Mobile World Congress: 5 Dinge, die uns bewegen

  • Der Mobile World Congress 2017 ist zu Ende gegangen. Crisp Research blickt auf die auffälligsten Ankündigungen und Entwicklungen.
  • Neben der Vormachtstellung von Industrie- und Automotive-Unternehmen waren es vor allem Netzwerk-Technologien und IoT-Software, die als bemerkenswerte Entwicklungen das Event beherrschten.
  • Bahnbrechende Entwicklungen im Smartphone Markt hinsichtlich neuer Funktionen und Co. kommen nicht mehr von den Herstellern selbst.

Als wichtigste Plattform für Mobility-Technologien von heute und morgen lädt die GSMA alljährlich zu seinem Klassentreffen – dem Mobile World Congress in Barcelona ein. Mobile Technologien, gerne auch mal weiter gefasst als Smartphones und Apps, gelten hier als Herzstück der Technologie-Innovationen der Zukunft. Deswegen stand der diesjährige Kongress auch unter dem Motto „The Next Element“ und soll die elementare Funktion der gezeigten Technologien noch einmal unterstreichen.

Auch anders interpretiert, macht dieser Slogan Sinn. Denn ‚The Next Element(s)’ werden von Jahr zu Jahr gezeigt. Der MWC ist keine Messe für Smartphones, Telekommunikation und eine Hand voll Apps. Wenngleich der unmittelbare Bezug zwischen vielen neuen Trend-Technologien und „Mobility“ fehlt, hat auch der diesjährige Kongress die Reichweite mobiler Technologien unterstrichen und eine Laudatio auf sich selbst gehalten.

So standen auch die Global Mobile Awards in diesem Jahr unter einem erweiterten Motto. Viele Sieger-Technologien bedienen sich künstlicher Intelligenz, Virtual Reality, Big Data-Ausläufern oder Smart Cities und IoT.

Wir, von Crisp Research, haben fünf wesentliche Aspekte identifiziert, die über das gesamte Event auffielen und die für die meiste Aufmerksamkeit sorgten:

#1 Industry IT & Connected Cars

Für die Highlights in diesem Jahr sorgten überwiegend die großen Industrie- & Automotive-Anbieter, die vor einigen Jahren noch nahezu keinen Bezug zum Event hatten. Voll-vernetzte Autos mit virtuellen Cockpits, digitalem Infotainment, Gesichtserkennung, cloud-basierter Parkplatzssuche und als autonome Fahrzeuge wurden von allen Herstellern und in Kooperation mit ihren bekannten Zulieferern vorgestellt.

Zukünftig werden alle Autos mit (fest verbauten) eSim-Karten vernetzt sein, um High-Speed-Hotspots zu bieten oder automatische Notruf-Systeme bedienen zu können.

Viele dieser Ideen sollen künftig auch die Logistik vereinfachen. Mit autonomen Lastwagen, die Auslieferungs-Roboter oder Drohnen an Bord haben oder teilweise Pakete auch an das Auto des Empfängers zu liefern, existieren hier einige Pilot-Konzepte, die schon in naher Zukunft den Alltag beherrschen werden.

#2 5G-Netzwerke

Viel Aufmerksamkeit hat auch der neue Mobilfunkstandard 5G erregt. Er soll selbst Glasfaser-Übertragungen in den Schatten stellen und gilt nicht nur als Grundlage für flächendeckendes High-Speed-Internet – im Zug, Flugzeug oder fernab der Zivilisation, sondern vor allem auch als Basis für eine voll-vernetzte Umwelt. Durch Gigabit-Übertragungsraten und besonders geringen Latenzen soll er auch im Internet of Things eine tragende Rolle spielen. Denn neben LPWAN, Bluetooth und Wi-Fi wird auch der neue Mobilfunkstandard einen Teil der Kommunikation abdecken. Die nächste Generation lässt zumindest hoffen, dass die Anforderungen des Internet of Things besser erfüllt werden können. (Dazu näheres im Analyst View von Kollege Björn Böttcher)

Für die Übertragung der knapp 370 Exabyte (Eine Trillion Bytes - 1018) im Jahr 2020, die dann als mobiler Datentraffic durch die Welt fliegen, ist 5G aber trotz einiger Ankündigungen noch nicht bereit. Nokia und Qualcomm haben erste Chips und Technologien gezeigt und auch die Telekommunikationsanbieter, allen voran Vodafone, wollen 2020 erstmals kommerziell im Markt in Erscheinung treten.

Dennoch – und gerade vor dem Hintergrund, dass in Deutschland, wo 2020 knapp 500 Petabyte mobiler Datentraffic aufkommen soll, bis heute kein flächendeckendes LTE-Netz existiert – werden die Entwicklungen wohl erst in 8-10 Jahren bei allen angekommen.

#3 Internet of Things-Mainstream

Aber auch mit 4G wird es das Internet of Things schaffen, sich schon bald durchzusetzen. Als Wearable-Technologie in vernetzten Kleidungsstücken, als Grundlage für die Forschung in der Umwelt und Tierwelt, wie es die Universität St. Andrews bereits tut, mit Smart Metern bei der Stromversorgung und auch im Connected Car sowie allen weiteren, beinahe unendlichen Konzepten, wird dem Internet of Things immer mehr Leben eingehaucht.

Das zeigt beispielsweise auch MobileIron, das kurz vor Beginn des Mobile World Congress die eigene IoT-Strategie vorgestellt hat und damit zum richtigen Zeitpunkt das EMM-Portfolio zum IoT-Enablement erweitert. Für die Weiterführung der „Unified Endpoint Management“-Story, wo zukünftig auch IoT-Devices dazuzählen werden, macht das absolut Sinn.

Die Unternehmen, insbesondere in der Industrie, müssen sich jetzt wappnen, die geeigneten Konzepte erstellen, die richtigen Anbieter von der Infrastruktur bis zu den Software-, Service- und Dienstleistungsangeboten wählen und die erste Welle von Endgeräten bereitstellen, sodass vernetzte Geschäftsprozesse und –modelle um das nächste Element IoT erweitert werden. Die Anbieter hingegen, müssen auf die branchenspezifischen Anforderungen achten. Wird es hier bald die Co-Existenz von Internet-Companies, Startups und Industrie-Giganten geben?

#4 Smartphone-Herstellern gehen die Ideen aus

Die (persönlichen) Erwartungen erfüllt und dennoch enttäuscht haben die Smartphone-Hersteller. Da der Plattform- und Betriebssysteme-Krieg mittlerweile endgültig beigelegt ist und das Google-Apple-Duopol gesiegt hat, sind insbesondere die bekannten Hersteller vor allem ideenlos.

Einige Startups versuchen sich noch mit was neuem, aber letztlich gibt es wenig nennenswerte Beiträge.

Dagegen haben Nokia & BlackBerry auch wieder auf und rund um den Mobile World Congress neue Geräte vorgestellt. Aber gelernt haben sie trotz allem. Denn die Smartphones werden nicht mehr selbst hergestellt, sondern haben nur noch den lizensierten Brand. Beide legen den Fokus lieber auf wachsende Märkte – Nokia rüstet 5G aus und „Software is The New BlackBerry!“.

#5 Mobile Payment 1.1

Ein letzter noch nennenswerter Aspekt war das mobile Bezahlen. Schon vor einigen Jahren, als mit NFC und Co. die ersten Technologien aufkamen, war der Mobile World Congress besonders vom Mobile Payment beeinflusst.

Bemerkenswerterweise sind es vor allem die weniger entwickelten Staaten, unter anderem Kenia, die Technologien und das Vertrauen besitzen, um bargeldloses Bezahlen mit dem Smartphone schnell voranzutreiben.

Der Digital Identifier von Visa, der zukünftig kommen soll, ist eine Token-Technologie, die auch Apple und Google zur Authentifizierung nutzen. Gemeinsam mit IBM im neuen Watson Lab wird derzeit daran gearbeitet, die mobile Bezahlung so sicherer zu machen und vor allem einen flächendeckenden Technologie-Standard einzuführen, der zukünftig auch wirklich genutzt werden kann.

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Über den Autor:

Senior Analyst & Mobile Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Analyst und Mobile Practice Lead des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Maximilian Hille ist verantwortlich für Marktforschungsinitiativen und Beratungsprojekte maßgeblich in den Bereichen Mobile Business und Enterprise Mobility. Zuvor war Maximilian Hille Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG.
Weiterhin ist er Produkt Manager des Research-Web-Dienstes Crisp Analytics. Seine Fokusthemen sind Mobile User Experience, Mobile Application Performance, mobile Development Platforms, Enterprise Mobility und Mobile Collaboration.
Maximilian Hille ist Juror bei den Global Mobile Awards 2017.