OpenStack Summit Austin 2016: Geeks und Housekeeping

Wohin bewegt sich OpenStack? Eine Antwort auf diese Frage konnte der OpenStack Summit Austin liefern – es geht steil nach oben. Das größte Community Event der Open-Source Cloud-Infrastruktur-Software konnte in diesem Jahr rund 7.500 Teilnehmer aus 62 Ländern anziehen.

Im Vergleich dazu – beim Summit im Jahr 2010 versammelten sich nur 75 Teilnehmer. Eines muss man hierbei jedoch festhalten. Es waren deutlich mehr Entwickler vertreten als IT-Entscheider. Ein Fakt, der bereits durch die offizielle „OpenStack User Survey“, welche von der Foundation zu jedem Release durchgeführt wird, vorweggenommen wurde. Von den 1530 Befragten gaben lediglich 14 Prozent an, CIO bzw. IT Infrastrukturmanager zu sein. Der Rest setzt sich aus Cloud Architekten (43 Prozent), Cloud Administratoren (41 Prozent) und Entwicklern (59 Prozent) zusammen. Ergo, wie schon die Cloud, wird auch OpenStack vorwiegend Bottom-Up in die Unternehmen hineingetragen.

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Housekeeping: Der OpenStack Summit Austin spiegelt das Mitaka Release wider

Nach sechs Jahren geht die OpenStack Foundation mit dem Mitaka-Release in die 13. Runde. Die neue Version verspricht vor allem eine bessere User Experience im Rahmen des Deployments von Compute-Leistung, der ganzheitlichen Konfiguration und Bereitstellung von Netzwerkressourcen sowie der Verwaltung des User- und Identity-Managements. Weiterhin liegt der Fokus auf einer besseren horizontalen Skalierbarkeit über alle Infrastruktur-Ressourcen hinweg.

Den Fokus auf Stabilität und einer einfacheren Nutzung zu legen, ist notwendig, um OpenStack-Nutzern es zu ermöglichen, ihre Operational Excellence weiterhin konstant zu optimieren. Insbesondere die Verbesserungen hinsichtlich der horizontalen Skalierung waren notwendig. Gilt dies unter OpenStack-Anwendern weiterhin als eines der Problemkinder. Allerdings darf die OpenStack-Community eines nicht vergessen. Bei der Stabilität und User Experience handelt es sich lediglich um die Pflicht. Die Kür versteckt sich hinter der Innovationsgeschwindigkeit und somit der Entwicklung neuer Services. Und davon ist im Mitaka-Release nichts zu finden. Vor allem für Public Cloud Anbieter, die auf OpenStack als Infrastruktur-Basis setzen ist es enorm wichtig von neuen Services aus der OpenStack-Community zu profitieren. Zum Vergleich, Amazon Web Services bietet mittlerweile über 70 Services und hat im letzten Jahr 722 neue Funktionen veröffentlicht. Microsoft spricht von über 500 neuer Funktionen die für Azure im Jahr 2015 entwickelt wurden. Das Mitaka-Release enthält hingegen 17 Services, mit denen sich eine eigene Cloud-Infrastruktur aufbauen lässt.

Für einen Public Cloud-Anbieter, der auf OpenStack setzt, um mit dem 700 Pfund Gorilla Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure mitzuhalten, ist das definitiv zu wenig. Für Unternehmen, die damit ihre rein Infrastruktur-zentrische Cloud-Umgebung aufbauen und betreiben wollen, wird dies vorerst ausreichen. In jedem Fall muss die OpenStack-Community hier in Zukunft noch deutlich nachlegen, um OpenStack attraktiver zu machen.

Weitere Fakten zum Mitaka-Release

An dem Mitaka-Release haben sich insgesamt 2.336 Entwickler aus 345 Organisation beteiligt. Ein Wachstum von 15 Prozent im Vergleich zum vergangenem Jahr. Die OpenStack Community ist mittlerweile auf weltweit 50.000 registrierten Mitgliedern aus 178 Ländern angewachsen.

Was bisher nicht öffentlich gemacht wurde, erzählte Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation, in einem persönlichen Gespräch. So enthält das Mitaka Release über 800 neue Funktionen. Die OpenStack-Community hat unter der Haube in einem halben Jahr also mehr neue Funktionalitäten entwickelt als AWS im vergangenem Jahr.

Ein weiteres wichtiges Detail aus der „OpenStack User Survey“ ist der Einsatzgrad von OpenStack. So befinden sich aktuell 65 Prozent aller OpenStack-Deployments weltweit im produktiven Einsatz. Nach Angaben der OpenStack Foundation 33 Prozent mehr als im letzten Jahr.

Wenig neue Kundenreferenzen – Deutschland ist omnipräsent

Ging es auf diesem Summit um große neue Kundennamen verhielt sich die OpenStack Foundation recht zurückhaltend. Wie schon in den vergangenen Jahren, mussten vorwiegend die alten Referenzkunden allen voran Walmart, Wells Fargo, eBay und Paypal erhalten.

Allerdings nannte die OpenStack Foundation Crisp Research „unter vier Augen“ den Namen eines „sehr großen deutschen“ Unternehmens, der als Referenzkunde auf dem OpenStack Summit in Barcelona präsentiert werden soll. Sollte dieser Kunde noch einwilligen, auf der Bühne zu stehen, kann Crisp Research bestätigen, dass es sich für die OpenStack-Gemeinde hierbei um eine ziemlich große Nummer handeln wird.

Neue OpenStack-Nutzer, die auf dem Summit präsentiert wurden zählen:

  • LivePerson, eine Echtzeit Customer-Engagement-Lösung, die ihren Monolithen in 150 einzelne Microservices zerlegt hat und diese auf 8.000 virtuelle Maschinen, gestützt von 20.000 physikalischen Kernen betreibt. LivePerson setzt als Deployment-Lösung hierzu auf Docker-Container, Mesos sowie Kubernetes.
  • tcp cloud, die eine IoT-Plattform in der Tschechischen Republik für Smart Cities betreibt. OpenStack wird hierzu als Infrastruktur-Grundlage eingesetzt, um anhand von IQRF die Daten der Sensoren auszulesen und zu verarbeiten. Als Deployment-Lösung kommen Docker-Container und ein Kubernetes-Cluster zum Einsatz.

Zwei Schwergewichte wurden aus Deutschland präsentiert.

  • Volkswagen, dass seine gesamte Red Hat Infrastruktur-Umgebung gegen Mirantis ausgetauscht hat, wird in Zukunft alle neuartigen (Cloud-nativen) Anwendungen auf OpenStack betreiben. Das Projekt wurde initial Mitte 2015 ins Leben gerufen, die erste Infrastruktur dann Ende 2015 Live genommen. Volkswagen will OpenStack u.a. für den Betrieb seiner Webseiten, den Car-Konfigurator sowie 3D-Rendering und BI/ Analytics einsetzen.
  • SAP, die es geschafft hat, ihr ursprüngliches internes Projekt Monsoon, endlich zu einem High-Level Projekt werden zu lassen. OpenStack wird damit zum Infrastruktur-Standard sämtlicher SAP-Rechenzentren weltweit werden. Für SAP handelt es sich dabei um ein strategisches Thema, um anhand von OpenStack eine Abstraktionsschicht auf Infrastrukturebene zu haben, um damit einen Vendor Lock-in zu vermeiden. Hierzu setzt SAP auf eine eigene Distribution, um schneller Innovationen zu treiben bzw. individuelle Anpassungen besser vornehmen zu können. Dazu engagiert sich SAP selbst an verschiedenen OpenStack Sub-Projekten wie Ironic, Manila, Monasca, Neutron und Kolla. OpenStack wird von SAP als reine Infrastrukturbasis gesehen. Auf der Ebene darüber kommt der Platform-as-a-Service Cloud Foundry zum Einsatz (Lesen Sie hierzu auch: “SAP unterstreicht die Bedeutung von OpenStack und Cloud Foundry”), mit dem die Verwaltung von OpenStack (wie virtuelle Maschinen etc.) vorgenommen wird. Oberhalb von Cloud Foundry agiert dann die SAP HANA Cloud Platform, um zum Beispiel IoT-Projekte wie “Siemens Mindsphere“ zu betreiben.

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OpenStack wird enger mit Cloud Foundry und anderen Communities zusammenarbeiten

Insgesamt hat der OpenStack Summit Austin drei wichtige Erkenntnisse zu Tage gefördert:

  1. Eine Microservices-Architektur ist für den Betrieb moderner Anwendungen zwar unumgänglich, höherwertige Plattform-Services sind dafür aber nicht zwangsläufig notwendig. Das hat „tcp Cloud“ aus Tschechien eindrucksvoll gezeigt. Auch wenn Plattform-Services das Leben von Entwicklern deutlich vereinfachen und den Time-to-Market beschleunigen.
  2. OpenStack wird niemals ein vollständiger Infrastrukturplattform-Stack werden. Stattdessen sieht die OpenStack Foundation die Cloud-Infrastruktursoftware als „Integration-Engine“ und will in Zukunft verstärkt mit anderen Open-Source Communities wie Cloud Foundry und Kubernetes zusammenarbeiten. Innovationen oberhalb der Infrastruktur werden somit von Technologiepartnern kommen und nicht selbst durch die OpenStack-Community vorangetrieben. Von der OpenStack Foundation handelt es sich dabei um den einzig richtigen Schritt, um seinen Nutzern kurzfristig neue Technologien und Funktionen auf höheren Ebenen bieten zu können.
  3. OpenStack ist „Production Ready“ aber nicht „Enterprise Ready“. OpenStack-Infrastrukturen, die auf langfristig bestehende Projekte aufbauen, sind mittlerweile so stabil, dass sie sich ohne Bedenken für produktive Umgebungen einsetzen lassen. Aus diesem Grund sind „Heavy User“ wie CERN Infrastruktur-Chef Tim Bell von „Housekeeping“-Releases wie Mitaka auch mehr erfreut, als über Releases, in denen neue Services veröffentlicht werden. Denn aus diesen müssen schließlich wieder potentielle Fehler entfernt werden, die den Regelbetrieb beeinflussen können. Um jedoch auch den Status „Enterprise Ready“ zu bekommen, hat die OpenStack Community hinsichtlich der Core-Services noch einige Hausaufgaben zu bewältigen. So fehlt der OpenStack-Software bspw. weiterhin ein Compliance-Service (vgl. AWS CloudTrail), mit dem sich granular überwachen lässt, welcher Nutzer zu welcher Uhrzeit welche virtuelle Maschine, API oder Service genutzt hat.

Eine weitere interessante aber vor allem wichtige Erkenntnis kommt aus dem Bereich der Container. 70 Prozent der OpenStack-Nutzer setzen sich im Rahmen neuer Technologien mit Container-Services wie Docker auseinander, um Anwendungen unabhängig von der darunterliegenden Infrastruktur zu betreiben. So zeigte das CoreOS-Team während seiner Key Note eine in Container verpackte selbstheilende OpenStack-Infrastruktur. Nur ein Grund, warum sich 44 Prozent der OpenStack-Nutzer in Zukunft verstärkt mit dem OpenStack Container-Service „Magnum“ beschäftigen wollen.

Zu guter Letzt erwarten proprietäre Anbieter wie VMware und EMC weniger gute Nachrichten. Diese sollten sich warm anziehen oder intensiver in der OpenStack-Community beteiligen. Denn 97 Prozent der Nutzer setzen auf OpenStack, um ihr Infrastrukturmanagement zu standardisieren bzw. zu vereinheitlichen. Wie es geht zeigen Anbieter wie NetApp bzw. dessen neue Tochter SolidFire, die als bevorzugte Treiber für das OpenStack Shared File System (Manila) eingesetzt werden.

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