Business Process Management 2.0 – Process Mining – Anbieterlandschaft im Wandel

  • Business Process Management 2.0 – automatisierte Unterstützung durch Process Mining Software
  • Auf diese Features sollten Sie bei einer Process Mining Software achten
  • Überblick über aktuelle Anbieter
  • Diese Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden

Überblick Process Mining

Wenn wir über die Digitale Transformation sprechen, geht es oftmals um die Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen. Daneben muss die Digitalisierung künftig aber auch dazu beitragen, dass vorhandene Unternehmensprozesse, verschlankt, optimiert und adaptiert werden. Um zunächst einen Überblick über den IST-Zustand der jeweiligen Prozesse  zu erhalten, gibt es schon recht lange Business Process Management (BPM) Software. Um den Anforderungen der immer schneller voranschreitenden Veränderung gerecht zu werden, nutzen findige Softwareentwickler aktuelle Technologien wie Machine Learning und Künstliche Intelligenz um eine BPM-2.0-Software zu erstellen. Hier spricht man von “Process Mining”.

Process Mining ermöglicht es Geschäftsprozesse (teil-) automatisiert zu verbessern. Die Basis hierfür bildet die automatisierte Rekonstruktion und Auswertung von IT-Systemen.

Process Mining Software bedient sich diverser Schnittstellen an IT-Systemen um die Daten der ausgeführten Schritte abzugreifen. Anschließend werden diese dann visuell dargestellt, so dass man auf den ersten Blick sieht, wie ein Prozess abläuft.

Anschließend werden diese Daten durch die Software ausgewertet und auf Basis einzelner Prozessschritte die KPIs dargestellt und Engpässe aufgezeigt. Durch die glasklare Visualisierung der Schwachstellen eines Prozesses können Prozessmanager direkt Optimierungspotential erkennen. Nicht zu vergessen: dies geschieht in der Regel alles in Real-time.

Einige Process Mining Anbieter gehen noch einen Schritt weiter: Sie bieten an, dass Optimierungsoptionen vor der tatsächlichen Implementierung in den echten Prozess innerhalb der Software simuliert werden können.

Nachdem Prozessveränderungen durchgeführt wurden, bieten alle Lösungen die Option, den “alten” Prozess mit dem “neuen” Prozess in Echtzeit miteinander zu vergleichen. So sehen Prozessverantwortliche direkt die Erfolge einer Optimierung.

Auswahlkriterien für Process Mining Software

Im Rahmen der Digitalisierung haben sich die Anforderungen an BPM-Software verändert und weiterentwickelt: Cloud Dienste, Künstliche Intelligenz und eine Vielzahl neuer Datenquellen müssen im Rahmen der BPM-Strategie und Provider Auswahl berücksichtigt werden. Folgende Kriterien sollte eine moderne Process Mining Software erfüllen:

  • Ein benutzerfreundliches User-Interface
  • Integration mit gängigen ERP-, CRM- und anderen State-of-the-Art Softwareprogrammen (z.B. Buchhaltungs- / Finanzverwaltungssoftware, Support-Software, E-Mail), um die automatische Verarbeitung von Log-Files zu ermöglichen
  • Unterstützung für Datenaufbereitung, Datenbereinigung und automatisiertes Event-Tagging zum Analysieren von Log-Files von nicht unterstützten Softwaremodulen
  • Flexible Echtzeit-Dashboards mit Unterstützung für Key Performance Indicators (KPIs)
  • Automatisierte Erstellung von Prozesslandkarten
  • Analysefunktionen zur Hervorhebung von kritischen / ineffizienten Prozessschritten
  • Unterstützung von mobilen Ansichten
  • Möglichkeit, Customer Journey Maps auf internen Prozessen abzubilden
  • Predictive Analytics / Machine Learning-Funktionen zum Identifizieren von Entscheidungsregeln aus Log-Files
  • Automatisierte Vorschläge zur Prozessoptimierung
  • Predictive / Prescriptive Analytics-Funktionen für Simulationen

Übersicht Process Mining Software Anbieter

Nach unserer Analyse im Bezug auf die o.g. Kriterien sind die folgenden Anbieter relevant, da sie die (meisten) Anforderungen erfüllen. Deutlich zu sehen ist, dass es in dem Marktsegment der Process Mining Anbieter eine Vielzahl neuer Technologieanbieter gibt. Dies deutet auf einen Generationenwechsel hin, da nur wenige BPM-Software-Platzhirsche sich bisher mit dem Thema Process Mining beschäftigen. Beobachtet man aber die traditionellen BPM-Anbieter genauer, scheinen gerade einige noch die Kurve zu kriegen und bewegen sich langfristig auch zum Thema Process Mining hin.

  • Celonis
    Die Celonis SE wurde 2011 gegründet. Der Hauptsitz ist München mit mehreren Standorten in den USA, Japan und Europa die über 500 Mitarbeiter beschäftigen. Die Hauptinvestoren sind ACCEL und 83North. Die Lösung Celonis Intelligent Business Cloud verarbeitet für Tausende von Nutzern täglich mehr als 10 Milliarden Datensätze. Celonis liefert proaktive Empfehlungen für Verbesserungen und die Machine Learning Workbench integriert Python-Vorhersagemodelle direkt in die Plattform.
  • Minit
    Minit entstand 2013 aus der GRADIENT ECM in Kooperation mit der STU - Slovak University of Technology in Bratislava. Der Hauptsitz ist in der Slowakischen Republik in Bratislava mit weiteren Niederlassungen in den USA, Niederlanden und UK. In 2019 gab es eine Serie-A-Finanzierung über 7 Millionen Euro durch die Investoren Target Global, Salesforce Ventures, Earlybird, and OTB Ventures. Im gleichen Jahr ging Minit eine Partnerschaft mit der führenden Data Analytics Plattform Qlik ein. Besonders fällt bei Minit die sehr gelungene Benutzeroberfläche und Darstellung der Dashboards auf.
  • Signavio
    2006 entstand der erste Prototyp der Software durch vier Studenten des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam und 2009 das Unternehmen Signavio. Der Hauptsitz befindet sich in Berlin, dort und an weiteren Standorten in Kalifornien, Singapur, Australien, Schweiz, Frankreich und Großbritannien arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter. Die Signavio Business Transformation Suite kombiniert moderne Technologien, wie Prozess- und Entscheidungsmanagement, Process Mining und Customer Journey Mapping.
  • ARIS
    ARIS ist die Business Process Analysis Platform der Scheer GmbH, die zur Software AG gehört. Der Hauptsitz von Scheer ist in Saarbrücken. Über 15 Jahre Projekterfahrung in der Prozessoptimierung. Die Lösung ist ein Teilbereich der Scheer Process Automation Suite die eine direkte Weiterverarbeitung der analysierten Prozesse hin zu völliger Automatisierung ermöglicht.
  • LANA
    LANAlabs wurde 2016 gegründet und hat heute mehr als 30 Mitarbeiter, die ihren Sitz in Berlin haben. Es ist eine Ausgründung des Hasso-Platter-Instituts in Potsdam und Mitglied im SAP Startup Focus Programm. LANAs automatisierte Ursachenanalyse nutzt einen intelligenten Machine-Learning-Algorithmus. so werden automatisch die Kernursachen der Prozessprobleme identifiziert.
  • PAFnow
    Die Process Analytics Factory (PAF) wurde 2014 gegründet und hat aktuell mehr als 25 Mitarbeiter. Ihr Sitz ist in Darmstadt. Die Software ist auf Power BI aufgebaut, daher hat sie eine tiefe Integration von Microsoft Office 365. Aber mit mehr als 100 integrierte Anschlüsse/Konnektoren auch offen für viele weitere Softwarelösungen.
  • MPM
    MPM wird durch die MEHRWERK AG angeboten, die 2008 in Karlsruhe gegründet wurde. Neben der Top-Partnerschaft mit Qlik seit 2009 bestehen auch umfangreiche Geschäftsprozess-, SAP® & BI-Expertise. MPM wurde mit dem „ICPM 2019 Conformance Checking Contest Award“ in ausgezeichnet.
  • PROCESSGOLD
    2016 schlossen sich die beiden Firmen ProcessGold und MagnaView zusammen, die unabhängig voneinander schon seit 2009/ 2010 agierten. Im Jahr 2019 wurde die ProcessGold AG von UiPath übernommen. ProcessGold hat seinen Hauptsitz im niederländischen Eindhoven.

Diese Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden

COOs und CIOs stehen jetzt vor der Qual der Wahl bei der Auswahl eines Process Mining Anbieters. Allein in diesem Artikel sind einige Anbieter genannt. Wie wählen Sie jetzt den richtigen Anbieter aus?

Eine pauschale Antwort kann hier nicht gegeben werden.
Sie sollten sich zum Beispiel folgende Fragen stellen:

  • Möchten Sie nur mit ein europäischen Anbieter zusammen arbeiten?
  • Ist Ihnen eine herausragende Oberfläche und UX am wichtigsten?
  • Ist es Ihnen wichtig, dass die Software Prozessänderungen vorab simulieren kann, bevor die Prozessverbesserung überhaupt umgesetzt wird?
  • Benutzen Sie eine ganz bestimmte Software, die zwingend angebunden sein muss? Unterstützt dies die ausgewählte Process Mining Software?
  • Soll die Software automatisierte Vorschläge zur Prozessoptimierung ausgeben?
  • Ist es Ihnen wichtig, dass das Unternehmen unabhängig agiert oder fühlen Sie sich sicherer, wenn dahinter ein großer Investor steht?
  • Benötigen Sie alle Informationen und Darstellungen wirklich in Real-Time?

Sehr gerne unterstützen wir Sie auch bei der Auswahl des für Sie passenden Anbieters in einem Workshop.

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Über den Autor:

Consultant

Florian EisermannAls erfahrener Berater und Projektmanager unterstützt er Kunden im Rahmen der digitalen Transformation und Automation ihrer Geschäftsprozesse. Seine Beratungsschwerpunkte sind das Design und die Optimierung von IoT-Lösungen und digitalen Produkten, die Automation von industriellen Fertigungs- und digitalen Geschäftsprozessen sowie der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning im Unternehmenskontext.

Zuvor war er als Project Manager Operations bei einem führendem Konzern der Solarbranche für die Automatisierung von globalen Fertigungsprozessen verantwortlich und leitete zuletzt bei einem internationalen Laseroptik-Unternehmen Projekte in der Semiconductor-Fertigung. Als selbstständiger Berater für Social Media Marketing hat er mehrere Jahre mittelständische Unternehmen bei der digitalen Neuausrichtung ihrer Kommunikations- und Sales-Strategien unterstützt und wertvolle Erfahrungen in der konkreten Umsetzung neuer digitaler Marketing-Tools gesammelt.

Florian Eisermann hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und besitzt einen Abschluss als Diplom-Ingenieur Maschinenbau der Universität Kassel. Er ist zertifizierter Projektmanager.