Auf zu neuen Ufern – re:Invent 2016: AWS verlässt die Komfortzone

Eine neue Dimension

Eine der vielen Rolltreppen auf der größten AWS re:Invent aller Zeiten. Das Wachstum der Amazon Tochter und die Rolltreppe führen beide aufwärts.

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Wie man im Übersichtsplan gut erkennen kann, dehnt sich die Veranstaltung mittlerweile auf drei große Hotels in Las Vegas aus und die Teilnehmeranzahl wurde in der Keynote mit 32.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen angegeben. Damit zeigt AWS, dass das Wachstum nicht nur bei den lokalen AWS Summits deutlich zulegt, sondern auch das Hauptevent des Jahres noch einmal deutlich an Interesse zulegen kann.

Während an der einen oder anderen Stelle zum Auftakt der Woche noch gearbeitet wird, sind der Hackathon, die Breakout Session und viele andere Veranstaltungen und Angebote bereits am Montag im vollem Gange – also bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Konferenzbeginn.

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Digitale Transformation – Auch bei AWS ein Thema!

Die Innovationskraft von AWS manifestiert sich zumeist in neuen Diensten und Features. Diese erscheinen über das Jahr verteilt und dies bereits seit 2008. Damals erweiterten 24 Services und Features das Portfolio von AWS. Seitdem hat die Anzahl der Mitarbeiter, der Niederlassungen und auch der Regionen deutlich zugenommen. Daher ist der Releasezyklus mittlerweile deutlich erhöht und das Ziel für dieses Jahr steht bei 1.000 neuen Möglichkeiten für die Kunden. Damit steigt jedoch auch die Komplexität des Angebots deutlich an und die Kunden müssen bei ihrem Weg in die Cloud versuchen, diese beherrschbar zu machen und die Innovationsgeschwindigkeit auf das eigene Unternehmen und die Anforderungen entsprechend anzupassen. Auf der Keynote waren daher auch einige Kunden und Partner mit Andy Jassy auf der Bühne und berichteten von den eigenen Herausforderungen bei der digitalen Transformation in der IT-Abteilung.

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Darunter waren auf der Kundenseite McDonalds, vertreten durch Tom Gergets (CTO), Finra vertreten durch Steve Randich (Senior Vice President & CIO) und Enel vertreten durch Fabio Veronese (Head of ICT Solution Center Infrastructure & Networks, Head of Infrastructure and Technological Services). Sie alle präsentierten Einblicke in die Herausforderungen innerhalb der eigenen Branche und den individuellen Weg hin zur eigenen digitalen Plattform als eine Grundlage für die digitale Zukunft. Dabei setzen alle referierenden Kunden stark oder sogar komplett auf AWS als den Partner für die neuen Dienste und Produkte.

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eCP Plattform von McDonnalds

Hybrid ist mehr als ein Trend – auch beim Branchenprimus

Wie viele Ergebnisse unserer Studien belegen, ist die Nutzung der reinen Public Cloud zwar noch beim einen oder anderen Kunden eine Option, jedoch kein Modell, welches die meisten in Zukunft präferieren werden. Aus diesem Grund muss auch AWS versuchen hier die Tür weiter aufzubekommen und neue Bereiche für das eigene Business zu erschließen. Da der Trend Multi Cloud sicherlich keine Option ist, bleibt also nur die Private und die Hybrid Cloud als ein neues Betätigungsfeld, um neue Kunden zu gewinnen. Diesen Schritt – in Richtung Hybrid Cloud - hat AWS bereits dieses Jahr im Oktober mit der Ankündigung der VMware Cloud auf AWS getan.

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Um diese Bemühungen noch mehr zu unterstreichen, war auch Pat Gelsinger (CEO, VMware) zusammen mit Andy Jassy auf der Bühne und diskutierte, wie die Adaption bis jetzt vorangeschritten ist. Dabei war deutlich zu spüren, wie sehr der Druck auf VMware momentan lastet. Laut Gelsinger haben große Unternehmen wie Merck, Amadeus, Sysco, McDonnalds oder auch Western Digital ein starkes Interesse an dieser neuen Option. Diese hybride Variante ist jedoch erst ab Mitte nächsten Jahres verfügbar. Man wird also sehen, ob die Pläne sich dann auch in Workloads manifestieren werden.

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Ähnlich interessant und spannend war die Ankündigung von Workday, sich nun AWS als primären Partner ausgewählt zu haben. Damit folgt Workday dem Pfad von VMware und bewegt sich weg von einer zu engen Partnerschaft mit IBM und hin zu einer sehr engen mit AWS. Für AWS eine gute Möglichkeit noch mehr Nutzer und Daten auf die eigene Plattform zu bekommen. Ebenso ist die Präsenz von unzähligen Partner und ISVs auf der re:Invent ein klares Zeichen in Richtung größerer Geschäftskunden.

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Deep Learning – endlich auch auf AWS

Mit der Ankündigung von Amazon AI bekennt sich nun auch AWS stärker zu Deep Learning Technologien. AWS folgt damit der Konkurrenz in diesem Bereich. Andere Hersteller, wie Google und Facebook, haben es bereits vorgemacht. AWS setzt dabei wieder vollkommen auf die Entwickler. Ziel ist es möglichst alle Entwickler in die Lage zu versetzen, Deep Leraning Funktionalitäten für die eigenen Dienste und Produkte einsetzen zu können, ohne zu tief in die Theorie einsteigen zu müssen. Die Demokratisierung von Deep Learning Technologien steht hier also klar im Fokus. Ein klares Bekenntnis zur Open Source Gemeinschaft gibt es bei AWS jedoch nicht so stark, wie beispielsweise bei Google mit Tensorflow. Lediglich die Zusammenarbeit an MXNet ist hier zu verzeichnen, da dies das bevorzugte Framework von AWS für Deep Learning ist. Es bleibt abzuwarten, ob der späte Einstieg hier den gewünschten Schwung bekommt. Mit Alexa (Echo und Dot) als eigenes Produkt, zeigte Amazon zumindest schon einmal, wie es gehen kann. Dennoch sind hier nur die ersten Schritte unternommen worden und man sollte abwarten, was hier noch auf der Roadmap steht, wie beispielweise eine Unterstützung von mehreren Sprachen. Dies bremste auch bereits andere Hersteller aus. Das prominenteste Beispiel ist hier sicherlich IBM Watson.

Das Zeitalter der Hardware – IoT bestimmt die Zukunft

AWS wird mehr und mehr zum Hersteller von Hardware. Während im eigenen Rechenzentrum bzw. beim Betrieb und Aufbau der eigenen Cloud sicherlich auch viel Eigenentwicklung im Spiel sein dürfte, gab es bisher wenig Hardware für Partner oder Endkunden von AWS. Dies wird sich nun ändern. Mit Amazon Greengrass wird Embedded Lambda Compute inkl. weiterer Dienste auf Intel und ARM basierte Plattformen, wie z.B. das Raspberry Pi oder Intel Edison Einzug halten. Damit eröffnet sich ein neuer Markt für Hersteller von Connected Devices und ebenso für AWS. Dies ist ein riesiger Schritt für AWS, da die eigene Komfortzone damit verlassen wird und die Dienste bis auf die Endgeräte ausgedehnt werden – Stichwort Edge Computing. Das erste Gerät diese Art stellte AWS auch gleich selbst mit der Weiterentwicklung des Snowball Angebotes vor. Snowball Edge bietet Rechenleistung und Speicherplatz (100 TB) als eine mobile Lösung an und besitzt neben Embedded Lambda auch einen S3 Endpunkt. Dies ist besonders für Windfarmen, Schiffe und weitere, von der kontinuierlichen Internetverbindung abgeschnittenen, Anwendungsfälle interessant. Die Daten können vor Ort gesammelt werden, kleinere Analysen direkt vor Ort auf dem Gerät durchgeführt werden und später dann in der Cloud genauer analysiert und archiviert werden.

Und das gab es auch noch – Evolutionen statt Revolutionen

Natürlich durfte ein Update der Compute Instanzen nicht fehlen. Daneben wurde ein neuer Elastic GPU Dienst und AWS Lightsail angekündigt. Mit Elastic GPUs für die EC2 Instanzen ist es nun möglich die Rechenleistung von Grafikkarten bei Bedarf zu nutzen. Dies erfolgt ähnlich einfach, wie das Einhängen einer EBS Festplatte. Da die Komplexität der Dienste und damit auch der Einstieg in das Cloud Computing beim Branchenführer noch weiter gestiegen ist, musste hier entsprechend gegengesteuert werden. Denn unlängst wichen Entwickler auf einfachere Angebote für das Testen und Entwickeln aus. Mit Lightsail bietet AWS nun also einen kostengünstigen Einstieg in das Cloud Portfolio und erlaubt auch die einfache Migration auf die Standardinstanzen, wenn der Produktivbetrieb aufgenommen werden soll. Für einen kleineren und spezialisierten Kundenkreis gibt es nun auch F-Instanzen, welche die Programmierung von FPGAs in der Cloud auch bei AWS ermöglichen.

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Amazon Aurora bietet nun auch eine Unterstützung und damit eine Migrationsmöglichkeit für PostgreSQL Datenbanken an. Dies stieß beim Publikum auf den vermutlich größten Zuspruch. Belegt wird dies auch von der Tatsache, dass dies der am schnellst wachsende Dienst von AWS aller Zeiten ist. Dies ist besonders Bemerkenswert, da Aurora eigentlich ein Dienst mit ziemlicher Bindung an den Hersteller ist.

Mit Amazon Athena bietet Amazon nun auch die Möglichkeit, Daten auf dem Objektspeicher S3 direkt auszuführen und dazu keinerlei Rechenleistung mehr zu benötigen. Dies ist eine großartige Idee und auch ein sehr nützlicher Dienst, jedoch folgt AWS auch hier anderen Herstellern. Beispielsweise bietet Joyent mit Manta hier bereits seit längerem eine Lösung an.

Der zweitgrößte Applaus war dem neuen Schneemobil von AWS zuzuschreiben. Sie haben richtig gelesen. Mit AWS Snowmobile ist es nun möglich riesige Datenmengen per LKW und realen Container in die Cloud zu bringen.

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Der Container kann bei AWS bestellt werden. Dieser erscheint dann am eigenen Rechenzentrum und pumpt alle Daten in den Container. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, dies kann Monate dauern, fährt der GPS unterstütze Truck zu AWS und lädt die Daten dort ab.

Fazit nach dem ersten Tag der Reinvent

Viel Evolution, wenig Revolution und eine klare Ausrichtung in Richtung Edge Computing, IoT und Hybrid Cloud. AWS versucht sich weitere Geschäftsfelder einzuverleiben. Dies geschieht jedoch nicht so revolutionär, wie man es gewohnt ist. Vielmehr ist es eine natürliche Weiterentwicklung des eigenen Portfolios. Fakt ist, dass die Partnerlandschaft sehr groß geworden ist, die klaren Bekenntnisse von Workday und VMware zu AWS helfen das Geschäft mit größeren Unternehmenskunden voranzutreiben.