Coworking Spaces – Typologie & Landkarte der neuen Kreativ-Hotspots

  • Coworking Spaces werden zum Unternehmensphänomen. Als Testlabor für den digitalen Arbeitsplatz, als innovativer Freiraum für Mitarbeiter und als Netzwerk-Plattform werden auch Unternehmen darauf aufmerksam und machen es zu einem wichtigen Business Trend 2017
  • Die Hot Spots der Coworking Landscape befinden sich vor allem in großen Städten wie Berlin, München und Hamburg. Die richtige Standortwahl mit dem Zugang zu einer gut ausgebauten Infrastruktur und Professionals sind wichtige Grundvoraussetzungen, die Entscheider für den Erfolg berücksichtigen müssen.
  • Unterschiedliche Initiatoren, Zielgruppen und branchenspezifische Anforderungen an Coworking Spaces tragen zu einem attraktiven Netzwerk bei. Crisp Research unterscheidet 5 Kerntypen von Coworking Spaces

In unserer modernen Arbeitskultur sind abgeschottete Einzelbüros ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt längst kommunikativeren Alternativen gewichen. Coworking Spaces unterscheiden sich mehr, denn die meisten anderen Konzepte von der klassischen Bürogemeinschaft, indem sie durch die Interaktion einer offenen Community in einer kreativen Arbeitsatmosphäre in einem bestens ausgestatteten Digital Workspace agieren, der sinnbildlich als Antriebsmotor für innovative Ideen fungiert. Dieses Konzept der Coworking Spaces genießt in Deutschland immer größere Beliebtheit, nicht zuletzt aufgrund der großen Zustimmung unter den Arbeitnehmern, da sich die Coworking Spaces ideal als Treffpunkt zum Netzwerken und Raum zum kreativen Denken insbesondere für Projektteams darstellen. Für Unternehmen bietet diese neue Form des Zusammenarbeitens vielerlei Vorteile, da arbeitnehmerfreundliche und zugleich kreativitätsfördernde Maßnahmen ein unerlässlicher Garant für eine erfolgreiche Wettbewerbsposition darstellt und darüber hinaus noch das Potential der Kosteneinsparung mit sich bringt. Wohingegen raumgebundene Technologien die Zusammenarbeit in der Vergangenheit noch erschwert haben, bietet der Digital Workplace zudem mittlerweile die nötige Flexibilität, welche eine unabdingbare Voraussetzung darstellt um ein unkompliziertes Coworking zu ermöglichen.

Aufgrund der vielen Benefits, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es derzeit in Deutschland bereits circa 650 neue Arbeitsumgebungen gibt, die den Gedanken des Coworking aufgreifen und deren Ziel es ist durch die kreative Zusammenarbeit und den interaktiven Austausch neue Ideen zu entwickeln, Tendenz steigend.

Allerdings ist eine klare Abgrenzung des Begriffs Coworking Space schwierig und in der folgenden Coworking Landscape sind nicht alle Standorte des gemeinsamen Arbeitens, welche den Begriff des Coworking beinhalten, auch als Coworking Space deklariert. Vielmehr sind nur jene Settings als Coworking Spaces in der Landkarte eingetragen, die auch ein eigenständiges Konzept mit einem eigenen Netzwerk entwickelt haben. Ein wichtiges Differenzierungsmerkmal ist, dass ein Coworking Space im engeren Sinne ein branchen- oder zielgruppenspezifisches Konzept beinhaltet, in dessen Rahmen Akteure aus verschiedenen Bereichen miteinander agieren und dass durch diese Zusammenkunft neue Ideen und Impulse generiert werden können, die in einem alltäglichen Büroumfeld nur schwer realisiert werden könnten.

Coworking Landscape in Deutschland

Die rasante Ausbreitung von Coworking Spaces in Deutschland hat Crisp Research in einer interaktiven Landkarte dargestellt.

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Hierauf lässt sich deutlich erkennen, dass sich Berlin mit circa 66 Standorten ebenfalls als Hauptstadt der Coworking Spaces etabliert hat. Die Nähe zu großen Firmen, eine gute Infrastruktur-Anbindung und die Anzahl potentieller Mitglieder machen es besonders attraktiv. Hinzu kommt, dass Berlin eine lebhafte Startup Szene entwickelt hat und somit die richtige Standortwahl ein essentieller Faktor für den Erfolg eines Coworking Spaces ist. Somit bietet Berlin mit seiner hippen Gründerszene ideale Voraussetzungen für einen regen Ideenaustausch und der Etablierung einer neuen innovativen Arbeitskultur, nicht zuletzt hat sich Berlin in den letzten Jahren auch den Beinamen des Silicon Valley Deutschlands verdient. Ein weiterer Vorteil, den Berlin als Coworking Standort so begehrt macht, sind die im Vergleich zu anderen Städten wie München noch verhältnismäßig günstigen Mieten. Denn natürlich spielen auch die Kosten als harter Standortfaktor eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Coworking Spaces, da neben der innovativen Ideengenerierung und dem Ausbau eines interdisziplinären Netzwerkes die Kostenminimierung ein weiterer Umstand ist, der maßgeblich zum Erfolg der Coworking Spaces beiträgt.

Neben Berlin, als deutsche Coworking Hauptstadt, zählen zu den weiteren Hotspots der Coworking Landscape Großstädte wie Hamburg, Köln und München, wohingegen die ländlichen Regionen als Standort eher vernachlässigt werden.

Dies liegt vor allem daran, dass sich junge Startups zunächst in den Großstädten niederlassen, da sie noch nicht den Bekanntheitsgrad und die Anziehungskraft eines Großkonzerns besitzen, um sich auch in ländlichen Regionen niederzulassen, sondern noch auf sich aufmerksam machen müssen. Im Gegensatz dazu, sind junge Unternehmensgründer auf flexible Arbeitsplatzmodelle angewiesen und können die Coworking Spaces ideal nutzen, um ihre Unternehmensidee zu entwickeln und zu verbreiten und sich ein Netzwerk aufzubauen. Nicht zuletzt lebt ein Coworking Space von seiner qualifizierten Community, die sich aus einer interessanten Mischung aus Freiberuflern, Freelancern, jungen Gründern und bereits etablierten Unternehmen auf der Suche nach neuen, innovativen Ideen zusammensetzt. Um diese Vielzahl an unterschiedlichen Persönlichkeiten anzuziehen, bedarf es daher einer ausgebauten Infrastruktur und einem ausreichend großen Einzugsbereich, wie er in den ländlichen Regionen nicht anzutreffen ist.

Typisierung der Coworking Spaces

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Typologien von Coworking Spaces gebildet, die sich zum Teil sehr stark voneinander unterscheiden und es ist von großer Bedeutung für den Erfolg, das Coworking Konzept auf die individuellen Nutzeranforderungen anzupassen. Wohingegen Coworking Spaces in der Vergangenheit vor allem von Freelancern, Freiberuflern, digitalen Nomaden und Startups genutzt wurden, hat sich die Nutzergruppe in der Zwischenzeit signifikant erhöht und ausgeweitet, sodass nun auch bereits etablierte Unternehmen jeglicher Größe, wie beispielsweise VW, Daimler, Deutsche Telekom, SAP, Ernst & Young oder Deutsche Bahn sowie Bildungsinstitutionen das Potential erkannt haben und für sich nutzen. Zudem sind Coworking Spaces variabel und in einer Vielzahl von Arbeitsprozessen anwendbar, weswegen sie sich über alle Branchen hinweg einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen.

Allerdings stellen unterschiedliche Branchen auch differenzierte Anforderungen an die Coworking Spaces, woraufhin sich branchenspezifische Modelle, Konzepte für verschiedene Zielgruppen und von unterschiedlichen Initiatoren herauskristallisiert haben.

Insbesondere die Ausstattung des Technology-Stack und die dazugehörigen passenden Endgeräte variieren und müssen optimal an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst werden. Wohingegen Unternehmen durch die Nutzung von Digital Workspaces Kosteneinsparungen generieren können, sind Investitionen in die neuesten Technologien, wie sie beispielsweise Microsoft oder Cisco zur Verfügung stellen, notwendig. Aus diesem Grund kann eine Form der Typisierung der Coworking Spaces vorgenommen werden, die sich unter anderem in Preis, Ausstattung und individuellen Features maßgeblich voneinander unterscheiden:

  • Classical: Die klassische Variante ist für jede Zielgruppe und Branche zugänglich. Im Vordergrund steht der kreative und interdisziplinäre Austausch in der Community und ein Ausbau des lokalen Netzwerkes in einer innovativen Arbeitsumgebung. Je nach Bedarf können die Arbeitsplätze nach dem Flexdesk oder Fixdesk Prinzip flexibel über einen variablen Zeitraum gebucht werden und somit optimal auf die individuelle Situation und Veränderungen angepasst werden. Die Zahl der Arbeitsplätze ist mit circa 10-40 Arbeitsplätzen auf eine verhältnismäßig geringe Personengruppe beschränkt. Die Offices sind auch mit Internet und teilweise mit einer Basisausrüstung an Hardware ausgestattet, welche durch Mieteinnahmen und Mitgliederbeiträge finanziert werden.
  • Professional/Serial Network: Die Professional Variante ist ebenfalls für jede Zielgruppe offen und ermöglicht Akteuren aus Startups und bereits erfolgreich etablierten Großkonzernen die Zusammenarbeit und den Ausbau eines weltweiten Netzwerkes, bestehend aus einem breitgefächerten Branchenumfeld. Die Ausstattung fällt umfangreich aus, sodass neben Internet und dem breiteren Spektrum an Hardware auch eine Reihe von additiven Services wie beispielsweise Geschäftsfinanzierungs-, HR- und Lagerlösungen angeboten werden. Die Finanzierung wird durch monatliche Mitgliedsbeiträge der circa 1-100 Mitwirkenden und Investmentgesellschaften gewährleistet.
  • Kreativitätsstätten/FabLab: Die Kreativitätsstätten stellen offene Werkstätten zur Verfügung, die für die Durchführung temporärer Projekte ausgestattet sind. Die Werkstätten sind für jeden zugänglich, richten sich jedoch mit ihrer spezifischen Ausstattung vor allem an die Kreativbranche, da sie insbesondere für die handwerkliche Produktion bestens geeignet sind. Die Nutzer werden durch Kurse, Workshops und Coaching unterstützt, es geht aber vor allem um die Bereitstellung der notwendigen Werkzeuge, damit die kreativen Köpfe im DIY-Modus arbeiten können. Aufgrund der gehobenen Preiskategorie sind die Werkstätten stundenweise zu mieten. Die Finanzierung erfolgt vor allem durch Mieteinnahmen und wird beispielsweise durch Förderungen von Kulturbehörden unterstützt.
  • Corporate Powered: Dieser wird von Großunternehmen bereitgestellt, um eine unternehmensinterne Infrastruktur zu schaffen, die neue Impulse für kreative Produktideen und Dienstleistungen hervorbringt. Somit sind die Corporate Powered Spaces nur für Mitarbeiter des Unternehmens und externe Partner zugänglich. Deren Zugang bietet die Möglichkeit neue Wege zu beschreiten und branchenübergreifende Anstöße für den Unternehmenserfolg zu generieren. Die Kernaktivität liegt vor allem darin das Potential der Mitarbeiter durch eine Stärkung der Kreativität voll auszuschöpfen, indem durch einen proaktiven Austausch und die Entkopplung aus ihrem üblichen Arbeitsumfeld Anreize für neue Ideen und Innovationen geschaffen werden.
  • University Powered: Diese Form soll eine professionelle und kreative Umgebung für Startups und junge Unternehmerteams, bestehend aus Studierenden und Absolventen, zur Verfügung stellen. Ziel ist die Förderung von branchenneutralen Innovationen, welche die ökonomische, kulturelle, soziale und ökologische Entwicklung der Region vorantreiben. Neben der Bereitstellung von Büros oder Werkhallen werden Veranstaltungen angeboten und eine Gründungsberatung und Finanzierungsangebote unterstützen die jungen Unternehmer zusätzlich. Die Nutzer können auf das Know-how der Universität zurückgreifen und werden ferner von Land, Staat und regionalen Unternehmen finanziell gefördert, jedoch müssen sie trotz alledem Zahlungen in Form von Staffelpreisen entrichten.

Den Report zum Thema Coworking Spaces können Sie unter diesem Link kostenfrei herunterladen.

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Über den Autor:

Junior Analyst

Luisa LemmermannLuisa Lemmermann ist als Junior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research tätig. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind Coworking, Digitale Arbeitsplätze und Cloud Computing. Weiterhin unterstützt sie bei Übersetzungstätigkeiten und im Rahmen des Research sowie individueller Kundenprojekte bei der Recherche und Beratungsarbeit. Luisa Lemmermann hat English and American Culture and Business Studies mit den Schwerpunkten Innovation, Information und Wissensmanagement an der Universität Kassel studiert und ihr Masterstudium im August 2016 abgeschlossen.