Im Westen nicht Neues – Amazon gibt Umsatz- und Gewinnzahlen für Cloud-Sparte „AWS“ bekannt

Mit 1,57 Milliarden USD Quartalsumsatz in seiner Cloud-Sparte AWS in Q1-2015 hat Amazon nun die Katze aus dem IaaS-Sack gelassen. Der Beweis ist erbracht, dass der Markt für Infrastructure-as-a-Service (IaaS) mittlerweile ein Multimilliarden-Dollar-Spiel ist. Und doch waren die Zahlen keine Überraschung, sondern von vielen Analysten (auch Crisp Research) schon recht genau vor vorhergesagt.

Erstmals veröffentlicht Amazon separate Umsatz- und Gewinnzahlen für seine Cloud-Sparte namens „AWS“. Aber auch wenn für die Cloud-Dienste solide 1,57 Milliarden USD Quartalsumsatz ausgewiesen wurden, so rekrutiert sich ein Großteil der Anwender immer noch aus Startups, Media- und Internetfirmen. Unternehmensanwender und deren CIOs halten sich bei der Nutzung von Infrastructure-as-a-Service über Public Cloud-Plattformen – zumindest in der DACH-Region – immer noch zurück. Aber dies wird sich in den kommenden 12-24 Monaten nachhaltig ändern, denn 30 Prozent aller Anwender befinden sich derzeit in der Evaluierungs- und Planungsphase für erste Cloud-Projekte.

Cloud in der Unternehmensrealität

Amazon Web Services – Bleibt der Pionier im IaaS-Markt auch langfristig der Gewinner?

Doch bevor man weiter kritisch analysiert, sollte man das AWS-Team erst einmal beglückwünschen. Innerhalb von knapp 10 Jahren haben die RZ-Manager, Cloud-Architekten und SW-Engineers den Markt für IT-Infrastruktur wirklich disruptiv verändert, bzw. „den Markt gemacht“. Dass junge Startups mit der Kreditkarte und ein paar pfiffigen Entwicklern ihre IT-Infrastrukturen und somit auch Geschäftsmodelle unlimitiert skalieren und großen Konzernen die Stirn bieten können, war zum Start der „Amazon Web Services“ in 2006 noch nicht abzusehen. Auch dass Branchengrößen, wie IBM, HP, T-Systems oder VMware, gezwungen sein werden, ihre Geschäfts- und Preismodelle radikal überdenken, hat mit der Innovationsleistung von AWS zu tun. Ob und inwieweit AWS auch in fünf Jahren noch der Primus im IaaS-Geschäft sein wird, bleibt abzuwarten, denn die Mehrheit der Unternehmensanwender mit ihren großen Workloads hat sich noch nicht final in ihrem Cloud-Sourcing festgelegt.

AWS Umsatz in 2014 – Umsatz trifft die Prognosen recht genau

Es wurde viel spekuliert in den letzten Jahren. Da AWS als auch die direkten Wettbewerber Google und Microsoft die Finanzkennzahlen ihrer Cloud-Sparten bislang nicht separat in den Geschäftsberichten auswiesen, waren Branchenbeobachter auf eigene Hochrechnungen angewiesen. Die Prognose der IaaS-Umsätze von AWS, Microsoft, Google und Co. ist allerdings eine Wissenschaft für sich, da viele Parameter berücksichtigt werden müssen, so z.B. RZ-Kapazität, RZ-Infrastruktur- und Architektur, Infrastrukturauslastung, Kundenanzahl, Workloadcharakter etc. Liegen diesbezüglich genügend Datenpunkte und Erfahrungen vor, lassen sich die Umsätze der führenden Provider relativ gut vorhersagen.

So hatte Crisp Research die weltweiten AWS-Umsätze in einer Analyse zu Beginn des Jahres 2014 mit 4,8 Milliarden USD prognostiziert. Ein sehr gute Schätzung, wie sich letzte Nacht (04/23/15 at 2:30 p.m. PT) bei der erstmaligen Veröffentlichung der Quartalsergebnisse von Amazon herausstellte.

Vendor & Buyer Side

Nach einem schwachen Umsatzwachstum in den ersten drei Quartalen in 2014 (im Vergleich zu den Vorjahren) konnte AWS in Q4-2015 noch einmal deutlich zulegen, was einerseits auf das starke Weihnachtsgeschäft mit eCommerce-Kunden sowie andererseits auf den beginnenden Schub aus dem Geschäft mit den Unternehmensanwendern zurückzuführen ist.

Westen 3

Quelle: http://phx.corporate-ir.net/External.File?item=UGFyZW50SUQ9MjgxNjUwfENoaWxkSUQ9LTF8VHlwZT0z&t=1

Amazon Quartalsergebnisse Q1-2015

AWS – die Profit-Perle von Jeff Bezos

Vielfach wurde spekuliert, ob Jeff Bezos seine Cloud-Sparte an einen großen IT-Major veräußert. Gute Angebote und Begehrlichkeiten gab es sicherlich. Schaut man sich das Umsatzwachstum und das „Operating Income“ der AWS-Sparte im Vergleich zum eCommerce-Geschäft von Amazon an, wird klar, warum Jeff Bezos seine Cloud-Truppe lieber im Konzern behält.

Schreibt man die Umsatz- und Income-Zahlen von 2015 bis 2017 auf Basis einer vorsichtigen Wachstumsprognose für beide Geschäftsbereiche fort, so wird der Handelsbereich in 2017 wohl die 100-Milliarden USD Umsatzgrenze knacken. Die Cloud-Dienste von AWS werden in 2017 zwischen 10,6-11,5 Mrd. USD Umsatz liegen, was mehr als 10 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Da der operative Gewinn von Amazon´s Kerngeschäft aber eher in homöopathischen Dosierungen daherkommt und der eCommerce-Konzern seit Jahren nur „wenige“ hundert Millionen USD Gewinn erwirtschaftet (im Vergleich zu bald 100 Mrd. Umsatz), wird das Cloud-Business gerade zur Profit-Perle. Falls AWS seine Vertriebs- und Betriebskosten im Griff und auf dem Niveau der letzten Jahre halten kann, ist in 2017 mit einem Operating Income von 2-2,5 Mrd. USD zu rechnen – das vier- bis fünffache was der Gesamtkonzern heute verdient. Respekt!

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Über den Autor:

Senior Analyst & CEO

Carlo VeltenDr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior Analyst bei der TechConsult und dort für die Themen Open Source und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.