PaaS 2014 – Ankunft in der Enterprise IT? Was sich mit den neuen PaaS-Plattformen erreichen lässt

Seit über fünf Jahren geistert der Begriff „Platform as a Service“ (PaaS) durch die IT-Welt. Da Plattformen auch in anderen Industrien, wie beispielsweise der Automobilbranche, mit deutlich positiven Attributen belegt sind – Standardisierung, Ertragssteigerung, Modularisierung etc. - hat sich der Begriff auch in der IT-Branche weit verbreitet. Es kommt einem fast so vor, als ob jedes Software-Add-On mittlerweile eine eigene Plattform darstellt. Dem ist natürlich nicht so. Trotzdem sind viele PaaS-Angebote in den letzten Jahren zu echten Plattformen herangereift. Auf diesen PaaS-Plattformen lassen  sich nicht nur Software-Entwicklungsprozesse deutlich effizienter gestalten, sondern auch Big Data Analytics intelligent umsetzen. Crisp Research untersucht daher im Rahmen eines Research-Projektes den Markt für PaaS-Plattformen und Services und führt derzeit eine Studie zum Einsatz von PaaS in deutschen Softwarehäusern durch. Folgende Trends zeichnen sich schon jetzt deutlich ab:

Trend 1 – PaaS-Dienste reifen zu echten „Enterprise-Plattformen“ heran

Viele der heute verfügbaren PaaS-Plattformen bieten deutlich mehr Funktionalität und Management-Features als noch vor wenigen Jahren, als PaaS lediglich für Entwickler von Webanwendungen interessant war. Heute werden über PaaS-Plattformen nicht nur Entwicklungsumgebungen, Datenbanken und Laufzeitumgebungen, sondern auch eine Vielzahl an Funktionen zum kollaborativen Entwickeln bis hin zum Betreiben der Anwendungen bereitgestellt. Die Verfügbarkeit der PaaS-Plattformen der meisten Plattformen ist dabei als gut bis sehr gut zu beurteilen. Auch die Standardisierung nimmt sukzessive zu, auch wenn die Portabilität von Anwendungen über verschiedene PaaS-Plattformen hinweg (Cross-Platform-Portability) noch etwas zu wünschen übrig lässt. Gerade für große Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse und Kundenbeziehungen digitalisieren bieten PaaS-Plattformen enorme Vorteile. Denn hier lassen sich neue Entwicklungsmethoden ohne große Investitionen ausprobieren und neue Anwendungen, z.B. für Marketing und Vertrieb, mit kurzem „Time-to-Market“ entwickeln und testen.

Trend 2 – PaaS kommt in neuen, hybriden Deployment-Modellen daher

Eine der wichtigsten Neuerungen für CIOs dürfte die Tatsache sein, dass PaaS nicht mehr nur als Service aus der (meistens US)-Public Cloud kommt, sondern dass die Technologie-Stacks mittlerweile auch zum unternehmensinternen Betrieb bzw. in einem „Hosted PaaS Modell“ bereitstehen. So hat Microsoft die technologische Grundlage seiner Windows Azure Platform als „Azure Toolkit“ herausgegeben. Dieses wird beispielsweise vom Kölner Hosting Provider Pironet als „Managed Service“ angeboten. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen PaaS-Angebot von T-Systems, das auf der Grundlage des von Red Hat unterstützten Open Source-Frameworks Openshift basiert. Nicht zu vergessen CloudFoundry – das von VMware unter Open Source-Lizenz gestellte PaaS-Framework, das seit einigen Monaten die Grundlage von IBM Bluemix ist – dem Enterprise PaaS-Angebot von IBM. Die neuen Betriebsmodelle machen es für europäische bzw. deutsche Firmen erstmals möglich, PaaS zu ihren unternehmensindividuellen Konditionen zu nutzen – eine gute Chance, um die eigenen Entwicklungs- und Innovationsprozesse zu beschleunigen.

Trend 3 – PaaS ist die Basis für Analytics- und mobile Workloads

Entwicklung, Test und Betrieb von Webapplikationen ist immer noch ein wichtiger Use Case für den Einsatz von PaaS. In den letzten 18 Monaten haben sich allerdings zwei andere Use Cases in den Vordergrund geschoben – Big Data Analytics und Mobile Applications. Viele PaaS-Plattformen bieten heute fertig konfigurierte und hochskalierbare Analytics-Systeme beispielsweise auf der Basis von Hadoop oder auch SAP HANA an. Das bedeutet für den Anwender, dass kapital- und ressourcenintensive Projekte und die Anschaffung der Hardware entfallen. Die Gestaltung des Auswertungsdesigns und das Number-Crunching finden in der Cloud statt. Das entlastet viele Anwender. Denn so verschafft man sich nicht nur einen zeitlichen Vorsprung (2 Wochen versus 6 Monate). Zudem braucht es keine zusätzlichen Skills zum Administrieren und Monitoren einer aufwendigen Analytics-Infrastruktur.

Auch für die Entwicklung mobiler Anwendungen sind PaaS-Plattformen bestens geeignet. Denn nirgendwo verändern sich die Rahmenbedindungen (OS, Gerätetypen, Browser-Generationen etc.) so schnell wie um Umfeld der mobilen Endgeräte. Hier stellen die PaaS-Plattformen einheitliche Frameworks zur Verfügung, die sich durch den Provider gesteuert, automatisiert auf die Neuerungen (z.B. Releasewechsel) einstellen.

Trend 4 – PaaS und IaaS wachsen zusammen

Haben Unternehmen oder ISVs eine neue Anwendung entwickelt, stellt sich die Frage nach dem Betrieb und der Skalierungsfähigkeit. Hier bieten einige PaaS-Plattformen, wie z.B.  Microsoft Azure, Google AppEngine oder Salesforce1 die Möglichkeit auch diesen auf der Plattform stattfinden zu lassen. Andererseits bauen IaaS-Anbieter wie Amazon AWS ihr Portfolio um Dev/Test-Funktionen aus, um Entwicklern das  Leben zu erleichtern und danach den Betrieb der Applikationen zu übernehmen.

Trend 5 – ISVs denken um

Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für klassische ISVs stellt PaaS mittlerweile eine echte Alternative zu den unternehmensinternen Entwicklungssystemen dar – speziell wenn die ISVs sich an die Migration oder Neuentwicklung ihrer Lösungen für das Cloud-Zeitalter machen. In den USA und Skandinavien ist die Nutzung von PaaS derzeit schon ein Massenphänomen in der Branche der professionellen Softwareentwickler. In Deutschland verhalten sich Geschäftsführer und Entwicklungsleiter noch deutlich zurückhaltender. Ob und wie sich diese Situation bei deutschen ISVs, ausgelöst durch die neuen PaaS-Betriebsmodelle (Hosted PaaS), derzeit verändert und entwickelt, untersucht Crisp Research derzeit im Rahmen einer empirischen Studie. Erste Ergebnisse zur PaaS-Affinität deutscher ISVs sind im April zu erwarten.

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Über den Autor:

Senior Analyst & CEO

Carlo VeltenDr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior Analyst bei der TechConsult und dort für die Themen Open Source und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.