Digital meets Bottom Line – Wie und warum Chief Digital Officers das Sparen lernen müssen

  • CDOs müssen zukünftig einen signifikanten Beitrag zur Bottom Line Ihres Unternehmens beitragen.
  • In Zeiten einer gedämpften Weltkonjunktur achten Unternehmen wieder mehr auf ihre Kosten. Alle aktuellen Prozesse müssen vor dem Hintergrund der Effizienz betrachtet werden und ggf. mit Hilfe digitaler Tools und neuen Technologien optimiert werden.
  • Es ist eine ganzheitliche Optimierung des Wertschöpfungsnetzwerks notwendig. CDOs sollten in Zukunft noch enger mit den COOs zusammenarbeiten, um gemeinsam eine Strategie zur vollumfänglich optimierten Wertschöpfungskette zu erlangen.
  • Optimierung durch Digitalisierung bewirkt nicht nur reine Kostenreduktion und Stellenabbau. Es schafft auch Freiräume für Mitarbeiter, sich mit interessanten und wertschöpfenden Tätigkeiten zu beschäftigen.

TL;DR

Für alle, die sich einen kurzen Überblick zum Thema verschaffen wollen oder einen Anstoß für Ihre Organisation mitnehmen möchten, habe ich ein kurzes Folienset vorbereitet:

 

Im zweiten Quartal 2019 hat sich die Wirtschaftsleistung geringfügig abgeschwächt, so der aktuelle Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Weltkonjunktur wird durch Handelskonflikte, den Brexit und geopolitische Krisen gedämpft. Ist dies ein Vorbote für einen wirtschaftlichen Abschwung oder nur ein kleiner Dämpfer?

Auf jeden Fall scheint gerade kein wirtschaftlicher Zweig in Deutschland vor einem Stellenabbau halt zu machen:

Um nur einige Beispiele zu nennen.

Trotzdem ist es für Unternehmen weiterhin wichtig, in neue digitale Produkte und Services zu investieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Um aber in den nächsten 2 bis 5 Jahren auch das Kerngeschäft effizienter aufstellen zu können, ist es wichtig, in die Digitalisierung und Optimierung von bestehenden Prozessen zu investieren. Der Kostendruck der internationalen Konkurrenz, insbesondere aus China, wird stärker und stärker. Deutsche Unternehmen müssen hier langfristig mithalten.

Es ist zwar schön und gut, dass CDOs mit ihren Digital Hubs vom Mutter-Unternehmen losgekoppelt sind und sich auf der grünen Wiese austoben können, nach und nach wird sich aber auch hier die Frage stellen, was die Digitalisierungs-Sparte” für den gesamtwirtschaftlichen Ertrag eines Unternehmens  beitragen kann.

Somit müssen CDOs nicht nur neue, innovative Konzepte mit ihrem Team erarbeiten, sondern auch zusammen mit CIOs und COOs bestehende Prozesse optimieren, um einen Beitrag zum weiterhin positiven Unternehmenserfolg beizusteuern.

Die Studie Cloud Automation Excellence – Mit Automation zu skalierbaren digitalen Geschäftsmodellen zeigt insbesondere bei dem Themenfeld Automatisierung großes Potential auf. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen geben an, dass ihre Prozesse zum Großteil bzw. vollständig automatisiert sind.

Handlungsfelder Digitalisierung zur Effizienzsteigerung

Generell können Effizienzmaßnahmen über dem gesamten Wertschöpfungsprozess erfolgen. Hauptaugenmerk ist in vielen Unternehmen die Produktion und die in- und externe Logistik. Aber auch in den angrenzenden Bereichen wie Einkauf, Entwicklung, Sales und Service steckt erhebliches Potential.

Auch unterstützende Prozesse wie das Controlling, Human Resources, Marketing, Instandhaltung und die IT-Infrastruktur werden oftmals bei den Effizienzprogrammen vergessen. Gerade hier herrscht durch immer besser werdende digitale Tools und Konzepte ein enormer Vorrat an Einsparmöglichkeiten durch optimierte und digitalisierte Prozesse.

Um einen Denkanstoß zu bekommen, veranschaulicht die nachfolgende Grafik einige Themen, die deutliches Optimierungspotential bieten.

Bevor es aber zu einer Digitalisierung einzelner Prozesse kommt, sollten diese erst einmal genau betrachtet werden, ob sie wirklich schon effizient sind.

Getreu dem Zitat von Thorsten Dirks (ehem. CEO Telefónica Deutschland, 2015): Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiß digitalen Prozess”, sollten vorhandene Prozesse idealerweise mit digital-erfahrenen Unterstützern betrachtet werden. Diese Digital Natives” helfen beim Sparring und bringen neue Impulse aus anderen Industrien und digitalen Prozessen mit an den Tisch.

Ziel einer Organisation sollte die Digital Operational Excellence” sein. Die altbekannten Tools zur Prozessoptimierung wie Lean Management und Operational Excellence Methoden werden mit der Digitalisierung und Industrie 4.0 auf ein neues Effizienzlevel gehoben. Durch die Kombination von der Vereinfachung von Prozessen mit Elementen der Digitalisierung, wie etwa Automation, gelingt eine signifikante Kosteneinsparung.

Vorgehensweise - Ganzheitliche Optimierung der Wertschöpfungskette / -Netzwerks

Falls das Thema der Kostenreduktion durch Digitalisierung in einem Unternehmen noch gar nicht angegangen wurde, steht man jetzt vor einem Berg an Möglichkeiten. Aus diesem Grund soll hier einen Vorschlag für eine mögliche Vorgehensweise aufgezeigt werden.

Obwohl weiter oben von einem ganzheitlichen Ansatz die Rede war, kann man nicht alle Unternehmensbereiche parallel digitalisieren. Idealerweise startet man in der Mitte des Wertschöpfungsprozesses, der Produktion und Logistik, um sich dann nach und nach weiter an die Ränder vorzuarbeiten. Für viele indirekte Prozesse sind auch die erhobenen Daten der operativen Prozesse essentiell für das weitere Vorgehen.

In der ersten Phase sollten parallel zu einem Digital Readiness Assessment” die ersten Digital Use Cases herausgearbeitet werden. In ersten Workshops liegt der Fokus auf Effizienzen in Produktions-Prozessen. Die ersten Ideen werden nach Nutzen, Umsetzbarkeit und Leuchtturm-Charakter” priorisiert.

Die zwei relevantesten Use Cases werden als Proof of Concept (PoC) erarbeitet, um den tatsächlichen Nutzen und die Umsetzbarkeit zu verproben.

Im Digital Readiness Assessment” wird die bestehende IT-Landschaft analysiert und ein Zielzustand definiert, um digital-ready” zu sein. Aus diesen Differenzen werden Transformations- und Optimierungsmaßnahmen abgeleitet.

Aus der Erkenntnis dieser ersten Arbeitspakete und der generellen Mission des Unternehmens wird die Digitalstrategie entwickelt, in der ein tragender Punkt auch die Erreichung der “Digital Operational Excellence” ist.

Nachdem diese erste Phase umgesetzt wurde, können die Effizienz-Maßnahmen auf weitere wertschöpfende aber auch auf die indirekten Prozesse ausgerollt werden. Um schnelle Ergebnisse und Testszenarien zu erzielen, sollte auch hier die Methode der PoCs / MVPs weiterhin beibehalten werden.

Zu guter Letzt darf bei der ganzen Digitalisierung und Optimierung von Prozessen nicht der Mensch vergessen werden. Viele Mitarbeiter fürchten einen Arbeitsplatzverlust im Zuge der Kosteneinsparung. Bei dem kulturellen Wandel muss auch ganz klar kommuniziert werden, dass Mitarbeiter, die von monotonen Prozessen durch die Digitalisierung befreit” werden zukünftig mehr Möglichkeiten haben, sich individueller und kreativer in das Tagesgeschäft einzubringen und so einen größeren Mehrwert für das Unternehmen stiften können. Insbesondere die Entwicklung innovativer und neuer digitaler Produkte und Lösungen kann hiervon profitieren, wenn Mitarbeiter mehr Ressourcen und Zeiträume zur Verfügung gestellt bekommen.

Empfehlung

Zusammenfassend kann gesagt werden: Innovation UND Kosten sparen” ist das Motto der Zukunft für CDOs. Sie sollten

  • sich weiterhin auf innovative digitale Geschäftsmodelle und Produkte konzentrieren
  • dabei aber nicht die Kostenstruktur aus den Augen lassen
  • die angestammte Organisation mit ihrem digitalen Know-How im Bereich der Prozessoptimierung massiv unterstützen
  • zusammen mit dem COO eine Strategie zur Digital Operational Excellence” entwickeln
  • und gemeinsam erste Leuchtturmprojekte umsetzen.

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Über den Autor:

Consultant

Florian EisermannAls erfahrener Berater und Projektmanager unterstützt er Kunden im Rahmen der digitalen Transformation und Automation ihrer Geschäftsprozesse. Seine Beratungsschwerpunkte sind das Design und die Optimierung von IoT-Lösungen und digitalen Produkten, die Automation von industriellen Fertigungs- und digitalen Geschäftsprozessen sowie der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning im Unternehmenskontext.

Zuvor war er als Project Manager Operations bei einem führendem Konzern der Solarbranche für die Automatisierung von globalen Fertigungsprozessen verantwortlich und leitete zuletzt bei einem internationalen Laseroptik-Unternehmen Projekte in der Semiconductor-Fertigung. Als selbstständiger Berater für Social Media Marketing hat er mehrere Jahre mittelständische Unternehmen bei der digitalen Neuausrichtung ihrer Kommunikations- und Sales-Strategien unterstützt und wertvolle Erfahrungen in der konkreten Umsetzung neuer digitaler Marketing-Tools gesammelt.

Florian Eisermann hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und besitzt einen Abschluss als Diplom-Ingenieur Maschinenbau der Universität Kassel. Er ist zertifizierter Projektmanager.