The New CEBIT – Das Analog-Event für Digitalisierungs-Begeisterte

  • Unter neu entwickeltem Konzept und Start-Up-like Branding wurde die eindeutig frischer wirkende CeBIT letzte Woche eröffnet
  • Als Schauplatz für neueste Technologien und Innovationen standen in diesem Jahr vor allem die Hot Topics AI, VR/AR, Drohnen, Mobility und Workplace 4.0 im Fokus der Messe
  • Besonders positiv waren in diesem Jahr die zahlreichen Best Practices und Use Cases der Aussteller, welche Einblicke in zukünftige Anwendungsbereiche geben konnten
  • Die neu aufgelegte und trotzdem alt-gebliebene CeBIT verpasst auch in diesem Jahr (wieder) trotz aller Bemühungen den Absprung in ein wirklich innovatives, zukunftsfähiges und ausgereiftes Messe-Format

Aus alt mach’ neu

Mit frischem Konzept, neuem Branding und neuer Webseite zeigte sich die CebIT von einer anderen Seite, sogar recht vielversprechend, um sich dem Thema Digitalisierung anzunehmen. Mit Acts wie Jan Delay und Mando Diao sollte die Messe dazu musikalisch versüßt werden und dazu beitragen, dem frischen und innovativen Stil noch mehr jugendlichen Glanz zu verleihen. Gepaart mit Ständen à la Street-Food-Festival und den gebotenen Freizeitaktivitäten wie Torwandschießen und einem Bällebad wollte die CeBIT dieses Jahr dabei vor allem bei dem jungen Publikum punkten.

Die zur Verfügung stehende CebIT App beinhaltete in diesem Jahr sogar zwei Ausführungen: Eine orthodoxe App mit allgemeiner Menüführung als auch eine Augmented Reality Beta-Version. Die AR-Version der App verfügte über on-screen Navigation, eine Übersicht der Vorträge in den jeweiligen Hallen sowie weitere interessante Facts und Features, sowie ein Punktesammelsystem, wobei man über zurückgelegte Strecken auf dem Messegelände digitale Münzen sammeln konnte. Insgesamt ein netter Zeitvertreib und definitiv eines der diesjährigen Gadgets für Technologie-affine Messebesucher.

Die diesjährige Campusaufteilung erstreckte sich über folgende Bereiche, wobei d!conomy und d!tec die Hauptausstellungslokationen darstellten. Im Bereich d!talk ging es vor allem um Vorträge und Diskussionsrunden zu neuesten Themen, während d!campus die auf dem Gelände verteilten Nebenaktivitäten beschrieb.

Ausstellungskategorien:

d!conomy - Host, Connect & Secure your Business

d!tec - Digital Business & Digital Administration

d!talk - The pioneers and lateral thinkers of digitization

d!campus - Experience and emotion out in the open

Content, Content, Content

Der Fokus der CebIT galt vor allem den Hot Topics: AI, AR & VR, Blockchain, Drones, Future Mobility, Humanoid Robots, IoT, Security und Workspace 4.0. Was aber besonders einprägsam war, waren in diesem Jahr die zahlreichen Use Cases und Best Practices, die an Kunden und Interessierte weitergegeben werden konnten. Diese Erfahrungen ermöglichten eine größere Kundenbindung und ein besseres Verständnis für die derzeitigen marktführenden Lösungen und Einsatzgebiete. 

Gerade im Bereich Future Mobility gab es jedoch wenig, was wirklich Zukunftsmusik war: Es wurden altbekannte und neu aufgesetzte Elektroautos gezeigt, E-Car-Sharing Modelle vorgestellt und auch die Deutsche Bahn konnte einen mit seinem “neuen” und “innovativen” Innenraum der Zugabteile nicht wirklich mitreißen und begeistern. Gefehlt haben hier auch viel mehr Stände und Insights zu wirklich spannenden und treibenden Themen wie distributed mobility ecosystems. Spannenderweise fehlte auch von E-Fahrrädern jede Spur, obwohl diese derzeit eine absolute Nachfrage erfahren.

Die Sparte Humanoid Robots war wie erwartet geprägt durch lustig gestimmte, chinesische Roboter, die unter anderem tanzen konnten. Leider nicht ganz so viel wurden hier technische Details oder Zukunftsszenarien vermittelt und auch der Begriff humanoid (“menschenähnlich”) entsprach eher weniger den gezeigten Ausstellungsstücken.

Besonders die Themen AI, VR & AR und Drohnen haben die diesjährige CebIT geprägt. Der Volocopter, das Flugtaxi der Zukunft, war hierbei eines der Highlights. IBM’s Astronauten-Assistent CIMON, welcher derzeit in der ISS mit Alexander Gerst im All unterwegs ist, konnte im Bereich der AI einen weiteren spannend Anlaufpunkt bieten, mit welchen Themen sich derzeit und zukünftig beschäftigt wird.

Die guten alten Zeiten

Dass die CebIT schon lange nicht mehr als Mekka der IT-Welt gilt und auch unter neuem Motto das Ziel “wirklich digital” zu sein, verfehlt hat, wurde bei Betreten des Messegeländes schnell deutlich: Eine Campus-weite WLAN-Verbindung war auch in diesem Jahr nicht gegeben. Da halfen auch die designierten Hotspots in jeder Halle nicht, die mit netten Sitzgelegenheiten im Radius der Verbindung aufgestellt wurden. Nicht nur das: Auch die Hallenübersicht vom Campus wurde wie gewohnt in Papierform überreicht und auch das Betreten wurde in erschreckend hoher Anzahl in altbekannter Papierticket-Form verübt. Individuelles Marketing suchte man hier vergebens, um Innovation zu promoten und Besucher langfristig durch frische Inhalte zu überzeugen und zu binden.

Besonders das schwindende B2B-Konzept machte doch etwas stutzig: Inhalte wurden in superficial Manier an interessierte Besucher vermittelt und insbesondere die Zunahme von kleinen Präsenten an die Besucher zeugte hier eher von einem B2C-Event. Der Spagat der CeBIT jung, frisch und innovativ zu wirken, sollte dennoch den Hauptfokus einer B2B-Messe nicht aus den Augen verlieren, um auch weiterhin wirklich informative Inhalte zu vermitteln.

Es war nicht alles schlecht

Die Brücke zwischen alt und neu zu schlagen fällt nicht immer leicht. Diese dann auch von überaltert zu innovativ zu schlagen, umso schwerer. Einigermaßen gut gelungen war die grundsätzlich stringente Storyline von dem modernen, fast verspielten Außenkonzept zu den leider recht zurückhaltenden, analog aufgestellten Ständen in den Hallen. Auch der Start-Up Gedanke der Messe ist nicht falsch, eine genaue Zielgruppe und individuelles Marketing fehlen jedoch, um der Messe das nötige Etwas zu geben. Das high-flying Kontaktmanagement stand leider den absolut innovativen und guten Inhalten gegenüber, welche hierdurch leider etwas untergegangen sind. Eine Neubetrachtung eines Formats (wie einer Messe) sollte hierbei das Ziel und zielführend für künftige Ausführungen in den kommenden Jahren sein. Besonders die WLAN-Abdeckung über ein gesamtes Messegelände hinweg wäre zumindest im Zeitalter von vernetzten Geräten ein Muss. Insgesamt wirkte die Messe trotz der Neuerungen recht alt. Aufgewertet wurde dies nur durch die ansprechenden Inhalte und informativen Stände, in denen vor allem mit Use Cases und Best Practices die Themen an den Mann gebracht werden konnten. Alles in allem müssen hier mehr Synergien zwischen dem Messe-Konzept und überholten Ständen und den absoluten high-tech Themen der Aussteller fließen, um das Format Messe langfristig attraktiv zu gestalten.

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Über den Autor:

Analyst

Michelle BaumMichelle Baum ist Analyst bei der Crisp Research AG mit Fokus auf den Themen Cloud-Computing, IT Operations, Digital Infrastructures und Data Analytics und unterstützt zudem bei Research- als auch Beratungstätigkeiten innerhalb individueller Kundenprojekte. Sie war vorher in der Transaktionsberatung bei Ernst & Young tätig und betreute u.a. Großprojekte zum Thema IT-Implementierung, Cloud-ERP-Systeme und dem Aufbau zukünftiger IT-Betriebsmodelle in der Life Science als auch Stahlindustrie. Zudem konnte Michelle Baum im Rahmen ihres dualen Studiums Erfahrungen bei IBM Deutschland im Technischen Vertrieb von Virtualisierungs- und Mirroringlösungen, sowie im Mainframe als auch Automationsbereich sammeln.
Michelle Baum hat einen Doppel-Bachelor Abschluss in Finanzwesen sowie der Informatik von der Ashford University (USA) erhalten.