GoodExchange 2015 – Good Technology macht Pure Play EMM zur Mobility Experience Suite

Auf seiner Hausmesse und dem Analyst Day „GoodExchange“ in London hat Good Technology die eigene Vision der mobilen Arbeit von Morgen vorgestellt. Auf dem Weg in die Profit-Zone soll nun BlackBerry helfen. Und eins wurde deutlich: Das Produkt-Verständnis von Good geht weit über MDM und EMM hinaus.

Mobility überwindet künstliche Grenzen in den Unternehmen

Good Technology ist als „Pure Play EMM-Anbieter“ bekannt. Das bedeutet, dass sich Good ausschließlich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Lösungen rund um das Thema Enterprise Mobility Management spezialisiert hat. Und damit befindet sich das Unternehmen direkt in einem der wichtigsten Technologiemärkte dieser Zeit. Denn Mobile Lifestyle und die Nutzung von Apps und Co. ist längst im Arbeitsalltag und somit in den Unternehmen angekommen. Die Frage nach Sicherheit stellt sich für CIOs und CSOs damit in besonderem Maße für die mobilen Endgeräte. Denn die private und berufliche Nutzung des Smartphones vereint eine große Menge an Daten, die eigentlich nicht vermengt werden sollten und vor unbefugtem Zugriff zu schützen sind. Damit betrifft die Sicherung mobiler Daten auch nicht mehr nur die IT. Alle Mitarbeiter der Unternehmen, die zukünftig geschäftskritische Daten über das Smartphone oder Tablet transportieren, müssen entsprechend sensibilisiert werden.

Zwischen neuen Ausbringungskonzepten und Lösungen für die mobile Datensicherheit und Kontrolle der Endgerätelandschaft konnte Good Technology schnell wachsen.

EMM muss Multi-Device-fähig sein

So unterstützten die Anbieter für EMM-Software (Mobile Device Management, Mobile Application Management, Container-Lösungen etc.) die Unternehmen direkt in den ersten Phasen der Mobility-Strategien. Doch bereits die Einführung der Software und Geräte ist allerdings für viele Unternehmen nicht einfach. Die Integration in die bestehende IT und eine Vielfalt unterschiedlicher Lösungen erscheint wie eine Herkulesaufgabe.

Aus diesem Grund hat auch Good Technology reagiert und im Rahmen seiner Hausmesse nun auch die Unterstützung von Windows-10-Devices innerhalb des Lösungsportfolios angekündigt. Damit werden zwei Neuerungen in einem vorgestellt. Zum einen wappnet sich auch Good für die vermutlich etwas stärkere Verbreitung von Windows10 Smartphones und Geräten. Denn es ist zu erwarten, dass Windows10 wenigstens im Enterprise Mobility-Geschäft eine Hebelwirkung haben wird. So sollten sich die Anbieter für Mobility Software und EMM darauf vorbereiten, dass sich die Gerätevielfalt erweitern und erhöhter Management-Bedarf bestehen wird. Zum anderen beginnt Good auch das Management von Laptops und PCs. Denn mit dem Zusammenschluss der Plattformen auf Windows werden die Laptops noch stärker zu Schnittstellen mobiler Endgeräte. Dass Mac OS im Good Portfolio bald folgen wird, ist also zu vermuten.

EMM ist mehr als Kontrolle und Sicherheit

Mit der Ankündigung, auch Windows10 zu unterstützen, hat Good bereits hohe Aufmerksamkeit generiert. Doch der eigentliche Kern des Good-Portfolios geht weit über die beschriebenen Kern-Workloads wie MDM oder MAM hinaus. Denn tatsächlich gehört Good zu einem kleinen Teil der Pure Play-EMMs, die Mobility weitaus umfassender betrachten. Denn neben der Good Dynamics Platform (Container, MDM, MAM, MCM, Monitoring) hat Good eine ganze Reihe weiterer Services rund um Good Work aufgebaut. Hierunter versteht sich eine eingebettete Umgebung, die neben den Sicherheitsfeatures der Good Dynamics Platform einen mobilen Arbeitsplatz aufbaut. Darin enthalten sind alle vom Unternehmen zugelassenen Applikationen, die über den App Store bezogen werden können. Darüber hinaus liefert Good einen eigenen Browser und Collaboration-Funktionen.

Die Produktvorführungen im Rahmen der GoodExchange haben bewiesen, dass der eigene Slogan „Seamless Workflow“ im eigenen Unternehmen und im Lösungsportfolio ernst genommen wird. Auf der Produktseite beweist Good einen besonderen Sinn für Details, der bei der Planung neuer Anwendungen und Updates beginnt und auch bei der Entwicklung fortgeführt wird. Denn über die Auslieferung in der Cloud sind zum einen die Entwicklungsprozesse sehr kurz und die Integrationen einfach – also tatsächlich „seamless“.

Mit diesem etwas veränderten Portfolio-Fokus ist Good allerdings auch schwer in einen dedizierten Markt einzuordnen. So sind nicht nur Unternehmen wie MobileIron und Airwatch, die sich stärker auf die Sicherung der Daten fokussieren, sondern auch Lösungen von Microsoft (Intune in Verbindung mit diversen weiteren Services) und Co. in direkter Konkurrenz zu den eigenen Produkten. Damit hat Good Technology gleich in mehreren hart umkämpften Märkten zu bestehen. Software wie sie Good Technology anbietet, kommt auch immer häufiger von den Riesen der Branche. Die Allianz aus Apple und IBM ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass es externe Softwarehersteller schwer haben können, ihre Nische zu finden. Zwar hat Good Technology diverse Partnerschaften mit diesen Unternehmen, doch diese halten meist nur so lange, wie sie die Wettbewerbsregeln ihrer Partner einhalten.

Auf den ersten Blick schizophren: Mit BlackBerry in die schwarzen Zahlen

Ohne richtige Vergleichsmöglichkeiten, in einem dedizierten Markt, kann Good vorwiegend nur an den eigenen Leistungen gemessen werden. Über 6.000 weltweite Unternehmenskunden sind bereits eine stattliche Zahl, wenngleich noch viele Unternehmen adressierbar bleiben. Auch weist Good im Jahresvergleich steigende Umsätze aus – insbesondere im Enterprise-Geschäft. Gleiches gilt für den wiederkehrenden Umsatz, den Good im Rahmen der Konferenz noch einmal präsentiert hat, lässt darauf schließen, dass die Kundenbasis zufrieden mit den Leistungen des Anbieters ist.

Allerdings hat es Good bislang noch nicht geschafft schwarze Zahlen zu schreiben. Diese Tatsache hat eine große Rolle bei der Entscheidung für den kürzlich bekannten BlackBerry-Deal gespielt. Das Management von Christy Wyatt ist offenbar überzeugt, den Weg zum Profit mit dem verrosteten Shooting-Star der Mobility-Branche gehen zu können. Und mit 425 Mio. US-$ Verkaufswert ist der erste Schritt bereits getan.

Dennoch geht Good Technology damit eine Wette ein. Denn BlackBerry hat es zwar geschafft einen kleinen Turnaround vorzunehmen, um wenigstens wieder einen operativen Gewinn auszuweisen. Dennoch kommt die Frage auf, warum ausgerechnet BlackBerry der finanzielle Anker werden soll. Denn tatsächlich bleibt das Unternehmen von CEO John Chen ein derzeit stabiler Patient, der aber nach wie vor mit sich selbst und seinem eigenen Überleben beschäftigt ist. Man ist geneigt zu glauben, dass das Überleben der Kanadier vorwiegend wegen und nicht trotz der Good-Akquisition zustande kommt.

Ein klares Argument für eine erfolgreiche Zukunft ist aber beispielsweise die Menge an Patenten. Beide Unternehmen verfügen über ganze Reihe von Patenten, die einen großen Teil des Unternehmenswertes tragen. Auch die stärkere Software-Ausrichtung von BlackBerry offenbart Synergiepotenziale. Mit der Integration von Good zu einem gemeinschaftlichen Software-Portfolio könnte ein noch reiferes Produkt entstehen, das grob aus den Basis-Sicherheitsfeatures von BlackBerry (BES 12) und aus den Add-Ons und der Plattform von Good Technology besteht.

Gelingt es den vereinten Unternehmen die Kundenbasis zusammenzuführen und auszubauen, wird das Softwaregeschäft langfristig die Allianz tragen. Hier werden weitere Konsolidierungsmaßnahmen, vorwiegend auf BlackBerry-Seite (Hardware und Software) vorgenommen werden müssen.

Verleiht das innovative Good-Portfolio auch BlackBerry wieder neuen Glanz?

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Über den Autor:

Senior Analyst & Cloud Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.

Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG. Maximilian Hille studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.

Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Platforms, Cloud Architecture Design, Hybrid & Multi Cloud Computing, Cloud-Native Architectures, Digital Workplace, Collaboration, Enterprise Mobility und Mobile Business. Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.