Die Relevanz von OpenStack für das Cloud-Sourcing

Im Jahr 2014 werden deutsche Unternehmen etwa 6,1 Milliarden EUR in Cloud-Technologien investieren. Das Cloud-Sourcing macht also schon rund 7% der gesamten IT-Budgets aus. Damit wird auch die Bedeutung von Cloud-Ökosystemen und Cloud-Marktplätzen in Zukunft signifikant steigen. 

Crisp Research prognostiziert den Anteil der über Cloud-Marktplätze, -Plattformen und Ökosysteme gehandelten Cloud-Dienste bis 2018 auf rund 22 Prozent. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, dass die aktuellen Schwachstellen:

  • mangelnde Vergleichbarkeit,
  • eine geringe Transparenz
  • sowie eine schlechte Integration,

eliminiert werden. Denn dies sind elementare Faktoren für ein erfolgreiches Cloud-Sourcing.

Offenheit vs. Vergleichbarkeit, Transparenz und Integration

Die Cloud-Sourcing-Prozesse und das Cloud-Buying-Center zeichnen sich in größeren deutschen Unternehmen durch eine besondere Komplexität aus. Das ist der Herausforderung geschuldet, dass sich die Cloud-Landschaft über unterschiedliche Betriebsmodelle, Technologien und vor allem Anbieter erstreckt. Was bei kleineren Unternehmen im Schnitt auf fünf Anbieter (verstärkt SaaS) hinausläuft, entwickelt sich in großen und weltweit verteilten Unternehmen schnell auf über 20 verschiedene Cloud-Anbieter. Das zeigt zum einen, dass Hybrid- und Multi-Cloud-Sourcing nicht nur ein Trend sondern die Realität widerspiegelt. Zum anderen, dass Daten- und Systemsilos auch in Zeiten der Cloud weiterhin ein Thema sind! Aber wie sollen IT-Einkäufer mit dieser schwierigen Situation umgehen? Wie soll ein dynamisch wachsendes Portfolio langfristig geplant und entwickelt werden und wie wird gleichzeitig die Zukunftssicherheit gewährleistet? Dabei handelt es sich um verschiedene Herausforderungen die nicht unterschätzt werden sollten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Weder Cloud-Anbieter noch Verbände und Standardisierungsgremien waren in den letzten Jahren in der Lage, verbindliche und praktikable Cloud-Standards zu schaffen.

Ohne diese Standards auch keine Vergleichbarkeit der Clouds untereinander. Somit fehlte für IT-Einkäufer in den letzten Jahren die Vergleichbarkeit. Das sowohl auf der technischen als auch der organisatorischen Ebene. Verträge und SLAs sind in diesem Zusammenhang das eine Probleme. Wirklich schwierig und risikoreich wird es im technischen Kontext. Jeder Cloud-Infrastrukturanbieter hat seine eigene magische Formel wie sich die Leistung einzelner virtueller Maschinen zusammensetzt. Dieser Mangel an Transparenz sorgt auf Seiten der IT-Einkäufer für einen deutlichen Mehraufwand und führt damit zu kostspieligen Planungs- und Ausschreibungsverfahren. Der Wettkampf der IaaS-Anbieter wird somit auf dem Rücken der Kunden ausgetragen. Schöne neue Cloud-Welt.

Ein weiteres Problem besteht in der aktuell schlechten Integration von Cloud-Marktplätzen und Cloud-Ökosystemen. Die Vielfalt an Services auf diesen Plattformen wächst und gedeiht. Allerdings wurde das direkte Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Services innerhalb einer Plattform vernachlässigt. Komplizierter wird es, wenn Services Infrastruktur-, Plattform- bzw. Marktplatz-übergreifend integriert werden sollen. Ohne einen großen Aufwand ist eine tiefe Prozessintegration, Stand heute, nicht möglich. Das liegt überwiegend daran, dass jedes geschlossene Ökosystem sein eigenes Süppchen kocht.

Standardisierung: OpenStack gibt die Richtung vor

Proprietäre Infrastruktur-Unterbauten können einen gewissen USP für den Anbieter darstellen. Sie sorgen aber gleichzeitig auch für eine schlechte Interoperabilität. Dies führt zu enormen Schwierigkeiten bei der Anbieter-übergreifenden Nutzung und erhöht die Komplexität für die Anwender maßgeblich. Eine Vergleichbarkeit der Angebote ist damit ebenfalls so gut wie ausgeschlossen.

Open Source-Technologien schaffen hier für Abhilfe. Auf Grund ihres offenen Ansatzes beteiligt sich eine Vielzahl von Anbietern an den Projekten, um die Lösung voranzutreiben und natürlich die eigenen Interessen zu vertreten. Dabei hat sich gezeigt, dass für eine erfolgreiche Verbreitung und Adaption eine Kontrollinstanz erforderlich ist. Der Vorteil: setzt mehr als ein Anbieter auf die Technologie führt das zu einer besseren Interoperabilität zwischen den Anbietern und die Anwender erhalten eine bessere Vergleichbarkeit. Weiterhin verringert sich für den Kunden die Komplexität und damit der Aufwand bei der Anbieter-übergreifenden Nutzung – bspw. der Aufbau von Hybrid- und Multi-Cloud-Szenarien.

Entwickelt sich eine größere Interessengemeinschaft, bei der bedeutende Mitglieder die Technologie pro aktiv vorantreiben und in ihren produktiven Angeboten einsetzen, entsteht über die Zeit ein De-facto-Standard (Industriestandard). Dabei handelt es sich um einen technischen Standard, „[...] der nicht durch ein Normengremium verabschiedet, sondern von Industrieunternehmen definiert wurde.“ Wie dies funktioniert hat das Open Source-Projekt OpenStack eindrucksvoll gezeigt. Das Framework für den Aufbau von Public und Private Cloud-Infrastrukturen hat seit dem Start im Jahr 2010 große Aufmerksamkeit erhalten und befindet sich konstant in einem riesigen Momentum. Mittlerweile bildet OpenStack die Basis von zahlreichen Public Cloud-Infrastrukturen und Produktportfolios, darunter bei Rackspace, HP, IBM, Cisco und Oracle. Aber ebenfalls viele Unternehmen haben OpenStack für ihre Private Cloud-Umgebungen entdeckt, hierzu zählen Wells Fargo, Paypal, Bloomberg, Best Buy und Walt Disney.

Auf Grund des offenen Ansatzes sowie der  konstanten Weiterentwicklung durch die große und potente Community (alle sechs Monate erscheint ein neues Release) ist OpenStack ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner für jeden IT-Infrastrukturmanager. Professionelle Distributionen helfen dabei den Footprint auf der Anwenderseite weiter zu verbreitern und werden dafür sorgen, dass in Zukunft immer mehr IT-Entscheider großer Unternehmen ihre Cloud-Infrastrukturen auf Basis von OpenStack aufbauen werden. Diese positive Entwicklung zeichnet sich auch in Deutschland ab. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Crisp Research („OpenStack im Unternehmenseinsatz“) zeigen, dass fast jedem zweiten Cloud-Anwender OpenStack bekannt ist. Bereits 29 Prozent der Cloud-Anwender beschäftigen sich bereits aktiv mit der Open Source Technologie.

Das OpenStack-Ökosystem wird sich stetig weiter vergrößern und dadurch die Standardisierung in der Cloud vorantreiben. IT-Einkäufer erhalten dadurch mehr Spielraum beim Bezug von Cloud-Ressourcen von mehreren Anbieter. Dabei sollten sie im Hinterkopf behalten, dass sich ihre IT-Architekten in Zukunft von der unterliegenden Infrastruktur vollständig lösen werden, um Applikationen und Workloads bequem über Anbietergrenzen bei Bedarf hinweg zu verschieben. Container-Technologien wie Docker, das von OpenStack unterstützt wird, ermöglichen dies.

Marktplatz-übergreifend handeln

Cloud-Marktplatzbetreiber sollten im Sinne ihrer Kunden handeln und anstatt auf proprietäre Technologien ebenfalls auf Open Source-Lösungen bzw. einen De-Facto-Standard wie OpenStack setzen. Damit ermöglichen sie die Interoperabilität zwischen den Cloud Service Providern sowie zwischen unterschiedlichen Marktplätzen und schaffen damit die Voraussetzungen für ein übergreifendes Ökosystem, bei dem die Anwender einerseits eine bessere Vergleichbarkeit sowie andererseits echte Multi-Cloud-Umgebungen realisieren und managen können. Denn nur so können Anwender von den Stärken einzelner Provider und den besten Angeboten am Markt profitieren.

Offene Ansätze, wie sie OpenStack verfolgt, fördern die zukünftige Handlungsfähigkeit von IT-Einkäufern über Anbieter- und Rechenzentrumsgrenzen hinweg. Das macht OpenStack zu einem wichtigen Einflussfaktor beim Cloud-Sourcing. Wenn sich alle beteiligten Parteien zu einem gemeinsamen Standard, im Sinne der Anwender, bekennen.