Erfolgsfaktor Community- Die Stärke von Coworking Spaces liegt im Netzwerken

Als Initiator und Zentrum von Austausch und Vernetzung haben sich Coworking Spaces in den letzten Jahren in Deutschland etabliert.

Die steigende Anzahl der Coworking Spaces und Shared Offices weltweit, aber auch zunehmend in Deutschland verspricht immer größer werdende (Business-)Netzwerke, die strategische Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich bringen können. Schon frühzeitig braucht es Umgangsformen und bestimmte Verhaltensregeln für die heterogene Coworking-Community und ebenso für die Entscheider, die ihre Mitarbeiter in dieses Netzwerk bringen möchten, um von Ideen und dem Know-How der anderen zu profitieren.

Netzwerkgesellschaft

Die heutige Zeit ist geprägt von Vernetzung. Eine gemeinsame Beziehung ist längst kein privates Phänomen, sondern wird immer mehr zum Erfolgsfaktor im Geschäftsleben. Denken wir nur an soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder LinkedIn. Die neue digitale Kommunikation und mobile Technologien ermöglichen einen persönlichen 24/7 Auftritt, der für die ganze Welt sichtbar sein soll. Die Tatsache, dass sich private und berufliche Netzwerke vermehrt überschneiden, löst häufig den Wunsch der Mitarbeiter aus, diesen Gedanken auch im Berufsleben weiterzuführen und mit Gleichgesinnten, Geschäftspartnern, innovativen Querdenkern und spannenden Story-Tellern in engen Austausch zu treten.

Entstehung von neuem Wissen und Innovationen sind häufig nicht das Ergebnis eines einzigen Individuums, sondern das Werk eines kommunizierenden und kooperierenden Netzwerks, aufbauend auf bestehenden Kenntnissen desselben. Die Dynamik der Netzwerke verbindet bislang unbekannte Menschen miteinander und damit neues Wissen, verknüpft abteilungsübergreifende, brancheninterne oder interdisziplinäre Kontakte und regt spontane Interaktionen an. Das zielgerichtete Knüpfen eines vorteilhaften Netzwerkes kann als wichtiger taktischer Schritt zur Erreichung strategischer Ziele beitragen. Das Tauschmittel, die Währung dieses Prozess, ist dabei vielfältig. Nicht nur Wissen, Produkte oder Geld wechseln den Eigentümer, sondern Beziehungen und Netzwerke selbst verleihen meist die entscheidende Attraktivität dieses Prozesses.

Netzwerkscout Coworking Space

Dass Coworking Spaces nicht nur ein kreatives und produktives Arbeitsumfeld für Freelancer, Startups oder Mitarbeiter, sondern auch fundamentaler Bestandteil der Digitalisierungsstrategien deutscher Konzerne und Mittelstandsunternehmen ist, haben sie vor allem dem dahinterstehenden Netzwerkcharakter zu verdanken. Die Initiatoren des Coworking Space WeWork beispielsweise fokussieren den Netzwerkgedanken – die Bildung, Erhaltung und Nutzung einer globalen Community. Die WeWork-Mitglieder können auf ein globales Mitgliedernetzwerk und zahlreiche Partnerschaften in 19 Ländern zugreifen. In Deutschland können Mitglieder von Arbeitsräumen, HR-Lösungen, Kostenersparnissen und Events in zwei WeWork-Offices in Berlin profitieren, doch das wichtigste - den richtigen Nutzen, bringt die Community. Und damit nicht genug. Die Mitgliederzahl steigt und soll im Jahr 2018 bei ca. 260.000 Mitgliedern liegen, weshalb der Coworking Space weitere Finanzierungsrunden erhielt. Professional-Networks, die in vielen Metropolen vertreten sind, befördern Städte wie München oder Köln durch die Bündelung der Ressourcen, Netzwerke, Wissen und Infrastrukturen zu globalen Hotspots, die eine Verbindung zwischen lokalen und globalen Unternehmen darstellen und Gemeinschaften schaffen wollen.

Coworking Spaces initiieren den Vernetzungscharakter durch regelmäßige Netzwerk-Events für Mitglieder und externe Teilnehmer. Sie unterstützen den Austausch und die Vernetzung sowohl branchenintern als auch interdisziplinär. Themenveranstaltungen oder After Work Partys sollen den Wissensaustausch und das Kennenlernen von relevanten Personen vereinfachen und bieten durch die Teilnahme daran für Unternehmen in Zeiten des War for Talents die beste Gelegenheit, um ihr Leistungsreservoir auszubauen. Für viele Young Professionals sind Coworking Spaces eine Homebase, Anlaufstelle und Netzwerkzentrale, um Mitspielern zu helfen oder neue zu finden. Die sich daraus ergebenden Verknüpfungen können traditionelle Unternehmenspartnerschaften zwischen strategisch handelnden Akteuren, Beziehungen zwischen individuellen Akteuren also Coworkern oder ein Geflecht zwischen Unternehmen und Coworkern sein.

Aber vorsicht! Gleichzeitig bringt die Vernetzung (eines Unternehmens) auch Risiken mit sich. Der Ausbau eines Netzwerkes, insbesondere in Coworking Spaces, geschieht in der Regel nicht infolge einer genauen Marktbeobachtung und Selektion, sondern durch spontane und zufällige Gelegenheiten. Deshalb sollte man auf der Hut sein und abwägen, ob der angestrebte produktive Austausch mit Freund oder Feind stattfinden wird. Zu den Schattenseiten von Coworking, Networking und Co. gehören auch Konflikte. Wenn unterschiedliche Netzwerkpartner mit verschiedenen Kompetenzen und Zielen zwecks gemeinschaftlichen Nutzens miteinander kooperieren, sind Spannungen, z.B. auf Basis mangelnden Vertrauens, vorprogrammiert. Der Kommunikations- und Abstimmungsaufwand steigt, hier können die geeigneten Technologien und Collaboration-Plattformen eine Hilfestellung geben. Die meist vorzufindende diskussionsfreudige, lebendige Arbeitsatmosphäre ist nicht für Jedermann geeignet. Schon die Einrichtung offener Büroetagen als zukunftsweisende Arbeitsplatzkonfiguration, die eigentlich der Kommunikation zwischen den Mitarbeitern dienen soll, bewirkt nicht selten das Gegenteil und ist Ursache für Distanz und sich zurückziehende Mitarbeiter. Vermutlich gibt es hier ebenso viele Misserfolgs- wie Erfolgsgeschichten.

How to – construct, keep up, benefit

Crisp Research identifiziert 4 “Verhaltensregeln“ als Coworking-Knigge für das erfolgreiche Netzwerken:

  • Strategische Ziele fokussieren - Um erfolgreich zu „networken“, sollten Unternehmen sich im Klaren darüber sein, welche strategischen Ziele sie mit ihren Netzwerkpartnern verfolgen möchten. Damit Mühen und Kosten nicht ins Leere laufen, müssen mögliche Synergien fokussiert und zukünftige Perspektiven betrachtet werden. Das Screening der wichtigsten Ansprechpartner sollte sich nicht nur auf den Auswahlprozess beschränken, sondern auch weitblickend die Zielsetzung, Mitwirkungspflichten und die weitere Zusammenarbeit begleiten.
  • Netzwerk pflegen - Weiterhin sollte ein aufgebautes Netzwerk gepflegt werden- je wertvoller es ist, desto intensiver sollte an einer tiefen Beziehung gearbeitet werden. Der Wettbewerb um potentielle Netzwerkpartner ist groß, wer nicht auf der Strecke bleiben möchte und eine langfristige Beziehung anstrebt, sollte Geschäftspartner daher nicht vernachlässigen. Entsprechend können zum einen persönliche Netzwerke für die Gewinnung von Aufträgen, andererseits Empfehlungen von Dritten, die als Mittler fungieren, erfolgversprechend sein.
  • Autonomie wahren - Dennoch sollten die Bindungen und Vereinbarungen mit den Netzwerkpartnern auf einer lockeren Ebene beruhen, sodass die Flexibilität und die Autonomie des Unternehmens gewahrt werden, Ideen und Rechte nicht abgetreten und Erfindungen geschützt werden.
  • Tauschgeschäft im Auge behalten - Etablierte Unternehmen sollten sich ihrer Rolle als erfahrene Berater bewusst sein, d.h. sie sollten nicht nur auf das Wissen und die Fähigkeiten der Netzwerkpartner zurückgreifen, sondern sollten in einem gesunden Maß mit eigenen Erkenntnissen und Ratschlägen dienen können. Auch Unternehmenspartnerschaften gelingen ausschließlich durch ein Geben und Nehmen - ein Tauschhandel, der unattraktiv wird sobald das Geschäft einseitigen Nutzen bringt.

Höchste Erwartungen oder verlorene Zeit?

Aktuell weist das Stimmungsbarometer auf eine rosige Zukunft der Coworking Spaces und damit auf immer größer werdende Netzwerke. Die Anzahl der Coworking Spaces weltweit steigt, nicht zuletzt beflügelt von der steigenden Anzahl an Selbstständigen und Remote Workern.

Trotz allem wird Coworking in Deutschland kein Selbstläufer. Wenngleich Anbietern wie WeWork eine neue Finanzierungsrunde in Milliardenhöhe bevorsteht und sie damit wertvoller als ein gestandener Weltkonzern wie Lufthansa werden könnten, ist es auf dem Weg zum Business-Standard noch eine weite Strecke.

Verschiedene Szenarien zur Zukunft von Coworking bieten sich an:

Szenario 1: Coworking Spaces bleiben Nischenphänomen.

Coworking ist und bleibt für jene Enthusiasten ein Trend, die etwas bewegen wollen, tüfteln und forschen möchten. Dennoch bleiben sie ein Nischenphänomen. Wenngleich es eine attraktive Anlaufstelle für Startups und Freelancer in Universitätsstädten bleibt, greifen kleinere und mittlere Unternehmen nur auf die Coworking Spaces zurück, wenn es eine deutlich günstigere Alternative ist, als der klassische Arbeitsplatz. Damit verzichten sie nicht nur auf potentielle Partner, sondern vergeben auch die Chance sich im Zuge des Wissensaustauschs weiter zu entwickeln.

Szenario 2: Coworking Spaces Akzeptanz steigt- es bilden sich ausgebildete Businessnetzwerke

Durch die steigende Akzeptanz von Coworking Spaces vergrößern sich diese und expandieren. Unternehmen erkennen die Potentiale, die damit einhergehen mit Startups und Co. Partnerschaften einzugehen und sie in das Unternehmensumfeld zu integrieren. Sie bauen sich eigene Coworking Spaces auf und fördern nicht nur freies und kreatives Arbeiten, sondern auch die Erschaffung ausgebildeter Businessnetzwerke. Die technische Ausstattung der Coworking Spaces – WLAN, mobile Endgeräte und eine einheitliche Collaboration & Arbeitsplattform – bleiben Voraussetzung für die Flexibilität und Akzeptanz von Coworking.

Szenario 3: Coworking Spaces als neuer Standard des Wissensaustauschs

Die große Themenbreite der ansässigen Coworker und die damit verbundene Ansammlung von Wissen machen aus Coworking Spaces eine Plattform des interdisziplinären Austauschs. Durch die Vernetzung und Vermittlung von Wissen werden Coworking Spaces als selbstverständliches Nachschlagwerk anerkannt und als Anbindung zu institutionellen Schnittstellen aufgesucht. Weiterhin ist es eine Anlaufstelle für Unternehmen, die Fachgurus für diverse Miniaufgaben suchen. Bestehende Spaces werden ausgebaut, um Werkstätten und Labs erweitert und sich in Folge zu Innovations-Brutstätten entwickeln.

Szenario 4: Unternehmen müssen draußen bleiben

Etablierte Coworking Spaces stellen größeren Teams und Unternehmen Meetingräume, Konferenzräume oder Apartments zur Verfügung, sie laden sie zu Events ein oder buchen Mitglieder für Vorträge an Themenabenden. Coworking Space-Betreiber wollen die Vernetzung untereinander vorantreiben und verhindern, dass sich größere Teams absondern oder sich mit sich selbst beschäftigen. Die hohe Nachfrage von Selbstständigen und Freelancern erlaubt es ihnen auf den Zugang von Arbeitsgruppen oder ganzen Abteilungen zu verzichten. Um einer Distanzierung geschlossener Arbeitsgruppen entgegenzuwirken, wird ihr Zutritt ausschließlich auf separate Räume beschränkt, wodurch die zentralen Werte eines Coworking Spaces für die Teams verloren gehen.

Ob durch lose Smalltalks oder gezielte Hilfestellungen - Coworking Spaces sind ein zentraler Ort, um neben der Kernarbeit Kontakte zu knüpfen und Netzwerkarbeit zu betreiben. Das Arbeiten im Coworking Space beinhaltet als positiven Nebeneffekt die Herstellung von Kontakten und sozialen Ereignissen. Weiterhin ist es keine Notwendigkeit, täglich im Coworking Space anwesend zu sein, weil man - wenn man erst einmal den Status eines Coworkers hat, im Kontaktnetz integriert ist. Somit stellen Coworking Spaces eine preiswerte Möglichkeit dar, den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter mit punktuellen Begegnungen anzureichern. Dennoch sollte bedacht werden, dass “Netzwerken” nur erfolgreich sein kann, wenn man gewisse Verhaltensregeln einhält und die Philosophie von Coworking Spaces versteht.

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Über den Autor:

Junior Analyst

Anna-Lena SchwalmAnna-Lena Schwalm is working as junior analyst at the IT research and advisory company Crisp Research. Her main focuses are mobile technologies, coworking and data-based business models. Additionally, she is supporting in the course of research as well as inquiries and consulting activities for individual customer projects. Anna-Lena Schwalm is a Master’s degree student of Business Studies with area of concentration in innovation, information and management.