“Industry Of Things World” Oder “IoT Expo” – Welche Messe trifft den IoT Puls?

  • Welche IoT Konferenz in Deutschland sollten Sie 2018 besuchen?
  • Welche Anbieter präsentieren sich hier?
  • Welche Ökosysteme werden adressiert?
  • Wo ist der bessere Erfahrungsaustausch für Anwender möglich?

Berlin wird zum Hub internationaler IoT Messen. Dieses Jahr haben schon zwei IoT-Messen mit internationalem Anspruch in Berlin stattgefunden: Anfang dieser Woche die “Industry of Things World” und bereits im Juni die “IoT Expo”. Crisp Research war natürlich auf beiden Messen vor Ort und teilweise auch durch die Moderation von Panels aktiv involviert. Die meistgestellten Fragen von Crisp Kunden, die nur auf einem oder keinem der beiden Events waren, ist offensichtlich: “Lohnt es sich nächstes Jahr hin zu gehen?” und “Welche von beiden soll ich besuchen?”.

Internet Of Things World Messe
Quelle: WeConect

Zwei Messen - Zwei total unterschiedliche Konzepte

Die IoT Expo ist mit 4.000 Teilnehmern vier mal so groß wie die Industry Of Things World. Das wird durch eine Kombination mit der AI-Expo für Machine Learning und Artificial Intelligence, sowie mit der Blockchain-Expo erreicht. Beide wären alleine diese Jahr wahrscheinlich noch zu klein gewesen ein signifikantes Moment zu erreichen. Einige Anwender möchten aber Business-Szenarien über diese drei Themen hinweg implementieren. Deshalb hat die Kombination eine große Resonanz gefunden. Bei der IoT Expo wurde der IoT Begriff viel weiter gefasst und es waren Anbieter und Anwender aus dem gesamten IoT Spektrum vertreten. Vom IoT Consumer Scenario über Gebäudeautomatisierung, Sensor- oder Software-Nischenanbieter bis hin zu einigen Industrie 4.0 Playern die sich in einem eigenen Konferenz-Track finden konnten. Die Industry of Things World hingegen, ist eine klare Industrie 4.0 bzw. Industrial IoT (IIoT) Messe. Hier der direkte Vergleich der beiden Trend-Events:

  IoT Expo Industry Of Things World
Letzte Veranstaltung Juni 2017 September 2017
Konzept Gemeinsam mit AI-Expo und Blockchain-Expo Eigenständige Messe mit Industrial IoT und Industrie 4.0 Fokus
Anspruch Europa, aber Teil einer globalen Serie mit einer Konferenz in USA und einer “globalen” in UK Teil einer globalen Serie mit einer Konferenz in den USA und einer in Asien
Fokus Ganzes IoT Spektrum Industrie 4.0, IIoT
Teilnehmerzahl laut Veranstalter ca. 4.000 ca. 1.000
Nächste Veranstaltung 18-19. April 2018 23-25. September 2018
Konferenz Qualität Gute Mischung aus Sponsoren (Herstellern) und Anwender-Präsentationen Sehr viel Hersteller-Vorträge, weniger Panel und Anwender-Erfahrungen
Aussteller Spektrum Gute Balance zwischen etablierten Anbieter und Start-Ups & Nischen-Anbietern Etablierte Software Hersteller und Globale Dienstleister dominieren
Networking Möglichkeiten Weniger Möglichkeiten neue Peers zu bestimmten Themen zu finden Gute “Workshops” mit 5-10 Personen und einem Moderator zu bestimmen.

Fokusthemen

Preis (Standardpreise für Teilnehmer) € 0 … ca. € 1.460
Abhängig von Zugang zu zahlungspflichtigen Tracks und dem Buchungszeitpunkt
€ 2.795
CRISP Empfehlung Zielgruppe Chief Innovation/Digital Officer aller Branchen aber auch IoT Architekt, IoT Developer.

Auch für AI und Blockchain Interessierte in Kombination mit der AI-/Blockchain-Expo

Industrie 4.0 der Fertigungs- und Prozessindustrie. Klarer IIoT Fokus. Industrie 4.0 Beauftragte, Mittleres Management. Kein Networking für Architekten & Developer.

Der enge Industrie 4.0-Fokus der Industry Of Things World macht diese Messe einerseits attraktiv für Industrie 4.0 Experten aus Deutschland. Andererseits ist dieses Silo-Denken aber auch ein großes Risiko. Wir haben diese bereits mit dem Crisp Analyst View “Industrie 4.0-Hype blockiert IoT-Innovationen und digitale Produkte” im Detail dargestellt.

Sehr deutlich wurde der Unterschied zwischen Industrie 4.0 und digitalen Geschäftsmodelle diese Woche bei der Industry of Things World durch zwei Vorträge von Volkswagen und Volvo Baumaschinen. Obwohl Dr. Michaela Colla, Director of Industry 4.0, Volkswagen, zwar auf den Marketing Slides den Kunden ins Zentrum gestellt hat, war kein einziges digitales Produkt in dem Vortrag ersichtlich. Weder eine vernetzte Fertigung, noch ein paar schöne Apps mit denen man leichter Autos kaufen kann oder einen Werkstatt-Termin vereinbaren kann, stellen ein digitales Produkt dar, für das ein Kunde einen einzigen Euro zusätzlich ausgeben würde. 

Ganz im Gegenteil konnte Christine Billaud, Director Business Technology, Volvo Construction Equipment, nicht nur den Wert innerhalb Volvo steigern sondern mit einem Beispiel nach dem anderen digitale Produkte zeigen, die direkten Kundenmehrwert liefern. Dafür zahlt der Kunde fortlaufend zusätzliches Geld über den Anschaffungspreis des Volvo-Fahrzeugs hinweg. Dabei ging es nicht nur um Convenience Produkte sondern zum Beispiel um Flottenmanagement oder Treibstoffreduzierungen. Letzteres kann besonders bei großen Volvo-Baumaschinen ein signifikanter Teil der OPEX Kosten eines Unternehmens sein. Volvo bietet hier sogar value-based Pricings an. Eine moderne Navigation oder Steuerung von Ladetechnik reduziert beispielsweise den Treibstoffverbrauch so entscheidend, dass Volvo mit diesen Produkten signifikante Umsätze erreichen konnte, ohne, dass der Kunde zusätzliches Geld investieren muss. Eine große Baufirma gibt beispielsweise die komplette Treibstoffersparnisse des ersten Jahres und signifikantes Volumen der Folgejahre an Volvo weiter. Volvo tut sich vielleicht mit ihrem B2B Business bei den Nutzfahrzeugen einfacher digitale Produkte zu etablieren als Volkswagen. Dennoch wurde sehr deutlich, dass Volkswagen der Umgang mit der direkten Kundenbeziehung im After-Sales immer noch sehr schwer fällt. Die Konferenz hätte auf diese strategischen Herausforderungen und die nötige Transformation der Unternehmen mehr eingehen können. Leider sehen aber viele Akteure der Industrie 4.0 Initiativen ihre Aufgabe sehr beschränkt auf die Innovation im Fertigungsprozess. Hier hatte die IoT Expo klare Vorteile.

 

Internet Of Things World Messe
Quelle: iottechexpo.com

Ökosysteme um IoT

Auf beiden Messen wurde auch sehr deutlich welchen Gruppe von Leuten miteinander sprechen und welche weniger. Beide Messen richten sich an Business-Entscheider und das mittlere Management von Industrieunternehmen. Obwohl die IoT Expo zumindest einen Developer Track hat, ist es keine echte Entwicklermesse. Das Konferenzangebote der Industry of Things World ist für IoT-Entwickler und -Architekten weitgehend unpassend. Auch wenn einzelne Aussteller durchaus Entwickler oder Scrummaster in dem Umfeld adressieren, ist der Eintrittspreis für diese Gruppe sicherlich unangemessen. Viele Industrie 4.0 Verantwortlichen scheinen immer noch zu wenig in Technologie und Implementierung der neuen Lösungen involviert zu sein und kaufen diese Leistung einfach bei Accenture, Capgemini, HP oder anderen Dienstleistern die entsprechend vertreten waren. Hier gibt es auch ein starkes Lobby Commitment zu den traditionellen Partnern wie zum Beispiel SAP mit Leonardo. Vor allem, weil diese Plattformen teilweise noch sehr unreif sind (siehe auch der Crisp Analyst View “Leonardo IoT: SAP spielt mit dem Vertrauen seiner Kunden”), experimentieren und liefern Entwicklerteams oft schneller mit AWS oder Azure.

Besonders die IoT Expo hat ein großes Potential, wenn sie den Developer-Track weiter ausbauen und zusätzliche Netzwerkmöglichkeiten schaffen würde, um zwischen Business und Development einerseits, und dem kundengetrieben IoT und dem fertigungsgetrieben Industrie 4.0 andererseits, noch besser zu vermittelt. Beide Messen sind und bleiben aber rein kommerzielle Messen, die sich durch eine Vielzahl von Sponsoren aus dem Produkt- und Dienstleister Spektrum und relativ hohe Ticketpreise (zumindest bei der Industry of Things World) finanzieren. Damit beanspruchen alle Sponsoren entsprechend viel Konferenzzeit und treten oft auch ohne konkrete Kundenbeispiele auf. Hier geht die jährliche Technologie- und Innovationskonferenz Crisp Perspective ganz andere Wege. Mit vielen Anwender-Vorträgen und einer sehr limitierten Zahl von Sponsoren, die alle mit Co-Presentern ihrer Kunden auftreten, konnten wir den Fokus ganz klar auf Information und Erfahrungsaustausch und weg von reinen Produkt- und Marketingshows bringen. Die Crisp Perspective findet am 16. November 2017 im Festsaal des Frankfurter Palmengartens statt.

Early Bird Ticket sind noch bis zum 30.09.2017 erhältlich.

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Über den Autor:

Principal Analyst & IoT Practice Lead

Stefan RiedDr. Stefan Ried – IoT Practice Lead, Principal Analyst – is responsible for the research and consulting activities covering IoT and modern platform architectures. Stefan Ried worked previously at Unify, a global communications and collaboration vendor as CTO. Graduated in Physics with an PhD at the Max Planck Institute, Germany, Stefan brings 20 years of experience in senior positions in software development, product management and marketing from international vendors to Crisp Research. His experience includes two software startups and major players including SAP and Software AG. Over 7 years at Forrester Research, Stefan lead the cloud platform research globally as a Vice President.