Falsche Hoffnungen –warum Blackberry nicht überleben wird

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Das Ende eines Konzerns ist manchmal spektakulär, wie beispielsweise die Pleite von Lehman Brothers oder Enron. Manchmal kommt der Tod aber auch schleichend. Ja manchmal verkleidet er sich sogar als Hoffnung und Retter, bevor er dann gnadenlos zuschlägt.

Der Retter ist in diesem Fall Fairfax Financial inklusive Chef Prem Watsa, der auch gerne als „Warren Buffet Kanadas“ bezeichnet wird. Das zu rettende Objekt ist fast 30 Jahre alt, war einmal einer der wichtigsten Hersteller von Handys und hört auf den Namen Blackberry.

Das klingt doch erst mal gut. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Nokia wohl gerade wirklich durch Microsoft gerettet wurde.  Auch die meisten Kommentare zur Übernahme sind eher positiv. Die Reaktionen weltweit auf das Übernahmeangebot durch Fairfax Financial lauten überwiegend „Hoffnung für Blackberry“ oder  „ Mögliche Rettung“. Aber das ist wohl eher naiv.

Der Markt für Handy und Smartphone ist derartig hart umkämpft und der Druck der asiatischen Hersteller derart groß, dass es ein Anbieter wie Blackberry nicht alleine schaffen kann. Dafür hätte die Übernahme durch einen strategischen Investor erfolgen müssen, der unter hohem Risikoeinsatz die Wende erzwingt. Dazu allerdings muss man auch daran glauben, dass da in Zukunft ein Geschäft zu machen ist. Aber daran glaubt anscheinend niemand. Und das gilt auch für die Gegenwart.

$ 0 Wert

Alleine der Kaufpreis dokumentiert schon, dass das eigentliche Geschäft von Blackberry mit +/- $ 0 bewertet wird. Fairfax Financial hat einen besonders schlechten Börsentag abgepasst, um dann eine Offerte abzugeben, die gerade mal 10% über diesem Schlusskurs liegt. Man ist also bereit $ 9 je Aktie zu bezahlen, oder anders ausgedrückt rund $ 4,7 Mrd.

Wenn man nun bedenkt, dass Blackberry über Cash-Bestände und andere liquide Mittel von rund $ 2.8 Mrd. verfügt und unterstellt, dass die Patente  und sonstiges IP mindestens weitere $ 2 Mrd. wert sind, dann ist das Risiko des Investors doch sehr überschaubar. Das sagt auch relativ viel darüber aus, welche Chancen sich Fairfax Financial für das eigentliche Geschäft ausrechnet.

Andere Bieter, sind nach heutigem Stand erst einmal nicht in Sicht und so kann man davon ausgehen, dass der Deal wohl über die Bühne geht, falls der Investor keine großen Risikopositionen mehr in den Büchern findet.

Ein Plan der keiner ist

Und was dann?  Was bitte hat Fairfax mit Blackberry nun konkret vor? Fairfax-Chef Prem Watsa sagte, der Finanzdienstleister wolle eine langfristige Strategie verfolgen, die sich darauf konzentriere, Blackberry-Kunden rund um die Welt sichere Unternehmenslösungen zu liefern. Puuh! Das erinnert doch sehr an Antworten von Politikern während einer Talkshow, was man denn nach der Wahl nun genau plane.

Blackberry wird jetzt den Preis dafür zahlen, dass man am Firmensitz in Waterloo – nein, das in Kanada- lange auf einem hohen Ross saß und viel zu spät reagiert hat. Das aktuelle Modell  Z10 ist zwar kein schlechtes Smartphone, aber die Verkäufe zeigen, dass das nicht genug ist um dauerhaft am Markt zu bestehen.

Blackberry jedenfalls scheint sich gerade auf seine letzte Reise zu begeben. Ob am Ende noch jemand Notiz nehmen wird, wenn der Hersteller in einiger Zeit sein Geschäft einstellt, oder filetiert wird, das bleibt abzuwarten.

Schade Drum!

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Über den Autor:

Senior Analyst & COO

Steve JanataSteve Janata ist COO und Senior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Steve Janata als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Fragen des Strategie-, Portfolio- und Channel-Management. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Carlo Velten bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Steve Janata engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.