Mobile Websites von Unternehmen: Es trennt sich die Spreu vom Weizen

Als Steve Jobs im Januar 2007 auf der Bühne stand und das erste iPhone vorstellte, schuf er neben einer neuen Produkt-Gattung und einem weltweiten Milliardenmarkt auch den wichtigsten multimedialen Kommunikationskanal der Zukunft. Bereits 7 Jahre später wurden digitale Medien häufiger auf Smartphones als auf Desktops genutzt. Ein Drittel aller Zugriffe auf Suchmaschinen und E-Commerce Seiten erfolgen heute bereits über den Browser eines Mobilgerätes. Dabei erwartet die Mehrheit der Nutzer, dass Internetseiten auf ihren Smartphones genauso komfortabel zu bedienen sind, wie auf ihrem PC. Doch viele Betreiber der Websites sind von dieser Entwicklung überrannt worden. Dies könnte nun teuer werden.

Die Anzeige von Standard-Websites auf Mobilgeräten bringt in der Regel eine schlechte Nutzererfahrung mit sich: Die Schrift ist entweder zu klein oder zu groß, auf dem begrenzten Screen werden zu viele Informationen angezeigt, gelegentlich überlagern Bilder den Text und machen ihn unlesbar und die Navigation auf der Website ist schwerfällig. Sofern der Nutzer die Möglichkeit hat, ein mobil-optimiertes Webangebot zu nutzen, wird er diese wahrnehmen. Nicht-optimierte Websites haben nur noch eine sehr geringe Rate an „Returning Visitors“.

Internetnutzer betreiben Multi-Screening

Die Mehrzahl der Internet-Nutzer betreibt heute Multi-Screening – das heißt, der einzelne Besucher nutzt wechselnde Geräte für den Zugriff auf Webinhalte und Dienste. Für einen überzeugenden Markenauftritt und gute Usability ist es daher wichtig, eine konsistente Nutzererfahrung über verschiedene Gerätetypen und OS-Plattformen zu bieten. Durch die zunehmende Fragmentierung der internetfähigen Geräte ist dies eine wachsende Herausforderung: Alleine mit dem Betriebssystem Android gibt es heute 18.000 verschiedene Gerätetypen. Durch die zunehmende Online-Anbindung von elektronischen Geräten wie Fernsehern und Smartwatches wird sich die Situation noch verschärfen.

 Responsive Web Design

Einige namhafte Unternehmen folgen mittlerweile dem „Mobile First“-Prinzip. Bei dem Ansatz werden Online-Dienste zunächst für kleinere Displays wie Smartphones entwickelt und erst danach für die Desktop-Größen. Dabei liegt der Fokus auf der Navigation, der Performance und der Priorisierung der Inhalte. Doch bisher ist etwa die Hälfte der Websites von Unternehmen noch nicht für die Darstellung auf Mobilgeräten geeignet.

Die Karten werden neu gemischt

Die Zugriffzahlen auf Online-Angebote und Suchmaschinen durch Mobilgeräte wachsen exponentiell. Nun reagieren die Betreiber von Suchmaschinen auf diese Entwicklung, um ihren Nutzern einen bestmöglichen Service zu bieten. So hat Google kürzlich ein zusätzliches Icon mit dem Label „mobile-friendly“ in den Suchergebnissen eingeführt und bietet Website-Betreibern die Möglichkeit, ihre Online-Angebote zu testen. Das ist ein klares Signal des Suchmaschinen-Primus, dass die Optimierung der Online-Angebote für Mobilgeräte zukünftig eine wichtige Rolle spielen wird. Google wird seine Suchergebnisse so gestalten, dass seine Nutzer bevorzugt Internetseiten angezeigt bekommen, die ein gutes Nutzererlebnis bieten. Das sollten Website-Betreiber unbedingt beachten.

Diese Entwicklung kann für ambitionierte Anbieter einen Wettbewerbsvorteil darstellen, wenn die optimierte Darstellung auf Mobilgeräten zu einem Rankingfaktor innerhalb der mobilen Suchergebnisseiten wird. Damit können gut optimierte mobile Websites an weniger guten Mitbewerbern vorbeizuziehen und die Besucher und ihren Umsatz für sich gewinnen.

Facebook hat seine Hausaufgaben bereits gemacht. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley erwirtschaftete im letzten Quartal 2014 beachtliche 69% seines Werbe-Umsatzes auf Mobilgeräten und spülte in drei Monaten 2,6 Mrd. USD in seine Kassen. Noch vor zwei Jahren bezeichnete Facebook-Gründer Zuckerberg die späte Optimierung seines Online-Dienstes für Mobilgeräte als seinen größten Fehler. Er hat schnell daraus gelernt.

Mobile Web Experience – Erfolgsfaktor für Unternehmen

Die „Mobile Web Experience“ wird also zunehmend zum Erfolgsfaktor. Und dies nicht nur für Internet-Unternehmen wie Facebook. Da auch Mittelstandsunternehmen und Konzerne sich neu ausrichten und „digital transformieren“, um ihre Kundenbeziehungen digital abzubilden und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, steht das Thema auch hier in den nächsten Jahren ganz oben auf der Agenda der CIOs und „Chief Digital Officers“. Denn nur wenn die Anwender die neuen Cloud-Dienste bequem und schnell auf ihren mobilen Geräten nutzen können, lassen sich über Werbe-, Subskriptions- oder eCommerce-Modelle ernsthaft Umsätze erzielen.

Derzeit verfolgen die Unternehmen noch recht unterschiedliche Strategien zur Optimierung ihrer „Mobile Web Experience“. Aus Perspektive von Crisp Research werden zukünftig Mobile App Development-Frameworks für einheitliche Entwicklungsprozesse sowie Mobile Middleware-Lösungen eine wichtige Rolle spielen, um die Integration mit dem IT-Backend der Unternehmen zu gewährleisten. Aber auch Tools und Services für das Performance Management und Monitoring von mobilen Websites und Apps wie New Relic oder AppDynamics spielen zukünftig eine wichtige Rolle.