CeBIT 2016 – Digitalisierung zum Anfassen

Mit mehr als 200.000 Besuchern, der Digitalisierung als Leitthema und der Salesforce World Tour behauptet sich die CeBIT als eine der internationalen Leitmessen für die digitale Transformation und Innovationen im IT-Markt.

Manchmal tut Kontinuität gut. Gerade in den sich rasant verändernden IT- und Technologiemärkten. So war das Leitthema der diesjährigen CeBIT auch in diesem Jahr wieder die digitale Transformation. Hier haben Deutsche Messe AG und ihr CeBIT-Macher Oliver Frese den richtigen Riecher bewiesen, denn die Unternehmen stecken weltweit noch mitten in der Umsetzung ihrer verschiedenen Digitalisierungsinitiativen. Und diese sind weit gefächert und reichen von der Digitalisierung der Produktions- und Logistikprozesse bis zur Gestaltung und Vermarktung sensor- und software-basierter Produkte und Services. Und hier bot nicht nur die parallel zur CeBIT stattfindende Salesforce World Tour reichlich Beispiele und Use Cases. Auch hatten sich viele Aussteller gut vorbereitet und gegenüber dem letzten Jahr erstmals echte Projekte und Referenzen zum Vorweisen. Die diesjährige CeBIT bot somit an vielen Stellen und Ständen „Digitalisierung zum Anfassen“.

Public Cloud als Backend der Digitalisierung und Teil des IT-Mainstreams

Mit dem offiziellen Going-live der Open Telekom Cloud genannten Public Cloud-Infrastruktur wurde auf der CeBIT ein deutliches Signal Richtung CIOs und IT-Entscheider gesendet – Public Cloud-Dienste sind Teil des IT-Mainstreams und werden in den kommenden Jahren einen signifikanten Anteil der IT-Budgets auch bei deutschen Unternehmen ausmachen. CIOs sollten sich daher schleunigst auf neue Multi- und Hybrid Cloud-Sourcingmodelle einstellen. Zudem fasst die Deutsche Telekom AG gemeinsam mit ihrer IT-Tochter T-Systems zukünftig unterschiedliche Cloud-Plattformen ihrer Partner VMware, Cisco, Microsoft und Huawei unter einem ganzheitlichen Portal zusammen. Dies bringt gerade für Cloud-Einsteiger mehr Überblick beim Auswahl geeigneter Cloud-Plattformen und –Dienste. So wird auch Microsofts Azure Plattform zukünftig aus dem deutschen Telekom-Rechenzentrum in Magdeburg-Biere verfügbar sein und sich für Kunden somit neue Cloud-Sourcing Optionen auftun.

Aber auch Vodafone hat sein Cloud- und Hosting-Angebot in den vergangenen 12 Monaten deutlich ausgebaut und auf der CeBIT ein Portfolio an Public und Hybrid-IaaS Services präsentiert. Dabei verfügt Vodafone mit eShelter in Frankfurt nicht nur über einen guten RZ-Standort in Deutschland, sondern über eine weltweite RZ- und Netzwerkinfrastruktur, die auch für die Vermarktung über Partner attraktiv ist. In Kooperation mit dem Partner Virtuestream werden IaaS-Plattformen speziell für den Betrieb von Enterprise- und SAP-Workloads bereitgestellt.

Dass Public Cloud jetzt IT-Mainstream wird, hat auch die erneute Präsenz von AWS auf der CeBIT gezeigt. Ebenso deutlich war zu erkennen, dass Huawei als weltweiter IT-Infrastruktur und Cloud-Ausrüster weiter an Macht gewinnt. Dies zeigen nicht nur die Umsatzzahlen und Kooperationen mit Deutsche Telekom & Co, sondern auch der diesjährige CeBIT-Stand. Dass Bosch parallel zur CeBIT seine eigene IoT-Cloud angekündigt hat, wird dem IaaS-Markt in den kommenden Jahren weitere Dynamik verleihen.

Herkulesaufgabe - Digitalisierung im Mittelstand

Nachdem sich mittlerweile viele Konzerne auf den Digitalisierungspfad begeben haben und fröhlich Digital Labs aufbauen und Cloud-Dienste nutzen, stellt sich die Digitalisierung im Mittelstand immer noch als Herkulesaufgabe dar. Auf der CeBIT machten sich vor allem die Deutsche Telekom und Salesforce auf, den Mittelstand mit neuen Angeboten und Einsteigerpaketen von den Chancen der Digitalisierung zu überzeugen. Während bei Salesforce überzeugende Use Cases aus den Bereichen Vertrieb und Service präsentiert wurden, bot die Deutsche Telekom handfeste Einstiegspakete von der Tablet/Office-Kombination bis zur Alarmanlage-as-a-Service. Die Modernisierung verstaubter Telefonanlagen und Einführung moderner Collaboration Services treibt derzeit die ATOS-Tochter Unify mit ihrer Circuit-Plattform voran. Diese bietet auf Basis des offenen Web-RTC-Standards eine Reihe von frei kombinierbaren Services für Teamarbeit und Kommunikation, die als Webservice auch von Partnern und Entwicklern in andere Cloud-Dienste leicht integriert werden können.

Die voranschreitende Integration der unterschiedlichen Cloud- und IoT-Plattformen, wird vor allem den Mittelstandsfirmen in den kommenden Jahren zu Gute kommen, denn diese haben derzeit noch nicht die notwendigen Erfahrungen und Skills, die komplexen Plattformen und Dienste eigenständig miteinander zu verbinden. Ein attraktives Feld für Beratungs- und Integrationsdienstleister, von denen viele als Partner von Salesforce, Microsoft und Deutsche Telekom auf der CeBIT vertreten waren.

Parallel zur CeBIT hat auch Facebook eine Kampagne mit dem Titel „Digital Durchstarten“ an den Start gebracht, um dem Mittelstand den Weg in die Digitalisierung zu erleichtern. Mittelständische Unternehmer und IT-Entscheider werden in den nächsten Jahren wohl noch stärker umgarnt werden.

IoT aber wie? – Vom Prototypen zum Product Lifecycle Management

Das Internet der Dinge (IoT) stand auch in diesem Jahr wieder im Fokus vieler Aussteller. Im Unterschied zur letztjährigen CeBIT konnten diesmal viele Anbieter auch erste Kunden und Use Cases ihrer IoT-Plattformen und Lösungen präsentieren. Interessant waren sicherlich die Neuerungen der Salesforce IoT Cloud, die um die Event Processing Engine „Thunder“ erweitert wurde sowie die Microsoft IoT Suite, die basierend auf Azure eine Vielzahl neuer Services für das Processing und die Analyse von Sensor- und Logdaten enthält (z.B. Azure Machine Learning Services). Aber auch auf dem IBM-Stand gab es Interessantes und Handfestes zu sehen. So zeigten auf diverse Startup-Partner ihre Leistungen und Use Cases auf Basis von IBM Bluemix. Die österreichische Firma Icosense beispielsweise konnte mit einem IoT-Prototyping-Ansatz überzeugen, der Kunden zu festem Preise IoT-Lösungen als Prototypen konzipiert, die mittels verschiedener Tools, wie z.B. Node.Red realisiert werden. Visualisierungs-Spezialist Tableau zeigte in Halle 5 wie sich auch große Mengen an Sensor- und Logdaten analysieren und managementgerecht aufbereiten lassen und wie Unternehmen eine echte Datenkultur etablieren können.

Zukünftig wird es für viele Unternehmen allerdings darum gehen, aus ersten IoT-Prototypen marktfähige Produkte zu machen und diese im Rahmen eines professionellen Product Lifecycle Management kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diese Entwicklung spiegelt sich beispielsweise im Portfolio von PTC, die nach der Akquise des IoT-Plattform-Anbieters ThingWorks und des Machine Learning-Spezialisten Coldlight nun über ein durchgängiges IoT-Portfolio verfügen, mit dem Anwender komplette Produktentwicklungs- und Prozessketten abdecken können.

CeBIT 2017 – Machine Learning, Echtzeit und IoT als Leitthemen

Die CeBIT war mit der Re-Fokussierung auf Business- und IT-Entscheider in 2016 sicher ein Erfolg für viele Aussteller  und Besucher. In der Vielfalt der Themen gingen einige neue Technologien noch unter, die im kommenden Jahr sicher noch mehr Platz einnehmen werden. Aus Perspektive von Crisp Research wird der Einsatz von Machine Learning und anderen Verfahren der künstlichen Intelligenz einen immensen Einfluss auf die Ausgestaltung digitaler Produkte, als auch der IT- und Rechenzentrumsstrategien haben. Wer kürzlich die Konferenz der Open Compute Allianz in Palo Alto verfolgt hat, weiß wovon die Rede ist.

Auch die Datenverarbeitung in Echtzeit wird in den nächsten Jahren und somit auf der kommenden CeBIT noch mehr Aufmerksamkeit erfahren. Anbieter wie die Software AG setzen hier heute schon ihre Schwerpunkte. Die Präsenz von Salesforce und AWS hat gezeigt, dass auch das Digitale das Analoge braucht. Denn der persönliche Kundenkontakt ist in einer komplexen Welt durch nichts zu ersetzen. Mit einer Baumpflanzaktion im Rahmen der „Plant for the Planet“-Initiative hat Salesforce auf der CeBIT nicht nur an das Business, sondern auch an die Umwelt gedacht – eine gute Idee!

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Über den Autor:

Senior Analyst & CEO

Carlo VeltenDr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior Analyst bei der TechConsult und dort für die Themen Open Source und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.