AWS, Google, Microsoft – Kubernetes-Strategie Breakdown der Hyperscaler

  • Kubernetes-Services werden zu einem der wichtigsten Abgrenzungsfaktoren der Cloud Native Portfolios von AWS, Google und Microsoft.
  • AWS und Microsoft wollten ihre Portfolios nicht auf einer Google-Technologie aufbauen, nun müssen sie den Rückstand wieder aufholen.
  • Kann Google seine Vormachtstellung verteidigen oder entsteht ein Dreikampf auf Augenhöhe?

Die CloudNativeCon & KubeCon 2019 in Barcelona hat Rekorde gebrochen - erwartungsgemäß. Mit über 8.000 Teilnehmern ist sie vorerst Europas größte Open-Source-Messe. Zwischen Open Source-Startups und Cloud Native Riesen wie AWS und Google haben sich in diesem Jahr auch zahlreiche Entscheider und Entwicklungschefs aus Enterprise-Unternehmen und die Vertreter der “Old School IT” wie VMware, IBM & Co. versammelt, um die kommenden Monate der Cloud Native Computing Aktivitäten zu planen und zu diskutieren.

Mit Kubernetes stand der Shootingstar der Szene erneut im Rampenlicht. Zwar geht es auf dem Doppel-Event nicht nur um K8s, sondern auch um alle anderen Projekte und Services der Cloud Native Computing Foundation, doch auf der Container Orchestration Platform, die mittlerweile zum Enterprise-Standard gereift ist, läuft derzeit nahezu alles zusammen. Kubernetes feierte im Rahmen des Events seinen fünften Geburtstag in der Gesellschaft von Freunden und Familie. Auch Crisp Research gratuliert herzlich!

Source: Linuxfoundation  https://events.linuxfoundation.org/wp-content/uploads/2019/03/phippy-barcelona-01-1.jpg

 

Kubernetes bei den Cloud Hyperscalern - endlich unterschiedliche Voraussetzungen

Kubernetes ist nicht immer die richtige Antwort, was in der jetzigen Euphorie- und Innovationsphase (zwei Drittel planen bereits in naher Zukunft den Einsatz von K8s) oft eine schwere Lehre der Unternehmen und Development-Teams ist. Trotzdem werden die Container Plattformen ihren Siegeszug in den Unternehmen fortsetzen und als Infrastruktur-Layer zwischen IaaS und PaaS eine wichtige Rolle beim Betrieb klassischer und neuer Anwendungen spielen.

Besonders für die Public Cloud-Anbieter, allen voran AWS, Microsoft und Google, ist der Betrieb von Open Source und Container-Technologien und insbesondere Kubernetes zum Wettbewerbsfaktor geworden. Nachdem der Preiskampf längst vorüber ist und auch im Umfeld der Infrastruktur- und Plattform-Services die Abgrenzung immer schwerer fällt, werden Open Source und Kubernetes zu wesentlichen Entscheidungsfaktoren bei der Plattform- bzw. Providerauswahl.

Hier lohnt es sich für die Entscheider genauer hinzusehen. Auf allen vermeintlich kongruenten Angeboten steht irgendwie Container und Kubernetes drauf, der Blick unter die Haube zeigt aber die Unterschiede. Vom alten und rostigen Vierzylinder bis zum Hubraum- & Hybrid-Sportmotor gibt es dort ganz unterschiedliche Facetten.

Neben den Container- und Kubernetes-Angeboten von AWS, Google und Microsoft gibt es auch noch zahlreiche weitere Anbieter, wie einerseits die Konkurrenten auf der breit aufgestellten Public Cloud oder andererseits auch Cloud Native Infrastruktur- und Container-Provider. Da hierzulande die Angebote von Google, Microsoft und AWS jedoch klar favorisiert sind und einen deutlichen Vorsprung vor allen weiteren Anbietern haben, soll der Fokus der folgenden Übersicht folglich auf den Marktführern liegen.

Kubernetes @ Google

Status bis heute - Veni, Vidi, Vici

Google hat Kubernetes ursprünglich als eigenes Produkt entwickelt, das für den internen Gebrauch beim Cluster Management für Docker gedacht war und vom sogenannten Projekt Borg inspiriert wurde. Wenig später erfolgte dann die Übergabe der Lösung an die Cloud Native Computing Foundation und die Geburtsstunde des Open Source-Projektes. Seitdem ist Google als aktiver Contributor neben zahlreichen anderen Cloud Providern, Startups und Development-Teams einer der wichtigsten Förderer der Plattform. Google hat gezeigt, wie Enterprise-ready Open Source wirklich funktionieren kann und ist damit AWS und Microsoft einen Meilenstein voraus, die im Vergleich dazu viel über Open Source reden, einen solchen großen Wurf aber nie landen konnten.

Noch heute ist Kubernetes ein wesentlicher Teil der Google Cloud Platform und des gesamten Google Cloud Portfolios. Rund um die Google Kubernetes Engine (GKE) erhalten Unternehmen den derzeit wohl am besten getesteten und immer aktuellen Kubernetes Service auf einer Public Cloud Plattform. Gemeinsam mit weiteren Services wie der Google Container Registry (GCR) und Stackdriver können weitere Monitoring-Funktionen genutzt, eine CI/CD-Pipeline integriert und das Loadbalancing der Cluster optimiert werden.

Vergangenes Jahr stellte Google GKE on-prem vor, um die Services der Google Kubernetes Engine auch im unternehmenseigenen Rechenzentrum oder der Colocation zu nutzen. Damit können auch in Hybrid Cloud-Architekturen alle Instanzen vollständig mit der Google Cloud Platform und Kubernetes interagieren.

Roadmap & Erwartungen - Beweise dich

Die Conclusio der derzeitigen Situation könnte vorweggenommen in etwas überzogener Deutlichkeit lauten: “Wenn Kubernetes auf einer Public Cloud, dann bei Google.” Zumindest macht der Entwickler oder IT-Entscheider wenig falsch, wenn er sich für diese Konstellation entscheidet. Google muss nun beweisen, dass diese Vormachtstellung auch in den kommenden Monaten und Jahren noch Bestand haben kann, denn gewiss holen die Mitbewerber weiter auf.

Es ist sichergestellt, dass Kubernetes und die GKE zentrale Bestandteile des Cloud- und Enterprise-Portfolios von Google bleiben werden. Mit dem Wachstum betriebener Containern innerhalb der Unternehmenslandschaft lernen auch die SREs, welche die Managed Kubernetes Services derzeit verantworten, sicherlich noch einmal dazu.

Neben Kubernetes versucht Google derzeit zahlreiche weitere Services des Cloud Native-Ökosystems auf der eigenen Plattform zu betreiben. Da die CNCF weiterhin auf einzelne Projekte als auf eine Gesamtlösung für Kubernetes setzt, gibt es hier zahlreiche Optionen und Konstellationen für die Architektur. Google treibt derzeit den Betrieb wichtiger Services wie Istio, Knative, Forseti Security und einigen weiteren stark voran. Dabei entwickelt Google innerhalb der Projekte einzelne Module auch selbst.

Die Qualität der K8s-Services und die Update Frequenz der Cloud Native Services bringt Google in eine gute Ausgangsposition. Für die gesamte Plattform muss Google die Schlagzahl weiter hoch halten. Sobald nicht mehr Developer im Self Service die GKE maßgeblich konsumieren, sondern vermehrt auch IT-Entscheider und Plattform Owner, muss Google teilweise neue Wege gehen können.

Kubernetes @ Microsoft

Status bis heute - Lehrgeld gezahlt

Microsoft war seit 2014 eigentlich immer früh dabei, wenn es um neue Open Source und Container Trends im Cloud-Umfeld geht. Zu Beginn war insbesondere Docker als Container-Plattform für Microsoft die strategische Technologie. Mit engen Partnerschaften und eigenen Services für den Containerbetrieb war von Beginn an stets eine Lösung für den Markt verfügbar.

Der ursprüngliche Azure Container Service galt als eine der großen Zukunftshoffnungen für Microsoft. Mitsamt des Azure Kubernetes Services, der mittlerweile der neue Primus des Portfolios werden soll, sowie anderen Services wie der Azure Container Registry hat auch Microsoft ein differenziertes Container-Portfolio im Rennen.

Soviel zur Theorie.

In der Praxis ist das Container Thema auf der Azure Plattform Microsoft schon mehrmals sprichwörtlich um die Ohren geflogen. Mitunter erhebliche Schwierigkeiten innerhalb der User Experience beim Deployment und Management der Container Cluster sowie der Stabilität der gesamten Plattform sind die größten Probleme, die zahlreiche Nutzer auch öffentlich artikulieren. Obwohl mittlerweile viele Kubernetes-Experten und Entwickler bei Microsoft arbeiten, gehört das Unternehmen selbst nicht primär zu den Gründervätern von Kubernetes, ist jedoch aktiv dabei und zeigt ein klares Commitment. Dennoch hängen sie in Sachen Technologie und Innovation insbesondere Google deutlich hinterher und müssen daher auch weniger intensiv getestete Produkte im Vergleich zum Mitbewerb auf den Markt bringen, was mächtig an der Reputation des Azure-Dienstes nagt.

Was dem entgegensteht, ist eine gute Enterprise- und Support-Kompetenz sowie eine große Partnerlandschaft. Gewinnen die Partner auch an Kubernetes-Skills dazu, ist das Thema Enterprise-Readiness auf einer Dienstleistungs- und Vertragsebene bei Microsoft weiterhin führend. Beispielsweise gibt es zahlreiche Dokumentationen und Einstiegshilfen für das Deployment und enterprise-grade Architekturdesign von Kubernetes-Clustern. Das brauchen die Entscheider in der jetzigen Marktphase wirklich dringend.

Roadmap & Erwartungen - Das Lehrgeld investieren

Ein paar Beulen muss Microsoft noch kühlen, damit die langwierigen Schwellungen zurückbleiben. Eine davon ist der Azure Container Service (ACS), der von seinem Kubernetes-Pendant AKS den Rang abgelaufen bekam. Ab 2020 stellt Microsoft den Support für den ACS ein und fokussiert sich vollständig auf AKS. Das ist ein richtiger und konsequenter Schritt, damit die Kunden ein klares Bild erhalten, Microsoft die Entwicklung auf ein Produkt fokussieren kann und keinerlei Verwirrung zwischen den Service-Geschwistern aufkommen muss.

Daneben hat Microsoft viele Projekte und Dienste, die nicht nur im eigenen Ökosystem eine wichtige Rolle für den Kubernetes Betrieb spielen können. Mit dem Cloud Native Application Bundle (CNAB) hat Microsoft gemeinsam mit Docker ein Format für das Management von Distributed Apps entwickelt, was Independent Software Vendors (ISVs) unmittelbar unterstützen soll. Darüber hinaus setzt Microsoft gemeinsam mit RedHat bei KEDA (Kubernetes-based Event-Driven Autoscaling) auf den neuen Trend des Event-basierten Managements von Infrastrukturen, was nicht nur als effizienter, sondern auch als weniger fehleranfällig gilt.

Es bleibt die Frage, ob Microsoft seine Kubernetes-Strategie vollständig zu Ende denken kann. Wenn Microsoft erneut die wichtigen Teile des Puzzles bei der Strategie und Produktinnovation vergisst, wird es weiterhin schwer, sich auf diesem Wettbewerbsschauplatz durchzusetzen. Der Vorteil des guten Enterprise-Zugangs und der Einstiegshilfen in das neue Thema verschwindet immer mehr, wenn die Unternehmen “developer-minded” werden und Know-how gewinnen.

Kubernetes @ AWS

Status bis heute - Plattform-Offenheit gegen Kubernetes-Fokus

AWS bleibt an der Spitze der Public Cloud Plattformen. Als Allrounder und Marktführer ist die Amazon Cloud noch immer ganz vorne, wenn es um die Zahl der Microservices, Releases, Innovationen und Nutzer, auch im Enterprise-Umfeld, geht. Auch in Sachen Container ist AWS mit 51 Prozent aller Kubernetes Installationen, was auf der KubeCon in Barcelona von Platform9 herausgefunden wurde, mit guten Abstand vor Google (29 Prozent) und Azure (25 Prozent).

Als Allrounder muss AWS naturgemäß eine breite Technologie- und Produktwelt bieten. Das gilt auch für das eigene Container-Angebot. So setzt AWS unter den drei Hyperscalern noch am stärksten auf einen Container-Plattform-agnostischen Ansatz. Der Elastic Container Service (ECS) wird ebenso strategisch positioniert wie der Elastic Container Service for Kubernetes (oder Elastic Kubernetes Service, EKS).

Für AWS ist Kubernetes in jedem Falle eine strategisch wichtige Plattform. Allerdings wird die Produktroadmap stärker auf das Gesamtbild und die starken Serverless-Services ausgerichtet, sodass die Kunden eine ganzheitliche AWS-Architektur mit EKS-Komponenten aufbauen können. Es geht AWS somit weniger darum, möglichst viele Container-Projekte an Land zu ziehen, sondern umfangreiche Architekturen mit den Kunden auf AWS zu bauen, in denen Kubernetes und Container ein wichtiger Teil sein können. Das zeigt auch die Entwicklung von AWS Fargate als Serverless-Alternative zur klassischen EC2-IaaS-Instanz. Die Anbindung an diese und weitere Platform Services aus dem AWS-Ökosystem soll für die AWS-Kunden den Mehrwert bringen.

Das dämmt an dieser Stelle bewusst die Open Source-Optionen ein und bindet die Kunden an die eigene Plattform. Auch im Rahmen der Cloud Native Computing Foundation, in der AWS seit 2017 Mitglied ist, verhält sich AWS ein Stück weit anders als seine scharfen Konkurrenten.

AWS gehört als Contributor und Member einigen Open Source-Projekten an, eine strategische Initiative und große Würfe innerhalb der Community sind dagegen nur selten zu erkennen. AWS ist eher ein Mitglied, das neuen Projekten aufgeschlossen und konstruktiv gegenübersteht und versucht, die Graduation Prozesse kritisch aber mit dem Blick für die gesamte Cloud Native Architektur zu fördern und die Schnittstellen zur eigenen Plattform zu schaffen.

Roadmap & Erwartungen - Open Source von der Chance zur Strategie machen

Zumindest mittelfristig wird AWS auf seinen plattform-agnostischen Container-Ansatz setzen. ECS und EKS werden gemeinsam weiterentwickelt und für die Kunden im AWS-Ökosystem bereitgestellt. Die hohe Interoperabilität innerhalb der eigenen Plattform wird zu einem wichtigen Faktor, wenn die Enterprise-Kunden auf AWS ihre Architekturen in Richtung Container entwickeln.

In Sachen Open Source drängt AWS zumindest nicht darauf, seine Strategie grundlegend zu verändern. Als aktiver Contributor in Kubernetes und dem Red Hat Project etcd gemeinsam mit Google tut AWS hier das nötigste, um in der Community auch pro-aktiv dabei zu sein. Für seine eigene Plattform und die Graduation zahlreicher CNCF-Projekte ist AWS dagegen ein wichtiger Partner.

Die Vormachtstellung als größte Public Cloud-Plattform wird AWS auch in Sachen Container helfen. So werden aufgrund der Services nicht unbedingt die neuen Container und Kubernetes Cluster vorrangig auf AWS deployed (hier ist Google in der Community noch eher gesetzt), aber für AWS-Bestandskunden sind die Services hinreichend stabil und integrierbar.

Es wird spannend bleiben, ob AWS mit seinem ECS-Service auch langfristig noch erfolgreich ist oder ob auch in deren Fall die Kubernetes-Euphorie zuschlägt.

Was kommt als nächstes?

Das Rennen um die Public Cloud und ganz besonders Kubernetes Services bleibt weiterhin spannend. In einem so innovativen und offenen Wettbewerbsumfeld mit zahlreichen Einflussfaktoren können die Machtverhältnisse sich schnell ändern.

Für einen erfolgreichen Plattform-Betrieb braucht es ein gutes Consulting-Team und eine enge Begleitung der Enterprise- und IT-Teams. Die Anbieter, die hier gut “Händchen halten”, werden den Einstieg über gute Dienstleistungen finden und so auch das eine oder andere mal über technische Defizite hinweg erfolgreich sein.

Wir gehen davon aus, dass eine große M&A-Welle im Kontext Open Source, Cloud Native und Kubernetes auf die Community zukommt. Die Vorboten sind bereits vorhanden: IBM hat Red Hat gekauft, VMware den Container-Spezialisten Heptio, der übrigens von den Gründervätern des Borg- und Kubernetes-Projektes stammt.

Alle wollen zukünftig in diesen Märkten eine Rolle spielen und das Know-how dafür ist besonders gefragt. Daher werden sich gerade die großen Player mit Akquisitionen verstärken, um im Kubernetes-Game der Enterprises eine Rolle zu spielen.

Dieser Analyst View ist ein Auszug des aktuellen Analyst Reports zur Zukunft von Kubernetes auf den Public Cloud Plattformen und der Enterprise-Readiness der Container Services. Weitere Infos und die Möglichkeit zum Download finden sie hier.

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Über den Autor:

Senior Analyst & Cloud Practice Lead

Maximilian HilleMaximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.

Zuvor war er Research Manager in der „Cloud Computing & Innovation Practice“ der Experton Group AG. Maximilian Hille studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.

Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Platforms, Cloud Architecture Design, Hybrid & Multi Cloud Computing, Cloud-Native Architectures, Digital Workplace, Collaboration, Enterprise Mobility und Mobile Business. Maximilian Hille war Jurymitglied bei den Global Mobile Awards 2016, 2017 und 2018.