Enterprise Cloud goes Open Source – Designfaktor vs. Developer-Gimmick für die Unternehmen

  • Open Source ist in vielerlei Augen noch immer ein Technologie- und Software-Phänomen, das vor allem für Entwickler relevant ist
  • Für Unternehmen, die eine hohe Erfolgsabhängigkeit von digitalen Services haben, wird Open Source ein wichtiger Leitgedanke der gesamten Organisation
  • Die führenden Technologie- und Cloud-Plattformen setzen immer mehr auf Open Source und erhalten einen großen Teil ihrer Updates und Innovationen aus der Community

Open Source leistet derzeit einen fundamentalen Innovationsbeitrag in allen relevanten Technologiebereichen wie allen voran Cloud Computing, IoT, Big Data & Analytics oder auch im Mobile Computing. Plattformen wie Android, Hadoop oder Kubernetes folgen allesamt dem Open Source Paradigma und haben so schnell eine große Community entwickeln können, welche die Services weiterentwickelt und sicherer macht.

Grundsätzlich ist es das Ziel von Open Source, durch quelloffene Plattformen gemeinsam mit einer großen Community Lösungen zu entwickeln, die hinsichtlich Sicherheit, Innovationsgrad, Verbreitung und somit auch Standardisierbarkeit besonders schnell wachsen. Dennoch können die Nutzer von Open Source Software die Module für sich selbst individualisieren und weiterentwickeln, sodass einzelne Distributionen oder Flavours entstehen, die einen individuellen Need optimal abbilden können.

Open Source als wichtiger Erfolgsfaktor für das Unternehmenswachstum

Der Leitgedanke, offene, flexible und gemeinschaftliche Strukturen als Grundlage für erfolgreiche Produkte und Lösungen sowie Innovation zu etablieren, ist in der Entwickler-Community mittlerweile Standard. Das Konkurrenzdenken weicht hier stärker einer gleichberechtigten und pro-aktiven Hilfe-Kultur, die nachweislich dazu führt, neue Innovationen schneller und erfolgreicher an den Markt zu bringen.

Unternehmen folgen traditionell eher einer konkurrenz- und gewinngeprägten Geschäftstätigkeit und Unternehmenskultur. Doch eines der wesentlichen Ziele für die Zukunft ist der Aufbau einer agilen IT-Infrastrukturlandschaft und vor allem die Etablierung digitaler Produkte und Services als wesentlichen Umsatz- und Wachstumstreiber der Zukunft. Für die Unternehmen bedeutet dies aber auch, sich den neuen Technologien, deren Paradigmen und vor allem der Vorgaben der Entwickler als wesentliche personelle Ressource in diesem Vorhaben anzupassen.

Somit werden auch Unternehmen offene, flexible und gemeinschaftliche Strukturen aufbauen müssen und die Open Source-Bewegung beinahe symbiotisch in der eigenen Unternehmens- und Leitkultur verankern.

Für die Unternehmen bedeutet der Schritt in Richtung Open Source mehr als eine Veränderung hin zu einem innovativen Anstrich der Kultur. Vielmehr sind damit zahlreiche Vorteile und die Erfüllung maßgeblicher Erfolgsvoraussetzungen verbunden:

  • Digitale Infrastruktur: Die neuen Leistungsmerkmale einer digitalen Infrastruktur sind Vernetzung, Integration und Variabilität. IT-Infrastrukturen der nächsten Generation, die alle Unternehmen für ein erfolgreiches Business brauchen, werden Code-basiert, Software-defined und damit automatisierbar. Mit Infrastructure as Code (auf Open Source Basis) können wiederverwendbare Bausteine entwickelt werden, die Routineaufgaben auf allen Infrastrukturkomponenten für einen schnellen und performanten Betrieb übernehmen.
  • Developer-Attraktivität: Wenn Unternehmen sich in Richtung des Open Source-Gedankens entwickeln und gleichzeitig mit agilen Konzepten wie DevOps oder SRE aufwarten können, werden auch Entwickler auf sie aufmerksam. Die Arbeitsumgebung spielt in der Developer-Community eine wichtige Rolle. Die Entwickler möchten an ihren Aufgaben wachsen und selbst etwas hinterlassen. Open Source-Tools im Unternehmen als Grundlage zu verwenden, ist ein zentraler Schritt.
  • Digitale Produkte & Services: Die geeignete Infrastruktur-Plattform und das zugehörige Developer-Team sind eine Kernvoraussetzung für die Umsetzung digitaler Produkte und Services, die den größten Erfolgs- und Wachstumsbeitrag der Unternehmen zukünftig leisten. Auch diese können sich mit Hilfe von Open Source-Komponenten schneller entwickeln, mehr Leute erreichen und damit im Umkehrschluss weitere Umsatzpotenziale für das Unternehmen dahinter bereithalten.
  • Innovation Leadership: Mit dem Zugang zur Open Source-Community sind die Unternehmen deutlich näher an den großen Innovationen und Entwicklungsschritten der Though Leader und Zugpferde der Technologie-Welt. Je mehr Unternehmen sich beteiligen, desto höher sind die Geschwindigkeit neuer Innovationen und die Qualität, Sicherheit und Standardisierbarkeit. Die Grenzen zur Intellectual Property sind hier fließend und müssen in einzelnen Bereichen durch das Unternehmen abgewogen werden. In zahlreichen Technologiefeldern stehen Einsatz und Nutzern jedoch klar im positiven Verhältnis.

Cloud goes Open Source - Entscheidungsmerkmal No. 1 bei der Plattformwahl

Die Wahl der geeigneten Technologieplattform für die beschriebenen Ziele ist eine wichtige. Denn nur wenn auch die zugrundeliegende Technologie hinreichend offen für Open Source ist, können die zahlreichen Vorteile überhaupt genutzt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Zielinfrastruktur eher eine Hybrid Cloud mit verschiedenen Deployment-Typen ist, die über zentrale Services verwaltet und verbunden werden soll, oder eine cloud-native Architektur, die verwaltete Open Source-Tools nutzt, um ein Höchstmaß an Flexibilität, Performance und Agilität im Betrieb zu erreichen.

Quelle: https://landscape.cncf.io/ 

Container Services wie Docker mit dem Management-Framework Kubernetes sind derzeit die heißesten Open Source- und Cloud-Trends in der Enterprise-Welt. Die führenden Anbieter, wie allen voran Google, sehr stark auch Amazon Web Services und Microsoft Azure, setzen bewusst auf Open Source-Tools für ihr Angebot.

Die Cloud-Native-Computing-Foundation (CNCF) ist derzeit einer der größten Innovationstreiber im Cloud- und Digitalisierungsumfeld. Die Tools und Services sowie die zahlreichen Distributionen sind der Schlüssel dafür, dass die Public Cloud an vielen Stellen zu einer belastbaren Ressource für komplexe digitale Plattformen dienen kann.

Somit verzichten die Cloud Plattform-Anbieter teilweise auch darauf, eigene, eher proprietäre Platform-Services zu bieten, die nur auf der eigenen Plattform lauffähig sind, sondern entscheiden sich bewusst dafür, Open Source Services leichter einzusetzen.

Daher gibt es viele gemanagte Open Source Lösungen, die wie ein Platform-Dienst von den Anbietern angeboten werden. Dazu zählen bspw. gemanagte Kubernetes-Container-Cluster, Messaging oder Datenbankservices auf Open Source-Basis. Sollte es keine eigenen Services geben, werden APIs für andere Lösungen wie Kafka, Cassandra oder MongoDB angeboten. Die höchste Stufe des Open Source-Commitments ist ein eigener Marketplace im Kubernetes-Umfeld, der direkt ein fertiges Kubernetes Cluster mit zahlreichen, zuschaltbaren Open Source Tools aufbauen lässt ohne einen einzigen nativen Platform-Service des Anbieters zu nutzen.

Unternehmen sollten daher bei der Umstellung ihrer IT-Landschaft Open Source als wichtigen Kernbaustein betrachten. Dazu zählt auch die kulturelle Umstellung sowie der Einbezug von Open Source bei der Technologie- und Plattformwahl im Cloud Computing-Umfeld. Wie dies in der Praxis funktioniert und welche Schritte Unternehmen hin zu einer Open Source-inspirierten Comapany unternehmen sollten, zeigt unser Strategiepaper “Open Source und die Digitale Transformation” in Kooperation mit SuSE, das Sie kostenlos bei uns herunterladen können: https://www.crisp-research.com/publication/open-source-und-die-digitale-transformation/

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Über den Autor:

Senior Analyst & Mobile Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead für Mobility, Collaboration und User Experience des Research und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Maximilian Hille ist verantwortlich für die Marktfoschungsinitiativen und Beratungsinitiativen insbesondere in den Bereichen Digital Workplace und Mobile Business.
Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG.
Seine Schwerpunktthemen sind Digital Workplace Design, digitale Geschäftsmodelle, Unified User Experience, Mobile Backend & Development Plattformen, Mobile Management & Security, Mobile Web Experience, mobile Technologien, Mixed Reality, Chatbots, digitale Sprachassistenten und Collaboration.
Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.