Der Dreikampf der Digitalisierung ist gestartet

Der deutsche Mittelstand befindet sich wie die meisten Unternehmen in Deutschland derzeit in einem tiefgreifenden Wandel, der entscheidend für die zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit sein wird. Gerade die „Hidden Champions“ aus dem Mittelstand besetzen häufig wichtige Weltmärkte als Zugpferd und Marktführer. Aufgrund der Digitalisierung und des damit verbundenen stärkeren Einflusses der Kunden ist es für die Mittelständler eine große Herausforderung, sich ihren Innovationsvorsprung zu erhalten. Vor diesem Hintergrund sind auch viele Mittelständler derzeit dabei, ihre IT-Systeme und Organisation fit für das digitale Zeitalter zu machen. Auch daher fand die diesjährige Event-Roadshow des Systemhauses CEMA unter dem Motto „Next Generation IT“ statt. Crisp Research hat CEMA dabei unterstützt, im Rahmen der Veranstaltungsreihe IT-Entscheider mittelständischer Unternehmen hinsichtlich ihrer Strategien und Fortschritte im Rahmen der Digitalisierung zu befragen. Die (nicht-repräsentativen) Ergebnisse der Befragung dienen als Grundlage, um im Folgenden den Fortschritt der Mittelständler in ihren Digitalisierungsbestrebungen zu ermitteln.

Das Digitalisierungs-Fundament: Strategie & Organisation im Digitalen Dreikampf

Digitalisierung ist im ersten Schritt sehr stark mit strategischen Entscheidungen und organisatorischen Veränderungen verbunden. Hier wird der Grundstein gelegt, um die Digitalisierung als interdisziplinäre und strategische Initiative voranzutreiben. Gemeinsam mit einer zentralen Entscheidungs- und Verantwortungsperson für die Digitalisierung (z.B. ein Chief Digital Officer, CDO) werden die bestehende Situation, die angestrebten Ziele und die notwendigen Maßnahmen im Zeithorizont festgelegt. In diesem Zusammenhang bietet es sich an, um diese integrale Leitfigur der Digitalisierung (CDO o.ä.) ein Expertengremium aufzubauen, das die Ideen und Maßnahmen der Digitalisierung mitentwickelt und -umsetzt. Hierbei ist es den Mittelständlern meist selbst überlassen, inwieweit dieses Expertengremium als „Digital Office“ institutionalisiert werden sollte. Eine eigene Abteilung mit eigenem Budget ist zwar sicherlich handlungsfähiger, ob sich dieser Umfang aber bei jedem Mittelständler auch auszahlt, ist fraglich.

Wichtig für den Erfolg der Digitalisierung ist darüber hinaus auch eine innovative Partnerbasis, die dem Unternehmen bei der Umsetzung der Digitalisierung helfen kann. Hier gilt es zum einen, seine bestehenden Partner mit in die eigene Digitalisierungsstrategie zu integrieren und darüber hinaus neue Partnerschaften zu identifizieren, die bei dem Aufbau einer digitalen Organisation und eines digitalen Produktportfolios helfen können. So können beispielsweise in Kooperation mit Start Ups und Internet-Unternehmen digitale Services und Produkte gemeinsam entwickelt und vermarktet werden.

Ein ganz essentieller Teil des Digitalisierungs-Fundaments ist der Aufbau einer „Next Generation IT-Infrastruktur“. Denn gerade im Kontext der schnelllebigen digitalen Welt und einem hohen Anspruch an Leistung und Flexibilität eignen sich viele bisher vorherrschende IT-Architekturen nur noch bedingt als belastbare Basis. Aus diesem Grund gilt es noch in der Vorbereitung der Digitalisierung die Infrastruktur im Status Quo zu erfassen und daraus eine hybride und leistungsfähige Architektur zu errichten.

Digitale Value-Adds: Die Königsdisziplinen der Digitalisierung

Auf Basis dieses Digitalisierungs-Fundaments sind die Unternehmen schließlich in der Lage, die Mehrwerte aus der Digitalisierung zu generieren. Es geht für die Unternehmen an dieser Stelle zunächst darum, alle Mitarbeiter mithilfe der Digitalisierungs-Initiativen zu unterstützen und sie zu motivieren, ein Mitgestalter des Wandels zu werden.

Gelingt es den Unternehmen, eine digitale Kultur im Unternehmen zu festigen, können die Geschäftsprozesse in das digitale Zeitalter überführt werden. Dies bedeutet, dass klassisch-analoge Prozesse zukünftig Teil der IT-Infrastruktur werden und mithilfe digitaler Services umgesetzt oder automatisiert werden.

Im Rahmen des IT.forums wurden dazu IT-Entscheider mittelständischer Unternehmen befragt, inwieweit die Digitalisierung der Prozesse ihrer Unternehmen bereits fortgeschritten ist. Es zeigt sich, dass unter den Befragten offensichtlich viele Unternehmen repräsentiert werden, die sich weit vorne in der Digitalisierung sehen. Denn einige Befragte gaben an, dass ihr Unternehmen bereits weit mehr als die Hälfte aller existierenden Prozesse digitalisiert hat. So gaben 11 Prozent der Entscheider an, dass sogar mehr als 75 Prozent der Unternehmensprozesse digitalisiert sind. Weitere 18 Prozent haben 50 bis 75 Prozent der Prozesse in das digitale Zeitalter überführt. In einer repräsentativen empirischen Erhebung würde dieses Ergebnis noch deutlich anders ausfallen. Bislang ist es über die Unternehmenslandschaft hinweg eine absolute Ausnahme, dass mehr als die Hälfte oder sogar drei Viertel der Prozesse schon digitalisiert und automatisiert sind. Mitunter eignen sich bei vielen Unternehmen einige Prozesse gar nicht dafür, durch eine digitale Architektur (teil-)automatisiert zu werden. Für eine Vielzahl der Unternehmen ist es bereits ein erstrebenswertes Ziel, 25 bis 50 Prozent der Unternehmensprozesse digital zu machen (21 Prozent der Stichprobe). Im Rahmen der Stichprobe sind es zusätzlich knapp 50 Prozent der Unternehmen, die mit weniger als 25 Prozent digitaler Prozesse arbeiten. Über alle Unternehmen hinweg wäre der Anteil vermutlich noch höher.

Dieses Ergebnis wirft allerdings auch zwei Fragen auf. Zum einen liegt die Vermutung nahe, dass die Befragten noch immer Schwierigkeiten haben, „Digitalisierung“ und „digitalisierte Prozesse“ richtig einzuordnen. So haben sicherlich viele Unternehmen begonnen, Technologien zur Unterstützung ihrer internen Abläufe einzuführen. Allerdings genügt dies häufig nicht, um einen Prozess wirklich digital und automatisiert zu haben. Zum anderen ist es auch möglich, dass die Befragten eine falsche Basis für die „digitalisierten“ Prozesse genutzt haben. Denn wie bereits zuvor beschrieben, eignen sich einige Prozesse derzeit gar nicht zur Überführung in einen digitalen Prozess. Es könnte also sein, dass einige Befragte nur die „digitalisierbaren“ Prozesse als Basis genommen haben und im Zuge dessen teilweise schon recht weit fortgeschritten sind.

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Ist ein substantieller Anteil der internen Prozesse im Unternehmen aber erst einmal digitalisiert, können die Unternehmen im Rahmen ihrer digitalen Transformation auch den Kunden in den Fokus rücken. Die Goldmedaille der Digitalisierungs-Olympiade gewinnen die Unternehmen, wenn sie die sogenannte „Digital Customer Experience“ bieten können. Dazu zählen vor allem die digitale Schnittstelle zum Kunden hinsichtlich Produkt- und Dienstleistungserbringung sowie digitale Produkte, die ihren Nutzen nicht mehr nur durch das eigentliche Produkt, sondern ganz besonders durch die Software oder Anbindung an ein Netzwerk generieren. Hierzu ist es ganz besonders notwendig, dass das Unternehmen auf einem soliden Digitalisierungsfundament agiert und darüber hinaus auch eine digitale Kultur pflegt, um mit dem Kunden technologisch und subjektiv auf Augenhöhe kommunizieren zu können.

Trusted Advisor als Mentoren der Mittelständler

Viele Unternehmen sind oft nicht in der Lage, mit den bestehenden Mitteln ihre Digitalisierung von Anfang bis Ende durchzusetzen. Auch wenn in der oben untersuchten Stichprobe eine hohe Digitalisierungskompetenz identifiziert wurde, gelingt es der Mehrheit der Unternehmen nicht, ein solches Projekt erfolgreich alleine zu stemmen. Oft fehlt bereits der richtige Kandidat für die Verantwortung der Digitalisierung, sodass ein CDO oder Digitalisierungsverantwortlicher meist von extern kommen muss.

Aufgrund dieses nur bedingt vorhandenen internen Skill-Set werden auch Technologie-Lieferanten, die teilweise eine lange Beziehung zu den Unternehmen pflegen, zu wichtigen Ansprechpartnern und Trusted Advisors im Rahmen der Digitalisierung. Als Experten für neue digitale Infrastrukturen und dank mehrerer Referenzprojekte können sie als Partner der Unternehmen den gesamten Digitalisierungsprozess begleiten.

So können neben der Business-Fragen insbesondere technische Hürden und Probleme schnell überwunden werden. Denn als Schnittstelle zwischen den Herstellern und Service-Anbietern können die Technologie-Lieferanten beide Anspruchsgruppen verbinden und in Integrations- und Prozess-Fragen optimal zur Seite stehen.

Die genutzten Daten wurden auf der Veranstaltungsreihe IT.forum des Systemhauses CEMA erhoben. Maßgeblich wurden CIOs und Systemadministratoren von mittelständischen Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern zu Themen rund um die Digitalisierung und insbesondere zur eigenen Cloud- und Workplace-/Mobility-Strategie befragt. Die Inhalte der Befragung wurden gemeinsam von CEMA und Crisp Research entwickelt. Weitere Ergebnisse und Empfehlungen für IT- und Business-Entscheider finden Sie im Strategiepapier unter: Link

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Über den Autor:

Senior Analyst & Cloud Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.

Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG. Maximilian Hille studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.

Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Platforms, Cloud Architecture Design, Hybrid & Multi Cloud Computing, Cloud-Native Architectures, Digital Workplace, Collaboration, Enterprise Mobility und Mobile Business. Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.