Mobile Web Experience kommt an: Ein Viertel mehr mobil-optimierte Webseiten

Im vergangenen Jahr hat Crisp Research eine Studie zur Mobile Web Experience der Webseiten von über 500 führenden Mittelstands- und Großunternehmen in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis war ein Weckruf für die untersuchten Unternehmen: Weit weniger als die Hälfte der Webseiten wiesen sichtbare Initiativen auf, die im Zeitalter des Smartphones als führendem Web-Medium notwendig sind. Die jetzige Analyse, ein halbes Jahr später, zeigt deutlich, dass sich bei der Mobile Web Experience einiges bewegt. Fast jede vierte untersuchte Webseite, die zuvor noch ohne sichtbare Anpassungen durchfiel, ist heute mobil optimiert. Auch in Sachen User Experience und Performance haben sich die Werte verbessert.

Spätestens mit dem Einzug des Smartphones und dem mobilen Arbeiten im Geschäftsalltag sind nahezu alle Unternehmen gezwungen, ihren Web- und Markenauftritt auch mobil besser verfügbar zu machen. Denn um die hohen Anforderungen hinsichtlich User Experience, die sich an Design-Best Practices von Silicon Valley Start Ups, Facebook, Google etc. orientieren, erfüllen zu können, müssen die Webauftritte der Unternehmen teilweise erheblich angepasst werden. Denn eine angemessene Nutzererfahrung auf den mobilen Geräten von unterwegs ist nur dann sichergestellt, wenn das mobile Layout hinreichend vom Desktop entfremdet ist. Dazu gehören optimale Größen der Schaltflächen und Texte, wie auch der Fokus auf wesentliche Funktionen und Tools, die mobil relevant sind sowie die Reduktion der Dateigrößen für Bilder und Anwendungen, um auch bei 3G oder Edge-Verbindungen schnellen Zugriff zu erhalten.

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Schwache Bilanz im Sommer 2015

Um zu untersuchen, wie gut führende Unternehmen in Deutschland tatsächlich für die Mobile Web Experience vorbereitet sind und wie viel Einfluss das im April 2015 angekündigte „Mobilegeddon“ (Google hat im April 2015 angekündigt, dass der Algorithmus für die Websuche über das Smartphones angepasst wird. Fortan sollen Webseiten, die einen bestimmten Katalog von Kriterien zur mobilen Optimierung erfüllen gekennzeichnet werden und darüber hinaus in den Sucherergebnissen eher angezeigt werden.) von Google auf die Marketing- und Digitalabteilungen der Unternehmen hat, hat Crisp Research eine Studienmethodik entwickelt. Damit wurde zunächst in einer empirischen Befragung ein Meinungsbild der Entscheider zur Wichtigkeit und zum eigenen Planungsstand mobil optimierter Webseiten eingeholt. Darüber hinaus wurden anhand einer tool-basierten Untersuchung über 500 Webseiten auf ihre Initiativen und Meilensteine bei der Mobile Web Experience überprüft.

Es fiel auf, dass die Meinungen der Entscheider hinsichtlich ihrer Initiativen und die tatsächlich ermittelten Ergebnisse mitunter weit auseinander lagen. Obwohl die große Mehrheit der befragten Entscheider sich selbst ein gutes Zeugnis ausstellte, konnten nur 41 Prozent der Webseiten identifiziert werden, die mobil optimiert waren. Weniger als jede dritte Webseite (32 Prozent) nutzte Responsive Webdesign als neuen Standard für die Webseitenentwicklung. Bei der Usability wurden wenigstens einige Regeln bereits beachtet, sodass die Webseiten durchschnittlich 68 von möglichen 100 Punkten erzielen. In der Kategorie Performance schnitten die Webseiten mit durchschnittlich 58 Punkten etwas schlechter ab.

Januar 2016: Klares Bekenntnis zu einer besseren Mobile Web Experience

Um nun zu untersuchen, wie sich die Mobile Web Experience in deutschen Mittelstands- und Großunternehmen entwickelt hat, wurde die Analyse der Webseiten (2. Studienteil) noch einmal unter gleichen Voraussetzungen wiederholt. Das bedeutet, dass alle damals untersuchten Webseiten erneut hinsichtlich mobiler Webseite, Usability und Performance mit fast identischer Untersuchungsanordnung unter die Lupe genommen wurden. Verglichen mit der Untersuchung im Sommer 2016 wurde bei der Bewertung der Usability ein weiteres Kriterium berücksichtigt: die Vermeidung von sogenannten Interstitials. Interstitials sind Werbeinhalte, die einen direkten Seitenaufruf blockieren, sich vor der eigentlichen Seite aufbauen und erst manuell per Klick entfernt werden können. Es hat sich aber gezeigt, dass diese Anforderungen schon flächendeckend erfüllt werden, da fast keine Webseite die störenden Werbebanner aufweist.

Auch hat Google, dessen Page Speed Insight-Analyse-Methodik maßgeblich als Grundlage für die Untersuchung verwendet wurde, die Metrik für das abschließende Scoring deutlich verschärft. Daraus folgt, dass auch die Webseiten, die bereits im Sommer 2015 eine gute Punktzahl erreicht hat, dies in der neuen Analyse durch fortwährende Entwicklungen bestätigen müssen. Vor diesem Hintergrund ist es an dieser Stelle allerdings auch schwierig, besonders gewichtige Vergleiche zwischen den ermittelten Gesamt-Scores vorzunehmen.

Dennoch können bei der neuen Untersuchung klare Schlussfolgerungen gezogen werden: Es hat sich viel getan in Sachen Mobile Web Experience!

2016_Grafik 2

Denn mittlerweile haben mehr als die Hälfte aller untersuchten Unternehmenswebseiten (52,4 Prozent) eine Optimierung, die auch die Anzeige auf dem Smartphone optimiert. Vor sechs Monaten waren dies noch gut 41 Prozent und damit deutlich weniger als die Hälfte aller Webseiten. Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man betrachtet, dass absolut gesehen 72 Webseiten in den vergangenen 6 Monaten eine mobile Optimierung erhalten haben. Von denjenigen Webseiten, die seinerzeit nicht mobil optimiert waren, sind dies knapp 25 Prozent und damit jede Vierte. Demgegenüber stehen leider auch 15 Webseiten, die aufgrund von Umstellungen der Webseite einen Rückschritt gemacht haben und die Anforderungen an die mobile Optimierung nicht mehr erfüllen.

Darüber hinaus hat sich auch gezeigt, dass die Prognose für das Responsive Webdesign, als neuer de-facto-Standard für die Entwicklung, die Pflege und den Betrieb der Webseiten realistisch ist. Denn über 43 Prozent aller untersuchten Webseiten nutzen mittlerweile das Responsive Webdesign. Die gestiegene Zahl hängt zum einen damit zusammen, dass fast alle neu hinzugekommenen mobil-optimierten Webseiten bereits auf die neue Responsive Webdesign-Methode setzen und darüber hinaus auch einige Unternehmen ihre dediziert mobilen Webseiten auf den Responsive Webdesign-Standard gehoben haben, um mehr Flexibilität und Übersicht bei der Administration und Bereitstellung zu schaffen.

Dies führt dazu, dass insbesondere der Durchschnittswert in der Usability-Kategorie weiter verbessert wurde. Über alle untersuchten Webseiten hinweg betrug dieser 77 von 100 möglichen Punkten (vs. 68 im Sommer 2015). Denn gerade durch die Nutzung des Responsive Webdesigns werden Vorlagen für optimale Schrift- und Schaltflächengrößen sowie stets variable Breiten gleich mitgeliefert. Darüber hinaus hat sich im Vergleich zur Untersuchung 2015 auch die Performance leicht verbessert. Über die gesamte Stichprobe hinweg konnte sie sich von 58 auf 61 Punkte steigern.

Gewinner & Verlierer 2016

Viele Webseiten, die bereits 2015 ganz oben auf dem Ranking standen, konnten ihr Ergebnis auch in diesem Jahr wieder bestätigen. So gehören beispielsweise die Webseiten von RWE, Brandt Zwieback, AVM und Fielmann nach wie vor zu den führenden Webseiten, die entweder mittels dedizierter Webseite, häufig aber auch bereits mit Responsive Webdesign, ihren Score und ihre Werte für Usability und Performance bestätigen konnten.

Allerdings bekommen diese Webseiten auch Konkurrenz durch die Nachzügler, denen es mitunter gelungen ist, sehr fortschrittliche Webseitekonzepte gemessen an den Usability- und Performance-Kriterien aufzubauen. Beispielhaft hierfür stehen Continental Reifen, die Fresenius SE oder der Lebensmittelhersteller Krüger. Auch Webseiten wie diejenigen von Vinci Facilities, Peek & Cloppenburg (Hamburg & Düsseldorf), Sennheiser oder der QSC AG können mit soliden Ergebnis dank neuer mobiler Optimierung auf hohem Niveau mithalten.

Manche Mobile Web Initiativen, die in den vergangenen sechs Monaten implementiert wurden, konnten zwar identifiziert werden, wenngleich hier und dort noch Nachholbedarf besteht. So müssen die Webseiten von Hansgrohe, WMF und Melitta u.a. noch an kleinen Stellschrauben optimiert werden (insbesondere bei der Reduktion der Bildgrößen), sodass auch diese zu den führenden Webseiten aufsteigen können.

Demgegenüber stehen aber auch die Verlierer der letzten sechs Monate, die aus einer guten Ausgangsposition wenig Potential schöpfen konnten. Die prominenten Beispiele, wo offenbar in den letzten sechs Monaten wenig optimiert wurde bzw. teilweise Rückschritte gemacht wurden, heißen ATU (Auto-Teile-Unger), apetito und Sky. Alle diese Webseiten konnten ihre zuvor guten Ergebnisse nicht bestätigen und haben auch bei der Umstellung der Webseite den Fokus nicht erfolgreich auf das mobile Interface gelegt. Besonders bemerkenswert ist hier, dass es gerade die besonders B2C-fokussierten Unternehmen sind, die hier negativ auffallen. Gerade bei Sky, eine breite Markenausrichtung verfolgen und auch mit mobilen Apps aktiv sind, ist der Rückschritt bei der Mobile Web Experience umso weniger nachvollziehbar. Dementgegen sollte gerade ATU in einem sehr preis-sensitiven Käufer-Markt eine angemessene mobile Markenstrategie besitzen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Nachfrage nach Reparaturen, Inspektionen oder Zubehör meist unterwegs aufkommen, sollte die Mobile Web Experience gerade dort besonders ernst genommen werden.

Ausblick 2016

Die Ergebnisse der erneuten Auswertungen lassen schlussfolgern, dass Mobile Web Experience offensichtlich bei den meisten Unternehmen weit oben auf der Marketing-Agenda steht. Dass bereits innerhalb von sechs Monaten deutliche Fortschritte bei den bestehenden und neuen mobil-optimierten Webseiten zu erkennen sind, deutet ganz besonders daraufhin, dass derzeit viele konkrete Aktivitäten rund um dieses Thema im Gange sind.

Nur wenn die Unternehmen und ihre Marketingabteilungen weiter an der Optimierung des mobilen Markenauftrittes arbeiten, ihre Sichtbarkeit auch langfristig gesichert. Dass dies auch im Unternehmensalltag bereits realisierbar ist, zeigen Beispiele wie RWE und Co.

Die Unternehmen, die heute die Mobile Web Experience beherrschen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch diejenigen sein, die als erstes aus neuen mobilen und digitalen Geschäftsprozessen und –modellen ihren Profit ziehen können. Unabhängig davon, ob dies durch optimierte Abläufe, eine gesteigerte Kundeninteraktion oder direkte Umsatzsteigerungen verbunden ist – Mobile Apps und Webseiten sind die Grundlage für den Unternehmensalltag der Zukunft!

Möchten auch Sie erfahren, wie genau die Analysemethodik funktioniert oder wie Ihre Webseite für die Mobile Web Experience gerüstet ist, dann nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf! Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

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Über den Autor:

Senior Analyst & Cloud Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.

Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG. Maximilian Hille studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.

Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Platforms, Cloud Architecture Design, Hybrid & Multi Cloud Computing, Cloud-Native Architectures, Digital Workplace, Collaboration, Enterprise Mobility und Mobile Business. Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.