Nokia – Der Patient lebt!

Immer dann, wenn eine Rating-Agentur aus den USA den Daumen über einem europäischen Unternehmen senkt, ist eigentlich der beste Zeitpunkt für einen Einstieg in die Aktie. Das hat nicht nur mit der alten Börsenregel „Buy on Bad News“ zu tun, sondern auch damit, dass die Ratingagenturen in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie erstens oft politisch, beziehungsweise strategisch handeln, und zweitens dass diese Urteile häufig weit entfernt von Sach- und Marktkenntnis liegen.

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Zumindest Letzteres trifft auch im Falle von Nokia wieder einmal zu.

Die Ratingagentur Moody's Investors Service hat die Bonitätsnote von Nokia weiter abgesenkt. Der finnische Handyhersteller hatte vor kurzem  seinen Partner im Joint Venture Nokia Siemens Networks für 1,7 Milliarden Euro ausgekauft. Moody's verwies in der Mitteilung auf Probleme beim Cash- Flow aufgrund der geringeren Nachfrage nach den Handys des Konzerns mit Sitz im finnischen Espoo. „Wir glauben, dass das Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten haben wird, in seinem Kernbereich Smartphones und Mobilfunk nachhaltig in die Gewinnzone zurückzukehren”, erklärte Roberto Pozzi, Analyst für Nokia bei Moody's. „Es ist unwahrscheinlich, dass Nokia vor 2014 auf Basis des Cash-Flows schwarze Zahlen schreibt.”

Das ist im Prinzip erst mal nicht falsch, allerdings auch wenig überraschend. Wenn man es sich genau betrachtet ist es nicht mal eine Aussage.

Dass die finanzielle Basis von Nokia schlechter ist als die der Wettbewerber Samsung und Apple ist jedem Laien bekannt. Aber das Urteil von Moody´s  und die Begründung gehen an den Tatsachen doch ein bisschen vorbei. Zugegeben, die Umsatzrückgänge sind immer noch dramatisch, aber viel entscheidender sind die neuen Produkte und die strategische Ausrichtung.

Nokia hat seit dem Managementwechsel und der Partnerschaft mit Microsoft vieles richtig gemacht. Dass sich Fehlentwicklungen und strategische Fehlentscheidungen, die sich über mehrere Jahre gezogen haben nicht in 3-4 Quartalen wieder ausmerzen lassen ist nur logisch. Entscheidend ist, dass Nokia aus strategischer Sicht neu und vor allem gut ausgerichtet ist. Und das kann man behaupten.

Die Übernahme der verbliebenen Anteile an Nokia Siemens Networks von Siemens war ein richtiger Schritt und der Preis zudem attraktiv. Zwar sind die Umsätze bei NSN noch rückläufig, aber das Unternehmen ist mittlerweile operativ wieder in der Gewinnzone.

Auch die Partnerschaft mit Microsoft trägt Früchte. Trotz der anfänglichen Skepsis sind die Produkte der Lumia-Reihe mindestens auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb. Das zeigen auch die Verkaufszahlen. Zwar lagen die letzten Absatzzahlen unterhalb der Schätzungen von Finanz Analysten, waren aber trotzdem gut. Mit 7,4 Millionen Geräten im 2. Quartal lag Nokia fast 50% über den Absatzzahlen des 1. Quartals. Nur zum Vergleich: Blackberry setzte im gleichen Zeitraum lediglich 6,8 Millionen Geräte ab.

Schon heute hat sich der Hype um neue Smartphones etwas gelegt. Apple und auch Samsung fällt es zusehends schwer wirkliche Begeisterung mit dem Erscheinen neuer Modelle auszulösen. Das hat zwar keine negativen Auswirkungen auf die Absatzzahlen, aber es gibt Nokia die Chance, dass die Produkte durch den Konsumenten mehr vor dem Hintergrund der Features und Functions beurteilt werden und weniger der Brand im Vordergrund steht.

Vor diesem Hintergrund erwartet Crisp Research, dass Nokia sich in Zukunft  als 3. Wettbewerber in diesem hart umkämpften Markt nachhaltig positionieren wird.

Moody´s wird sich dann beizeiten wie das Fähnchen nach dem Wind drehen.

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Über den Autor:

Senior Analyst & COO

Steve JanataSteve Janata ist COO und Senior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Steve Janata als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Fragen des Strategie-, Portfolio- und Channel-Management. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Carlo Velten bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Steve Janata engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.