Enterprise Mobility Roundup bei Google – Entwickelt sich Android doch noch zum Business-Angebot?

  • Google liegt mit seinem Android-Betriebssystem traditionell hinter iOS zurück, wenn es um die Durchdringung im Enterprise-Umfeld geht. Dies hatte gute Gründe, weil Google schlichtweg in Sachen Management und Anwendungsvielfalt nicht mit Apple mithalten konnte
  • Google setzt nun auch im Enterprise-Geschäft verstärkt auf mobile Technologien und Plattformen. Was im Consumer- und Advertising-Geschäft schon gelungen ist, soll nun auch für das Business Geschäft gelingen
  • Mit dem Update der Management-Funktionen und neuen AI-Funktionalitäten für die Geräte ist Google tatsächlich so langsam eine echte Option - jetzt müssen die Unternehmen dies auch erfahren

Geht es darum, möglichst vielen Menschen auf der Welt ein Smartphone und mobiles Betriebssystem bereitzustellen, hat Google mit Android bislang ganze Arbeit geleistet. Geht es jedoch darum, eine Enterprise-geeignete Plattform für Unternehmen bereitzustellen, die in Sachen Anwendungen, Sicherheit und Management-Möglichkeiten alles bietet, lag Google lange Zeit meilenweit hinter Apple und dessen iOS-Betriebssystem zurück.

Denn die Unternehmen haben sich trotz der geringeren Preise für Android-Smartphones aufgrund der Fragmentierung des Betriebssystems, eingeschränkten Management-Möglichkeiten und sporadischen Abdeckung durch die EMM-Anbieter, diversen Sicherheitslecks und fehlenden Anwendungen von Google abgewandt.

Im Zuge der breit aufgestellten und kommunizierten Enterprise-Strategie von Google, die insbesondere für das Cloud Computing-Geschäft proklamiert wurde, hat Google rund um Android eine immer attraktivere Plattform geschaffen, um vergangene Probleme zu überwinden und neue USPs in Sachen Enterprise Mobility zeigen zu können.

Android Oreo & die Enterprise-Strategie im Hintergrund

Seit Ende September hat Google zunächst einige Announcements gemacht, die vorwiegend den Nachholbedarf gegenüber Apple adressiert haben. Seit Android Version 8.0, benannt nach den Oreo-Keksen, wurde in Sachen User Experience und Sicherheit einiges überarbeitet.

Die Geräte können nun noch besser private Anwendungen und Daten von denen der Unternehmen trennen. Dies gilt insbesondere auch für das Management dieser hybriden Endgeräte. Darüber hinaus wurden diverse Sicherheits-Features implementiert, die zum einen unmittelbar für die App-Entwickler gelten und eine stärkere Kontrolle der bereitgestellten Anwendungen mit sich bringen. Das Herunterladen von neuen Anwendungen ist somit deutlich sicherer geworden, sodass ein wichtiges Einfallstor der letzten Android-Malware-Attacken eliminiert wird. Auch darüber hinaus wurden innerhalb des Gerätes bessere Sicherheitsfeatures im Hinblick auf Malware-Protection und Co. gemacht, sodass auch der Nutzer und schließlich das Unternehmen automatisiert geschützt werden können.

Ein ganz besonderes Argument für Apple im Business-Einsatz war lange Zeit das eigene Device-Enrollment-Program. Dies hat die Einrichtung des Smartphones durch den Nutzer überwiegend automatisiert und dennoch bereits mit ersten Management- und Sicherheitsfunktionen sowie Anwendungen für den Unternehmenseinsatz ausgestattet. Google hat so etwas nun auch und nennt es “Zero Touch Enrollment”, womit ebenfalls vorkonfigurierte Anwendungen, Policies und Management-Lösungen bei der Einrichtung auf dem Gerät installiert sein werden. Allerdings zeigt sich hier noch einmal das fundamentale Fragmentierungs-Problem von Android. Denn dieser Service ist bislang nur für die Telefone der neuen Pixel-Serie von Google verfügbar. Damit erhält nur ein kleiner Bruchteil aller Endgeräte alle Funktionen. Eine Ausweitung der Verfügbarkeit ist geplant, aber noch nicht datiert.

Und auch unmittelbar für das Management und die Unified Endpoint Management-Lösungen zeigt sich Android mittlerweile verbessert. Um eine bessere Abdeckung der so wichtigen Management-Partner à la MobileIron und Co. zu gewährleisten, wurden mit der Management API  und der zugehörigen Android Device Policy App zwei Lösungen geschaffen, die für Admins und Lösungsanbieter deutlich geringeren Entwicklungsaufwand bedeuten und mit Hilfe von Standard-APIs schneller und einheitlicher die Vorgaben in Sachen Policies und Management umsetzen werden.

Neural Networks API - Artificial Intelligence als Android-USP

Android Oreo 8.0 war somit überwiegend die Erledigung wichtiger Hausaufgaben. Folgerichtig kam einen Monat später mit Android Oreo 8.1 ein freiwilliges Extra-Referat, um im Beispiel zu bleiben.

Mit der Neural Networks API  hat Google eine wichtige Verbesserung für die Bereitstellung von Artificial Intelligence bzw. Machine Learning-Algorithmen bereitgestellt. Im Wesentlichen geht es darum, mehr Rechenleistung unmittelbar “at the edge”, also auf dem Endgerät selbst, abzurufen. Mit auf dem Server vorgeschriebenen Algorithmen können so noch einfacher und performanter AI-Dienste genutzt werden. Nicht nur die Performance, sondern auch der Datenschutz wird somit verbessert, denn die genutzten Daten verlassen das Gerät jetzt nicht mehr.

Sobald die neue API genutzt wird, können auch die eigenen AI-Chips auf den Smartphones, wie insbesondere in der Pixel-Serie, besser genutzt werden, da sie exakt für diese Einsatzszenarien entwickelt wurden.

In der Kombination hat Google somit viele wichtige Bausteine, die im gesamten Ökosystem eine tragende Rolle spielen können. Neben den AI-Fähigkeiten bietet Google in Sachen Virtual und Augmented Reality, Anwendungsentwicklung (Firebase) und mit allen weiteren Google Cloud-Services eine breite Palette für einen echten Enterprise Stack.

Meilenstein für Google, die Unsicherheit bleibt

Google ist es in den letzten zwei Monaten gelungen, wichtige Updates für Partner, Entwickler und somit ganz besonders den Unternehmen und Mitarbeitern, bereitzustellen. Es ist zu erwarten, dass die Umsetzung der Lösungen durch die EMM-/UEM-Partner schnell Anklang findet und somit die Unterstützung der u.a. wichtigsten Business-Partner gesichert ist. Die gesteigerte Akzeptanz im Business-Umfeld führt dann schließlich auch zu mehr Anwendungen, die für den Unternehmenseinsatz entwickelt werden. Denn die neuen Vorgaben für die Entwickler machen es leichter, die Akzeptanz der Nutzer, insbesondere kritischer Unternehmenskunden, zu gewinnen.

Es bleibt das große Fragezeichen der Fragmentierung. Wichtige Standard-Services sind überwiegend durch den Open Source-Ansatz schnell und direkt implementierbar. Dennoch steht und fällt der Erfolg von Android im Enterprise-Einsatz mit einem einheitlichen Backend. Denn die Pixel-Endgeräte liegen preislich auf dem iPhone-Niveau. “Business Smartphones für alle” funktioniert somit nur, wenn auch Android Enterprise-Features für alle Endgeräte zu haben sind. Stand heute steht das noch in den Sternen.

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Über den Autor:

Senior Analyst & Mobile Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Analyst und Mobile Practice Lead des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Maximilian Hille ist verantwortlich für Marktforschungsinitiativen und Beratungsprojekte maßgeblich in den Bereichen Mobile Business und Enterprise Mobility. Zuvor war Maximilian Hille Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG.
Weiterhin ist er Produkt Manager des Research-Web-Dienstes Crisp Analytics. Seine Fokusthemen sind Mobile User Experience, Mobile Application Performance, mobile Development Platforms, Enterprise Mobility und Mobile Collaboration.
Maximilian Hille ist Juror bei den Global Mobile Awards 2017.