Interview mit Jürgen Falkner (Frauenhofer)

Im Rahmen des CloudOps Summit 2011 in Frankfurt haben wir mit einzelnen Referenten Interviews geführt. Heute: Jürgen Falkner.

Warum gibt es fast keine kleinen IaaS Provider/ Startups in Deutschland?
Es ist ein riskantes Unterfangen als unbekannter kleiner Provider gegen die Großen bekannten Anbieter antreten zu wollen. Nicht weil man es nicht besser machen könnte sondern weil es schwer ist, Kunden davon zu überzeugen, dass man das Angebot auch in einem Jahr noch machen kann. Da steckt eine gesunde Risikoabschätzung dahinter. Als Startup hat man im Moment vor allem Chancen über Nischen, d.h. man muss irgendetwas - z.B Sicherheit - sehr viel besser können als die anderen. Man sagt uns Deutschen aber nach, dass wir selbst mit guten Ideen noch das Risiko meiden.

Wo sehen Sie derzeit noch die größten Herausforderungen des Cloud Computing?
In der Integration verschiedener Cloud Services. Wenn sie irgendwann ERP, CRM, Groupware und alle anderen Anwendungen aus der Cloud beziehen, können sie nicht davon ausgehen, alles vom gleichen Provider zu bekommen oder kaufen zu wollen. Der Austausch von Daten über verschiedene Anwendungsdienste, Plattformdienste und Infrastrukturen hinweg wird vermutlich eine größere Herausforderung sein als die Sicherheits- und Vertrauensfrage.

Wie sehen Sie den Cloud Computing Standort Deutschland?
Ich denke Deutschland hat ein hervorragendes Potenzial als Cloud Standort. Das wichtigste Asset eines Cloud Providers ist das Vertrauen der Kunden - und da hat Deutschland einen unschlagbaren Ruf. Nicht umsonst heisst z.B. das chinesische Wort für Deutschland, ins Deutsche zurückübersetzt, "Tugendland".


Über Jürgen Falkner

Jürgen Falkner leitet das Competence Team Softwaretechnik am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und ist Sprecher der Fraunhofer-Allianz Cloud Computing, die das umfangreiche Leistungsangebot der Fraunhofer-Gesellschaft zu den Themen Cloud IT und Software-as-as-Service bündelt.
Nach seinem Studium der Physik war er ab 2001 maßgeblich an der Entwicklung und am Aufbau des Fraunhofer Resource Grids beteiligt. Er war in zahlreichen Kunden- und Forschungsprojekten in den Themenbereich Cloud Computing, Grid Computing und Serviceorientierten Architekturen (SOA) tätig.
Seine Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern Wirtschaftlichkeit, Betriebs- und Geschäftsmodelle und Sicherheit in verteilten IT-Infrastrukturen.

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