Deutschland bald auf Autopilot? Automation als Enabler im digitalen Geschäft

  • Automation verspricht immense wirtschaftliche Potenziale, da sie die drei großen Treiber Kosten, Zeit und Qualität adressiert. Neue Studie untersucht Status Quo und skizziert Chancen und Herausforderungen einer automatisierten Wirtschaft.
  • Zwei Drittel der Entscheider sehen Automatisierung als wesentlichen Erfolgsfaktor ihrer IT-Prozesse sowie als zentralen Enabler für die Umsetzung und Skalierung der digitalen Geschäftsmodelle und -Prozesse.
  • Verlust durch Handarbeit – € 540 Mio. IT-Budget in 2017 verloren: Nach aktuellen Prognosen von Crisp Research verloren deutsche Unternehmen im Jahr 2017 rund 540 Mio. Euro an IT-Budget durch eine unzureichende Automatisierung ihrer IT-Infrastruktur und der zugehörigen IT-Betriebsprozesse.
  • Viel Luft nach oben: Bei der Selbsteinschätzung zum Automatisierungsgrad der derzeitigen IT- und Geschäftsprozesse herrscht Ernüchterung. Derzeit fahren nur 6 Prozent der Entscheider ihr Unternehmen im Autopilot-Modus.

Automation ist mitnichten eine Erfindung der Digitalisierung. Seit Jahrzehnten durchdringt sie das menschliche Leben, vereinfacht Produktions- und Planungsprozesse in Industrie und Service und trägt zu einer effizienteren Wirtschaft bei.

Von der ersten automatischen Webmaschine, der PowerLooms von Edmond Cartwright bis zu den heutigen Industrierobotern, die sowohl eigenständig als auch in Kollaboration mit dem Menschen beispielsweise Autoteile fertigen und zusammensetzen,  ist allerdings einige Zeit vergangen. Der aktuelle Digitalisierungsboom wird immens zur Weiterentwicklung von Automatisierungsprozessen beitragen. Und das zu Recht, bergen sie doch - bei zügiger und erfolgreicher Umsetzung - strategische Erfolgspotenziale gegenüber der Konkurrenz.

Die Gründe liegen auf der Hand: Automation adressiert die drei großen Treiber Kosten, Qualität und Zeit. Sie schafft Potenziale für

  • geringere Betriebskosten,
  • eine nachhaltige Erhöhung von Qualität oder Service Level,
  • einfache Skalierung, mit Flexibilität bei Veränderungen,
  • sowie eine geringere Time to Market, weil IT-Systeme schneller zur Verfügung gestellt werden können.

Das Bewusstsein für einen notwendigen Ausbau und eine Weiterentwicklung des Automatisierungsvorhaben ist auch in den Köpfen führender IT-Entscheider angekommen. Dies bestätigt die aktuelle Studie “Cloud Automation Excellence” von Crisp Research, die in Zusammenarbeit mit Nexinto und Hewlett Packard Enterprise entstanden ist. So sehen zwei Drittel der Entscheider die Automatisierung als wesentlichen Erfolgsfaktor ihrer IT-Prozesse (32 Prozent) sowie als zentralen Enabler für die Umsetzung und Skalierung der digitalen Geschäftsmodelle und -Prozesse (37 Prozent). Nur eine Minderheit bewertet das Thema als Hype oder Randthema. Die strategische Relevanz der Automatisierung wird von der Mehrheit der Entscheider erkannt. Beim Blick auf die Einschätzung in den jeweiligen Branchen fällt auf, dass es vornehmlich die deutschen Leitindustrien Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilsektor sind, die der Automatisierung das größte Innovations- und Disruptionspotenzial im Rahmen der Digitalisierung zuschreiben.

Kosten und Sicherheit im strategischen Fokus der Automatisierung

Betrachtet man die Potenziale, die mit einer erhöhten Automatisierung einher gehen, ist es nicht verwunderlich, dass für einen Großteil die Kostensenkung (68 Prozent) im Fokus der Automatisierungsinitiativen stehen. Mit etwas Abstand folgen die Anforderungen nach gestiegenen IT-Sicherheitsstandards (41 Prozent) sowie der Zielsetzung einer höheren Skalierbarkeit (29 Prozent).

Neben diesen Top-Themen spielen aber auch Agilität und Datenhoheit eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. Deutsche Entscheider sollten bei der Ausgestaltung ihrer Automatisierungsstrategien noch andere Perspektiven einnehmen und ihren Blick etwas ausweiten. So spielt der Auf- und Ausbau von offenen Plattformen und Ökosystemen in der digitalen Welt eine fundamentale Rolle und ist sicherlich ein langfristiger Erfolgsfaktor. Wer seine Automatisierungsmaßnahmen also nur auf kurzfristige Kosteneffekte ausrichtet, der springt deutlich zu kurz und wird langfristig wichtige Wachstumschancen verpassen.  

“Luft zum Atmen” - Mehr Budget und Ressourcen für Innovationen

Neben den wohl allseits bekannten Zielsetzungen, birgt der Einsatz von Automatisierungstechnologien aber vor allem ein Potenzial, das in einer immer schnelleren Wirtschaft mit dem Anspruch an kurze Release-Zyklen einen Vorteil schaffen kann: Innovation. Durch die Senkung von laufenden IT-Betriebskosten durch eine Entlastung manueller Tätigkeiten in Administration und Betrieb, können mehr Zeit und Ressourcen für die Entwicklung innovativer Lösungskonzepte bereitgestellt werden. Möglich ist das, lassen sich doch Patching, Kapazitätsmanagement und Skalierung, Monitoring und vieles mehr bereits heute schon weitgehend automatisiert umsetzen und steuern.

In diese Richtung zielt auch ein weiteres Argument, das die fachliche Weiterentwicklung der IT-Mitarbeiter und eine höhere Produktivität der IT-Teams mittels Automatisierung im Auge hat. So liegt die Einarbeitung in neue Themen und Technologien (Machine Learning, Quanten Computing, Blockchain, Cloud und Edge Computing etc.) heutzutage in vielen IT-Infrastruktur- und Rechenzentrums-Teams brach, da das Tagesgeschäft und neue Aufgaben im Kontext der Digitalisierung die komplette Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Hier kann die Automatisierung nach Einschätzung der betroffenen Entscheider einen maßgeblichen Beitrag leisten. Die Weiterentwicklung und der “Upskill” der bestehenden IT-Mannschaft ist somit eine strategische Aufgabe.

Wie wichtig der Einsatz von Automatisierung ist, machen auch hier wieder die Zahlen deutlich: 540 Millionen Euro verlieren deutsche Unternehmen allein in diesem Jahr, weil sie nur unzureichend digitale Prozesse nutzen, um unter anderem die IT-Betriebskosten zu senken. Diese Summen in Weiterentwicklung investiert, kann den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Playern ausmachen.

Business auf Autopilot? Derzeit noch Fehlanzeige!

Bei den genannten Potenzialen, die sich mit Hilfe von Automatisierungstechnologien heben lassen, sollte man meinen, Unternehmen seien bereits drauf und dran die Automatisierung in IT- und Geschäftsprozessen voranzutreiben. Die Selbsteinschätzung der befragten Entscheider zeichnet allerdings ein ernüchterndes Bild: Derzeit fahren in Deutschland nur 6 Prozent der Entscheider ihr Unternehmen im “Autopilot-Modus”. Mit weniger als 10 Prozent Automatisierungsgrad steuert  die Mehrheit der Entscheider ihr Unternehmen noch eher als „Manufaktur“ bzw. im semi-automatisierten Modus (10-30% Automatisierungsgrad). Nach der Selbsteinschätzung haben vor allem der IT-, Telco- und Medienbereich (16 Prozent), die Automobilbranche (11 Prozent) sowie die Metallverarbeitende Industrie die Nase vorn. Hier steuern schon deutlich mehr Manager und Unternehmer ihr Unternehmen im “Autopilot-Modus” als im Durchschnitt aller Unternehmen der Stichprobe.

Automatisierung ist in deutschen Unternehmen in jedem Fall ausbaufähig und sollte von den führenden Entscheidern vorangetrieben werden, um vor den Vorteilen zu profitieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Partner können wertvolle Unterstützung bei Automatisierungsvorhaben sein

Genau wie Disruption nicht über Nacht kommt, stellt sich Automatisierung nicht von alleine ein, sondern muss aktiv gestaltet werden. Als besondere Herausforderungen identifizieren die Befragten fehlende Budgets, geringe Transparenz und starre Organisationsstrukturen. Die Mehrheit der Unternehmen (69 Prozent) setzt ihre Automatisierungsstrategien deshalb nicht alleine, sondern gemeinsam mit Managed Service Providern und Beratungspartnern um. Angesichts der Vielfalt der Handlungsfelder und der Komplexität des Themas ist dies absolut nachvollziehbar und sinnvoll. Zumal sich viele Unternehmen derzeit schwer mit der Rekrutierung entsprechender Mitarbeiter tun, die gerade im Hinblick auf die Themen Cloud, Machine Learning, Blockchain und RZ-Automatisierung das entsprechende Skill- Set und die notwendigen Erfahrungen mitbringen. Die Zusammenarbeit mit Dienstleistungs- und Managed Service-Partner ermöglicht Unternehmen einen “Schnelleinstieg” und überbrückt eventuelle “Skill-Gaps”.

Mehr zum Thema Automation lesen Sie in der aktuellen Studie. Neben dem Status Quo der Cloud- und IT-Infrastruktur-Automatisierung, werden Chancen und Herausforderungen sowie Best Practices aufgezeigt und Ansätze und Tools vorgestellt.

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Über den Autor:

Marketing & Media Relations

Gina CimiottiGina Cimiotti ist für die Koordination von Marketingaktivitäten sowie Presseanfragen beim IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research verantwortlich. Darüber hinaus unterstützt sie Kundenprojekte im Rahmen des Research durch Recherche und Fachartikel. Nach Abschluss ihres B.A. Studium der Kommunikations- und Sozialwissenschaft sowie Praxiserfahrung in der Wirtschaft, führt sie zur Zeit ihre akademische Laufbahn mit dem Master „Communication Management“ an der Universität Leipzig fort.