Billing sind noch lange nicht einheitlich. Die kommerzielle Seite einer PaaS ist auch nicht zu unterschätzen. Nur wenn das Billing auch einer elastischen Provisionierung im Stundentakt hinterher kommt, sind die Plattform Dienste konkurrenzfähig. Auch hier können die Telco-IaaS Partner mit ihren App-Stores und Billing Engines helfen.
  • Business Model Innovation rund um IoT hilft dem Sales der Software AG. Design Thinking und Innovations-Workshops bringen die meisten Software AG Kunden erst auf die neuen IoT Business Modelle und Use Cases. Die Software AG muss das Potential aktiv wecken und kann sich nicht auf den kalkulierbaren Bedarf verlassen, den es in der klassischen Middleware gibt. Hier sind zukünftig neue Formate und Beratungs-Expertise gefragt.
  • Globales Wachstum der Software AG bleibt kritisch. Die ganze Software AG ist mit einem 2016er Umsatz von 872 Millionen Euro der kleinste unter den global agierenden PaaS-Anbietern mit einem IoT Offering wie Microsoft, Amazon Web Services, IBM, Salesforce.com, SAP und Google[2]. Nur 263 Millionen Euro entfielen auf Lizenzen und 412 Millionen auf Maintenance, während Cloud Subscriptions nicht explizit reported wurden. Nur wenn die Software AG es schafft, ihre Cloud oder ihren Technologie-Stack auf den erfolgreichen IaaS-Clouds zum Wachstumsmotor zu entwickeln, kann man als Software AG Kunde sicher sein, daß der Marktanteil und damit auch die Investitions- und Innovationsfähigkeit erhalten bleiben.

Crisp Research wird die Software AG mit Cumulocity auch für den geplanten Produktvergleich, Crisp Vendor Universe IoT Plattformen, in Betracht ziehen.

[2] Reihenfolge der Hersteller entsprechen dem Crisp Research IoT Backend Vendor Universe 2016.

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Über den Autor:

Principal Analyst & IoT Practice Lead

Stefan RiedDr. Stefan Ried – IoT Practice Lead, Principal Analyst – is responsible for the research and consulting activities covering IoT and modern platform architectures. Stefan Ried worked previously at Unify, a global communications and collaboration vendor as CTO. Graduated in Physics with an PhD at the Max Planck Institute, Germany, Stefan brings 20 years of experience in senior positions in software development, product management and marketing from international vendors to Crisp Research. His experience includes two software startups and major players including SAP and Software AG. Over 7 years at Forrester Research, Stefan lead the cloud platform research globally as a Vice President.