Cloud Orchestration Excellence – Das wahre Gesicht der Multi Cloud

  • Auch die Digital Infrastructure Platform kommt nicht ohne Infrastruktur-Services aus dem eigenen Rechenzentrum aus - die Multi Cloud-Strategien der Unternehmen müssen darauf Rücksicht nehmen
  • Cloud-Orchestrierung bedeutet, dass die Unternehmen gemeinsam mit ihren Partnern mehrere verschiedene Infrastrukturen verwalten, vernetzen und betreiben und dabei auf Performance und neueste Tools setzen
  • Die Studie von Crisp Research, PlusServer und Intel hat untersucht, wie Unternehmen in Deutschland sich konkret auf das Multi-Cloud-Zeitalter vorbereiten und wie sie die Herausforderungen der Cloud Orchestration und Operations erfüllen können

Die deutsche Unternehmens-IT sucht dringend nach Dirigenten. Jedoch nicht für die musikalische Untermauerung ihrer täglichen Arbeit, sondern für den erfolgreichen Betrieb ihrer digitalen Infrastruktur-Plattformen. Die Orchestrierung derselben ist für viele Unternehmen eine bevorstehende Herkulesaufgabe, die durch den kommenden Wandel der IT-Infrastrukturen in Richtung Multi Cloud noch deutlich erschwert wird. Die Suche nach den versierten Dirigenten, die mit den entsprechenden Werkzeugen und Plattformen umgehen können und die Sinfonie der Multi Cloud bereits beherrschen, ist für Unternehmen oftmals aussichtslos oder exorbitant teuer.

Fakt ist, dass sich die Infrastruktur der Unternehmen wandeln wird. Bestehende Architekturen müssen überarbeitet und erweitert werden, um den zahlreichen Anforderungen an die IT gerecht zu werden, die durch datengetriebene Geschäftsmodelle, Digital Workplaces, IoT-Wertschöpfungsketten und eine umfangreiche Digital Customer Experience getrieben wird. Doch wie genau sieht die Multi-Cloud-Realität der Unternehmen in Deutschland eigentlich aus? Eine allgemeine Euphorie der Medien, Unternehmen und Anbieter ist in Sachen Multi Cloud spürbar. Dies lässt teilweise vermuten, dass alle Unternehmen beinahe wahl- und kopflos alle IT-Workloads in die Cloud verlagern werden, sich überall ausprobieren wollen und am Ende irgendwie alles gut wird. Doch ist das tatsächlich auch in der Praxis der Fall?

Um diese Frage kritisch zu untersuchen und konkret herauszufinden, wie Unternehmen in Deutschland der Herausforderung Multi Cloud und Infrastruktur-Orchestrierung gegenübertreten, hat Crisp Research zusammen mit PlusServer und Intel eine Studie durchgeführt und über 150 Entscheider zu diesen Themen befragt.

Infrastruktur-Mix 2020 - Viel (Multi) Cloud, aber weniger als gedacht?

Die grundsätzliche Aussage stimmt und kann bestätigt werden: Cloud Computing erfreut sich zunehmender Beliebtheit und wird einen wichtigen Teil der IT-Infrastruktur ausmachen. Einzelne Unternehmen werden zukünftig sogar tatsächlich einen großen Teil ihrer IT-Workloads in die Cloud bringen und so bestehende Architekturmodelle auch für Bestandssysteme und klassische Enterprise Applikationen in großen Teilen ablösen. Das Risiko und die benötigten Ressourcen sind für viele Unternehmen aber zu groß, um die auf der Hand liegenden Vorteile in Richtung Agilität, Flexibilität und Co. für sich zu realisieren.

Mancherorts ist die Cloud daher vor allem für zukünftige und neue Workloads die Betriebsplattform der Wahl. In diesen Unternehmen werden bestehende Services und Workloads weiterhin auf den klassischen Deployment-Modellen betrieben, die ggf. aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht werden, um die IT-Operations auch dort “cloud-like” zu gestalten.

So geben die Entscheider im Rahmen der Studie auch durchschnittlich an, dass das eigene Rechenzentrum mit 35 Prozent relativ gesehen den größten Anteil der IT-Infrastruktur ausmachen wird. Platz 2 der wichtigsten Deployment-Modelle erreicht aber bereits die Cloud, die mit 25 Prozent tatsächlich einen gewichtigen und weiter steigenden Anteil ausmachen wird. Auch Colocation und Managed Hosting bzw. Managed Services-Angebote sind mit 20 bzw. 19 Prozent auch zukünftig für die Unternehmen eine gefragte Alternative.

Warum sprechen Unternehmen dennoch von “Multi Clouds”, wenn nur ein Viertel der IT-Infrastruktur eindeutig diesem neuen Modell folgt? Auf diese Frage gibt es vermutlich viele verschiedene Antworten. Die naheliegendsten sind, dass der Betrieb dieser “Cloud” gleichzeitig mit einer starken Veränderung der IT-Operations einhergeht und meistens mit mehreren Infrastruktur-Providern gewährleistet wird. Auch ist nicht gesagt, dass die bestehenden Deployment-Modelle nicht “cloud-like” betrieben und verwaltet werden, sodass eine einheitliche Management-Oberfläche möglich ist, welche die Orchestrierung dieser Infrastrukturen sicherstellt.

Aus diesem Grund geben auch die Unternehmen an, dass Sie zukünftig nicht nur auf Insellösungen und einzelne Infrastruktur-Optionen setzen, sondern sich zunehmend in Richtung Multi Clouds bewegen.

44 Prozent der Entscheider wissen bereits, dass der Provider Mix für sie die zukünftige Option sein wird. Dabei sind aber auch immer mehr Unternehmen auf dem Weg, sich eher mit einer “Dual Cloud”-Strategie aufzustellen. 20 Prozent der Entscheider geben an, dass sie eine umfangreiche Multi-Cloud-Strategie anstreben. Bei der Dual-Cloud-Strategie geht es jedoch weniger um die Zahl der zwei Provider, sondern vor allem um die Beschränkung auf wenige strategische Cloud-Partner. Hier zeichnet sich bereits ab, dass die Entscheider zukünftig eher auf eine gezielte Auswahl der Anbieter und weniger auf ein Laissez-Faire-Modell abzielen, sodass die Möglichkeiten der Orchestrierung, Integration und Vernetzung im Produktivbetrieb gut und einfacher gewährleistet sind.

Die Unternehmen werden somit zukünftig deutlich mehr Last auf die Cloud-Plattformen bringen und ein aktiver Nutzer auch für businesskritische Applikationen sein. Gleichzeitig schauen sie aber auch umso genauer, welche Partner für den Betrieb geeignet sind, um nicht überstürzt in einen schwer zu orchestrierenden Provider-Mix zu geraten.

Hybrid Responsibility - Managed Cloud Services sind alternativlos, aber nicht komplett eigenständig

Diese “Weniger-Ist-Mehr”-Vorgabe setzt sich auch bei den Dienstleistungs- und Umsetzungspartnern fort. Die Entscheider sind sich überwiegend einig, dass die IT-Abteilung alleine nur schwer in der Lage ist, die neuen Herausforderungen und Aufgaben im Multi Cloud Zeitalter zu erfüllen. Trotzdem setzen auch langfristig fast 50 Prozent der Unternehmen auf die eigene IT-Mannschaft, wenn es um die maßgebliche Betriebsverantwortung geht. Hier werden aktiv Trainings- und Weiterbildungsprogramme durchgeführt, sodass auch in den Unternehmen Managed Cloud Provider-Teams aufgebaut werden können, die über ein fundiertes Cloud-Skill-Set verfügen und somit den Betrieb der Multi Cloud Plattform gewährleisten können.

Auch dafür werden Managed Cloud Provider mit großer Verantwortung (18 Prozent) oder zumindest in einem Hybrid-Modell (14 Prozent) gebraucht. Sie sollen einerseits ihr Cloud-Know-how an die Mitarbeiter im Unternehmen weitergeben, sodass die Cloud-Orchestrierung auch mit eigenen Bordmitteln unterstützt werden kann und eine vernetzt Architektur aufgebaut wird. Andererseits sind sie aber auch diejenigen, die mitunter federführend den Infrastruktur-Betrieb übernehmen und damit dafür sorgen, dass die Digital Infrastructure Platform der Unternehmen langfristig stabil bleibt.

Cloud-Orchestrierung bedeutet für die Unternehmen fortan, die immer stärker dezentrale und heterogene IT-Infrastruktur-Landschaft auf hohem Performance- und Sicherheitsniveau betreiben zu können. Mit einem klaren Plan, wer welche Verantwortungen und Aufgaben übernimmt, wie das IT-Architektur- und Operations-Modell der Zukunft aussieht und mit welcher Vision des Betriebs die Unternehmen in die Data Economy einsteigen möchten, sind die wichtigsten Grundsteine für den Erfolg meistens gelegt. Allerdings darf kein Unternehmen in Zeiten der Standardisierung der Tools und Services sicher sein, dass Schema F und ein Standard-Blueprint für ihre Unternehmenssituation anwendbar ist. Die individuellen Herausforderungen und Spezifikationen müssen Schritt für Schritt beachtet werden. Das wahre Gesicht der Multi Cloud ist keineswegs ein Mix aus mehreren Public Cloud Infrastruktur-Plattformen, sondern eher ein Operations- und Orchestrierungsmodell zahlreicher unterschiedlicher IT-Deployment-Modelle.

Diese und weitere Erkenntnisse zum aktuellen Stand der Digital Infrastructure Plattformen in den Unternehmen sowie der Cloud Orchestration-Strategien finden Sie in unserer Studie “Cloud Orchestration Excellence”, die sie unter diesem Link  kostenlos herunterladen können.

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Über den Autor:

Senior Analyst & Mobile Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead für Mobility, Collaboration und User Experience des Research und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Maximilian Hille ist verantwortlich für die Marktfoschungsinitiativen und Beratungsinitiativen insbesondere in den Bereichen Digital Workplace und Mobile Business.
Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG.
Seine Schwerpunktthemen sind Digital Workplace Design, digitale Geschäftsmodelle, Unified User Experience, Mobile Backend & Development Plattformen, Mobile Management & Security, Mobile Web Experience, mobile Technologien, Mixed Reality, Chatbots, digitale Sprachassistenten und Collaboration.
Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.