Jahresrückblick 2014

Am Ende eines Jahres ist es guter Brauch einmal Luft zu holen, inne zu halten und sowohl einen Ausblick ins neue Jahr zu wagen, als auch ein Resümee des vergangenen Jahres zu ziehen.

Was also hat die IT-Branche im ausgehenden Jahr bewegt?

Zunächst muss man feststellen, dass die Transformation in der IT-Branche dieses Jahr erst so richtig begonnen hat. Blödsinn sagen Sie? Die Branche ist schon seit mehreren Jahren in einem Wandel! Mag sein, allerdings schlagen die Verwerfungen ausgelöst durch fundamentale Veränderungen (Cloud, SDX) jetzt erst richtig durch. Abzulesen ist dies insbesondere an den Geschäftszahlen der IT-Majors. Ob Cisco, IBM, HP, Oracle oder andere, 2014 haben diese Veränderungen blutige Spuren in den Quartalsberichten der „Traditionalisten“ hinterlassen. Das Geschäft innerhalb der neuen Geschäftsfelder wächst zwar, das reicht aber noch lange nicht, um die Erosion im Stammgeschäft auszugleichen. Und das hat Folgen! Wie wir schon im Frühjahr spekuliert haben, hat HP bekanntgegeben das Unternehmen aufzuspalten. Ob das was nützt? Wohl kaum, aber zumindest sind die Kapitalmärkte vorerst beruhigt.

Aber nicht nur an den Zahlen lässt sich ablesen, dass im IT-Markt ein neues Kapitel aufgeschlagen wird, es zeigt sich auch beim Führungspersonal. Satya Nadella wird im Februar bei Microsoft als Nachfolger des langjährigen Chefs und Mitgründer von Microsoft Steve Ballmer inthronisiert. Nadella soll das vollbringen, was Ballmer einfach nicht geschafft hat, nämlich Microsoft in das Zeitalter von Cloud Computing und Mobility zu führen.

Ende September der nächste Paukenschlag - Larry Ellison, der Gründer und CEO von Oracle gibt seinen (schleichenden) Rückzug bekannt. Der CEO-Posten bei Oracle dürfte in den kommenden Jahren ein stürmischer Platz sein, wächst Oracle, trotz stetiger Zukäufe, doch kaum noch.

Und IBM? IBM kämpft an vielen Fronten gleichzeitig. Auf der Cloud-Seite mit Softlayer nun gut aufgestellt versucht der Konzern gleichzeitig sich von seinem Hardware-Geschäft zu trennen. Und das muss auch zügig von statten gehen, ehe es sich einfach von alleine aufgelöst hat. Außerdem will IBM im Zukunftsmarkt Enterprise Mobility ein gehöriges Wort mitreden. Die Basis dafür wurde 2014 mit viel Tamtam durch die Partnerschaft mit Apple gelegt, jetzt heißt es liefern.

Die Gegenspieler derjenigen, die um ihre Zukunft ringen, die Herausforderer um AWS, Salesforce & Co. haben es zwar deutlich leichter, aber auch für sie war 2014 ein Jahr, in dem sie dem Boden der Realität deutlich näher kamen als in den Vorjahren – und als ihnen wohl lieb war. Die Spatzen hatten es ja schon frühzeitig von den Dächern gepfiffen, im Oktober war es dann soweit, AWS eröffnete ein deutsches Datacenter und trug damit der Marktlage und den Bedürfnissen in Deutschland Rechnung. Und Salesforce? Salesforce brach 2014 mit den eigenen Regeln und geht eine Hosting-Partnerschaft mit T-Systems ein um besser an deutsche Enterprise-Kunden zu gelangen.

Wobei wir beim heimischen Markt und seinen Protagonisten wären. Auch hier zeigt sich, 2014 ist das Jahr der Transformation. T-Systems befindet sich gerade inmitten einer Metamorphose und SAP forciert mit Zukäufen sowie Initiativen und Partnerschaften seinen Weg in Richtung Cloud.

Aber auch in der zweiten Reihe geht es mittlerweile zur Sache. Lange wollte man im deutschen Channel glauben, man lebe auf einer Insel der Glückseligen und dank guter Konjunktur hat sich das Unvermeidbare lange herausgezögert. 2014 allerdings scheinen nun viele mit einem Kater aufgewacht zu sein. In den Top 10 der deutschen Systemhauslandschaft gibt es Wachstum häufig nur noch in anorganischer Form und viele merken plötzlich, dass einige der Partner, die ihnen jahrelang gutes Geschäft garantiert haben, zu unsicheren Kantonisten geworden sind. Die alten Geschäftsmodelle haben ihren Zenit überschritten! Dazu kommen auch noch neue Wettbewerber, der Hosting-Markt ist erwacht und befindet sich ebenfalls im Wandel- vom Low-End Webhosting in Richtung Managed Services für Unternehmenskunden.

Hinzu kommt, dass sich die Technologie-Seite immer schneller dreht. Mit OpenStack hält ein neuer Technologietrend Einzug in die Unternehmensrechenzentren. Und viele CIOs und IT-Entscheider stellen sich die Frage ob und wie sie mit dieser Technologie planen sollen. Antworten dazu aus dem Channel –Fehlanzeige! Aber man wird sich aus dieser Situation am eigenen Schopf á la Münchhausen befreien müssen.

Denn die Politik, ohne die kein Rückblick enden darf, hat in diesem Jahr lediglich gezeigt, dass es befreiend und erfrischend sein kann, wenn man völlig unbelastet von Wissen und Ahnung ist. Die Digitale Agenda liest sich wirklich gut, man fühlt quasi schon den Aufbruch! Ach, aber halt da war ja was, Geld für den Ausbau der Digitalen Infrastrukturen gibt es natürlich keines, dafür aber viel Verständnis von Minister Dobrindt für die Sorgen und Nöte der Branche.

Mehr als das wird es auch 2015 nicht von der Politik geben!

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Über den Autor:

Senior Analyst & COO

Steve JanataSteve Janata ist COO und Senior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Steve Janata als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Fragen des Strategie-, Portfolio- und Channel-Management. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Carlo Velten bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Steve Janata engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

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