Das kleine 1×1 des Managed Hostings – Definition und ein Ausblick in die Zukunft

Der Begriff „Hosting“ ist sicherlich vielen Personen bekannt. Doch was genau ist gemeint, wenn man von Managed Hosting spricht? Hierbei hat es definitiv mit der Verlagerung von Verantwortlichkeiten zu tun. Doch was genau wird abgegeben und an wen? Die Geschäftsmodelle im Managed Hosting haben sich über die Zeit deutlich differenziert und weiterentwickelt. Dieser Analyst View beschäftigt sich daher mit der Einordnung der Begrifflichkeiten im Managed Hosting, stellt verschiedene Ausprägungsformen vor und gibt einen Überblick darüber, welches Managed Hosting für welche Unternehmensform geeignet ist.

Was bedeutet (Managed) Hosting

Hosting, die Bereitstellung von Infrastruktur-Diensten über das Internet, ist altbekannt. Beim Managed Hosting konzentriert sich der Anbieter jedoch nicht nur auf die Bereitstellung dieser Dienste, sondern übernimmt je nach Kundenwunsch auch Teile der Wartung und Pflege der Betriebssysteme oder sogar einzelner Anwendungen, die auf den von ihm bereitgestellten Infrastrukturen betrieben werden. Er bietet seinen Kunden somit Mehrwertdienste, um ihn gleichwohl bei der technischen Umsetzung als auch bei dem laufenden Betrieb zu unterstützen. Hierzu zählen:

  • Automatische Upgrades der Administrationssoftware
  • Sicherheitseinstellungen
  • Installation von Webanwendungen
  • Automatisierte Backups
  • Behebung von Fehlern an der Hardware / Netzwerkinfrastruktur (innerhalb eines kurzen und klar definierten Zeitraums)
  • Installation von Sicherheitspatches und regelmäßige Updates
  • Einspielen von Betriebssystem-Updates
  • Schutz vor DDos Attacken
  • Überwachung und Monitoring wichtiger Dienste

Managed Hosting ist vor allem für diejenigen Kunden interessant, die entweder nicht über umfassendes technisches Wissen verfügen oder sich vornehmlich auf die eigenen Geschäftsprozesse konzentrieren wollen und den laufenden IT Betrieb somit an einen Dienstleister auslagern möchten. Managed Hosting Angebote werden zumeist individualisiert für den Kunden angeboten und sind dementsprechend teurer, als das äquivalente standardisierte Angebot der üblichen Hosting-Anbieter. Allerdings ermöglicht das Managed Hosting den Kunden Zugriff auf IT-Ressourcen, ohne vorher selber Investitionen in Technik sowie intensive Mitarbeiterschulungen zu tätigen (Stichwort: Capex vs. Opex). Dies verringert für die Kunden das Risiko und erhöht die Flexibilität.

Managed Hosting im Detail

So unterschiedlich wie die Anforderungen von Unternehmen, sind auch die angebotenen Managed Hosting Lösungen. Die Angebote im Markt unterscheiden sich unter anderem durch die zugrundeliegenden Serverstrukturen:

  • Shared Hosting: Mehreren Kunden wird ein für sie isolierter Bereich auf einem physikalischen Server des Hosting-Anbieters zur Verfügung gestellt
  • Dedicated Hosting: Die Kunden beziehen ihre Infrastruktur-Dienste direkt von physikalischen Servern des Hosting-Anbieters, auf welchen nur sie exklusiven Zugriff haben
  • Virtual Private Hosting (Cloud Hosting): Es werden für die Kunden virtuelle Server zur Verfügung gestellt, welche auf Basis von einem oder mehreren physikalischen Servern des Hosting-Anbieters virtualisiert werden
  • Managed Public IaaS: Für den Kunden werden von einem Dienstleister (Managed Public Cloud Provider) virtualisierte Server und weitere Dienste auf Basis einer bestehenden Public Cloud (z.B. von Amazon Web Services, Microsoft Azure) eingerichtet und betrieben

Entscheidend für die Technologieauswahl beim Managed Hosting sind Art und Umfang des Workloads, die vom Kunden ausgelagert werden sollen, sowie der allgemeine interne IT-Bedarf.

Neben der zugrundeliegenden Technologie ist der Unterstützungsgrad beim Managed Hosting ein zusätzlicher Unterscheidungspunkt, welchen Firmen mit in Ihre Auswahl nach einem geeigneten Hostingpartner einbeziehen sollten. Einige Anbieter beschränken sich auf grundlegende Unterstützungsleistungen, wie die Installation eines Betriebssystems. Andere Anbieter beraten ihre Kunden allumfassend und bieten zusätzlich regelmäßiges Monitoring, Sicherheitsupdates sowie proaktive Optimierung der Kundeninfrastrukturen an. Folgende vier Ausprägungsformen der Unterstützung können im Kontext des (Managed) Hostings unterschieden werden:

  • Unmanaged Hosting: Klassisches Hosting: Der Anbieter stellt die physikalischen und virtuellen Infrastrukturen bereit. Der Kunde ist für alles andere zuständig und hat vollen Root-Zugang zu den Servern.
  • Slightly Managed Hosting: Der Anbieter baut die physikalischen bzw. virtuellen Infrastrukturen auf und stellt verschiedene Betriebssysteme bereit, für welche er die Wartung und den Betrieb übernimmt. Der Kunde übernimmt die Installation, das Monitoring und den Betrieb der Anwendungen, die er betreiben möchte, selbst.
  • Partly Managed Hosting: Der Anbieter ist für die standardgemäße Wartung und Pflege der gesamten Infrastrukturen sowie vom Kunden gewünschten Softwareprodukte zuständig. Der Kunde bestimmt über ein vom Anbieter bereitgestelltes Self-Management-Portal, welche Konfigurationen die Infrastrukturen besitzen und welche (vom Hosting-Anbieter vordefinierte) Softwareprodukte installiert werden sollen.
  • Fully Managed Hosting: Zusätzlich zu den Leistungen des Partly Managed Hostings bietet der Hosting-Anbieter Sonderleistungen, wie z.B. ein regelmäßiges Monitoring oder die proaktive Optimierung der Infrastrukturen für einzelne Kunden. Er fungiert also als technischer Partner für den Kunden, um seine Kunden bei der Implementierung einer langfristig erfolgreichen IT-Strategie zu unterstützen.

Je nach IT-Wissensstand und abhängig von der eigenen IT-Strategie muss sich jedes Unternehmen individuell entscheiden, wie viel Unterstützung es von dem Managed Hosting-Anbieter in Anspruch nehmen will. Denn generell gilt: Je mehr Unterstützung, desto weniger Kontrolle hat das Unternehmen über seine eigene IT.

Der richtige Unterstützungsgrad hängt von den Kunden ab

IT-Startups besitzen zumeist ein hohes internes technisches Know-How und benötigen daher wenig externe Unterstützung. KMUs hingegen haben weniger internes IT Know-How und brauchen daher meist mehr Unterstützung. Der gehobene Mittelstand verfügt in aller Regel über grundlegende Kenntnisse und hat in weiteren Teilen eigene IT-Abteilungen. Sie benötigen daher eher weniger Unterstützung, wobei davon abhängt, ob nur wenige Workloads migriert werden sollen oder das Managed Hosting ein zentraler Bestandteil der IT-Strategie ist. Auf Enterprise-Ebene sind die IT-Abteilungen meist eng mit der Unternehmensstrategie verzahnt, weshalb sie einen größeren Wert auf die Kontrolle der eigenen IT-Ressourcen legen, um hierdurch z.B. einen strategischen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Konzernen zu generieren. Zusätzlich besitzen große Unternehmen meist einen großen Pool an geschulten IT-Spezialisten, die viele der Aufgaben selbst erledigen können.

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Für die Zukunft verfolgt eine Vielzahl an deutschen Unternehmen eine Multi- und Hybrid Cloud-Strategie. Allerdings ist das interne Skill-Level in den Unternehmen, gerade was die großen Public Clouds angeht, noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie diese Strategien ohne fremde Hilfe verfolgen können (Stichwort: Infrastructure as Code). Aus diesem Grund wird im externen Managed Hosting die Nachfrage nach Unterstützung zum Aufbau von Public Cloud-Umgebungen gleichwohl wie im internen Managed Hosting die Nachfrage an gemanagten VPS zum Aufbau einer firmeninternen Private Cloud stetig zunehmen. Die besten Chancen, hat ein Managed Hosting-Anbieter, welcher sowohl im externen als auch internen Hosting die vom Kunden gewünschten Lösungen anbieten kann, um einen „Alles aus einer Hand“ Service zu bieten und die Anforderungen seiner Kunden zu bedienen.