Räume schaffen für Wissensarbeiter!

Wissensarbeiter gab es schon immer. In der Vergangenheit wurden eher wenige Berufe genannt, deren Akteure man als Wissensarbeiter bezeichnete. Allen voran natürlich Wissenschaftler, wahrscheinlich auch Journalisten, Berater und Außendienstler. Der Leser zuckt! Außendienstler sind Außendienstler, aber keine Wissensarbeiter. So! Warum gibt es dann aber CRM Systeme? Genau: Sie ermöglichen dem Außendienstmitarbeiter das eigene Wissen dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

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Ein Abgrenzung, was ein Wissensarbeiter ist und was nicht, ist schwer. Die Automatisierung nimmt immer mehr zu. Das betrifft die Mitarbeiter in der Produktion genauso wie in allen anderen Bereichen des Unternehmens. Computer übernehmen immer mehr Aufgaben. Prozesse werden so optimiert und die IT-Systeme so flexibel und “intelligent”, dass der Mensch für viele Aufgaben nicht mehr gebraucht wird.

Wissensarbeiter sind also diejenigen, die durch die Digitalisierung noch nicht vollständig wegrationalisiert sind. Wissensarbeiter arbeiten vor allem mit den eigene Erfahrungen und dem Gelernten sowie dem daraus entstandenen Wissen. Wissensarbeiter übernehmen Aufgaben, die Computer nicht (weil sie dafür noch zu “dumm” sind) oder nur sehr aufwendig (wenn der Einsatz des Computers teurer ist als der neu eingestellte Wissensarbeiter) erledigen können.

Beschreibung von Arbeitsplätzen für Wissensarbeiter!

Viele Beschreibungen für die optimale Umgebung von Arbeitsplätzen stimmen häufig mit der aktuellen Arbeitsumgebung der jeweiligen Autoren überein. Der Autor diese Beitrags würde dann vor allem sich selbst und seine Anforderungen beschreiben: Notebook, Handy, Büro wahlweise zuhause, in der Bürogemeinschaft, beim Kunden oder im Zug, dazu die neuesten Apps und Gadgets für das Handgelenk – ist zur Zeit en vogue.

Aber das wäre die Beschreibung, die für eine (oder wenige) Person(en) Gültigkeit hat. So fallen die Beschreibungen jedoch sehr häufig aus: Aus der ganz persönlichen Perspektive des Autors. Andere Wissensarbeiter werden weiterhin im Büro sitzen oder jeden Tag beim Kunden sein. Wissensarbeiter sind nicht definiert durch einen bestimmten Job oder einem bestimmten Ort.

Aber was sind nun Wissensarbeiter? Eine einfache Definition dafür gibt es nicht, da würde man vielen Akteuren nicht gerecht werden. Grob umrissen schaffen Wissensarbeiter Lösungen, gemeinsam oder alleine, sind mehr oder weniger kreativ, nutzen Lebenserfahrungen und das Gelernte, sind eher selbständig in ihrer Arbeit, verändern gegebenes durch ihr Handeln und sind aktiv in ihrem Tun.

Unternehmen und Mitarbeiter müssen ihre Hausaufgaben machen!

Für Unternehmen besteht die Herausforderung aktiv zu werden, um den Veränderungen in ihrer Belegschaft gerecht zu werden. Die Wandlung hin zu einer Wissensgesellschaft wird eine Herausforderung für die Mitarbeiter und die Unternehmen. Die Digitalisierung verändert und schafft Gestaltungsspielräume. Unternehmen und Mitarbeiter müssen das als Chance begreifen und diesen Wandel gestalten:

  • Vielfalt statt Einheit!
    Weg mit den Einheitsarbeitsplätzen (oft und gerne gesehen: die Affenboxen in Großraumbüros oder die 8qm-Büros mit zwei Tischen im unrenovierten Teil des Geländes). Es wird Mitarbeiter geben, die einen festen Arbeitsplatz im Unternehmen haben wollen, andere wiederum nicht. Aber die, die vor Ort sind, sollen einen schönen und wertigen Arbeitsplatz bekommen.
  • Räume gestalten!
    Offener, heller, auch bunter (wie auch immer das jede/r für sich definiert) müssen Räume werden. Es ist erschreckend, wie lieblos viele Arbeitsplätze gestaltet sind und wie statisch, spartanisch zweckmäßig und militärisch diszipliniert Besprechungsräume sind. Furchtbar! Viele Schulungsräume sind noch so eingerichtet wie man sie in den 90er Jahren wegen der großen Röhrenmonitor gebraucht hat – in Reih und Glied, eng an eng und mit alter Tapete an der Wand. Das ist Respektlos gegenüber den eigenen Mitarbeitern und verhindert den positiven Austausch, gutes Lernen und reduziert die Freude an der Arbeit.
  • Mobilität gestalten!
    Mobile Nutzung von Computern ist mehr als E-Mail. Wenn schon Digitalisierung, dann bitte so, dass man die Aufgaben mit (fast) jedem Gerät und von jedem Ort aus erledigen kann. Heute zuhause, dann an den PC, morgen im Büro das Notebook und im Zug das Tablett.
  • Akzeptanz schaffen, Vertrauen aufbauen!
    Noch immer wird man schräg angeschaut, wenn man mit dem Notebook auf der Parkbank sitzt und E-Mails beantwortet. Eine Aufgabe, die man eigentlich nur sinnvoll und produktiv im Büro erledigen kann – denken sich noch immer viele Vorgesetzte und auch einige der Kollegen. Arbeit ist in vielen Köpfen noch immer sehr an die Anwesenheit am Arbeitsplatz gebunden.
  • Nähe anbieten, Distanz ermöglichen!
    Mit so viel Offenheit und Vielfalt können einige Unternehmen nicht umgehen. Aber es wird die Kunst der Gestaltung moderner Arbeitsplätze für Wissensarbeiter sein, genau die Mischung aus Nähe und Distanz in all ihren Facetten zu ermöglichen.

Viele glauben, dass Google, Apple und Co. komplett mobil sind und alle ihre Wissensarbeiter nur noch von zuhause oder am Strand arbeiten. Im Gegenteil: Die beiden Unternehmen bauen riesige Areale, damit möglichst alle Wissensarbeiter an einem Ort sind. Aber diesen Ort machen sie so attraktiv wie möglich: Flexible Büros, hell und offen. Sind bei uns Meetings negativ gelegt, gibt es bei den genannten Unternehmen an jeder Ecke Bereiche, um sich zu treffen, auszutauschen oder um etwas zu entwickeln. Zu dem einen muss man, zu dem anderen möchte man.

Viele Wissensarbeiter haben viele Ansprüche!

Es gibt nicht den einen Arbeitsplatz für Wissensarbeiter. Aber: immer mehr Menschen werden sich ihren Arbeitsplatz aussuchen wollen. Unternehmen müssen weggehen von ihrem Einheitsdenken, begründet mit Kostengründen sowie dem permanenten Misstrauen und vielfältige und attraktive Arbeitsplätze für ihren neuen und alten Wissensarbeiter einrichten.

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Über den Autor:

Senior Analyst

Joachim HaydeckerJoachim Haydecker ist Senior Analyst bei Crisp Research mit dem Fokus auf „Social Collaboration“ und „Talent Management“. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Joachim Haydecker als IT-Analyst, IT-Consultant, Trainer und Coach. Nach seiner Ausbildung zum DV-Kaufmann als Administrator und Entwickler und seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel arbeitete er mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Inhouse-Consultant für „E-Learning“ an der gleichen Universität. Seit ein paar Jahren entwickelt er gemeinsam mit Unternehmen Konzepte für die Einführung und Etablierung von Social Business Lösungen. Gemeinsam mit Partnern aus seinem Netzwerk hat er zahlreiche Kundenprojekte auf Basis von IBM Produkten implementiert. Darüber hinaus arbeitet er mit Produkten von weiteren Firmen, z.B. Microsoft und Google, sowie verschiedenen OpenSource- Lösungen. Als aktiver Blogger und Netzwerker nutzt Joachim Haydecker die gängigen Social Networks für seine berufliche und private Kommunikation. Als Sprecher und Moderator ist er regelmäßig auf Barcamps und Konferenzen aktiv.