Cloud Next – Metamorphose von AWS, Google & Co. zur Enterprise Cloud Platform

  • Die großen Public Cloud-Plattformen wandeln sich zunehmend zur echten Alternative für die Enterprise-IT
  • Viele Public Cloud-Anbieter passen sukzessive ihre Support- und Service-Konzepte den Bedürfnissen der Unternehmenskunden an
  • Zahlreiche Partnerschaften und Allianzen zwischen den „traditionellen“ IT-Anbietern und Public Cloud Providern befördern die Vielfalt und Offenheit im Sinne der Kunden
  • Deutschland steht als Investitionsstandort für Public Cloud-Anbieter weiterhin im Fokus und dient als Hub

Enterprise-First: Ankündigungen auf AWS Re:Invent und Google Next zielen klar auf Bedürfnisse der Enterprise-Kunden

Nachdem in der ersten Dekade des Cloud Computing vor allem Startups und Internetfirmen die Nachfrage und Innovationsstrategien von AWS, Google und Azure geprägt haben, zeigt sich nun deutlich, dass die nächste Dekade den klassischen Unternehmenskunden gehört. Der Ressourcenbedarf an IaaS-, PaaS- und Analytics-Diensten ist enorm, getrieben durch die digitale Transformation und Initiativen im Kontext von IoT und Industrie 4.0. Das gilt insbesondere für Deutschland mit seiner Stärke im Bereich der Export- und technologieorientierten Unternehmen im Maschinenbau, der Automobil- und Elektroindustrie.

Das haben die großen Public Cloud Provider, allen voran AWS und Google, erkannt und richten ihre Innovations-, Produkt- und Vertriebsstrategien sukzessive neu aus. So waren schon Ende 2016 auf der AWS Re:Invent viele der relevanten Ankündigungen auf die Bedürfnisse der Enterprise-IT ausgerichtet. Auf der AWS-Plattform werden insbesondere die Management- und Security-Funktionen und -Dienste immer weiter ausgebaut, um den hohen Sicherheits- und Datenschutz-Standards zu genügen. So zählt AWS zu den ersten Cloud-Providern in Deutschland, die ihre Dienste gemäß dem C5-Standard des BSI anbieten.

Auf Google´s Next Conference, die gerade in San Francisco stattfindet, ist ähnliches zu vernehmen. Google hatte zwar schon vor einiger Zeit die ehemalige VMware-Chefin Diane Greene zur neuen SVP Google Cloud ernannt, um sich gegenüber großen Unternehmenskunden besser aufzustellen, welche die Google Cloud Plattform bisher gemieden haben. Nun unternimmt Google einen neuen Anlauf und öffnet sich weiter gegenüber Microsoft (siehe Partnerschaften) und stellt seinen Professional Support für Enterprise-Kunden neu auf (siehe Customer-First).

Der Wettbewerb um die Workloads und Budgets der Enterprise-Kunden ist hart. Verständlich – denn im Jahr 2017 werden nach Prognosen von Crisp Research rund 35 Mrd. USD für IaaS und PaaS ausgegeben. Ausgetragen wird der Wettbewerb auf verschiedenen Feldern. Einerseits komplettieren die Provider ihr Service-Portfolio und bauen ihre Cloud-Plattformen im Services für IoT und Machine Learning aus. Hinzu kommen eine Vielzahl an Security- und Management-Features sowie der Ausbau der Rechenzentren.

Allein AWS hat auf der Re:Invent rund 1.500 Neuerung für 2017 angekündigt. Auch Azure präsentiert in seinem monatlichen Newsletter jedes Mal eine Fülle an Updates und neuen Features. Hier verliert man schnell den Überblick. Denn auch die Relevanz der Updates ist recht unterschiedlich und reicht von kleineren Feature-Updates bis hin zu Ankündigungen mit strategischen Gewicht.

Customer First: Support- und Service-Konzepte passen sich den Bedürfnissen der Unternehmenskunden an

Eine elementare Veränderung hat sich schon auf der AWS Re:Invent abgezeichnet. Hier hat AWS die „AWS Managed Services“ angekündigt. Ein Programm, das Enterprise-Kunden nun offiziell die AWS-Engineering-, Consulting- und Support-Ressourcen zur Verfügung stellt. Dies war bislang nur ausgewählten Großkunden „unter der Hand“ vorbehalten. Für die Partner von AWS ist dies nicht ganz so schön. Haben diese doch in den letzten Jahren die Basis für den Erfolg bereitet. Dennoch muss man sagen, dass derzeit die Nachfrage nach Cloud-Experten (z.B. Cloud Architekten, Cloud Operations Manager und Cloud Capacity Planner) das Angebot deutlich übersteigt. Insofern sollte der Kuchen groß genug sein.

Ähnliches hat Google nun offiziell auf der Google Next angekündigt und gleich eine neue Cloud-Rolle ins Leben gerufen. Die Customer Realiability Engineers (CRE) von Google sollen künftig auf der Kundenseite für einen effizienten Wissenstransfer und eine „hands-on“-Unterstützung beim Betrieb und der Optimierung der IT-Operations auf der Google Cloud-Platftorm sorgen. Die Rolle und die Art und Weise wie der Support geleistet werden sollen, lehnt sich an das Konzept des „Site Reliability Engineers“ an, welches Google vor ein paar Jahren entwickelt und mittlerweile als Best Practices für den Betrieb von Cloud-Infrastrukturen optimiert hat.

Partnerschaften und Allianzen zugunsten der Kunden

Nachdem der Wettbewerb in den ersten Cloud-Jahren sehr hart geführt wurde, zeichnet sich nun eine Phase der gegenseitigen Anerkennung und Kooperationen ab. Die Public Cloud-Pioniere und Marktführer haben erkannt, dass sich der Enterprise IT-Markt nur mit starken Partnern erobern lässt. In diesem Kontext ist Abschottung nicht mehr die richtige Strategie. Es braucht mehr Offenheit und Partnerschaften, um für Kunden den Weg in die Hybrid- und Multi-Cloud-Welt zu bahnen.

Nur dann können AWS, Azure, Google und Co. ihre ambitionierten Wachstumsziele halten. Denn DAX-Konzerne und global ausgerichtete Mittelständler fahren primär eine Multi-Vendor- bzw. Multi-Provider-Strategie.

So kündigte Google auf der Next eine vertiefte Zusammenarbeit mit Microsoft an, nachdem Google schon vor einiger Zeit den Betrieb von Windows VMs auf der eigenen Plattform ermöglicht hat. Was vor drei Jahren noch undenkbar schien, ist Realität geworden:

“Our goal isn’t just to be an OK Windows platform. We want to be a great Windows platform.” Google’s vice president of cloud platforms, Brian Stevens.

Und Microsoft generiert auf seiner Azure Plattform mittlerweile rund 30% der Umsätze mit Workloads, die auf Open Source basieren – Schöne neue Welt!

Einige weitere Partnerschaften im Überblick:

  • Google unterstützt Windows OS und SQL als strategische Plattform
  • Google vertieft Partnerschaft mit Pivotal zum Betrieb von CloudFoundry auf Google Cloud Platform
  • Google kündigt Partnerschaften mit Veritas, Checkpoint, Egnyte und Intel an
  • IBM bietet VMware Cloud Foundations auf IBM Bluemix
  • IBM kooperiert mit Bosch SI zum Betrieb der Bosch IoT-Suite

Auf der Google Next wurden zudem weitere Lighthouse-Partner im Bereich Beratung, Integration und Managed Service präsentiert:

Quelle: Google 2017

Ausblick – Deutschland weiter im Fokus

Bei all den globalen Ankündigungen ist zudem interessant, dass Deutschland als Markt- und Vertriebsregion für alle TOP-Player weiterhin sehr attraktiv und hoch relevant ist. Denn hier ist das Migrations- und Wachstumspotenzial in Richtung Public Cloud noch lange nicht ausgeschöpft. Da es immer noch an Know-how und Ressourcen mangelt, ist die DACH-Region gerade für die Partner und die neuen Managed Services der Cloud Provider sehr interessant.

CIOs und CDOs dürfen sich also freuen – denn sie werden in den kommenden Jahren wohl deutlich besser behandelt und wertgeschätzt als in der „Sturm- und Drang“-Phase des Public Cloud-Marktes. AWS und Google hören mittlerweile zu. Microsoft und IBM haben sich von jeher schon stärker um die Bedürfnisse ihrer Unternehmenskunden gekümmert. Eine gute Zeit für echte Innovation und den Umbau der IT!

Mehr zu den Themen AWS re:Invent Cloud Enterprise Cloud Platform Google Next Industrie 4.0 IoT Machine Learning Managed Services Public Cloud-Plattformen

Share on:


Über den Autor:

Senior Analyst & CEO

Carlo VeltenDr. Carlo Velten is founding partner and CEO of IT-research and advisory firm Crisp Research. As senior analyst Carlo oversees the research and advisory initiatives at Crisp Research.
Carlo is a seasoned industry expert with over 15 years of working experience as IT analyst. He helped numerous leading companies to transform their enterprise IT-platforms into agile cloud-based environments. He also advises large tech vendors regarding strategy, business model transformation and marketing excellence.
Before starting Crisp Research he was senior advisor and board member at European IT research firm Experton Group where he co-lead the „Cloud Computing & Innovation Practice“. Prior to that he was the senior analyst at German research firm TechConsult.
Carlo is a well-known speaker and moderator at industry events and contributing editor at Computerwoche and CIO magazine. He is a initiator and judging panel member of the “Digital Leader Awards” and long-term research partner of tech association BITKOM.