Ein neues Kapitel Coworking – Hub für Service Software erweitert Technologie-Stack

  • WeWork launcht neue Software-Plattform und ist damit Vorreiter als Anbieter für einen spezifizierbaren Coworking-Technologie-Stack.
  • Anwendungen und Services können als Web- oder mobile App heruntergeladen und verwaltet werden und bieten eine einheitliche Management-, Collaboration- und Arbeitsplattform.

Dass Coworking Spaces sich zu einem zentralen Faktor in der Entwicklung der Arbeitswelt entpuppt haben, einer interaktiven und neuen Form der Arbeit sowie einer offenen Interaktion mit Stakeholdern dienen, zeigen einige Beispiele von Unternehmen, die einem Teil ihrer Mitarbeiter schon frühzeitig die Möglichkeit gegeben haben, die neue Form der Arbeit auszuprobieren. Coworking ist integraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie deutscher Konzerne und Mittelstandsunternehmen. In Deutschland sind derzeit über 250 Coworking Spaces zu finden, die sich vor allem in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München angesiedelt haben. Um einen Überblick über das Coworking-Ökosystem in Deutschland zu bekommen, hat Crisp Research eine interaktive Landkarte der Coworking Spaces in Deutschland erstellt.

Nun schreibt Coworking ein neues Kapitel, womit sich die im letzten Jahr aufgestellte Prognose zur Entwicklung des Technologie-Stacks bewahrheitet. Mehr dazu lesen Sie hier.

Im Mittelpunkt des Coworking-Konzeptes stehen künftig nicht mehr nur ein kreatives Arbeitsumfeld und eine Umgebung, um Netzwerkarbeit zu betreiben, sondern eine breite Palette an Enterprise Services und maßgeschneiderter Business-Software. Die dahinterstehenden Technologien stellen eine neue Value Proposition der Spaces dar. Allen voran ist dabei WeWork mit seinem neuen „WeWork Services Store“.

Unternehmensprofil WeWork:

WeWork ist mit drei Offices in Berlin vertreten. Insgesamt gibt es in 16 Ländern WeWork Offices, in den USA in 22 Städten. Das Unternehmen wurde in 2010 gegründet, bietet ein globales Mitgliedernetzwerk und zahlreiche Partnerschaften (UPS, Amazon web services, office 365, usw.) von denen Mitglieder profitieren können. Dazu zählen u.a. HR-Lösungen, Kostenersparnisse durch vorteilhafte Bankgebühren bei Zahlungsabwicklungen, ermäßigte Lagerlösungen oder z.B. Sondertarife für Lieferungen. Die von WeWork angebotenen Arbeitsplätze, Services und Events werden neben Start-Ups und Freiberuflern auch von branchenführenden internationalen Unternehmen wie IBM oder Microsoft in Anspruch genommen, um die Idee des traditionellen Arbeitsplatzes herauszufordern. Der Fokus von WeWork liegt in der Bildung, Erhaltung und Nutzung einer globalen Community. Die Auslastung der Standorte liegt bei fast 100% mit einer durchschnittlichen Marge von über 40%. Bis zum Jahr 2018 rechnet WeWork bei einer Mitgliederanzahl von 260.000 und einer monatlichen Gebühr von $767 pro Mitglied, mit einem Gesamtumsatz von $2,860 Mitglied/Monat. Zu den namhaften Investoren von WeWork zählen u.a. Benchmark, Wellington Managment, Mortimor Zuckerman und die us-amerikanische Bank JPMorgan Chase & Co., die bereits mit insgesamt $900 Millionen die Kapitaleinlagen des Unternehmens erhöhten. Die Mitgliederzahl steigt und soll im Jahr 2018 bei ca. 260.000 Mitgliedern liegen, weshalb der Coworking Space weitere Finanzierungsrunden erhielt.

Backup your Business Backend

Seit dem Launch im April 2017 bietet WeWork seinen Mitgliedern ein neues Tool, den WeWork Services Store. Der WeWork Services Store gehört zu den ersten Service Plattformen eines Coworking-Anbieters, der zur Förderung der neuen Arbeitskultur das flexible Arbeiten durch einen Technologie-Stack professionalisiert. Der WeWork Services Store ist zwar derzeit noch nicht in Deutschland verfügbar, doch ein Blick in die USA zeigt ein mögliches, zukünftiges Einsatzszenario, in welchem Business-Apps und Tools, ähnlich wie im Google Play Store oder iOS App Store, heruntergeladen und gekauft werden können. Das Angebot ist vielseitig und erstreckt sich von Marketing-Apps, über HR-Anwendungen bis hin zu Services für das Projektmanagement.  

Quelle: TechCrunch

Beim Stöbern nach nützlichen Business-Anwendungen können Empfehlungen anderer Coworker oder ähnlicher Unternehmen durchsucht oder hinterlassen werden. Diese können in den eigenen Technologie-Stack als Web- oder mobile App integriert werden. Bei der Auswahl der Anwendungen profitieren WeWork-Mitglieder von exklusiven Angeboten, die WeWork aufgrund seines globalen Mitgliedernetzwerks und den zahlreichen Partnerschaften anbieten kann.

Damit haben auch die Unternehmen die Möglichkeit an attraktive Cloud-Services zu kommen. Beispielsweise können einzelne Teams oder alle Mitarbeiter mit neuen Diensten ausgestattet werden, die für das Remote Work nützlich sind und sich gut in den bestehenden Stack integrieren.

Software, Services, Technologie - Das fehlende Puzzleteil für Enterprise Coworking?

Das Technologieangebot von Coworking Spaces hat sich weiterentwickelt und bietet neben WLAN, mobilen Endgeräten und einer einheitlichen Collaboration & Arbeitsplattform mittlerweile einen spezifischen Technologie-Stack an. Der WeWork Services Store, der in Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Partnern, wie beispielsweise Salesforce, Amazon Web Services, Slack oder Office 365 entstand, läutet somit eine neue Entwicklungsstufe des „Digital Workplace“ ein. Damit mausert sich WeWork zur Technologieanlauf- und Technologieschnittstelle von Big Playern und lokalen Unternehmen oder Freelancern. Der Hub für Business Services kann nicht nur die Arbeitsabläufe für Coworker, sondern auch für Coworking-Anbieter selbst optimieren. Als zentrales Portal für Tools und Anwendungen, kann eine einfache und flexible IT-Infrastruktur geschaffen werden, die nach Belieben erweitert und konfiguriert werden kann und schließlich einen produktiven Aufgabenvollzug vorantreibt. Sowohl der Austausch mit Stakeholdern oder Mitarbeitern als auch das Business-Management kann gegenüber traditioneller Verfahren, insbesondere für Start-Ups und Co. erleichtert werden. Insbesondere die Integration von Anwendungen zum bereits bestehenden System ist für Coworker attraktiv und fördert die Flexibilität und Akzeptanz von Coworking – Coworker wollen schließlich keine 2 Technologie-Stacks.

Andere Coworking-Anbieter, die den Anspruch haben, die neue Plattform für Unternehmen zu werden, haben eine gute Chance, mit ähnlichen Angeboten wie dem WeWork Services Store, die Zielgruppe anzusprechen. Insbesondere da WeWorks Vorreiter noch nicht in Deutschland verfügbar ist, bietet sich hier eine gute Gelegenheit.

Gegenseitige Unterstützung und eine ausgebaute Vernetzung untereinander sind vor allem bei klassischen Coworking Spaces, die nicht auf ein vergleichbares Partnersystem zurückgreifen können, unverzichtbar. Weiterhin sollte insbesondere im Rahmen von Corporate Coworking ein Management- und Security-Konzept nicht außer Acht gelassen werden. So wird sichergestellt, dass der Zugriff auf die persönlichen Anwendungen auch mobil erfolgen kann und synchron zur Web-App läuft. Im Ergebnis sollten Coworker einen spezifischen Coworking Technologie-Stack haben, der die Security- und Compliance-Richtlinien der beteiligten Unternehmen einhält. Um Kontrolle und Effizienz zu gewährleisten, ist die Verwaltung von mehreren (mobilen) Endgeräten mit hohen Sicherheitsanforderungen verbunden. Es sollte sichergestellt werden, dass die genutzten Daten sicher und private Daten von den kritischen Unternehmensdaten getrennt und geschützt sind. Hierfür kann beispielsweise eine VPN-Verbindung für den sicheren Zugriff auf die Unternehmensdaten mit einem mobilen Endgerät auch von unterwegs ermöglicht werden. Ein Management-Portal sollte weiterhin Information der Services, der Coworker und deren Rechte in einer Datenbank (z.B. Active Directory) zentral verwalten.

Quelle: Crisp Research AG

Durch den Ansatz von WeWork bildet sich gleichzeitig ein attraktives Kundensegment für Technologieanbieter, die sich als Ausrüster für eine allumfassende Coworking-Software-Plattform in Deutschland positionieren könnten.

Die Produktivitäts- und Collaboration-Angebote wie Microsoft Office 365 und insbesondere Teams, Slack, G Suit, Circuit und Co. stehen dabei an erster Stelle. Aber auch die Management-Anbieter wie MobileIron, Matrix42 etc. könnten eine neue Kundenkategorie erschließen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Anbieter dabei helfen, die Brücke zwischen Unternehmen und Coworking Space zu schlagen, sodass zwei Architekturen, die voneinander getrennt laufen, über die Services vereint sind. Diejenigen Anbieter, die sich entsprechend frühzeitig aufstellen, haben einen klaren Vorteil bei der Ansprache einer neuen, aber schnell wachsenden Klasse von Remote Workern in Corporate Coworking Spaces.

Trotz allem kann festgehalten werden, dass das Thema rund um einen professionalisierten Coworking Technologie-Stack wenig Attraktivität für große Unternehmen aufweist. Diese haben in der Regel einen umfangreichen, recht unflexiblen Technologie-Stack und restriktive Compliance- und Security- Regelungen. Der Aufwand, der hier notwendig wäre um den Einsatz von Coworking-Lösungen zu ermöglichen wäre wohl in vielen Fällen höher als der potenzielle Nutzen.