IoT – Make or Buy, das ist hier die Frage

  • Fast 90 Prozent der Unternehmen sind derzeit konkret mit dem Internet of Things (IoT) beschäftigt – teilweise weiter fortgeschritten, teilweise noch ganz am Anfang.
  • Wichtige Fragen hinsichtlich der richtigen IoT-Strategie, Eintrittsstrategie, Architekturplattform und dem Betriebskonzept beschäftigen die Unternehmen dabei intensiv und sind entscheidend für eine vernetzte Zukunft.
  • Einblicke und Antworten auf all diese Fragen liefert Ihnen die empirische Studie “IoT ‒ Make or Buy - Wie deutsche Unternehmen IoT-Projekte umsetzen und Plattformen betreiben”. Die Studie wurde von Crisp Research im Auftrag von Lufthansa Industry Solutions erstellt und wird in Kürze veröffentlicht.

Mit dem IoT haben Unternehmen die Möglichkeit, bestehende und neue Produkte, Anlagen oder ganze Plattformen zu vernetzen und Geschäftsprozesse zu beschleunigen, zu vereinfachen und damit fundamental zu verbessern. Doch für viele IT- als auch Digitalisierungsentscheider ist und war der Einstieg in die Thematik bislang nicht ganz einfach. Einerseits ist die Rede von einer rosigen Zukunft mit vollautomatisiertem Fahren, Home-Automation und intelligenten digitalen Assistenten, gleichzeitig aber auch von Hackerangriffen und einer Unterversorgung an Konnektivität und reifen Technologien. Die Auseinandersetzung mit dem IoT ist für Unternehmen, unabhängig von Branche oder Größe, dennoch unabdingbar. Davon sind auch 90 Prozent der in unserer Studie befragten Entscheider überzeugt. Sie befinden sich auf dem Weg zur eigenen IoT-Lösung.

Die digitale Intensität entscheidet

Wie die Evolution eines traditionellen Commodity-Produkts hin zu einem rein digitalen Produkt oder sogar einem digitalen Ökosystem aussehen kann, wurde bereits im Analyst View Digitale IoT-Produkte und traditionelle Produkte – zusammen stark! dargestellt. Diese Intensitätsstufen auf unternehmenseigene Produkte und Geschäftsprozesse zu übertragen ist natürlich nicht ganz einfach. Der richtige Weg für jedes einzelne Unternehmen will individuell anhand der Ist-Situation, des konkreten Verbesserungsbedarfs und der Marktchance des Business Cases gefunden werden.

Bereits in der Proof-of-Concept- und Pilotphase arbeiten die Unternehmen darauf hin, eine entsprechende Lösung für eines der Intensitätslevels zu entwickeln. Dabei geht es in erster Linie darum, Erfahrungen, vor allem technischer Natur, zu sammeln und sich frühzeitig Marktanteile für eine breite Nutzung zu sichern. Im Übergang zum Produktivstadium werden operative Kosten, Interoperabilität und Sicherheit der Plattformen als zusätzliche Design-Faktoren besonders wichtig. Dabei stellt sich die Frage, wie der Trade-Off zwischen operativen Kosten und dem erwarteten Ertrag ausfallen können. Lohnt es sich beispielsweise, die operativen Kosten zu erhöhen, um dafür mehr Agilität im Betrieb der Plattform zu erhalten? Auch die Interoperabilität ist ein zweischneidiges Schwert für viele Produktangebote. Denn mit einem einheitlichen Standard wird der Interaktionsradius der einzelnen Produkte deutlich erweitert. Wenn die Geräte und Sensoren auch außerhalb der eigenen Plattform miteinander kommunizieren können, werden Datenanalysen, Vorhersagen und automatisierte Mechanismen umso genauer. Hierfür braucht es allerdings einen teils aufwändigen einheitlichen Standard. Die Sicherung der gesamten Architektur, gerade vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl und Intensität von Cyberattacken, wird immer wichtiger, insbesondere wenn ein Großteil des Geschäftserfolgs, Umsatzes und der Stabilität der Wertschöpfungskette davon abhängen.

Die alles entscheidende Frage, die sich jedes Unternehmen bei seinem Einstieg in die Welt des IoT Business stellen sollte, ist die nach der Wertschöpfungstiefe und damit die Frage nach Make or Buy. Dabei geht es vor allem darum, welche Relevanz das geistige Eigentum (Intellectual Property / IP) und damit die Rechte am fertigen Produkt oder Service besitzt und in welcher Form das Unternehmen sich von seinen Wettbewerbern differenzieren will.

In Extremszenarien gesprochen, hat das Unternehmen zwei wesentliche Optionen, die durch zahlreiche Mischformen dazwischen angereichert werden können:

  1. Operative Kosten senken und Marge erhöhen – Das Ziel beim Einsatz von IoT-Lösungen ist die Senkung der Betriebskosten, die Steigerung der Effizienz innerhalb der Wertschöpfungskette oder die Aktualisierung bestehender Produkte durch digitale Komponenten. Ein Differentiator ist nicht notwendig, da kein aktiver Wettbewerb zu anderen Unternehmen auf der Ebene der IoT-Plattform herrscht.
  1. Neue Geschäftsmodelle bzw. Produkte entwickeln und digitalen Umsatz steigern – Das Unternehmen möchte IoT-basierte Produkte und Dienste anbieten und sich selbst als ein digitaler Technologieanbieter aufstellen. Es geht dabei vor allem darum, den Produktnutzen über digitale bzw. IoT-Komponenten zu entfalten. Daher liegt dort auch der Differentiator gegenüber anderen Unternehmen.

Die Entscheidung zwischen diesen Optionen bzw. einer Mischform hängt damit stark von der gewählten Strategie und Wertschöpfungstiefe ab. In Option 1) ist der Differentiator nur geringfügig gegeben, sodass das Unternehmen keine Verluste durch die Weitergabe der Intellectual Property fürchten müssen und auf Standards der Technologiehersteller und der Industrie setzen können, um ihre Ziele zu erreichen. In Option 2) ist die IoT-Plattform der Differentiator und Wachstumsfaktor. Aus diesem Grund muss die Intellectual Property möglichst im eigenen Unternehmen bleiben und Lösungen weitgehend selbst entwickelt werden, um nicht durch Standards der Hersteller limitiert zu werden bzw. offene Standards nutzen zu müssen.

Die vorläufige Antwort auf „IoT – Make or Buy?” lautet daher: Für nicht-differenzierende IoT-Lösungen gilt „Buy IoT” , für differenzierende IoT-Plattformen gilt „Make IoT.”

Wie machen es die anderen?

Unternehmen, die noch nicht den Weg in Richtung IoT-Plattform oder IoT-Geschäftsmodell eingeschlagen haben, sollten spätestens jetzt den Blinker setzen. Der Weg kann lang und holprig werden und erfordert eine gewisse Routenplanung. Welche Rolle IoT derzeit und zukünftig in deutschen Unternehmen bei dieser Planung spielt und welche Einsatzbereiche, Technologien und Strategien sie verfolgen, zeigt die in Kürze erscheinende Studie zum Thema “IoT ‒ Make or Buy - Wie deutsche Unternehmen IoT-Projekte umsetzen und Plattformen betreiben.” Sie dürfen gespannt sein!

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Über den Autor:

Analyst

Cloud Machine Learning Digital Workplace Low Code Development

Anna-Lena SchwalmAnna-Lena Schwalm ist als Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research tätig. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind Mobile Technologies, Coworking und datenbasierte Geschäftsmodelle. Weiterhin unterstützt sie im Rahmen des Research sowie individueller Kundenprojekte bei der Recherche und Beratungsarbeit. Anna-Lena Schwalm studiert Business Studies mit dem Schwerpunkt Innovation, Information & Management im Masterstudiengang.