PaaS-Plattformen im Praxiseinsatz deutscher ISVs

Die Frage, ob sich der Einsatz moderner PaaS-Plattformen für ISVs lohnt, hängt maßgeblich davon ab, welche Art von Anwendungen mit welchen Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen programmiert werden sollen. Auch die Auswahl der jeweiligen PaaS-Plattform beziehungsweise PaaS-Technologien ist davon betroffen, da diese eine teils sehr unterschiedliche Integration für die verschiedenen Programmiersprachen bieten.

Eingesetzte Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen

Die Crisp Research AG hat im Auftrag der Pironet NDH AG 83 deutsche Softwarehäuser zu diesem Thema befragt. Unter den befragten deutschen Softwareherstellern ist Java mit 65 Prozent immer noch die am häufigsten verbreitete Programmiersprache, gefolgt von C# (62 Prozent), C++ (61 Prozent) und Visual Basic (55 Prozent). Die Nutzung von ASP/.NET fällt mit 30 Prozent hingegen schwach aus. Da sich die Mehrheit der befragten ISVs auf die Entwicklung von Unternehmenssoftware konzentriert, erscheint dieses Bild als nachvollziehbar.

Der Trend hinzu web-basierten Anwendungen hat in den letzten Jahren für eine hohe Verbreitung von PHP (49 Prozent) gesorgt. Auch Python wird mittlerweile von einem Fünftel (21 Prozent) der deutschen Softwarehäuser eingesetzt. Hier spielen vor allem das breite Einsatzspektrum im Rahmen der objektorientierten und funktionalen Programmierung sowie die übersichtliche Syntax eine Rolle. Allerdings wird Python derzeit hauptsächlich als Skriptsprache für Webanwendungen genutzt. Perl und Ruby zählen dagegen – obwohl weltweit schon stark verbreitet – mit 10 Prozent Einsatzgrad immer noch zu den Exoten. Ebenso wie Node.js (8 Prozent), Scala (4 Prozent) oder Clojure (3 Prozent).

Analog zeichnet sich das Bild hinsichtlich der derzeit genutzten Entwicklungsumgebungen. Visual Studio ist mit 69 Prozent etwas häufiger im Einsatz als die Open Source Lösung Eclipse mit 61 Prozent. Beide werden derzeit noch primär auf lokalen Instanzen betrieben. Immerhin planen 18 Prozent der befragten Softwarehäuser auch die Nutzung Cloud-basierter Entwicklungsumgebungen, wie zum Beispiel Cloud9, Koding, Codeanywhere oder Eclipse Orion.

Erfahrungen und Einsatz von Public PaaS-Plattformen

„Microsoft Azure und Amazon AWS sind derzeit die beleibtesten Public-PaaS-Angebote unter deutschen ISVs. Aber diese interessieren sich mittlerweile auch für Alternativen.“

Obwohl die ersten PaaS-Plattformen schon 2007 (Heroku) bzw. 2008 (Google AppEngine) existieren, haben deutsche Softwarehäuser bislang wenig Erfahrung mit den aktuell am Markt verfügbaren Plattformen gesammelt. Dies liegt einerseits an den verzögerten Auswirkungen von Cloud Computing auf den deutschen Software-Markt (derzeit werden in Deutschland noch weniger als 10 Prozent der Umsätze mit SaaS erzielt). Andererseits fokussierten sich die verfügbaren PaaS-Plattformen lange Zeit auf die Entwicklung von Web-Applikationen und die Bedürfnisse von Startups und Freelance Developern. Dies hat sich allerdings in den letzten Jahren deutlich gewandelt und die PaaS-Plattformen bieten nun auch Unterstützung für die Entwicklung und den Betrieb von unternehmenskritischen Applikationen und entsprechend professionellen Application Lifecycle-Prozessen. Dennoch verfügen erst wenige deutsche Softwarehäuser über ernsthafte Erfahrungen mit den unterschiedlichen Plattformen. Weitere Gründe für diese Zurückhaltung liegen sicherlich in der Tatsache begründet, dass die Plattformen bislang nur im „Public Cloud“-Modus aus US-Rechenzentren angeboten wurden. Hinzu kommt aber auch, dass die deutschen Softwarehäuser im Hinblick auf die Cloud-Transformation immer noch mit angezogener Handbremse fahren.

In den spielerischen und kreativen Umgang mit den neuen PaaS-Plattformen im Rahmen eines langfristigen Innovations- und Produktmanagements wurden bislang wenig Zeit und Ressourcen investiert. So kommen lediglich fünf PaaS-Anbieter auf einen Einsatzgrad von mehr als 5 Prozent der deutschen Softwarehäuser.

Crisp Research_Evaluierung_PlattformenMicrosoft liegt bei deutschen ISVs derzeit deutlich an der Spitze. Immerhin 18 Prozent der befragten Softwarehäuser nutzen die Azure-Plattform im produktiven Betrieb, 10 Prozent im Rahmen von Entwicklung und Testing. An zweiter Stelle folgt AWS, genutzt von 16 Prozent im produktiven Betrieb sowie 12 Prozent für Entwicklung und Test.

Es zeigt sich, dass die Plattformen der traditionellen „Enterprise“-Technologieanbieter (IBM, HP, Oracle und SAP) von den ISVs eher für den produktiven Betrieb, die Plattformen der klassischen Cloud Companies (Google, Salesforce) eher für Development und Testing eingesetzt werden. Einen wichtigen Einblick in die zukünftigen Investitions- und Technologieentscheidungen der deutschen Softwarehäuser liefert die Frage, welche PaaS-Plattformen sich derzeit in einer konkreten Evaluierung befinden. Und es scheint, als ob Microsoft Azure und Amazon AWS bald ernsthaft Konkurrenz bekommen. So prüfen derzeit 14 Prozent der befragten ISVs die Google Cloud Platform/Google AppEngine. Es folgen Microsoft Azure (13 Prozent), HP Cloud Application Platform (11 Prozent), Amazon AWS (11 Prozent), IBM SmartCloud/IBM BlueMix (10 Prozent) und Salesforce 1/Heroku (9 Prozent). Die Relevanz von SAP für deutsche Softwarehäuser scheint auch bei den PaaS-Entscheidungen durch. So evaluieren immerhin 8 Prozent der befragten Softwarehäuser die relativ frische SAP Netweaver Cloud Platform. Hintergrund ist sicher die voranschreitende Integration der verschiedensten Softwarelösungen und SaaS-Diensten mit den SAP-Systemen, die in deutschen Groß-und Mittelstandsunternehmen immer noch das Rückgrat vieler Unternehmensprozesse darstellen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche CRM, SCM und Talent Management.

Crisp Research_PaaS

Die vollständige Studie „Auf dem Weg in die Cloud Transformation – Zukunft der deutschen Softwareindustrie“ gibt es kostenlos zum Download unter http://www.pironet-ndh.com/PaaS_Trendstudie+Crisp+Research_+Cloud+verursacht+tektonische+Verwerfungen+unter+deutschen+Softwareherstellern

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Über den Autor:

Senior Analyst & COO

Steve JanataSteve Janata ist COO und Senior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Steve Janata als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Fragen des Strategie-, Portfolio- und Channel-Management. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Carlo Velten bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Steve Janata engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

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