Equinix bereitet sich auf SDN und Multi-Cloud mit neuem Rechenzentrum in Frankfurt vor

  • Erfahren Sie Details über das neue Rechenzentrum von Equinix in Frankfurt
  • Was ist weltweit und besonders in Deutschland bemerkenswert daran?
  • Was bedeutet Equinix für Unternehmens-Kunden, Cloud-Provider und Telcos?
  • Crisp Research im Gespräch mit Equinix CEO Steve Smith

Was vor 19 Jahren mit dem Colocation-Angebot für Internet Service Provider, Telcos und Banken begann, ist heute schon lange zum Compute-Backbone des Internets für Cloud Provider, Konzerne oder Airlines geworden. Der Colocationsmarkt boomt mit solidem 11% Wachstum und Frankfurt zählt mit 60% des Europäischen Internet Traffic zu den wichtigsten Hubs. Dabei konzentriert sich Equinix noch immer auf die Stärken des ursprünglichen Geschäftsmodells im Zentrum der weltweit größten IP-Gravity: Das “leere” Rechenzentrum als Basis anzubieten, hoch vernetzt mit Konnektivitäts-Plattformen, für Kunden - die dort die eigene Hardware und Software einbringen und diese mit Strom, Kühlung und Netzwerk betreiben (lassen).

Heute ist Equinix mit 179 Rechenzentren in 22 Ländern der global agierende Marktführer und bietet nicht nur global agierenden Konzernen, sondern ganz besonders den großen Cloud Providern Rechenzentrums-Fläche an.

Im Frankfurter Markt, einem der Top Colocations-Märkte weltweit, hat Equinix nun 92 Millionen US-Dollar in den Bau eines weiteren Colocation-Rechenzentrums investiert. Über 60% des Equinix-Geschäfts findet bereits außerhalb der USA statt. Mit dem FR6 hat Equinix seine Position als lokaler Top-Player gefestigt. Die Lokation wurde am 29. Juni, nach nur 12 Monaten Bauzeit mit folgenden Kenndaten fertig gestellt:

  • 2650 Racks Kapazität
  • Hohe Dichte mit durchschnittlich 6 kW pro Rack, für Hardware Architekturen mit Leistungsdichten über 10 kW pro Rack
  • Start-Leistung von 6 Mega Watt sofort nutzbar
  • Ausbaufähigkeit auf 14 Mega Watt
  • Gesamt Colocation-Fläche von 6600 m²
  • 2N redundante Strom-Anbindung an den 30kV Ring von Mainova
  • Umweltfreundliche 3 x 2,4 MW adiabatische Kühlung
  • Eine geplante Design-Energieeffizienz von 1,25

Quelle: Crisp Research 2017

Während Equinix bisher in Deutschland ausschließlich über Akquisitionen in Bestands-Lokationen gewachsen war, ist das FR6 der erste Neubau von Equinix in Deutschland. Diese sechste Equinix Location in Frankfurt ist ein neues Rechenzentrum auf Basis einer eigenen, modernen Sandwich-Bauweise entstanden, das die klare Handschrift von Equinix trägt. Dabei sind für Crisp Research einige Punkte im Vergleich zu den Konkurrenten und auch zu anderen Equinix Locations in Europa bemerkenswert:

  • Equinix Design ist Leading Edge. FR6 ist gleich neben FR4, dem ehemaligen Exodus Rechenzentrum. Hier fallen die Unterschiede sofort auf. Mit dem neuen Design werden Energie-Effizienz, Funktionalität und Skalierbarkeit auf einem neuen, industriellen Level erreicht.
  • Equinix zeigt, dass Rechenzentren ein Wirtschaftsfaktor sind. Der Neubau eines Rechenzentrums mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze hat eine ganz andere Signalwirkung an die Regionale Politik und Wirtschaft, als die Übernahme von bestehenden Assets.
  • Silo-Strukturen sind out, Cluster sind in. FR6 ist kein Silo, sondern Teil eines hoch vernetzten Cluster-Ansatzes (FR4 bis FR8) mit über 30.000 qm in Frankfurt, inklusive einer geplanten, nächsten Ausbauphase (FR8). Dabei gilt für alle Cluster-Flächen:
    • Standort im Radius von 5 km und vernetzt über eigene Glasfaserleitungen
    • Vorteile des Campus Kleyer, dem Connectivity Hub der Equinix und integrieren die Bestandsflächen der jüngst übernommenen TeleCity (FR7)
  • Equinix bedient die Kundenanforderung von Hohen Stromdichten > 2,5 kW/m².  Equinix versorgt die digitale Avantgarde hochleistungsfähiger Fläche mit bis zu 6 kW pro Rack und trifft damit den Wachstumsmarkt.
  • MPLS war gestern, SDN vom RZ bis in den Telco hinein ist die Zukunft. Die strategische Stoßrichtung, SDN Support, steht im Vordergrund. Somit hilft Equinix den Internet Service Providern wie den Telekommunikationsanbietern bei der Transition von SDH- (synchrone digitale Hierarchie) oder MPLS (Multiprotocol Label Switching)-Netzen, hin zur Ausgestaltung moderner SDN-basierter Konnektivität.

Quelle: Crisp Research 2017

Die Crisp Research Analysten Stefan Ried und Gerd Simon hatten vor den Eröffnungsfeierlichkeiten die Gelegenheit mit dem Equinix CEO Steve Smith und dem Deutschland Chef Donald Badoux zu sprechen, die ihre weitere Strategie darstellten. Dabei wird für alle Kunden deutlich, dass Equinix an seinem Geschäftsmodell festhält. Obwohl Glasfaser zwischen Equinix Rechenzentren eines Cluster zunehmend von Equinix selbst dargestellt wird, verlässt sich der Colocation-Anbieter weiterhin auf die enge Partnerschaft mit Telcos und wildert nicht in deren traditionellem Kernsegment. Mit heute schon mehr als 60% Umsatz außer den US ist Equinix schon lange ein globaler Player und nimmt das lokale Business sehr ernst. Im einzelnen bedeutet dies für die verschieden Crisp Research Lesergruppen:

Unternehmens-Kunden

  • Nicht nur Konzerne, sondern auch Mittelstand. Da auch Equinix eine sehr kleine Vertriebsmannschaft hat, die bisher einzelne, sehr große Deals machen, öffnet sich das Unternehmen zunehmend auch für kleine Kunden, die nur ein oder zwei Racks dort positionieren wollen.
  • Multi-Cloud ist real geworden. Praktisch alle großen Cloud Provider, darunter AWS, Google, Microsoft, IBM-Softlayer, Salesforce.com, sind in Equinix Locations. Alle genannten verfolgen jedoch auch eine Multi-Sourcing Strategie in eigenen Locations oder bei Equinix Konkurrenten. So ist die Microsoft beispielsweise in Deutschland auch bei der Deutschen Telekom in Biere. Für Unternehmens-Kunden bedeutet diese Situation, dass man aus einer Equinix Location mit extrem kleiner Latenz und hoher Bandbreite eine Instanz dieser Public-Clouds erreichen kann. Dadurch wird der Multi-Cloud Ansatz für Applikationen realistisch und attraktiv. So können Anwendungen zum Beispiel einen zuverlässigen .Net-Compute Service von Azure mit einem günstigen Storage-Dienst von AWS kombinieren.
  • Data Privacy, Datenhaltung in Deutschland, GDPR Komplianz. In einer Equinix Lokation erfüllen nicht die eigenen Ressourcen diese Anforderungen, sondern Equinix macht deren Erfüllung von IaaS Anbietern wie Google und AWS erst möglich.
  • Preise für Colo gehen hoch - für Public Cloud weiter runter! Während besonders AWS kontinuierlich seine Preise aufgrund der Commoditisierung der Hardware senkt, gibt es immer noch mehr Nachfrage als Angebot im Colo-Markt. Drei der Sechs Blöcke vom Equinix-FR6 sind wahrscheinlich schnell voll, mindestens einer ist schon komplett verkauft. Unternehmens-Kunden sollten deshalb genau prüfen ob eine Public Cloud IaaS Ansatz in Deutschland inzwischen nicht doch die Komplianz-Anforderungen erfüllt, anstelle nur die Location für eigene Ressourcen in Betracht zu ziehen.
  • IoT Demand. Crisp Research erwartet bis zum Jahr 2025 weltweit insgesamt 75 Milliarden Geräte im Internet. Selbst wenn einige von ihnen nicht permanent online sind, werden fast alle einen digitalen Twin in massiv skalierten Rechenzentren haben müssen.

Cloud Provider

  • Cloud Provider freuen sich über mehr Kapazität. Insbesondere US-amerikanische Cloud Provider konnten lange nicht den Flächenbedarf in ihren Größenordnungen in Deutschland decken. So langsam wacht die Deutsche Wirtschaft aus dem Cloud-Dornröschenschlaf auf und die Public Clouds können aus Deutschland liefern.
  • Frankfurt ist das “Center of IP Gravity”. Auch wenn andere Standorte mit niedrigeren Grundstückskosten oder Gehaltsniveaus locken, am Ende zählt für den Endkunden ganz entscheidend die Netzanbindung.
  • Besonders lokale SaaS Anbieter profitieren vom Economy-Of-Scale. Deutsche Kunden wollen manchmal noch private Instanzen und wechseln später auf Multi-Tenant SaaS-Angebote. Kleinere Softwarefirmen könnte hier eigene Racks in Millisekunden Entfernung zu ihren Multi-Tenant Instanzen auf AWS oder Azure etablieren.

Telekommunikations-Unternehmen

  • Transformation des eigenen Business Modells. Was macht eigentlich einen Telco der Zukunft aus? Einige US-Carrier haben ihre Rechenzentren schon aufgegeben und konzentrieren sich aufs Netzwerk.
  • SDN definiert das Telco Business neu. Heute holen sich Anwendungen selbsttätig zusätzliche virtuelle Maschinen oder Container, wenn sie die Performance brauchen. Diese Auto-Elastizität ist auch im Netz die Zukunft. So können sich hoffentlich bald Real-Time Anwendungen wie Video-Konferenzlösungen oder Autonome-Fahrzeugsysteme selbst neue Netzwerk-Routen, -Tunnel oder -Bandbreite holen, wenn sie es brauchen. Die Telcos, die dieses neue Business mit den großen Colos zusammen am besten verstehen, sieht Crisp Research als die Leader der Zukunft.
  • MPLS und SDH ist Commodity. Heute noch Cash-Cow für die meisten Telcos, bald schon massiv unter Druck. Wer kann sich heute noch eine große Cloud-Anwendung ohne VMs oder Container vorstellen? Die meisten Compute-Ressourcen sind nicht mehr peak - und damit im Mittel überdimensioniert. Genau das ist aber bei Netzen noch der Fall.
  • Telcos sollten das Partner Potential mit Equinix genau betrachten. Equinix hat nur ca. einen (!) Vertriebsmitarbeiter pro 10 Millionen USD Umsatz. Heute sind schon 16% des Equinix Umsatzes reines Channel Business. Insbesondere außerhalb der US sind mehr Partnerschaften die erklärte Go-To-Market Strategie von Equinix.

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Über den Autor:

Principal Analyst & IoT Practice Lead

Stefan RiedDr. Stefan Ried – IoT Practice Lead, Principal Analyst – is responsible for the research and consulting activities covering IoT and modern platform architectures. Stefan Ried worked previously at Unify, a global communications and collaboration vendor as CTO. Graduated in Physics with an PhD at the Max Planck Institute, Germany, Stefan brings 20 years of experience in senior positions in software development, product management and marketing from international vendors to Crisp Research. His experience includes two software startups and major players including SAP and Software AG. Over 7 years at Forrester Research, Stefan lead the cloud platform research globally as a Vice President.