Kubernetes & Cloud Native Trends 2019

  • Kubernetes etabliert sich als de-facto Standard für Container-Orchestrierung und Management
  • Kubernetes goes Enterprise - Immer mehr Unternehmen setzen Kubernetes in produktiven und unternehmenskritischen Szenarien ein. Für 2019 planen zwei Drittel der deutschen Unternehmen (57 Prozent) den Einsatz von Kubernetes
  • Mit über 300 Mitgliedsunternehmen und Industriepartnern sowie über 45.000 aktiven Contributors und Entwicklern ist die Cloud Native Computing Foundation (CNCF) zu einem einflussreichen Akteur im Cloud-Markt avanciert
  • Übernahmewelle rollt - Talente und Tools rund um Kubernetes und Cloud Native-Technologien sind heiß begehrt und treiben die Preis für Startups und spezialisierte IT-Dienstleister in die Höhe

Mit über 8.000 Besuchern hatte wohl auch die CNCF als Organisator der “KubeCon + CloudNativeCon” nicht gerechnet. Die Konferenz, die Mitte Dezember in Seattle stattfand fokussiert sich nämlich ausschließlich auf die Container Orchestration Plattform Kubernetes und ihr verwandte Cloud Native-Technologien wie Fluentd, Prometheus und Co. Ein Nischen- und Spezialisten-Thema könnte man meinen. Aber weit gefehlt! Denn Kubernetes wird zunehmend zum Mainstream und erobert gerade im Sturm die IT-und Digitalabteilungen der Unternehmen. So rekrutieren sich die Teilnehmer der Kubernetes-Konferenzen zunehmend aus großen und mittelständischen Unternehmen jeglicher Branchen. Auch der deutsche DAX-Konzern adidas ist mittlerweile prominentes Mitglied der Cloud Native Computing Foundation und auf jeder “KubeCon + CloudNativeCon” als Speaker und Panelist mit dabei. So ist Markus Rautert, VP Platform Engineering & Architecture bei adidas, überzeugt, dass die Digitale Transformation über alle Geschäfts- und Prozessbereiche hinweg skalierbare, flexible und offene Plattformen erfordert. Cloud Native-Technologien sind für adidas ein wesentlicher Baustein, um das strategische Wachstum und die Innovationskraft zu gestalten und neue Businesspotenziale auszuschöpfen.

Mit dem Trend hin zur agilen Entwicklung und DevOps, der Verlagerung von RZ-Infrastruktur in die Public Cloud sowie der Etablierung moderner Microservices-Architekturen, werden Container zum unverzichtbaren Technologie-Baustein.   

Und Kubernetes setzt sich zunehmend als de-facto Standard durch. Immer mehr Unternehmen setzen auf die Open Source-basierte Engine zur Orchestrierung und zum Management von Container-Clustern. Und dies auch in Deutschland. So zeigt eine aktuelle Studie von Crisp Research, dass derzeit zwar erst jedes zehnte Unternehmen (9 Prozent) Kubernetes einsetzt. Aber mehr als zwei Drittel planen den Einsatz binnen der nächsten 12 Monate - sprich noch im Jahr 2019. Immerhin jedes fünfte Unternehmen will noch im ersten Quartal des Jahres mit Kubernetes loslegen. Vor allem die Portabilität und Offenheit wird gerade von Unternehmensentscheidern sehr geschätzt, da sie den “Vendor Lockin” deutlich reduzieren und die Basis für echte Hybrid- und Multi-Cloud-Betriebskonzepte sind.

Rund um Kubernetes hat sich mittlerweile ein großes Ökosystem an weiteren Technologien, Tools und Projekten entwickelt, das den Kosmos der sogenannten “Cloud Native”-Technologien ausmacht. “Cloud Native” steht dabei nicht nur für eine neue Art IT-Architekturen und Anwendungen zu gestalten, sondern auch für eine neue Denkweise und Kultur. Offenheit, Co-Creation und Community-Engagement machen dabei einen wichtigen Teil der “Cloud Native” Gemeinde aus, die sich aus Open Source-Anhängern, Cloud-Architekten, Start-Up CTOs, RZ-Managern und Software-Entwicklern zusammensetzt. Die Generation “Cloud Native” ist bunt und vielfältig. Fast die Hälfte der Top Keynote Speaker auf der “KubeCon + CloudNativeCon” sind Frauen! Eine gute Voraussetzung für Innovation und Veränderung in der sonst so homogenen Welt der IT-Infrastruktur.

Kubernetes & Cloud Native Trends 2019

Das Innovations-Karussell rund um Kubernetes und die Cloud Native-Technologien dreht sich derzeit sehr schnell. Es fällt gerade Neueinsteigern nicht unbedingt leicht den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, dass Technologie- und Sourcing-Entscheidungen meist nur von kurzer Dauer sind, da Übernahmen und signifikante Investitionen der großen Cloud Provider und Softwarekonzerne den Markt derzeit immer wieder durcheinander wirbeln. Siehe die Akquisition von Red Hat durch IBM oder die Übernahmen von Heptio durch VMware. Auf folgende Trends und Entwicklungen können sich CIOs, Cloud-Architekten und Digital-Entscheider für die kommenden Jahre schon einmal vorbereiten:

  • K8s von Dev zu Prod: Bislang setzt die Mehrheit der Unternehmen Kubernetes nur für Development-Umgebungen und in Proof-of-Concepts ein. Innerhalb der kommenden 12-24 Monate verlagert sich der Einsatz immer mehr in Richtung des Betriebs produktiver und unternehmenskritischer Anwendungen.
  • K8s im Hybrid- und Multi-Cloud-Betrieb: Mit der Verlagerung von Kubernetes in Richtung produktiver Deployments, setzen die Unternehmen zunehmend auf hybride Kubernetes-Cluster bzw. den Betrieb über verschiedene IT-Infrastrukturen und Cloud Provider (Multi Cloud) hinweg. Die Portabilität von Containern und Kubernetes macht dies technisch möglich, erhöht damit aber auch die Komplexität im laufenden Betrieb und der Security.
  • K8s als Cloud API: Mittlerweile unterstützen alle relevanten Cloud Provider (Google, AWS, Azure, IBM, Alibaba u.a.) die native Version von Kubernetes und bieten Kubernetes-as-a-Service an. Viele habe ihre eigenen Container Orchestration Engines zugunsten von Kubernetes aufs Abstellgleis gestellt. Somit entwickelt sich Kubernetes sukzessive zum API-Standard in der Cloud - und das Technologie- und Provider-übergreifend.
  • K8s als Enabler für Next-Generation Big Data & AI In den nächsten Jahren wird zudem die neue Generation an Big Data und Machine Learning Workloads auf Kubernetes laufen. Der Trend geht im Big Data- und Machine Learning-Umfeld ganz klar weg von großen, monolithischen Stacks hin zu Microservices- und Container-basierten Plattformen. Ein logischer Schritt, wenn man bedenkt, dass Analytics und Intelligenz immer da gebraucht werden, wo gerade die Musik spielt - und das ist in den kommenden Jahren bei den Cloud Native-basierten und digitalen Anwendungen.
  • Cloud Native-Architecture Design als Erfolgsfaktor: Zwar ist Kubernetes der Dreh- und Angelpunkt der neuen Cloud Native-Bewegung. Die Container Orchestration Engine kann aber im produktiven und unternehmenskritischen Einsatz nur funktionieren, wenn zusätzliche Technologien, Tools und Services im Ökosystem für DevOps, Monitoring, Management und Security bereitstehen und zu ganzheitlichen “Cloud Native-Stacks” bzw. “Cloud Native-Architectures” zusammengeführt bzw. orchestriert werden. Kubernetes ist also nur im Verbund mit anderen Technologien wie z.B. Fluentd, Prometheus, OpenTracing, rkt, GRPC, Helm, etcd und vielen anderen sinnvoll einzusetzen.
  • Cloud Native-Operations & Reliability Engineering: Auch wenn viele der Cloud Native-Technologien als “as-as-Service” aus der Public Cloud bezogen werden können, ist der produktive Betrieb von Cloud Native-Anwendungen und -Plattformen eine echte Herausforderung und meist “Neuland” für viele IT-Abteilungen. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um hybride Set-Ups mit einer Vielzahl an Clustern, hunderten Pods und tausenden Containern handelt. Dem Betrieb muss daher eine ebenso große Aufmerksamkeit zuteil werden, wie dem Cloud Native-Development. Der Bedarf an qualifizierten und erfahrenen “Site Reliability Engineers” (SRE) und Cloud Native-Admins ist auf Seiten der Unternehmen wie IT-Dienstleister derzeit enorm.
  • Cloud Native-Security: Mit der Abkehr von traditionellen, monolithischen Multi-Tier Applikationen hin zu Container-basierten Microservices-Architekturen, die einem Continuous Delivery-Ansatz folgen und fortwährend verändert werden, geht auch ein neues Security-Paradigma einher. Denn ohne eine hochgradig automatisiertes und proaktives  Monitoring und Alerting können Kubernetes und Cloud Native-Umgebungen nicht hinreichend abgesichert werden.
  • Investitionen und Übernahmen: Das Jahr 2018 war schon durch einige große Akquisitionen im Cloud Native-Markt geprägt. Red Hat übernahm Anfang 2018 den Container-Spezialisten CoreOS für 250 Mio. USD, nur um dann Ende 2018 von IBM für 34 Milliarden USD gekauft zu werden. VMware akquirierte das Kubernetes Startup Heptio und zahlte mit rund 550 Mio. USD ein klares Premium - für dessen Technologie und Expertise. Crisp Research geht davon aus, dass auch in 2019 eine Reihe von IT-Majors aus dem Cloud-, Hardware- und IT-Services-Umfeld in Kubernetes- und Cloud Native-Companies investieren werden.
  • Shifting Provider & Community Landscape und Cloud Native Market Momentum: Die schnelle Adaption von Kubernetes und Cloud Native im Umfeld der Digital und Corporate IT-Units großer Unternehmen hat in 2019 großen Einfluss auf die Provider-Landschaft und Wettbewerbssituation. Während die Hardware- und Technologieanbieter, wie z.B. Cisco, Huawei, Netapp, Fujitsu, IBM/RedHat etc., mit Hochdruck daran arbeiten ihre Produkte “Kubernetes-ready” und somit attraktiver zu machen, bauen die Hosting und Cloud Service Provider mit an dedizierten “Kubernetes-as-a-Service”-Angeboten.
  • Cloud Native-Skill-Gap: Die Anzahl von Entwicklern und Administratoren mit Cloud-Erfahrung ist mittlerweile recht hoch. Doch bei den Skills im Umgang mit Kubernetes und vielen der Cloud Native-Technologien sieht es anders aus. Folgende Rollen und Profile werden dringend gesucht: Site Reliability Engineer, Cloud Native-Developer, Full-Stack Developer mit K8S-Erfahrung, Kubernetes Admin, Kubernetes Solution Engineer, Cloud Native-Architect, Kubernetes Engineer, DevOps Engineer etc. Crisp Research geht davon aus, dass sich die Situation in 2019 weiter verschärft. 

Quelle: CNCF Cloud Native Landscape; https://landscape.cncf.io/images/landscape.png

Empfehlung für die CIOs - “Cloud Native-Upgrade” der IT-Strategie

CIOs als auch Chief Digital Officer tun in 2019 sicherlich gut daran, ihre Organisation “Kubernetes-ready” zu machen und den Wandel in Richtung Cloud Native einzuleiten - sofern sie dies nicht schon begonnen haben. Denn eine Transformation und Automation der Unternehmens-IT sowie speziell die Modernisierung von Legacy-Anwendungen und Prozessen, wird ohne die neuen Technologien und Methoden mehr als schwer und teuer - wenn nicht gar unmöglich. Ein “Cloud Native”-Upgrade der eigenen IT- und Cloud-Strategie steht in vielen deutschen Unternehmen an!

Was sind die wichtigsten strategischen Aufgaben für die CIOs, um die “Cloud Native”-Welle richtig zu reiten:

  • Cloud Native meets IT-Strategy: Cloud Native muss fester Bestandteil der Teil IT-Strategie werden - und zwar nicht nur aus reiner Technologie-Perspektive, sondern vor allem aus Organisations-, Betriebs- und Kultur-Sicht! Cloud Native bedeutet ein neues Denken (offen, agil, verteilt, automatisiert), neue Betriebskonzepte (SRE & DevOps) sowie neue Architekturkonzepte (Microservices, API-driven, Plattformen).
  • Expertise & Talente sichern:Um sich die richtigen Talente zu sichern, sind eine Vielzahl an Maßnahmen notwendig. Zuerst müssen sich CIOs über die zukünftige Team- und Organisationsstruktur, die notwendigen Skills und Rollen (vom Cloud Native-Developer bis zum SRE) sowie die Methoden und Tools der Zusammenarbeit im Klaren sind. Dann kann über klassisches Recruiting (Headhunter, Jobbörsen) sowie alternative Recruiting-Strategien (Meetups, Open Source/CNCF-Projekte und Contributions oder Hackathons) nachgedacht werden, um die gewünschten Experten zu finden.
  • Reliability Engineering und Cloud Operations Excellence: Neben all den Veränderungen gibt es glücklicherweise einige Konstanten. So gelten für den IT und Cloud-Betrieb auch im digitalen Zeitalter weiterhin die Anforderungen an Ausfallsicherheit, Stabilität, Datensicherheit und Effizienz. Diese gilt es nun für die Cloud Native-Epoche neu zu interpretieren und umzusetzen. CIOs sollten sich hier intensiv mit dem Konzept des “Reliability Engineerings” auseinandersetzen.

An dieser Stelle finden Sie den vollständigen Analyst Report zu den aktuellen
 
 Kubernetes und Cloud Native Trends 2019

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Über den Autor:

Senior Analyst & CEO

Carlo VeltenDr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior Analyst bei der TechConsult und dort für die Themen Open Source und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.