Raus aus der Systemhaus-Krise, rein in die Multi Cloud-Welt (Teil 1)

  • Viele Systemhäuser stecken in der Krise, denn immer mehr Unternehmen transformieren ihre IT weg von klassischen On-Premise Lösungen hin zu Cloud-basierten Services.
  • Unternehmen benötigen hierzu allerdings externe Partner bei Planung, Aufbau und Betrieb einer modernen IT-Infrastruktur. Managed Public Cloud Provider sind derzeit die gefragtesten Dienstleister und bauen, betreiben und optimieren komplexe Cloud-Architekturen der Unternehmen.
  • Klassische Systemhäuser und Systemintegratoren müssen nun nachziehen, um den zunehmenden Umsatzrückgang und die sinkende Nachfrage im Kerngeschäft zu bekämpfen.
  • Die Chancen für die Transformation vom IT-Handwerker zu einem wachstumsstarken Managed Public Cloud Provider stehen gut, falls die Systemhäuser es schaffen, die notwendigen Skills aufzubauen.

Multi und Hybrid Cloud-Umgebungen gehört die Zukunft

Flexibilität, Agilität und Skalierbarkeit prägen die Unternehmensleitsätze in der digitalen Wirtschaft. Unternehmen wappnen sich, etablieren digitale Geschäftsmodelle und implementieren agile Vorgehensweisen, um auf die gestiegenen Kundenanforderungen zu reagieren und konkurrenzfähig zu bleiben. Schon heute setzt ein Großteil der deutschen Unternehmen auf Cloud Computing und legt das Fundament für eine moderne IT-Umgebung. Doch viele Unternehmen, vor allem kleine und mittelständische, haben nicht die Skills und das Wissen, um die Technologien dieser komplexen Cloud-Welt erfolgreich für sich einzusetzen. Sie sind auf externe Partner angewiesen, die sie bei Planung, Aufbau und Betrieb einer modernen IT-Infrastruktur unterstützen.

Zu den favorisierten Cloud Deployment-Modellen der Zukunft gehören insbesondere Hybrid und Multi Clouds, bei denen On-Premise und Private Cloud-Architekturen direkt angeschlossen oder gemeinsam mit mehreren Public Cloud Services parallel orchestriert werden. Sie schaffen die digitale Vernetzung von Wertschöpfungsketten und Prozessen und bieten somit die notwendige Freiheit und Flexibilität, um eine digitale Prozess- und Business-Kultur voranzutreiben. Nicht zuletzt hoffen Unternehmen durch den Einsatz der Hybrid oder Multi Clouds von der Innovationskraft der Public Cloud-Anbieter zu profitieren und schnellen Zugang zu Innovationen zu erhalten. Um die damit verbundenen Vorteile abschöpfen zu können, sind mitunter Cloud-Integrationswissen sowie ein breites Technologieverständnis erforderlich, welches unternehmensintern meist nicht zu finden ist.

Vom klassischen Systemhaus zum Wegbereiter in die Public Cloud

Auf der Suche nach diesem Cloud Know-how wenden sich CIOs typischerweise an nahestehende IT-Systemhäuser und Systemintegratoren oder Infrastrukturanbieter. Doch können althergebrachte Angebote der Lösungsanbieter und Integratoren oftmals nicht helfen, da sie weder über die notwendigen Kenntnisse verfügen, noch über ein Portfolio an Services, um solche komplexen Szenarien zu unterstützen. Gefordert sind tiefgehende Kenntnisse der gängigen Cloud-Plattformen und die Fähigkeit die Kunden mittels agilen Methoden (z.B DevOps) und kontinuierlichem Know-how-Transfer von den Innovationen der Public Cloud-Plattformen profitieren zu lassen.

Klassische Systemhäuser und Systemintegratoren kämpfen zunehmend mit Umsatzrückgang und sinkender Nachfrage im Kerngeschäft. Mit dem Niedergang der großen Infrastrukturanbieter wie HPE, Oracle und Co. und dem gleichzeitigen Aufstieg von AWS, Microsoft und Google, sinken auch die Umsätze und Geschäftsaussichten der Systemhäuser, zumindest derjenigen, die es nicht geschafft haben auch in der neuen Cloud-Welt Fuß zu fassen.

Wenn diese es allerdings schaffen ihre große Stärke auszuspielen, nämlich ihre Nähe zum Kunden, und sich der Herausforderung stellen, dann stehen die Chancen nicht schlecht, das „alte“ Kerngeschäft, den Verkauf und die Implementierung von Infrastrukturen und Software-Lösungen, um den Betrieb der Public Cloud-Infrastrukturen zu erweitern und sich zum modernen und wachstumsstarken Managed Public Cloud Provider zu transformieren.


Per Definition übernimmt ein Managed Public Cloud Provider das Design, die Entwicklung, den Aufbau, den Betrieb und die Administration von Systemen, Applikationen, Services und virtuellen Umgebungen seiner Kunden auf den Public Cloud-Infrastrukturen in einem Managed Service- Modell. Hierfür besitzt er zum einen tiefgreifende Methoden- und Technologiekompetenz sowie zum anderen ein enges Verhältnis zum Cloud-Infrastrukturanbieter, der Innovationen treibt und Schulungen der Mitarbeiter anbietet.

Rolle und Kompetenzen der „neuen“ Systemhäuser

IT-Systemhäuser und Systemintegratoren sollten die veränderten Ansprüche ihrer Kunden im Zuge der Digitalisierung erkennen und verstehen. Neben Infrastructure-as-a-Service sind die Offenheit für Public und Multi Cloud-Umgebungen maßgebende Punkte, die ihr zukünftiges Geschäftsmodell bestimmen sollten. Denn langfristig werden diejenigen IT-Dienstleister erfolgreich sein, die als Managed Public Cloud Provider alle wesentlichen IT-Prozesse ihrer Kunden überblicken, begleiten und kontinuierlich optimieren können. Um die Aufgaben eines Managed Public Cloud Providers zielbringend zu erledigen und Kunden langfristig bei der digitalen Transformation und ganzheitlich beim Aufbau und Erhalt einer Cloud-Strategie zu unterstützen, sind Portfolio, Skills und Team, Strategie und Umsatz sowie Partner wesentliche Erfolgsfaktoren.

Portfolio

Bei den folgenden Aufgaben leistet ein Managed Public Cloud Provider maßgeblich Unterstützung:

  • Planung & Design der Cloud-Architektur
  • Migration der Applikationen und Systeme
  • Entwicklung & Implementation neuer Applikationen und Systeme
  • Fortlaufender Betrieb & Monitoring der Infrastrukturumgebung
  • Fortlaufende Optimierung der Infrastrukturumgebung, Applikationen und Systeme

Managed Public Cloud Provider können sich durch ein großes Dienstleistungsspektrum auszeichnen und Beratungsleistungen zu Datenschutz, Systemsicherheit und Compliance oder Workshops und Trainings anbieten. Die Wertschöpfungskette könnte sich außerdem durch die Übernahme von Prozessen des Change- oder Transformationsmanagements sowie POCs, Prototyping und Anwendungsentwicklungen erweitern.

Skills und Team

Ein erfahrenes Team im Bereich der Enterprise IT-Umgebung ist prädestiniert für einen Managed Public Cloud Provider. Die folgenden Spezialkompetenzen sind derzeit besonders gefragt und runden das Skill-Set eines erfolgreichen Managed Public Cloud Providers ab:

  • Infrastructure as Code
  • DevOps
  • Agile Entwicklung
  • Automation
  • Skalierbarkeit
  • Kenntnisse über Datenschutz und Compliance
  • Wissen über Virtualisierungstechnologien
  • Integrationsskills

Strategie und Umsatz

Know-how und Marktverständnis im Bereich Public Cloud bestimmen generell die Strategie und weiterführend auch die Einnahmen und den Erfolg eines Managed Public Cloud Providers.

Einige der Managed Public Cloud Provider sind spezialisiert auf bestimmte Workloads auf einer oder mehreren Umgebungen, andere bieten Workload-Varietät durch eine Multi-Anbieter-Strategie. Dabei kann die Ausrichtung auf das Enterprise-Umfeld oder das Digital-/ Web-Umfeld das Managed Service-Modell der Service Provider bestimmen.

Ein Full Service-IT-Dienstleister kann sowohl als Dienstleister auf den Infrastrukturen der Public Cloud-Anbieter als auch auf Basis eigener Infrastrukturkapazitäten Workloads für Kunden im Public und Hybrid Cloud-Modell oder On-Premise betreiben. Auch die Integration mit einem bestehenden On-Premise-Modell kann zusätzlich angeboten werden.

Partner

Um möglichst viele und unterschiedliche Kundenszenarien abdecken zu können, ist ein Mix aus verschiedenen Public Cloud-Anbietern zu wählen. Nach folgenden Kriterien sollte ein Managed Public Cloud Provider seine Vertragspartner beurteilen und aussuchen:

  • Invest- und Einstiegshürden: Wie viel muss das Systemhaus in Personal / Trainings / Zertifizierungen vorab investieren, um als Partner zu beginnen bzw. mit dem Cloud Business starten zu können? Wie sind die Anforderungen an Systemintegratoren, um eine Partnerzertifizierung / höheren Partnerstatus zu erhalten?
  • Technologie: Welche Tools gibt es, die bei Entwicklung, Management und Integration von Anwendungen unterstützen? Wie variabel lässt sich die Infrastruktur konfektionieren?
  • Marktpräsenz / Marketshare: Wie hoch ist die Nachfrage/ Wettbewerbsstärke/ Footprint hinsichtlich Kunden bzw. Reichweite?
  • GDPR: Der Betrieb datenschutzsensitiver und compliance-getriebener Workloads besser bei deutschen Cloud-Plattform-Providern (Mai 2018 tritt die europäische Datenschutzverordnung in Kraft). Erweiterte Datenschutz-Verantwortung durch Sitz in Deutschland. Datenschutz nach deutschem (und europäischem) Recht hemmt Bedenken hinsichtlich des Datenschutzrechts.
  • Partnerschaft auf Augenhöhe: Umgang, einfaches Onboarding, transparente Partnerverträge und faire / attraktive Provisionsregelungen.
  • Unterstützungsleistungen: Aktive und konkrete Unterstützung bei Marketing & Vertrieb sowie in konkreten Kundensituationen (durch Solution Engineers / Cloud-Architekten).

Um IT-Systemhäusern und Systemintegratoren die Bedeutsamkeit des Themas aufzuzeigen, hat Crisp Research in Zusammenarbeit mit ProfitBricks ein Strategiepapier erstellt, welches die Brisanz von Hybrid- und Multi Cloud-Umgebungen thematisiert und die Dringlichkeit der Transformation zum Multi Public Cloud Provider aufzeigt. Dabei werden essentielle Aktivitäten für die Anpassung des Geschäftsportfolios und Strategien zur Auswahl der geeigneten Public Cloud Provider aufgezeigt. Das Strategiepapier steht kostenfrei unter „Systemhaus 4.0 - Systemhäuser und Systemintegratoren im digitalen Wandel zum Download bereit.