re:Invent 2017 – AWS muss weiter Tempo machen – Der Kampf um die Marktanteile wird härter

  • Mit vielen neuen Diensten im Bereich der Datenverarbeitung wartet AWS auf der re:Invent 2017 auf
  • Im IoT-Umfeld versucht AWS die wichtigsten Marktsegmente zu besetzen und so Kunden zu gewinnen
  • Unternehmen sollten bei der Auswahl der Cloud-Dienste genau prüfen, welche für den gewünschten Einsatzzweck sinnvoll sind und welche nicht
  • Vom IoT-Betriebssystem über Container bis hin zur IDE im Webbrowser - AWS erweitert das Portfolio und die Komplexität für den Kunden

Ein neues Jahr und eine neue AWS re:Invent in Las Vegas. Mit rund 43.000 Teilnehmern erhöhte AWS noch einmal deutlich die Teilnehmerzahl vom letzten Jahr. Die Bedeutung und der Hype um die AWS Dienste scheint ungebrochen und es gab wieder einige Neuerungen, die auf dem wichtigsten AWS Event des Jahres verkündet worden sind.

Schwerpunkt: Compute

Überraschenderweise lag der Schwerpunkt dieser re:Invent nicht im Bereich IoT oder Machine Learning. Und auch nicht Virtual und Augmented Reality waren die Highlights. Es war vielmehr das Thema Datenverarbeitung: also neue Compute-Dienste. Überraschung! Wie die kurze Analyse der Liste der offiziellen neuen Ankündigungen ergab,

übertrafen die Ankündigungen die anderen Bereiche bei weitem. Doch worum ging es im Einzelnen? Man könnte die Themen wie folgt zusammenfassen:

  • Hardware ist zurück (Bare Metal, H5, M5, T2 unlimited)
  • Virtualisierung ist der König (Hyper-V zu AWS Migration,Fargate)
  • Serverless ist Trend
  • Tools und Vorlagen für Dummies
  • Container: Ok, Ok wir bieten auch K8s (Kubernetes) an
  • Spot-Instanzen: Nutzer gesucht!

Diese Auflistung zeigt sehr deutlich, dass der Kampf im Cloud-Markt nicht so eindeutig entschieden ist, wie es anhand der Marktzahlen scheint.

AWS ist zwar immer noch der Vorreiter in Sachen Public Cloud. Doch nachdem schon der Hybrid-Trend verschlafen wurde, ist nun der Kampf um die Multi-Cloud Kundschaft voll im Gange. Diese benötigt für eine sinnvolle Abstraktion einen Layer und Tools für die Orchestrierung und das Management, die möglichst einheitlich sind. Dazu haben sich Container als das Mittel der Wahl etabliert und sind immer weiter auf dem Vormarsch. Nachdem AWS hier eine Sonderstellung unter den Cloud-Anbietern einnahm, musste sich der Riese nun auch dem Druck hingeben und bietet nun auch mit Amazon ECS for Kubernetes (EKS) demnächst einen eigenen Kubernetes Dienst an - Punkt für Google! Damit hat der Siegeszug von Kubernetes endgültig seinen Zenit erreicht und ist damit klar auf dem Weg zum Standard. Um nicht ganz von den bisherigen eigenen Angeboten abzuweichen, kündigte AWS noch den neuen Dienst AWS Fargate an. Dieser ersetzt virtuelle Maschinen durch Container und ermöglicht so eine einfache Nutzung von Containern und eine Abrechnung im VM-Modus. Für Unternehmen wird sich zeigen, ob diese Nutzung sinnvoll ist, da die Gebühren deutlich höher sind, als die von virtuellen Maschinen. Daher sollte der Einsatz in der Anwendungsarchitektur sehr genau geprüft werden.

Mit einigen dieser Neuerungen, gerade im Container-Umfeld, zieht AWS mit der Konkurrenz nun gleich. Hingegen ist ein etwas unscheinbares Feature doch sehr hilfreich für Unternehmen und lässt zudem eine nicht so hohe Auslastung von AWS Maschinen vermuten: die neue Ruhezustandsfunktion von Spot-Instanzen. Amazon EC2 Spot kann nun auf Amazon EBS beruhende Instanzen im Falle einer Unterbrechung in den Ruhezustand versetzen. Dieser kann dann wieder aufgehoben werden, sobald der Preis wieder dem gewünschten entspricht und die Kapazitäten verfügbar sind. Mit diesem Feature ist es möglich ein breiteres Spektrum an Anwendungen auf Spot-Instanzen zu betreiben als bisher. Denn die Maschinen waren zuvor einfach weg und der Arbeitsfortschritt damit verloren. Daher waren eher Jobs aus dem Batch- und MapReduce-Umfeld ein schöner Anwendungsfall. Dies ändert sich nun und verspricht viel Sparpotential bei den eigenen Anwendungen.

IoT bleibt ein hart umkämpfter Markt

Mit vielen neuen Diensten und Features im IoT-Umfeld versucht sich AWS mit seinem Portfolio weiterhin für Unternehmen zu qualifizieren. Die drei Marktsegmente IoT Cloud Backend-as-a-Service, IoT Edge Technologies und IoT Development Services versucht AWS mit den neuen Ankündigungen entsprechend zu bedienen. Dies geschieht beispielsweise mit einem neuen Dienst für die IoT-Geräteverwaltung oder einem eigenen IoT-Betriebssystem, FreeRTOS. Auch wenn das kleine FreeRTOS Open-Source Projekt praktisch vollkommen von AWS übernommen wurde, bleibt zu hoffen, dass es einerseits wirklich offen bleibt und auf der anderen Seite Edge-Software wie AWS Greengrass auch auf anderen beliebten Linux Distributionen wie dem Debian-Jessy oder dem Real-Time Betriebssystem der europäischen Sysgo.com lauffähig bleibt. 

Bewertungen der einzelnen Features

Wir haben die einzelnen neuen Produkte und Features einmal bewertet. Dies geschah vor dem Hintergrund der Relevanz für Unternehmen. Die einzelnen Dienste sind dabei entsprechend der AWS Taxonomie verordnet worden.

Komplexität benötigt einen hohen Automatisierungsgrad

Was die jüngsten Ankündigungen und auch die aus dem Vorjahr zeigen, ist dass die Komplexität auch bereits auf einer Plattform enorm hoch ist und die Kontrolle und Überwachung zunehmend schwerer wird. Hinzu kommen noch die vielen neuen IoT-Geräte im Feld, die auch programmiert, provisioniert, überwacht, gemonitort usw. werden müssen. Dementsprechend bringen die Hersteller immer mehr Tools heraus, die den Administratoren eine große Hilfe sind und viele Dinge vollautomatisiert überwachen. Dies adressiert auch ein Stück weit den Fachkräftemangel oder die fehlenden Ressourcen bei kleineren Unternehmen, die dennoch gerne agil und Cloud Native unterwegs sein möchten.

Fazit der re:Invent 2017

Konkurrenzdruck, IoT und der Kampf um die Enterprise-Kunden bestimmen die Strategien und Aktivitäten der globalen Cloud-Provider. AWS versucht hier weiterhin die heile Welt der Public Cloud erstrahlen zu lassen und lockt viele Unternehmenskunden mit vielen neuen Produkten. Dennoch sollten Unternehmen stets prüfen, welche Dienste für die einzelnen, eigenen Anwendungen sinnvoll sind und wie die Abstraktion gewählt werden muss, um möglichst unabhängig und flexibel zu bleiben. Die Relevanz von AWS ist im Cloud Markt auch weiterhin gegeben, auch wenn Kosten zunehmend für AWS ein wichtiger Punkt im eigenen Betrieb zu werden scheint. Dies zeigt der neue Ruhezustandsmodus bei den Spot-Instanzen ebenso wie die Ankündigung des Mutterkonzerns, dass der unlimitierte Cloud Speicher für Prime Kunden nach den USA nun auch in Deutschland beschränkt wird. In Punkto Innovationskraft ist AWS weiterhin ein wichtiger Partner und mit der AWS Cloud 9 und Lambda auch für die Zukunft und die Entwickler gerüstet. Für CIOs, CTOs, CDOs und Co. ergeben sich damit als Fazit der re:Invent 2017 die folgenden Punkte:

  • Eine hohe Innovationskraft der Public Cloud Anbieter hilft bei der eigenen digitalen Agenda, sollte diese jedoch nicht ablösen. Die Plattform ist nur der Enabler! Fokussieren Sie sich auf Ihre eigenen Vorhaben.
  • AWS muss zunehmend auch auf die eigenen Betriebskosten achten, um wettbewerbsfähig zu bleiben zu können. Zusätzlich zu den sichtbaren Konkurrenten holen auch chinesische Anbieter deutlich auf und drängen ebenso in den europäischen Markt.
  • Der Kubernetes-Zug hat einen Waggon mehr mit auf der Strecke. AWS musste sich ebenso, wie alle anderen zuvor, für diese Orchestrierungs- und Management-Lösung öffnen.
  • AWS ist mittlerweile im Enterprise-Segment zwar gut positioniert, aber durch Azure und Google erstmals in eine Verteidigerposition gekommen. Die nächsten Jahre und die nächsten re:Invents dürften zunehmend spannender werden.