Get what you use – Darum setzen sich Google Android Instant Apps (langsam) durch

Für alles gibt es eine App. Die kleinen Anwendungen pflastern jedes Smartphone. Die meisten Apps werden installiert, gesichtet und für nicht brauchbar bewertet. Immer mehr Business Apps schaffen es auf die erste Seite des Smartphones. Diese werden neben WhatsApp und Facebook täglich genutzt. Andere Apps, die spontan für einen bestimmten Zweck installiert wurden oder lediglich Content transportieren, versinken in der Bedeutungslosigkeit.

Doch die installierte App auf dem Smartphone ist nicht mehr die einzige Option, um auf native Funktionen zugreifen zu können. Wenn man schnell und unkompliziert auf eine Funktion zugreifen möchte ist das Prinzip der Android Instant Apps genau richtig. Android Instant Apps können direkt genutzt werden, ohne dass diese vorher proaktiv auf dem Gerät über den Google Play Store installiert werden. Die Lücke zwischen mobilen WebSites und nativen Apps in dem Google Play Store wird geschlossen. Es ist ein schneller und effektiver Weg dem Benutzer Informationen und native Funktionen zur Verfügung zu stellen, die via HTML nicht möglich wären.

Apps ohne echten Mehrwert verschwinden aus den App Stores

Neben diesem schnellen und fokussierten Nachladen können die Android Instant Apps im Unternehmenskontext sehr gut eingesetzt werden. Der Trend, dass jedes Unternehmen eine eigene Corporate Marketing App, die lediglich Content und ein paar wenige native Funktionen liefert, ist vorbei. Die Gründe für den Rückgang der Corporate Apps sind vielschichtig. Nicht selten wurde diese Art von Apps lediglich in den Stores bereitgestellt um Innovation zu suggerieren. Diese Art von „Golfplatz Apps“ à la: „Schau mal, wie haben nun auch eine Unternehmens-App in den Stores“ sind vorbei. Spätestens seitdem jeder Bäcker um die Ecke eine eigene App veröffentlicht hat.

Es werden kaum noch Corporate Marketing Apps veröffentlicht. Hinzu kommt, dass viele bestehende Apps verschwinden. Seit Ende 2014 räumt Google im Play Store rigoros auf. Hunderttausende Apps, die mit App-Baukästen und mit vorgefertigter Technologie über die immer gleichen Developer Accounts veröffentlicht wurden, sind Geschichte. Auch Apple hat eine ähnliche Maßnahme in diesem Jahr gestartet. Hunderttausende veraltete Apps sowie diese, die nach den Apple-Entwicklerrichtlinien unter den Paragraph 4.2.6 fallen, sind herausgenommen worden. Der Paragraph besagt, dass Anwendungen, die mithilfe von kommerziellen Vorlagen odeNative Androidr automatisierten Tools erstellt wurden, vom App-Store-Team abgelehnt werden. Das sind vor allem Corporate Marketing Apps die nach Schema F veröffentlicht wurden. Zu guter Letzt ist auch allen klar geworden, dass Apps Mehrwerte liefern müssen und nicht nur Content darstellen, der auf der jeweiligen Website eingesehen werden kann. Die Nutzer installieren zwar noch viele Apps, nutzen aber aktiv nur wenige. Corporate Marketing Apps zählen so gut wie nie zu der tatsächlich genutzten Zunft.

Das sind Android Instant Apps

Die Android Instant Apps wurden auf der Google I/O Entwicklerkonferenz 2016 angekündigt und am 17. Mai 2017 auf derselben freigegeben. Verfügbar sind diese mittlerweile auf Android Geräten ab der Android Version Lollipop, also 5.0. Zu Beginn waren Android Instant Apps lediglich ab der Version 6 nutzbar. Ob ein Gerät Android Instant Apps unterstützt, kann in den Einstellungen im separaten Menüpunkt für Google eingesehen werden. Android Instant Apps sind standardmäßig deaktiviert.

Quelle: Crisp Research AG

Und so funktionieren die Android Instant Apps:

Sobald mit dem Android Gerät auf einen Link getippt wird - zum Beispiel auf einer Website - überprüft Google Play ob dieser über eine bereits installierte App geöffnet werden kann. Wenn keine App auf dem Gerät installiert ist, wird geprüft ob der Link mit einer Android Instant App gestartet werden kann. Ist das der Fall, wird nur der Teil der App gestreamt, der für die aktuelle Anforderung benötigt wird. Die Dateien werden als temporäre Dateien zugefügt. In den Einstellungen unter Google/Instant Apps werden die bereits verfügbaren Android Instant Apps angezeigt. Diese können hier verwaltet oder komplett via Google Play Store installiert werden.

Diese Art des schnellen Nachladens von nativen Komponenten ist für viele Bereiche, insbesondere im B2C Bereich, interessant. NFC, Authentifizierung, Standortbestimmung oder Firebase werden nativ unterstützt.

Doch gleich zu setzen mit nativen Apps, wie man sie kennt, sind die Android Instant Apps nicht. So können keine Push Notifications genutzt werden, die Dienste laufen nicht im Hintergrund und es besteht kein Zugriff auf den Unique-Device-Identifier (UDI).

So werden Android Instant Apps erstellt und eingesetzt

Android Instant Apps werden nicht komplett neu entwickelt. Android Entwickler teilen die Anwendungen in installierbare APK- und in Instant App-Versionen auf. Der Aufwand beläuft sich laut Google auf weniger als einen Tag pro App.

Nach der ersten Veröffentlichung wurde noch nahezu die komplette App heruntergeladen. Auch unnötige Ressourcen wie andere Auflösungen oder nicht genutzte Sprachen. Vor kurzem hat Google eine neue Version des SDK veröffentlicht. Nun wird erst geprüft welche Sprache, welche Pixeldichte und welche Auflösung vorliegt. Erst dann werden die benötigten Ressourcen gestreamt. Das spart nun neben der schnellen Installation auch Ladezeit und Datenvolumen.

Jedoch sind nicht alle Vorteile der nativen App nutzbar. Das Thema Offline-Fähigkeit ist schwer handelbar. Da die Android Instant Apps natürlich nur gestreamt werden wenn eine Onlineverbindung vorliegt und die Anwendungen meist im Kontext zu HTML Bereichen genutzt werden, ist eine Onlineverbindung Voraussetzung.

Einsatzszenarien Instant App Native App
Corporate App ***** ***
Gaming App * *****
Enterprise App ** *****
eCommerce App ***** **
Mobile Office * *****
Industrie App ** *****

Für Bereiche, die spontan und sporadisch aufgerufen werden, ist diese Möglichkeit von großem Nutzen. Exemplarisch der eCommerce und POI Payment Bereich. So kann beispielsweise der komplette Bestellprozess sowie die Zahlungsabwicklung in einem nativen Android Instant App Bereich ausgeführt werden, ohne lästig im Google Play Store suchen und installieren zu müssen. Wer installiert schließlich noch eine App eines Shop Anbieters, wenn man nicht gerade bei Riesen wie Amazon, Zalando, H&M und andere kaufen möchte.

Android Instant Apps setzen sich gemächlich durch

Die Post-Ära der Corporate Marketing Apps führt dazu, dass vermehrt auf mobil optimierte HTML Sites gesetzt wird, um das Unternehmen als auch einzelne mobile Funktionen zur Verfügung zu stellen. Hier können bei Android die nativen Möglichkeiten der Instant Apps sehr gut unterstützen und Mehrwerte schaffen.

Man muss sich allerdings im Klaren sein, dass zum jetzigen Zeitpunkt lediglich ein Teil der Android Nutzer diese Art der Apps nutzen kann. Außerdem macht Apple keinerlei erkennbare Anstalten den Ansatz zukünftig zu unterstützen. Und auf einem (OS) Bein kann man bekanntlich nicht stehen.

In Bereichen in denen ein Großteil der Benutzer Android im Einsatz haben – vor allem im Consumer Umfeld – sollten sich Unternehmen mit den Android Instant Apps beschäftigen. Die User Experience wird stark erhöht. Der Anfang ist bekanntlich die Hälfte vom Ganzen. Die Android Instant Apps werden nicht mit exponentieller Geschwindigkeit in allen mobilen Lösungen eingebunden werden, doch die Zeit spricht für den Ansatz. Je mehr Devices Android Instant Apps unterstützen, je mehr Lösungen HTML basiert sein werden, je mehr die Unternehmen via Benchmark auf die First Mover der jeweiligen Branche schielen, desto schneller wird der Technologie-Ansatz flächendeckend eingesetzt. Wenn ein ähnlicher Ansatz von Apple kommen sollte, würde es natürlich wesentlich schneller gehen. Das erinnert ein wenig an den noch bevorstehenden Durchbruch im mobile Payment Bereich.

Ganz nach dem Motto: Man soll das eine tun und das andere nicht lassen, können mit überschaubarem Aufwand die Android Instant Apps aus den bestehenden nativen Android Apps generiert werden. Wenn also bereits eine native Android App, die nicht mit einem App Baukasten erstellt wurde, vorliegt, kann man mit den Android Instant Apps die Nutzungsrate ideal erhöhen.

Diejenigen Entscheider, die eine bestmögliche User Experience und hohe Nutzerquote der mobilen Anwender im Fokus haben, sollten jetzt schon bei neu zu erstellenden Lösungen auf Android Instant Apps setzen. Wer bereits eine Android App im Google Play Store hat, sollte die entsprechenden App von Entwicklern einmal prüfen lassen, wie hoch der Aufwand und welcher Vorteil eine Google Instant App im individuellen Fall hat.

Mehr zu den Themen Android Instant Apps App-Baukästen Corporate Marketing Apps eCommerce Google im Play Store Mobile Native Android App POI Payment UDI Unique-Device-Identifier

Share on:


Über den Autor:

Senior Analyst

Mobility

Daniel TerwerscheDaniel Terwersche ist Senior Analyst bei Crisp Research. Als Serial Entrepreneur hat er in den letzten 10 Jahren eine Digitalagentur sowie einen Softwarehersteller für Enterprise Mobility Lösungen aufgebaut. Nach dem erfolgreichen Unternehmensverkauf an einen führenden Anbieter von Dokumentenmanagement war Daniel Terwersche dort als Business Development Manager für den Aufbau des Mobility-Geschäfts verantwortlich.

Seine aktuellen Research- und Beratungsschwerpunkte sind Enterprise Mobility, Mobile User Experience, mobile Development Platforms, Mobile Collaboration, Mobile ECM sowie Smart City und das “Digitale Dorf”.

Nebenbei gründete er eine Bürgergenossenschaft in seinem Heimatdorf und ist dort Vorstandsvorsitzender. Über die Genossenschaft wird das Dorf zum digitalen Zukunftsdorf entwickelt. Es wird ein modernes und digital unterstütztes Wirtshaus betrieben. Des Weiteren wird, mit Unterstützung des Bundesministeriums und der Fachhochschule Münster, das Zukunftsdorf durch digitale und gesellschaftliche Plattformen geschaffen.

Bereits seit 1997 ist Daniel Terwersche in der IT Branche tätig. Durch seine Berufserfahrung und seinem unternehmerischen Denken und Handeln versteht er sich als Quer- und Neudenker in unterschiedlichsten unternehmerischen, technischen, betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgabenstellungen. Er hat sich neben seiner unternehmerischen Tätigkeit zum staatlich geprüften Betriebswirt Fachrichtung Absatzwirtschaft weitergebildet.