Chatbots Teil 2: Anbieterüberblick

Dieser Analyst View ist Teil 2 einer Serie zu dem Thema Chatbots. Bereits veröffentlicht ist Teil 1: 2017 - Das Jahr der Chatbots?

Chatbots sind einer der Top-10-Technologietrends 2017. Das haben auch alle großen  großen Player der IT-Branche erkannt und positionieren sich mit entsprechenden cloudbasierten Plattformen und APIs. Die damit einhergehenden Anwendungsmöglichkeiten sind insbesondere auch für den B2B-Einsatz zunehmend relevant (siehe auch: Bots und Assistenten – Von automatisierten Workflows & Aufgaben zur persönlichen Assistenz):

  • Amazon hat mehr als 9 Mio. Echo-Geräte mit dem digitalen Assistenten Alexa verkauft, für den mit dem Alexa Skills Kit eigene Skills, d.h. Anwendungen für Alexa entwickelt werden können, die im Skills Store angeboten werden. Amazon integriert Alexa auch im Fire TV und in Fire Tablets und stellt Alexa zudem mit dem Alexa Voice Service (AVS) für die Integration in Geräte von Drittanbietern bereit. Zudem hat Amazon mit Lex eine Plattform zur Entwicklung von Kommunikationsschnittstellen veröffentlicht, die Benutzern die Sprach- und Textkommunikation für beliebige Anwendungen mit standardmäßiger Integration in die AWS-Plattform ermöglicht (siehe auch Amazon stellt neue Chatbot-Plattform Lex im Preview vor). Allerdings tritt Amazon mit Lex spät in den Markt ein und verfügt im Gegensatz zu den Wettbewerben über keinen eigenen Messenger.
  • Mit Google Assistent hat Google einen u. A. im Google Home, dem Google-Smartphone Pixel und im neuen Messenger Allo von Google verfügbaren digitalen Assistenten entwickelt. Actions on Google ermöglicht die Entwicklung von Actions, also eigenen Anwendungen, für Google Assistant. Mit Api.ai bietet Google eine Entwicklungsplattform für Actions, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz das Verständnis natürlicher Sprache ermöglicht. Google verfügt mit Google Now über ein sprachbasiertes Benutzerinterface für Android und Chrome, und die Sprachsteuerung eigener Apps mit der Voice Actions API ermöglicht.
  • IBM bietet mit dem Watson Conversation einen cloudbasierten Service zur Entwicklung von Chatbots für Messenger wie Slack und Facebook Messenger, mobile Geräte und Roboter. Die künstliche Intelligenz von Watson ermöglicht das dazu notwendige Verständnis der natürlichen Sprache. Der IBM-Messenger Connections verfügt allerdings über keine API für die Entwicklung von Chatbots.
  • Microsoft hat den digitalen Assistenten Cortana für Windows, Windows Phone und Android, Chatbot APIs für Skype und Teams, das auf dem Einsatz künstlicher Intelligenz basierende LUIS für das Verständnis natürlicher Sprache, und das Bot Framework entwickelt, das die Entwicklung von Chatbots für verschiedene Messenger und andere Services ermöglicht. Zudem hat Microsoft den in China sehr erfolgreichen Chatbot Xiaoice für den Microblogging-Service Weibu entwickelt. Ein ähnliches Vorhaben mit Tay für Twitter endete allerdings in einem Fiasko.
  • Apple, der Pionier im Bereich digitaler Assistenten, öffnet Siri mit SiriKit und seinen Messenger iMessage für die Integration eigener Apps.
  • Facebook bietet, wie oben bereits dargelegt, eine Bot-API für den Messenger an, allerdings keine für Whatsapp. Das zu Facebook gehörende Wit.ai ermöglicht die Entwicklung von Chatbots und das Verständnis natürlicher Sprache durch künstliche Intelligenz.
  • Samsung bietet mit S Voice eine ähnliche Funktion wie Siri und Google Now auf seinen Smartphones an. Mit der Akquisition von Viv in 2016 verfügt Samsung über einen digitalen Assistenten, der natürlicher Sprache durch den Einsatz künstlicher Intelligenz versteht, und will Entwicklern die Erweiterung des Funktionsumfangs durch eigene Anwendungen ermöglichen, ähnlich den Skills bei Alexa und den Actions bei Google.
  • Messenger wie Skype, Kik, Line, Snapchat, Telegram, Twilio, WeChat bieten APIs für Chatbots an, insbesondere auch der in Unternehmen eingesetzte Messenger Slack.

Entscheidend dabei ist, dass Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz inzwischen zuverlässige Spracherkennung und das Verständnis natürlicher Sprache ermöglichen. Darauf basieren moderne digitale Assistenten und Chatbots. Die zunehmende Leistungsfähigkeit spiegelt sich darin wieder, dass z.B. Google Now durch Google Assistent und bei Samsung S Voice durch Viv abgelöst werden.

Der Einstieg

Wir empfehlen CIOs, CDOs und anderen IT-Entscheidern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Chatbots und digitale Assistenten, wenn sie sich mit einem der folgenden Themen beschäftigen:

  • Aufbau neuer digitaler Geschäftsfelder
  • Digitaler Transformationsprozess
  • Automatisierung von Service- und Support-Prozessen
  • Einführung API-basierter Kollaborationsprozesse
  • Omnichannel-Kommunikation und Digital Customer Experience

Abhängig vom konkreten Use Case bietet das zunehmende Angebot an Chatbot-Plattformen und APIs vielfältige Umsetzungsmöglichkeiten, die am besten praktisch im Unternehmenskontext evaluiert werden. Dabei ist die schnelle Entwicklung dieser jungen Produkte zu berücksichtigen - das Angebot wird schnell in der Breite und Tiefe ausgebaut werden.

Weitere Analyst Views zum Thema

Dieser Analyst View ist der zweite Teil der Serie zu dem Thema Chatbots mit folgendem Aufbau:

Mehr zu den Themen Alexa Amazon API B2B Chatbots Digitale Assistenten Echo-Geräte Fire TV KI Lex Messenger

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Über den Autor:

Senior Analyst

Moritz StrubeMoritz Strube ist Senior Analyst bei Crisp Research. Er ist ein erfahrener Technology Manager und Business Developer. Zuletzt arbeitete er als CTO der Polyas GmbH in Berlin und Kassel. Er war dort verantwortlich für die Entwicklung einer Saas-Onlinewahlsoftware und für die Forschungsaktivitäten im Bereich kryptographiebasierter, sicherer Onlinewahlsysteme. Davor war er in verschiedenen leitenden Rollen und als Berater in der IT, sowie in der Finanz-, Energie- und Dienstleistungsindustrie, tätig.
Moritz Strube verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung mit technischen, wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellungen, was ihn in die Lage versetzt, mit unterschiedlichen Zielgruppen zu kommunizieren und zwischen diesen Wissen zu vermitteln. Er hat Abschlüsse als BSc Mathematik, Diplom-Volkswirt und Diplom-Kaufmann. Seine aktuellen Research- und Beratungsschwerpunkte sind Blockchain, Chatbots, Artificial Intelligence, Deep Learning, Machine Learning, Data Science und Internet of Things.