Die Public Cloud im deutschen Mittelstand: Nicht ohne meinen Managed Service Provider

Cloud Computing. Was für viele Unternehmen im US-amerikanischen Markt bereits seit mehreren Jahren zur Realität gehört, hat sich auf dem europäischen Kontinent und speziell im deutschen Markt nur schleppend entwickelt. Insbesondere der deutsche Mittelstand, die Hochburg vieler „Hidden Champions“, verhält sich bei neuen IT-Trends vorwiegend zurückhaltend. Und auch das Cloud Computing hat jahrelang keine Ausnahme dargestellt.

Aus einer internationalen Perspektive betrachtet, ist Cloud Computing also bereits seit geraumer Zeit ein Selbstläufer. Auch in Deutschland lässt sich insbesondere seit Ende 2014 eine spürbar belebte Nachfrage beobachten. Allerdings muss hierbei festgehalten werden, dass der deutsche Mittelstand mit dem flexiblen Bezug von IT-Ressourcen lange Zeit gefremdelt hat. Doch wie schaut es im Jahr 2016 aus? Auf was müssen sich Cloud-Anbieter und -Dienstleister einstellen?

Dieser Frage ist Crisp Research in seiner Studie Multi-Cloud-Management im deutschen Mittelstand, nachgegangen, die im Auftrag der Nexinto GmbH 222 deutsche mittelständische IT-Entscheider befragt hat. Die drei zentralen Key-Findings der Studie haben ergeben, dass

  • die Cloud im Mittelstand angekommen ist
  • der Mittelstand mit einem der Hauptcharakteristika der Public Cloud, dem Self-Service, nichts anfangen kann
  • Managed Services und Managed Public Cloud Provider (MPCP) eine wichtige Bedeutung haben

Die Cloud ist im Mittelstand angekommen

Die Studie zeigt, dass die Cloud im Jahr 2015 in den mittelständischen Unternehmen angekommen und in den IT-Abteilungen von der Ausnahme zum Normalfall geworden ist. Über 85 Prozent der Mittelständler befindet sich derzeit in der Phase der aktiven Planung und Implementierung oder bereits im produktiven Betrieb von Cloud-Services und -Technologien. Dabei lassen sich schon über ein Viertel (25,2 Prozent) als Cloud-Profis identifizieren, bei der Cloud ein fester Bestandteil der IT-Strategie ist oder bereits im IT-Betrieb eingesetzt wird. Knapp ein weiteres Drittel (32,9 Prozent) lässt sich den Einsteigern zuordnen, die Cloud-Lösungen im Rahmen erster Projekte und Workloads betreiben. Etwas weniger als ein Drittel (27 Prozent) der Befragten plant und evaluiert aktuell Cloud-Angebote und lässt sich somit den Cloud-Planern zuordnen.

Cloud-Markt_Mittelstand_2015

Nur noch eine Minderheit von knapp 15 Prozent zählt sich zu den Cloud-Verweigerern und gab an, dass Cloud-Services und -Technologien heute wie auch zukünftige keine Bedeutung innerhalb ihrer IT-Strategie haben. Dabei herrscht Einstimmigkeit der Neinsager über alle Größenklassen innerhalb des deutschen Mittelstands verteilt. Für diese Gruppe drängt sich die Frage auf, wie sie ihr Unternehmen im Rahmen der Umgestaltung der Geschäftsprozesse und -modelle auf IT-Infrastrukturebene aufstellen wollen. Denn das ist ein notwendiger Teil ihrer Digitalisierungstrategie.

Cloud-Deployment_Mittelstand_2015

Gefragt nach ihrer heutigen bevorzugten Wahl des Cloud-Deploymentmodells zeichnet sich unter den mittelständischen Cloud-Nutzern (n= 189) kein eindeutiges Bild ab. Etwas über ein Drittel (33,9 Prozent) gibt an, seine Applikationen und Systeme innerhalb einer eigenen Private Cloud-Umgebung zu betreiben. Aber auch die Public Cloud kommt im deutschen Mittelstand gar nicht so schlecht weg, wie immer behauptet. Etwas unter einem Drittel der IT-Entscheider (27,5 Prozent) setzt auf dieses Cloud-Deploymentmodell, um die eigenen Mitarbeiter mit modernen Lösungen und IT-Ressourcen zu versorgen. Die Hybrid- und Multi-Cloud-Formen sind mit einem Viertel (25,9 Prozent) bzw. einem Achtel (12,7 Prozent) unter den Befragten noch etwas unterbesetzt, was sich mit der hohen Komplexität der Integration und den dafür notwendigen Kenntnissen erklären lässt. In Zukunft wird sich allerdings ein anderes Kräfteverhältnis zeigen. Sowohl der reine Public Cloud-Einsatz (von 27,5 Prozent auf 10,6 Prozent) als auch die reine Private Cloud-Nutzung (von 33,9 Prozent auf 20,6 Prozent) nehmen deutlich ab. Das zugunsten von Hybrid Cloud-Umgebungen (von 25,9 Prozent auf 32,8 Prozent) und Multi-Cloud-Umgebungen (von 12,7 Prozent auf 36 Prozent), die damit zu den zukünftigen Deployment-Gewinnern zählen.

Es lässt sich somit festhalten, dass mittelständische IT-Entscheider verstanden haben, dass eine moderne, Cloud-basierte, IT-Welt nicht nur schwarz oder weiß gezeichnet werden sollte. Stattdessen ist Vielfalt gefragt, um Services und Innovationskraft über eine größere Menge von Cloud-Anbietern einzukaufen. Private Clouds stoßen hierbei schnell an ihre Grenzen und können mit den Vorteilen einer Public Cloud (u.a. Skalierbarkeit, Innovationskraft, keine Investitionskosten) nicht mithalten. Hingegen ist es risikoreich bzw. derzeit unmöglich, auf einen One-Stop-Shop Anbieter aus der Public Cloud zu setzen, der alle Anforderungen und Wünsche erfüllen kann. Ein gesunder Mix aus beiden Welten führt zum Erfolg, was den hybriden Ansatz bzw. das Multi-Cloud-Szenario so attraktiv macht.

Der Mittelstand kann mit dem Self-Service nichts anfangen

Eine besondere Eigenschaft der Public Cloud ist ihr Self-Service-Modell. Hierbei übernimmt der Anbieter, je nach Portfolio, nur auf bestimmten Ebenen des Cloud-Stacks Verantwortung für den Betrieb und die Sicherheit der Services. Dieses sogenannte Shared-Responsibility Konzept zeigt sich insbesondere im Infrastructure-as-a-Service (IaaS) Umfeld von seiner unbequemen Seite, was schon so manchen Anwender vor die eine oder andere Herausforderung gestellt hat.

Cloud-Shared-Responsibility_Mittelstand_2015

Gefragt nach der Verantwortungsverteilung im Rahmen der Nutzung einer Public Cloud IaaS-Umgebung, lässt sich eindeutig feststellen, dass mittelständische Cloud-Sourcer dass Shared-Responsibility Modell nicht verstehen. Bei allen Fragen rund um den Betrieb und die Sicherheit von der physikalischen Rechenzentrumsinfrastruktur bis hoch zu den eigenen Systemen, Anwendungen und Daten der Kunden, nehmen mittelständische IT-Entscheider den Public Cloud-Anbieter in die Pflicht. Erwartungsgemäß sieht die Geschäftsführung bzw. der Vorstand den Anbieter zu sehr großen Anteilen (je nach Fragestellung bis zu über 80 Prozent) in der Pflicht, die Aufgaben innerhalb der Public Cloud-Infrastruktur zu übernehmen. In den Köpfen von Top-Entscheidern mittelständischer Cloud-Sourcer ist das Thema klassisches Outsourcing offenbar weiterhin sehr präsent. Allerdings liegen auch die IT-Architekten und Manager der Cloud Computing Einheiten bei der Zuordnung der Verantwortungen nicht immer richtig. Der Großteil dieser Experten-Gruppe sieht die Public Cloud-Anbieter in der Pflicht und zieht sich beziehungsweise das eigene Unternehmen aus der Verantwortung.

Einerseits muss man die mittelständischen Cloud-Sourcer in Schutz nehmen. Dieses Ergebnis zeigt nur, dass die großen Public Cloud-Anbieter in den vergangenen acht Jahren es schlichtweg verpasst haben, die notwendige Aufklärungsarbeit zu diesem Thema zu leisten, und anstatt mit ihren potentiellen Kunden gemeinsam diese Thematik zu erörtern, sie lieber auf sich alleine gestellt haben. Anderseits haben es mittelständische Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht für nötig gehalten, sich mit der Public Cloud proaktiv zu beschäftigen und diese stattdessen lieber in Frage gestellt. Das rächt sich nun und beide Seiten sollten anfangen ihre Hausaufgaben zu erledigen. Angefangen bei den Public Cloud-Größen, die ihr Marketing in Sachen Selbstverständnis für die Shared-Responsibility hin zu mehr Klarheit und Transparenz überarbeiten sollten.

Managed Services und Managed Public Cloud Provider haben eine wichtige Bedeutung

Das fehlende Verständnis beim Aufteilen der Verantwortlichkeiten auf einer Public Cloud-Infrastruktur lässt sich in dem Bedarf nach Unterstützung wiederfinden. Gefragt nach den Bereichen, in denen mittelständische Cloud-Sourcer Hilfe benötigen, gibt ein Drittel (29,3 bis 30 Prozent) an, bei der Integration ihrer Applikationen und Systeme in der Cloud sowie deren Betrieb in einem Managed Services-Modell auf das Expertenwissen von Dritten zurückzugreifen. Bei der Modellierung ihrer Architekturen und dem Design von Infrastrukturen, Applikationen und Services setzen rund 28 Prozent der mittelständischen IT-Entscheider auf externe Unterstützung.

Cloud-Managed-Services_Mittelstand_2015

Die Suche nach Unterstützung von der Planung bis zum Betrieb der Cloud-Infrastrukturen zeigt deutlich, dass der Aufbau einer Dynamic IT (vgl.Digitalisierung, Fast and Slow: Legacy & Innovation mit der Cloud) in mittelständischen Unternehmen für die IT-Abteilungen nicht einfach ist. Nur wenige Unternehmen werden den Aufbau ihrer Public-, Hybrid- oder Multi-Cloud rein den eigenen Kompetenzen überlassen können, sondern vielmehr auf Expertenwissen und praktische Erfahrungen externer Dienstleister setzen müssen. Daher antworteten die wenigsten befragten Entscheider auf die Frage nach dem Verantwortungs-Modell der Public Cloud-Infrastrukturen, dass sie einen Self-Service vorziehen (15 Prozent). Weitere 30 Prozent der Entscheider gaben an, dass sie Teile des Cloud-Betriebs und der Administration im Self-Service und andere Teile im Managed Service realisieren. Der Großteil von 55 Prozent der Unternehmen will hauptsächlich das Managed Cloud-Modell nutzen. Damit buchen sie gewissermaßen ein Rundum-sorglos-Paket, in dem der oder die Dienstleister nicht nur den Betrieb sicherstellen, sondern darüber hinaus auch Aufbau, Integration, Sicherheit, Applikationsverwaltung etc. übernehmen.

Cloud: Die Frage nach dem „wie“ bleibt!

Wie die Ergebnisse der Studie zweifellos zeigen, ist die Cloud auch endgültig im deutschen Mittelstand angekommen. Eine „Neinsager-Quote“ von lediglich nur noch 14,9 Prozent ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass mittelständische Unternehmen erkannt haben, mit der Cloud das operative Rückgrat ihrer digitalen Transformation zur Verfügung stehen zu haben. Dies aus gutem Grund. Schließlich handelt es sich hierbei um das A und O auf technischer Ebene als auch im Bezug auf die globale Reichweite, um den stetig wachsenden Anforderungen der Kunden zu begegnen. Es lässt sich somit festhalten, dass die Cloud unter den IT-Entscheidern deutscher mittelständischer Unternehmen angekommen ist. Die Entscheider stellen nicht mehr die Frage nach dem „ob“, sondern dem „wie“.

Allerdings sorgt genau diese Frage nach dem „wie“ unter den Mittelständlern weiterhin für Kopfzerbrechen. Das mangelnde Verständnis für die Verantwortlichkeiten in der Public Cloud wird zu einer kritischen Variable auf ihrer Cloud-Reise werden.

Als weiße Ritter bringen sich hierfür die sogenannten Managed Public Cloud Provider (MPCP)  in Position. Diese entwickeln und betreiben, die Systeme, Applikationen und virtuellen Umgebungen ihrer Kunden sowohl auf den Public Cloud-Infrastrukturen als auch in Multi-Cloud-Umgebungen in einem Managed Cloud Service Modell.