Post-Merger-Europa: Lukrative Basis für Investitionen im Rechenzentrumsmarkt

Nach der Presse-Ankündigung des europäischen Mega-Mergers zwischen TeleCity Group und Interxion, veröffentlichen weitere internationale Unternehmen wie NTT und Interoute ihre Neuigkeiten und Ambitionen.

Aufgrund des aktuell schwachen Eurokurses bieten sich insbesondere für außereuropäische Investoren interessante Investitionsmöglichkeiten.

Europäische Data Center – Eine gute Investmentgelegenheit

EIT, Tochtergesellschaft der Dubai Holding hat seine Interoute-Anteile gewinnbringend in britische Private Equity Hände abgegeben, um die Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben. Dies wird als Bestätigung der anorganischen Wachstumsstrategie der Interoute gewertet, die Geschäftsentwicklung in Europe und in Nordamerika wird nun über Zukäufe ausgebaut werden. Dem vorausgehend hat sich das Businessmodel und die Unternehmensstruktur der Interoute in den letzten Jahren grundlegend gewandelt: Von einem Telekommunikationsanbieter für Sprach- und Datendienste zum Cloud-Service-Plattformanbieter für Firmenkunden. Hardware-dominierte Lösungsansätze wichen Plattform gestaltende Software-definierte Netzwerkkonzepten. Das Aufkommen der Virtualisierungslösungen, automatisierter Cloud Computing Konzepte, und nicht zuletzt die Vorbereitungen für Big Data stellten neue Anforderungen an die Agilität globaler Infrastukturplattformen, d.h. an die Fähigkeit diese in Software-Entwicklungs-Geschwindigkeiten von Minuten oder gar Sekunden skalieren zu können. Um diese Skalierung erzielen zu können, wurden die Unternehmensstrukturen verschlankt, Hierarchien verkürzt und neben eigenen Investments in Kern-Rechenzentren über an die zweihundert geleaste Lokationen in Europa auf- und ausgebaut.

Unternehmen wie AWS belegen, dass nachhaltige Skalierungskonzepte eine durchdachte RZ- und Netzwerkautomatisierung bedingen. Der Rechenzentrumsbetrieb ist grundsätzlich kein beschäftigungsintensiver, jedoch die Basis für alle technischen wie fachlichen Wertschöpfungsketten. Wer heute noch auf die Relation „1 Anwendung = 1 Maschine“ baut, hat die Signale der globalisierten Softwareproduktion überhört, welche die Produktionskapazitäten in Sekundensegmenten zu- und abbuchen werden. Die Produktionskapazitäten müssen im neuen Paradigma nicht mehr zwingend in geschlossenen und durch ein Unternehmen kontrollierte Hardware-Einheiten vorgehalten werden. Dieser neue Ansatz führt langfristig zur Reduzierung und Verlagerung der Investitionsbudgets (in eigene Hardware, Middleware und Software) hin zu operativen Betriebsausgaben.

NTT schluckt eShelter – Vom Telco zum Rechenzentrums-Riesen

NTT Communications, eine Tochtergesellschaft des japanischen NTT Konzerns und global aktiver Tier 1 Carrier, ist nun auch Mehrheitseigner von e-shelter, neben KDDI ein neuer japanischer Rechenzentrumsanbieter mit Telekommunikationshistorie in Frankfurt Rhein Main. NTT schließt durch die Übernahme zur Spitzengruppe der RZ-Anbieter nicht nur in Frankfurt Rhein Main auf, sondern hat das Potenzial sich als neuer Herausforderer für Equinix und der TelecityGroup im Rechenzentrumsmarkt zu positionieren.

Die Frage ist, welche Rolle und welchen Wertbeitrag das RZ-Geschäft in NTT Communications spielen wird und wie stringent welche Ziele verfolgt werden. Interessant wird auch sein, ob eine Akquisition in französischsprachen Märkten in Europa diese Entwicklung ergänzt. Die NTT Communications Investitionen in der Metropolregion Frankfurt bestätigen diesen als führenden Digital Hub Europas, darüber hinaus zeigen diese eine Verstärkung der Beziehung zwischen Frankfurt mit anderen Weltmetropolregion, eine Stärkung digitaler Handels- und Wertschöpfungsketten.

Für Außenstehende kam die e-shelter Mehrheitsbeteiligung durch NTT sicherlich überraschend, schaut man jedoch hinter die Kulissen, so ist dies das Ergebnis einer Entwicklung der letzten Jahre. Der Telekommunikationskonzern verfolgte seit 2012 zielstrebig die Umsetzung der definierten Global ICT Partner Vision, ausgehend von 123.000 qm Rechenzentrumsfläche, die zu dem Zeitpunkt mehrheitlich in Japan konzentriert waren.

NTT Communications hat eine Schnittstellenfunktion, verbindet als neutraler Cloud Data Center Anbieter globale Wertschöpfungsketten zwischen aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien mit den Triadenmärkten Europa, USA und Japan. Bis Ende 2014 wuchs die NTT-Rechenzentrumsfläche bereits auf 232.000 qm, wobei sich mehr als 60 % dieser Flächen außerhalb Japans befinden. NTT Communications verfügt damit über mehr als 150 Rechenzentrumslokationen (einschließlich solcher Lokationen im Eigentum und Leasing). Die Steigerung ist das Ergebnis einer zielstrebigen Positionierung im künftigen Big Data Markt und basierte auf Zukäufen in USA, Europa, Indien und Südost-Asien. Diese Expansion basiert auf über Meilensteinplanung und ist mit einem Investitionsrahmen von mehr als 1 Mrd. EUR verknüpft. Die e-shelter-Beteiligung ist NTTs vierter Rechenzentrumszukauf binnen drei Jahren. Durch die Mehrheitsbeteiligung an e-shelter erhöht sich die globale NTT-Rechenzentrumspräsenz auf über 350.000 qm.

NTT auf dem Weg zum Cloud-Hub – Strategie und Akquisitionen

Werden die aktuellen, globalen Umsatz-Ziele von NTT Communications mit über 100 Milliarden Euro gewürdigt, so stellt der Colocations-Anteil im Vergleich zu Equinix und anderen RZ-Anbietern eine andere Größenordnung. Neu und vielfach ungewohnt für europäische Marktteilnehmer dabei ist die Transparenz, die asiatische und insbesondere japanische Player an den Tag legen und wie die Wachstumspläne kommuniziert und verfolgt werden. Der jüngste Zukauf schließt eine wesentliche Lücke für NTT als globaler Cloud Player:

  • 2012
    Übernahme von 74 % an Netmagic in Indien
    Übernahme von 85 % an Gyron in Großbritannien
  • 2013
    Übernahme von 80 % an Raging Wire in USA
  • 2015
    Übernahme von 86,7 % an e-shelter in Deutschland

NTT Communications hat die Investitionspläne mit der Einführung einer neuen Marke, "Nexcenter" genannt, mit einem Qualitätssiegel versehen. Unter dieser Marke verfolgt das Unternehmen eine carrier-neutrale Cloud-Hub-Positionierung für Cloud- und Firmenkunden als Alternative zu tradierten, neutralen Rechenzentren-Hubs außerhalb Japans. Mit dem Siegel verbindet das Unternehmen im Markenkern hohe Ansprüchen an Qualität, Compliance, Sicherheit und insbesondere an die Betriebssicherheit, die auch extern auditiert werden.

Auch eine Reihe weiterer Akteure aus dem Umfeld der Telcos, IT-Dienstleister und CoLocation-Provider verfolgen mittlerweile die Strategie des Aufbaus und der Kommerzialisierung sogenannten „Cloud-Hubs“. Als Cloud-Hubs lassen sich große RZ- und Cross-Connect-Standorte („Mega Data Center“) verstehen, an denen viele Cloud Service Provider und Anwender zusammentreffen und hybride Cloud-Betriebskonzepte realisieren können. T-Systems, Equinix, Telecity/Interxion oder NTT – noch ist nicht ausgemacht, wer zukünftig die Nase vorn hat. Denn der Großteil der Anwender befindet sich gerade erst in der Cloud-Projektierungs- und Implementierungsphase. Klar ist, dass Cloud-Hubs die Gravitationszentren des zukünftigen Cloud-Infrastrukturgeschäfts sein werden.

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Über den Autor:

Senior Analyst

Gerd SimonGerd Simon ist beim IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research als Senior Analyst tätig. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Senior Manager in europäischen Technologie-Unternehmen, ferner über 14 Jahre als Multi-Aufsichtsrat. So war er u.a. als Geschäftsführer für den Aufbau eines der größten Rechenzentrums- und Connectivity Providers in Frankfurt verantwortlich. Seit dieser Zeit bei Interxion unterstützt Gerd Simon auch aktiv die Entwicklung des DE-CIX zum führenden Internetaustauschknoten. Seit 2007 berät er international agierende Unternehmen im Hosting, RZ- und HighTech-Segment sowie dort agierende Kapitalgeber bei Fragen zu Enterprise Value Impact in der Digitalwirtschaft sowie zu Strategie- und Business-Management-Themen.
Gerd Simon besitzt einen Abschluss der Universität Karlsruhe als Diplom Wirtschafts-Ingenieur und lebt mit seiner Familie im Rhein-Main-Gebiet. Die Schwerpunktthemen seiner Tätigkeit als Senior Analyst bei Crisp Research sind Cloud Management, Cloud Brokerage & Ökosysteme, RZ-, Hosting- und Networking-Strategien sowie Cloud Transformation für Provider & CIOs.