Hannover Messe 2016: Auf der Suche nach dem Gehirn

Nachwuchs, Internet of Things (IoT), Digitalisierung, Predictive Maintenance und Industrie 4.0 sind die entscheidenden Themen auf der diesjährigen Hannover Messe.

Neben den fachspezifischen Themen und Produkten wurden vermehrt Technologien und Ansätze gezeigt, wie

  • die Modellierung,
  • die Simulation,
  • die Berechnung,
  • die Fertigung und
  • die Entwicklung

noch mehr miteinander verschmelzen können.

Übersicht

Intelligente Maschinen überall?

Mit modernen Schlagworten und frischem Auftritt versucht die Hannover Messe einmal mehr die Industrie 4.0 in Richtung Ziellinie zu bewegen. Doch ist die Industrie bereits so digital, wie sie es sein sollte? Dem ist – noch – nicht so. Die Industrie ist weit und entwickelt sich immer schneller. Mehr Technologien und viel mehr Mitspieler bringen das Tempo, was notwendig ist, um die Transformation in Kultur, Produkten und Prozessen zu meistern. Die Verschmelzung von IT und der Industrie wird dabei immer entscheidender. Dies zeigt u.a. auch die Präsenz von Google, IBM, Microsoft und um (The unbelievable Machine Company) auf der Hannover Messe.

Fujitsu zeigte beispielsweise auf dem Microsoft Stand eine Integration der neuen Dienste Microsoft Cortana, Skype und des Translate-Dienstes. Diese erweitern eine Fabrikplattform, die bisher nur die Menschen und Maschinen überwachen und optimieren konnte. Mit Hilfe der neuen Dienste ist es nun möglich das Cockpit mit der Sprache zu steuern und zu interagieren. Beim Auftreten von Problemen kann nicht nur die Problemstelle angezeigt werden, sondern auch die Analyse der umliegenden Systeme und Arbeiter in die Analyse integriert werden.

FujitsuCortanaIIFujitsuCortana

Sollte der Kontakt zu einem Mitarbeiter vor Ort notwendig sein, so ist dies mittels Skype und des Translate-Dienstes möglich. Der in der Nähe der Maschine befindliche Mitarbeiter kann dann in der eigenen Muttersprache kontaktiert werden und die Plattform von Microsoft übersetzt automatisch. So ist die globale, interaktive und dynamische Steuerung, Überwachung, Kontrolle und der Dialog möglich.

Roboter auf dem Vormarsch?

Wer kennt sie nicht, die Videos von Robotern, welche mit dem Fahrrad fahren? Auch selbstfahrende Autos werden immer mehr Teil der Alltagswelt. Doch wie steht es mit unseren metallischen Freunden im Arbeitsalltag? Industrieroboter erfüllen bereits heute klassische Grundaufgaben im vorprogrammierten (Offline) Modus oder lassen sich für Spezialtechniken „anlernen“. Schweißen, Fräsen, Löten, Greifen, Montieren usw. sind längst in sehr hoher Genauigkeit und Geschwindigkeit möglich. Ein erstes visuelles Feedback beim Besuch der Messe legt die Vermutung nahe, dass die Industrie mehr Software und Machine Learning in die Industrieroboter integriert hat. Nehmen wir beispielsweise das Picking System von Omron, welches im Alltag mit der Kommissionierung beauftragt ist. Auf der Hannover Messe forderte es Menschen heraus sich die Zeit beim gemeinsamen Tischtennis spielen zu vertreiben. Das System zeigt vor dem returnieren sogar die Richtung an, in die vermutlich der nächste Ball gespielt wird. Dennoch haben wir auch hier keine künstliche Intelligenz an Bord. Es handelt sich hier um eine sehr gute Steuerungssoftware (Sysmac), welche das Spielen erlaubt. IBM präsentierte eine andere Variante, welche die Kunst der Kaligraphie beherrschte.

KukaIIOmron

Bei Kuka bekam man unterdessen einen Freiflug in Sphären, die sonst nur Werkteile erreichen. Die intelligenter werdenden Steuerungen sind sicherlich ein richtiger Schritt in Richtung Industrie 4.0, jedoch ist der Weg noch weit. Mit den IT-Anbietern auf der Messe zeigt sich jedoch eine Annäherung und damit auch gleich ein Weg auf, denn man beschreiten kann.

Optimierung auf ganzer Linie

Predictive Maintenance war die Anwendung aus dem Bereich des Machine Learning, welche einige Bereiche in Hallen der Hannover Messe bedeckte. Diese Anwendung macht als Einstieg in das Themengebiet im industriellen Umfeld am meisten Sinn. Ansonsten gab es viel, was den Ingenieur näher an den kompletten Entwicklungszyklus bringt. Die Integration von immer mehr einzelnen Komponenten zu einer kompletten Plattform, ermöglicht eine Flexibilität und Geschwindigkeit in der Entwicklung, die es bisher so noch nicht gab. So zeigte Dassault Systèmes am Beispiel der Claas KGaA mbH die Abbildung eines kompletten Product-Lifecycle-Managements von der Idee bis zur Fertigung. Begonnen mit der neuen Idee und den Requirements, der sozialen Kollaboration, über die Simulation und Berechnung der Finiten Elemente, bis hin zum optimierten bionischen 3D-Durck wird dem Ingenieur viel geboten, um die Idee in Prototypen umzusetzen. Dieser kann dann über das System mit Fertigungsflussoptimierungen in die Realität umgesetzt werden. Gerade der ganzheitliche Ansatz bieten eine datengetriebene Möglichkeit in Zukunft noch mehr und noch digitaler werden zu können. Der bionische 3D-Druck beeindruckte durch interne Gitterverstrebungen und neuartige Materialien mit einer Steifigkeit und Härte, welche trotz enormer Gewichtsreduktion, im Einsatz standhaft bleibt. Damit sind bei Claas weiteren Innovationen keine Grenzen gesetzt.

ClaasClaasII

Gefunden – Das Gehirn.

TheBrain

Zumindest physikalisch und illuminiert war das Gehirn der Maschinen bereits zu finden. Highlight war es jedoch nur aufgrund seiner Leuchtkraft. Ein wahrer, und von uns schon länger verfolgter, Schatz war der diesjährige Preisträger des HERMERS AWARDS. Die HARTING IT Software Development GmbH & Co. KG konnte mit einem neuartigen Konzept selbst den Vorsitzenden der Jury Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) beeindrucken. Die Harting entwickelte eine leichtgewichtige, auf Linux-Container-Technologie basierende offene Plattform für neuartige Internet of Things (IoT) Produkte, welche auch eine offline Vorverarbeitung von Daten nah an der Maschine erlaubt. Dieses kompakte Feldgerät lässt sich flexibel und dynamisch in vielen Bereichen einsetzen und bildet einen sehr guten und wichtigen Schritt in Hinblick auf Industrie 4.0 und IoT-Produkte.

Ein Wiedersehen ist garantiert

Die diesjährige Hannover Messe hat dem Besucher schon mal ein Fenster in die Zukunft geöffnet, durch das die Umrisse der nicht mehr fernen Realität einer digitalen, mit künstlicher Intelligenz versehener, Cloud-basierten und vernetzten Industrie zu erkennen waren. Allerdings ist der Weg dorthin noch lange nicht zu Ende gegangen und viele Dinge, die hier zu bestaunen waren, sind noch nicht über das Stadium des Prototyps hinaus gekommen. Und trotzdem spürte man an allen Ecken deutlich die massiven Veränderungen, die in den kommenden Jahren auf Industrie und Gesellschaft zukommen werden.